Besuch beim Anti-Trump titelte die Süddeutsche im Januar dieses Jahres. Und schrieb: Nach einer finsteren Woche hilft ein Blick zurück in die US-Geschichte: Benjamin Franklin liebte die Pressefreiheit, Wissenschaft und Literatur. Was ist heute noch übrig vom Geist des Gründervaters? Ja, das ist die Frage, größere Gegensätze als den Diplomaten Franklin und den Barbaren im Weißen Haus gibt es wohl kaum. Auf dem Hundertdollarschein, auf dem Franklin noch prangt, möchte Donald Trump gerne sein Gesicht sehen. Ich wollte an Franklins Todestag das Gedicht, das Philip Freneau nach Franklins Tod schrieb, hier einstellen. Schaute aber sicherheitshalber noch einmal in die Suchfunktion des Blogs. Und da war es schon, am 17. April 2011 stand hier schon der Post Benjamin Franklin.
Der Princeton Absolvent Philip Freneau war der Dichter der amerikanischen Revolution. Seine wilde Attacke auf den englischen König stand hier schon in meinem ersten Bloggerjahr in dem Post Philip Freneau. Und Freneau wird noch in den Posts Verlierer und Conegocheague erwähnt. Neben seiner politischen Lyrik gibt es auch andere Gedichte, zwei von ihnen sind in jede Anthologie amerikanischer Lyrik gewandert. Das eine ist →The Indian Burying Ground, das schon in dem Post Edle Wilde etwähnt wird. Das andere ist The Wild Honey Suckle:
Fair flower, that dost so comely grow,
Hid in this silent, dull retreat,
Untouched thy honied blossoms blow,
Unseen thy little branches greet;
…No roving foot shall crush thee here,
…No busy hand provoke a tear.
By Nature's self in white arrayed,
She bade thee shun the vulgar eye,
And planted here the gaurdian shade,
And sent soft waters murmuring by;
…Thus quietly thy summer goes,
…Thy days declinging to repose.
Smit with those charms, that must decay,
I grieve to see your future doom;
They died—nor were those flowers more gay,
The flowers that did in Eden bloom;
…Unpitying frosts, and Autumn's power
…Shall leave no vestige of this flower.
From morning suns and evenign dews
At first thy little being came:
If nothing once, you nothing lose,
For when you die you are the same;
…The space between, is but an hour,
…The frail duration of a flower.
Es ist keine Rose, Tulpe oder Narzisse, deren Schönheit und Vergänglichkeit die Aufmerksamkeit des Dichters auf sich zieht. Keine Blume, die Dichter sonst in ihre Gedichte schreiben. Es ist eine Heckenkirsche, die bei uns manchmal auch Jelängerjelieber heißt. Die hervorragende Seite →RDL Labor, die Online Plattform zur kunsthistorischen Objektforschung (entstanden aus dem Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte), hat uns zum Vorkommen der Pflanze in Kunst und Literatur vieles zu sagen. Unter anderem den Satz: Philip Freneau schrieb 1786 mit 'The Wild Honeysuckle das bedeutendste amerikanische Naturgedicht des 18. Jh.'. Zwischen Barock, Vorromantik und Romantik liegt die Zeit des Klassizismus und der Aufklärung. Eine Zeit, die in der →Architektur interessant ist, in der Lyrik weniger. Das Standardwerk zu dieser Zeit, die Geschichte der deutschen Literatur 1740-1789: Aufklärung, Sturm und Drang, frühe Klassik, habe ich schon in dem Post Literaturgeschichte erwähnt. Aber es gibt immer Dichter, die etwas aus der Zeit fallen. Das ist bei uns in Deutschland Ewald Christian von Kleist, und das ist in Amerika Philip Freneau mit diesem Blumengedicht, das die Literaturwissenschaft heute als eins der ersten Beispiele amerikanischer Naturlyrik und als Vorläufer der Romantik betrachtet.


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