Samstag, 11. April 2026

Die Liebe sucht der Wälder grüne Nacht


Dies Gemälde zeigt den Dichter Ewald Christian von Kleist. Es ist auf der Rückseite beschriftet mit gemahlt für seinen Gleim von Hempel zu Berlin. Der Maler Gottfried Hempel (1720-1792) war um die Mitte des 18. Jahrhunderts in Berlin tätig. Er gehörte zum Berliner Freundeskreis Johann Wilhelm Ludwig Gleims, dessen Freunde er portraitierte. Die Bilder hängen alle im Gleimhaus in Halberstadt, das heute auch Museum der deutschen Aufklärung heißt. Auf diesem Portrait sieht Kleist fröhlich aus, aber das wird sich ändern. Eine unglückliche Liebe zu Wilhelmine von der Goltz trübte früh die natürliche Heiterkeit von Kleists Gemüt, können wir bei Wikipedia lesen. Er hat die Wilhelmine, die eine entfernte Verwandte war, natürlich bedichtet. In dem Gedicht An Wilhelminen. Im Mai 1744 können wir lesen:

Jetzt wärmt der Lenz die flockenfreie Luft;
Der Himmel kann im Bach sich wieder spiegeln.
Den Schäfer labt bereits der Blumen Duft;
Sein Wollenvieh springt auf begrasten Hügeln,
Der Wolken Naß gerann jüngsthin zu Schnee;
Jetzt blitzet es auf Büschen und auf Klee.
Es drängt der Halm sein Kronenhaupt hervor,

Und Zephyr schwebt auf den smaragdnen Wellen.
Die Wiese blüht bekränzt mit jungem Rohr;
Ihr Kleid umbrämt das Silber reiner Quellen.
Die Liebe sucht der Wälder grüne Nacht;
Der Kummer flieht, die todte Welt erwacht.

Dort schläft der Hirt beim nahen Wasserfall,
Vom sanften Arm der Schäferin umschlungen.
Die Wachtel schlügt; die holde Nachtigall
Hat dieses Paar liebreizend eingesungen.
Ach, fühlt‘ ich doch bei allgemeiner Lust
Der Freude Reiz nur auch in dieser Brust!

Nein, nein, sie flieht, sie ist mir längst entflohn;
Kein Lenz vermag mein ewig Leid zu mindern.
Ich bin der Qual, ich bin des Unglücks Sohn;
Der Tod allein kann meinen Kummer lindern.
Denn Doris bleibt zu lang von mir entfernt,
Durch die ich nur den Werth der Welt gelernt.

Als jüngst mein Blut aus tiefen Wunden drang,
Was hemmtest Du den Strom der Lebensfluthen,
Verhängniß, da ich mit dem Tode rang?
Mußt‘ ich darum mich nicht zu Tode bluten,
Damit ich mich, von schmeichelhaftem Wahn
Und Lieb‘ entfleischt, zu Tode weinen kann?

Das Blut, das er im Gedicht erwähnt, kommt nicht von einer Verwundung auf dem Schlachtfeld, es ist noch weithin bis Kunersdorf, wo der Major von Kleist sterben wird. Nein, hier haben wir es mit einer anderen Verletzung zu tun. In einer älteren Quelle können wir lesen: Es wird angeführt, daß Kleist vor seinem Eintritt in den Dienst der preußischen Waffen ein süßes Verhältniß mit einem edlen Mädchen, Wilhelmine von der Goltz im polnischen Preußen angeknüpft habe, daß er aus dem ausländischen Kriegsdienst in den vaterländischen berufen worden sei, und im Garnisondienst ein Duell für eine beleidigte Dame bestanden, das ihm eine tüchtige Armwunde zuzog. Er ist irgendwann über die Wilhelmine hinweggekommen, wie er 1757 in einem Brief schreibt: Ich ... mußte in dänischen Diensten bleiben, bis ich in preußische kam. Ich hielt mich damals sehr unglücklich, daß ich meine Wilhelmine, die wirklich sehr schön war, viel Verstand und Erziehung hatte, nicht bekommen konnte; jetzo aber, da ich alt werde, sehe ich dergleichen Dinge für Kindereien an und freue mich, daß ich ledig bin.

Dies Portrait von Gottfried Hempel, vielleicht sein bestes Gemälde, zeigt den Dichter Karl Wilhelm Ramler, der am 11. April 1798 in Berlin starb. Man hat ihn einmal den deutschen Horaz genannt, ich weiß nicht warum. Was ich von seinen Gedichten gelesen habe, fand ich langweilig. Wichtig ist er hier heute, weil er das Werk von Ewald Christian von Kleist überarbeitet und herausgegeben hat. Kritiker werfen ihm vor, dass er das Originelle in Kleists Lyrik geglättet hat. Wenn man den Gedichttext von An Wilhelminen mit der ersten Fassung vergleicht, dann merkt man das schnell. Ewald Christian von Kleist ist als Dichter nicht so berühmt geworden wie sein Großneffe Heinrich von Kleist, aber es lohnt sich, ihn zu lesen. Bei →Zeno finden sich Gedichte, aber auf dieser →Seite gibt es noch viel mehr. Wenn Sie das Werk in Buchform lesen wollen, dann empfiehlt sich das von Gerhard Wolf herausgegebene Buch Ewald Christian von Kleist: Ihn foltert Schwermut, weil er lebt.

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