Samstag, 18. Dezember 2010

Philip Freneau


Oh! blast this Congress, blast each upstart State,
On whose commands ten thousand warriors wait;
From various climes that dire assembly came,
True to their trust, yet hostile to my fame.
'Tis these, ah! these have ruin'd half my sway,
Disgrac'd my arms, and lead my realm astray.

France aids them now; I play a desperate game,
And sunburnt Spain they say will do the same,
My armies vanquish'd, and my heroes fled,
My people murmuring, and my commerce dead.
My shatter'd navy, pelted, bruis'd, and clubb'd,
By Dutchmen bullied, and by Frenchmen drubb'd.

My name abborr'd, my nation in disgrace,
What should I do in such a mournful case ?
My hopes and joys are vanish'd, with my coin,
My ruined army, and my lost Burgoyne !
What shall I do, confess my labors vain,
Or whet my tusks, and to the charge again ?

But where's my force, my choicest troops are fled,
Some thousands crippled, and a myriad dead;
If I were owned the stoutest of mankind,
And hell with all her rage inspired my mind;
Could I at once with France and Spain contend,
And fight the rebels on the world's green end ?

Yet rogues and savage tribes I must employ,
And what I cannot conquer, will destroy.
Is there a robber close in Newgate hemm'd?
Is there a cut-throat fetter'd and condemn'd ?
Haste, loyal slaves, to George's standard come,
Attend his lectures when you hear the drum.

Your chains I break, for better days prepare,
Come out, my friends, from prison and from care;
Far to the west I plan your desperate way,
There, 'tis no sin, to ravage, burn, and slay;
There, without fear, your bloody trade pursue,
And show mankind what British rage can do.

Ye daring hosts that crowd Columbia's shore,
Tremble, ye traitors ! and exult no more;
Flames I will hurl with an unceasing hand,
Till fires eternal blaze throughout your land;
And every dome and every town expires,
And traitors perish in the unfeeling fires.

But hold - though this be all my soul's desire,
Will my own towns be proof to rebel fire ?
If in revenge my raging foes should come
And burn my London - it would strike me dumb
To see my children and my queen in tears,
And these tall piles come tumbling round my ears.

Curs'd be the day when first I saw the sun,
Curs'd be the hour when I this war begun;
The fiends of darkness then inspir'd my mind,
And powers unfriendly to the human kind;
My future years I consecrate to woe,
For this great loss-my soul in tears shall flow.

To wasting grief and sullen rage a prey,
To Scotland's utmost verge I take my way;
With nature's storms eternal concert keep,
And while her billows rage as fiercely weep;
Oh ! let the earth my rugged fate bemoan,
And give at least one sympathizing groan.

Starke Worte, die der Dichter hier in dem fiktiven Selbstgespräch des englischen Königs (George the Third's Soliloquy) findet. Ein König, der die Verbrecher aus dem Gefängnis holt und sie als Soldaten nach Amerika schickt. Ganz so unrichtig sind die Übertreibungen von Freneau ja nicht. Aber dass der König nach Schottland flieht und sich ins Meer stürzt, das ist doch eher Wunschdenken. Doch diese erste Zeile: Oh! blast this Congress, das sitzt. Zuerst hatte er ja nur den General Gage in seinen satirischen Gedichten attackiert, dabei war das ein gemäßigter Mann, der durchaus Verständnis für die revolutionären Amerikaner hatte. Seine Gattin (➱Margaret Kemble) noch viel mehr. Aber dann ist Freneau, den alle als den netten Dichter von The Wild Honeysuckle kennen, immer aggressiver geworden.

