Montag, 14. Februar 2011

Dick Francis


Hunde mögen mich. Pferde nicht. Ich mag auch keine Pferde, aber trotzdem habe ich Dick Francis immer gerne gelesen. An den möchte ich an seinem ersten Todestag doch einmal erinnern. Dick Francis ist Jockey gewesen, er hat die Pferde von Queen Mum geritten. Er hätte beinahe einmal das Grand National Rennen in Aintree gewonnen, wenn sich sein Pferd Devon Loch nicht fünfzig Meter vor dem Ziel auf den Boden gelegt hätte. Platsch! To do a Devon Loch ist inzwischen schon in die Sprache der Sportreporter gewandert. Ich habe das Unglück damals in der Wochenschau gesehen, das sah sehr komisch aus. Man kann es heute immer noch auf ➱You Tube sehen (in der Kurz- oder Langfassung). Man hat das Pferd aber nicht gleich erschossen, und die Queen Mum hat ungerührt über ihr Pferd gesagt Oh, that's racing. Und wahrscheinlich einen ihrer berühmten Pink Gins geschlürft. Wenn man die Dinge so nimmt, wird man über hundert Jahre alt.

Ganz so alt ist der Jockey von Queen Mum nicht geworden, er hat knapp den neunzigsten Geburtstag verfehlt.  Er hat die letzten Jahrzehnte in der Karibik gewohnt, da wo es Millionäre im Alter hinzieht, die dann babyblaue oder babyrosa Klamotten und Golduhren tragen. Nach einem schweren Sturz ein Jahr nach dem Grand National hatte er als Jockey aufgehört und hat seine Autobiographie The Sport of Queens geschrieben. Damals hatte er über 350 Rennen gewonnen und war 1953-54 Champion Jockey gewesen. 1957 wurde er Korrespondent beim Sunday Express und blieb das für die nächsten 16 Jahre. Obgleich er da längst andere Dinge schrieb.

Nämlich Krimis. Wenn die Engländer eins lieben, dann sind es Krimis, schließlich haben sie diese literarische Gattung erfunden. Und dann lieben sie natürlich Pferde und Pferderennen. Und die Royals. Wenn dann ein Jockey von Queen Mum anfängt, Krimis über Pferderennen zu schreiben, dann kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Da könnte er als Autor so schlecht sein wie Jeffrey Archer, die Leute würden es kaufen. Er ist aber nicht so schlecht wie Jeffrey Archer, er ist erstaunlich gut.

Oder seine Frau Mary. Die hatte sogar studiert. Er war mit 15 von der Schule, um Jockey zu werden. War mit zwanzig in der Royal Air Force und hat seine Vorgesetzten solange genervt, bis sie ihn zur Pilotenausbildung zugelassen haben und er zu Kriegsende noch Pilot Officer wurde. Normalerweise war das ja etwas für Gentlemen mit Public School Hintergrund. Aber der kleine Waliser hat sich durchgebissen. Dass in Wirklichkeit seine Frau Mary seine Romane geschrieben hätte, hat Graham Lord in seinem Buch Dick Francis: A racing life behauptet. Das Ehepaar hat vornehm dazu geschwiegen. Graham Lord ist beim Sunday Express und schreibt nebenbei Biographien. Seine Biographie über Joan Collins ist bei Amazon Marketplace für 1 Cent erhältlich. Die Dick Francis Biographie auch. Das zeugt nicht gerade von großer Begeisterung der Leser.

Dick Francis hatte nie wirklich ein Geheimnis daraus gemacht, dass die Romane eine Gemeinschaftsarbeit waren. Er machte die Recherche, Mary gab dem Ganzen den literarischen touch. Sie wollte ihren Namen aber nicht auf dem Buchdeckel haben, obgleich ihr Mann ihr das häufig genug angeboten hatte, seit Dead Cert 1962 erschienen war. Von da an haben die beiden bis zu Marys Tod (danach hat sein Sohn mitgearbeitet) beinahe jedes Jahr einen Krimi geschrieben. Seinen ersten Roman hat Dick Francis natürlich Queen Mum überreicht, die bekam bis zu ihrem Tod immer ein signiertes Exemplar vom Autor. Ich nehme mal an, dass die Pferdenarren Elizabeth und Philip auch seine Romane gelesen haben, denn bei seinem Tod ließ der Buckingham Palast verlauten, dass auch die Königin den Tod von Dick Francis betrauere.

Für den deutschen Markt hatte sich Daniel Keel vom Diogenes Verlag 1990 die Rechte gesichert. Der erste Roman war Unbestechlich, die anderen erschienen dann in rascher Folge. 1993 waren es allein sieben Titel, und 1996 hatte man alles von 1962 bis 1996 im Programm. Damit steht Dick Francis neben Georges Simenon und ➱Eric Ambler fest mit seinem Gesamtwerk im Diogenes Programm. Die Romane von Dick Francis sind vielleicht nichts für den verwöhnten Intellektuellen, der ➱Michael Innes oder Edmund Crispin bevorzugt, aber es lohnt sich trotzdem sie zu lesen. Auch wenn man keine Pferde mag.

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