Montag, 20. April 2026

Weed Day


Ich habe nicht gewusst, dass heute der internationale Kiffertag ist, aber als ich das las, suchte ich erstmal einen kleinen Zettel. Den hatte mir vor Jahrzehnten unser amerikanischer Lektor Jack Daugherty, ein Mann mit viel Humor, am 20. April zugesteckt. Es standen nur zwei Zeilen drauf. Inzwischen weiß ich, dass diese Zeilen ein Gedichttitel und ein Gedicht sind. Und einen Dichter haben. Und das war nicht Jack, wie ich damals dachte. 

Das Gedicht hat den Titel Poem for National LSD Week, und es besteht aus einer einzigen Zeile:

Mind, how you go!

Der kleine Witz des Gedichtes liegt in dem Komma hinter dem Mind. Ohne Komma wäre es ein banaler Satz auf einem Hinweisschild, das zur Vorsicht mahnt. Der Autor des Gedichts ist Roger McGough, ein Mann, der für Wortspiele viel übrig hat. Ich habe ihn einmal bei einer Dichterlesung erlebt, er trug einen cremefarbenen Leinenanzug und las die Klassiker, mit denen er berühmt geworden war. Wie Let me die a youngman's death. Nach der Lesung habe ich ihn gefragt, ob er mir meinen alten Penguin Band von The Mersey Sound signieren könnte, ich sei ein Fan der ersten Stunde. Was er denn auch mit einem Lächeln getan hat.

Noch mehr Roger Mc Gough in den Posts: Kathedralen, Liverpool, Pilzköpfe
Noch mehr Rauschmittel in: Go ask Alice

1 Kommentar:

  1. Das extrem kurze Gedicht „Poem for National LSD Week“ mit der einzigen Zeile „Mind, how you go!“ spielt stark mit Mehrdeutigkeit und Kontext.
    Zum einen kann „Mind“ als Bewusstsein verstanden werden – passend zum Bezug auf LSD, das oft mit veränderten Wahrnehmungen und Bewusstseinszuständen assoziiert wird. Die Zeile wirkt dann wie ein erstaunter oder bewundernder Ausruf darüber, wie weit oder wie ungewöhnlich sich der Geist „bewegt“.

    Zum anderen kann „Mind“ auch als Aufforderung gelesen werden („Achte darauf!“ oder „Pass auf!“). In dieser Lesart schwingt eine gewisse Warnung mit: Der Trip des Geistes kann faszinierend, aber auch riskant sein.
    Gerade durch seine Kürze verdichtet das Gedicht beides zugleich:

    * Staunen über die Möglichkeiten des Geistes
    * und ein leiser Hinweis auf Kontrolle oder Vorsicht

    Die Wirkung entsteht also weniger durch Inhalt im klassischen Sinn als durch sprachliches Spiel und offenen Interpretationsraum – typisch für experimentelle, teilweise auch humorvolle Lyrik.

    AntwortenLöschen