Und er kann noch anders. Nachdem die Briten den jungen Kapitän auf einem ihrer gefürchteten Gefängnisschiffe eingesperrt hatten, schreibt er mit The British Prison Ship seine persönliche dichterische Kriegserklärung. But what on captives British rage can do, Another Canto, friend, shall let you know endet er Canto I. Um dann zu erklären:

The various horrors of these hulks to tell, 
These Prison Ships where pain and horror dwell, 
Where death in tenfold vengeance holds his reign, 
And injur'd ghosts, yet unaveng'd, complain ; 
This be my task ungenerous Britons, you 
Conspire to murder those you can't subdue. 
Weak as I am, I'll try my strength to-day 
And my best arrows at these hell-hounds play, 
To future years one scene of death prolong, 
And hang them up to infamy, in song. 

This be my task: Philip Freneau hat jetzt eine Aufgabe. Er wird der Dichter der amerikanischen Revolution (Washington Irving wird ihn später etwas bösartig den kläffenden Köter der Revolution nennen). Das liest heute niemand mehr, damals waren es aber willkommene Propagandaschriften.

Freneau ist noch für ein anderes Thema in der Geschichte der amerikanischen Lyrik wichtig. Er entdeckt den Indianer. Nicht den wirklichen Indianer, sozusagen einen theoretischen Indianer. Der geistert überall herum. Nachdem Rousseau den Naturzustand entdeckt hat, werden jetzt alle Wilden zu edlen Wilden. Dieser edle Wilde (noble savage oder bon sauvage) hat jetzt Konjunktur. Seumes Der Wilde wird zum meistgelesen Gedicht in dieser Zeit. Goethe nennt man in den letzten Jahren seiner Frankfurter Zeit den Huronen, und Schiller - der bestimmt nie einen Indianer gesehen hat - schreibt eine Nadowessische Totenklage. Die sich lange Zeit bei Gymnasiasten im Turnunterricht wegen ihres unfreiwillig komischen Anfangs großer Beliebtheit erfreute.

Freneau macht in seinem bekannten Gedicht The Indian Burying Ground noch etwas anderes: er verknüpft den edlen Wilden mit einem zweiten Komplex, der in der Lyrik jetzt schwer gefragt ist. Und das ist die englische graveyard poetry. Also diese Gedichte, wo englische Landpfarrer bei Anbruch der Nacht auf einem Grabstein sitzen und schwermütig über Leben und Tod nachdenken, wie Grays Elegy Written in a Country Churchyard. Ist jetzt genau so Mode wie der edle Wilde. Und unser Absolvent der Universität, die eines Tages Princeton heißen wird, vermischt jetzt in einem Geniestreich beide Komplexe miteinander. Tote Indianer sind noch edler als edle Wilde. In der Literatur kommt jetzt auch schnell das Motiv des letzten Indianers, The Last of the Mohicans zum Beispiel. In der Literatur siechen sie schon dahin, während sie in der Wirklichkeit noch quicklebendig sind. Und noch kein amerikanischer General The only good Indian is a dead Indian gesagt hat.

Der Princeton Absolvent, Journalist, Dichter und Kapitän Philip Morin Freneau ist am 18. Dezember 1832 im Alter von achtzig Jahren in einem Schneesturm erfroren. That rascal Freneau hatte Washington ihn wutentbrannt genannt, als der ehemalige poet of the revolution ihn attackiert hatte und ihm in seiner National Gazette vorgeworfen hatte, er gebärde sich wie der König von England. Das Abo von der National Gazette hat Washington sofort gekündigt, aber Freneau hat ihn weiter beliefert. Seine National Gazette ist die Plattform für Jeffersons politische Ansichten, und Jefferson wird Freneau in Schutz nehmen: he saved our Constitution which was galloping fast into monarchy. Kaum hat man den Unabhängigkeitskrieg gewonnen, kaum besitzt man eine Verfassung, da bekämpft man sich in Amerika gegenseitig. Jetzt sagt nicht nur Freneaus englischer König Oh, blast this Congress! jetzt sagen es schon Amerikaner in diesem Kampf der Federalists gegen die Republicans. Irgendwie hatte Hobbes mit dem homo homini lupus doch recht.

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