Sonntag, 7. August 2022

Wagner, Wacken und La Périchole


Gestern sendete die ARD Wagners Götterdämmerung, die auch schon in drei Teilen in der Mediathek zu sehen ist. Die Inszenierung wurde vom Publikum ausgebuht. Kann ich verstehen, mir reichten schon zehn Minuten von dem fünfstündigen Spektakel. Dann spielte ich mit der Fernbedienung und landete in Wacken, das Open Air Metal Festival ist leider nicht in der Mediathek. Ich guckte mir auch zehn Minuten davon an, ist nicht meine Welt, war aber interessanter als der Bayreuther Wagner. Meine Leser wissen, dass ich nicht unbedingt ein Wagner Fan bin. Auf jeden Fall, die Leser, die die Posts Richard Wagnerbêtes noir und Bayreuth gelesen haben. Wenn Sie den Namen Richard Wagner in das kleine Suchfeld eingeben, werden Sie überrascht sein, wie häufig der Komponist in meinem Blog vorkommt.

Ich bin die Posts einmal durchgegangen und landete bei dem Post Jacques Offenbach. Ein Post, in dem ich beklagte, dass es keine DVD von der Jérôme Savary Inszenierung aus dem Jahre1999 in der Opéra Comique mit der wunderbaren Elise Caron als Périchole gäbe, die ich bei arte gesehen hatte. Aber Jahre später besaß ich doch eine DVD, das können Sie dem Post La Périchole aus dem Jahre 2017 entnehmen. Ich vergass Wagner und Wacken und begann zu suchen. Und fand, dass jemand namens Achille Pontsablé am 31.12.2019 Savarys Inszenierung bei You Tube eingestellt hatte. Man muss Monsieur Pontsablé dafür dankbar sein, dass man jetzt ✺La Chanteuse et le Dictateur bei YouTube sehen kann. Zwei Stunden und achtzehn Minuten, keine fünf Stunden wie die Götterdämmerung, aber viel, viel besser als das, was Bayreuth in diesem Jahr zu bieten hat.

Elise Caron, die in Savarys spectacle musical d’après Jacques Offenbach die Hauptrolle hatte, war keine Opernsängerin. Sie kommt eher vom Jazz, 2010 wurde sie mit den Victoires du Jazz als beste Sängerin des Jahres geehrt. Sie musste für die Périchole eine neue Stimme finden. Prends pas ta voix de bourgeoise! hatte Savary ihr gesagt, Caron orientierte sich nicht mehr an der Bourgeoisie, sondern an den Fischweibern vom Markt. Sie ist auf jeden Fall das langbeinigste Fischweib, das die Rolle der Périchole gesungen hat. Ob in diesem grünen Bikinikostüm im Absatz da oben oder im Glitzerkleid. Und sie ist ja auch wunderbar vulgär, professionelle Opernsängerinnen hätten damit Schwierigkeiten. Sie hat als Sängerin interessante Sachen gemacht. Sie hat die Gedichte von ✺Dylan Thomas gesungen, und ich finde ihre CD ✺Eurydice Bis ganz wunderbar. So hat der Abend, der mit der scheußlichen Götterdämmerung aus Bayreuth begann, doch noch etwas gebracht.

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