Freitag, 10. April 2026

Gute Ratschläge

Heute vor 420 Jahren hat der König James I die Gründungsurkunde für die Aktiengesellschaft Virginia Company of London unterzeichnet. Im selben Jahr wird auch die Plymouth Company gegründet. Die Aktiengesellschaften gehen Pleite, die Krone übernimmt. Das ist der Beginn der Kolonisierung von Amerika. James I hat Sir Walter Raleigh, der Virginia gründete, hinrichten lassen. Er hat auch viele andere Dinge getan. Er hat auch eine Bibelübersetzung in Auftrag gegeben, deren Ergebnis immer noch seinen Namen trägt. 

Literaturwissenschaftler glauben gerne, dass die King James Version die gesamte Entwicklung der englischen Literatur beeinflusst hat. Der schöne Satz, dass Hemingways Stil die King James Version plus der Western Union Telegrammstil sei, hat sicherlich seine Berechtigung. Sicher wird man englische Dichter in der Zeit zwischen 1550 und 1700 (man denke nur an Milton) nicht verstehen können, wenn man keinerlei Bibelkenntnisse hat. Aber man kann sie auch nicht verstehen, wenn man keine Kenntnisse der klassischen Literatur, sprich Vergil oder Ovid, hat und die griechische Mythologie nicht kennt. Die englischen Bibelübersetzungen sind nur einer der Faktoren, der jetzt im elisabethanischen Zeitalter Sprache und Literatur prägt. Sicherlich nicht der geringste.

Zur Literatur des elisabethanischen Zeitalters gehört auch James I, er schreibt Sonette. Das ist damals die beliebteste Form der Dichtung, Sir Philip Sidney Michael Drayton und William Shakespeare haben gezeigt, wie man das macht. Alles schön im Blankvers. Und James hält sich an die Vorgaben, wenn er 1599 ein Sonett für seinen Sohn Henry schreibt: 

God giues not Kings the stile of Gods in vaine,
For on his Throne his Scepter doe they swey:
And as their subjects ought them to obey,
So Kings should feare and serue their God againe
If then ye would enjoy a happie raigne,
Obserue the Statutes of your heauenly King,
And from his Law, make all your Lawes to spring:
Since his Lieutenant here ye should remain,
Reward the iust, be stedfast, true, and plaine,
Represse the proud, maintayning aye the right,
Walke alwayes so, as euer in His sight,
Who guardes the godly, plaguing the prophane:
And so ye shall in Princely vertues shine,
Resembling right your mightie King Diuine.

God gives not Kings the style of gods in vain,
For on his Throne his Sceptre they hold sway
And as their subjects ought them to obey,
So Kings should fear and serve their God again
If then you would enjoy a happy reign,
Observe the Statutes of your heavenly King,
And from his Law, make all your Laws to spring.
Since his Lieutenant here you should remain,
Reward the just, be steadfast, true and plain,
Repress the proud, maintaining all the right,
Walk always so, as ever in his sight,
Who guards the godly, plaguing the profane.
And so you shall in Princely virtues shine,
Resembling right your mighty King Divine.

Das ist einmal die originale Version und einmal die Fassung im heutigen Englisch. In diesem Sonett über das Gottesgnadentum gibt ein König dem Kronprinzen die Weisheiten mit, wie er zu regieren habe. Henry wird keinen Gebrauch davon machen können, weil er niemals König wird, er stirbt schon 1612. Man weiß nicht, ob sein jüngerer Bruder Charles dies Sonett kannte. Hätte er sich an die guten Ratschläge gehalten, wäre er vielleicht nicht geköpft worden.

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