Sonntag, 13. Februar 2011

Massaker


You are hereby ordered to fall upon the rebels, the McDonalds of Glenco, and put all to the sword under seventy. You are to have a special care that the old Fox and his sons doe upon no account escape your hands, you are to secure all the avenues that no man escape. This you are to putt in execution at fyve of the clock precisely; and by that time, or very shortly after it, I'll strive to be att you with a stronger party: if I doe not come to you att fyve, you are not to tarry for me, but to fall on. This is by the Kings speciall command, for the good & safety of the Country, that these miscreants be cutt off root and branch. See that this be putt in execution without feud or favour, else you may expect to be dealt with as one not true to King nor Government, nor a man fitt to carry Commissione in the Kings service. Expecting you will not faill in the fulfilling hereof, as you love your selfe, 
I subscribe these with my hand att Balicholis Feb: 12, 1692
(signed) R. Duncanson


Dieser Brief, den der schottische Captain Robert Campbell of Glenlyon von seinem Vorgesetzten, dem Major Robert Duncanson of Fassokie erhält, lässt keine Fragen offen. Es ist ein Mordauftrag, das Massaker von Glencoe. Duncanson selbst hatte einen ähnlichen Befehl von seinem Vorgesetzen, dem Oberstleutnant James Hamilton erhalten. Dieser Brief war allgemeiner gehalten, denn Duncanson war seit Tagen in den Mordplan eingeweiht. Hamilton ist der Stellvertreter von Colonel John Hill, der die englischen Truppen in Fort William kommandiert. Schweren Herzens hatte der den Mordbefehl unterschrieben: to march straight to Glencoe, and there put in due executions the orders you have received from the Commander-in-Chief. Denn der Befehl kommt von ganz oben, nicht nur von dem Commander-in-Chief, sondern von Sir John Dalrymple. Und der König hat ihn unterschrieben. William III ist jetzt auch König von Schottland, er will seinen Willen gegen die aufsässigen Clan Chiefs durchsetzen, die immer noch seinem nach Frankreich geflohenen Vorgänger James nachtrauern.

Der alte Colonel John Hill, der einer der wenigen Ehrenmänner in dieser Geschichte ist, hat die Unterschrift immer wieder hinausgeschoben. Aber er weiß auch, dass er, der von allen Clan Chiefs respektiert wird, der Regierung in London längst verdächtig ist. Sir John Dalrymple verhandelt längst hinter seinem Rücken mit dem Oberstleutnant Hamilton. Wenn er nicht unterschreibt, wird Hamilton von sich aus handeln. Die Truppen, die den Clan der MacDonalds in Glencoe umbringen sollen, sind seit Wochen bei den MacDonalds zu Gast, offiziell sind sie da, um die Steuern einzutreiben. Captain Robert Duncanson wohnt im Hause des Chiefs. Dass sie ihre Gastgeber umbringen, macht den Mord nach schottischem Recht (murder under trust) zu einem noch schlimmeren Verbrechen.

Die schottische Geschichte besteht aus Jahrhunderten von Kämpfen einzelner Clans gegeneinander, es hat in diesen Kämpfen schon ein schlimmeres Blutbad gegeben als das am 13. Februar 1692. Aber dies ist kein weiteres Kapitel aus dem Kampf der Campbells gegen die MacDonalds von Glencoe, in dem sich die MacDonalds ihren Ruf als Viehdiebe und Mörder redlich erarbeitet haben. Diese Version, die die Regierung später verbreitet überzeugt niemanden, es wird Kommissionen geben, die das Ganze untersuchen. Sir John Dalrymple wird von seinem Posten zurücktreten, wenn das schottische Parlament verkündet the killing of the Glencoe men was murder. Aber der König, den niemand anzuklagen wagt, hält seine schützende Hand über ihn. Dalrymples Günstling Hamilton wird nicht versuchen, sich auf einen Befehlsnotstand zu berufen, er wird nach Flandern fliehen. Colonel Hill wird nach nach langen Verhandlungen erreichen, dass die im Schneesturm geflohenen Überlebenden des Massakers in ihre Tal zurückkehren dürfen.

Wie kaum ein anderes Ereignis der schottischen Geschichte - mit Ausnahme der Schlacht von ➱Culloden - wird Glencoe in der nationalen Imagination lebendig bleiben. Dichter und Historiker werden über den Februartag schreiben, Sänger darüber singen. Die beste Beschreibung ist John Prebbles Glencoe aus dem Jahre 1966, man wird das Buch nicht lesen können, ohne Tränen in den Augen zu haben.

Auf den Tag genau 261 Jahre nach dem Massaker von Glencoe fällt ein französisches Gericht die Urteile in einem Prozess, in dem es auch um ein Massaker ging, das Massaker von Oradour-sur-Glane Der Hauptschuldige, der SS General Heinz Lammerding wird in absentia zum Tode verurteilt, aber die Bundesrepublik liefert ihn nicht aus. Im Internet finden sich heute noch hunderte von Seiten, die eine entstellte Version der Geschichte liefern oder die Taten der SS verherrlichen.

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