Mittwoch, 9. Februar 2011

Graf Schimmelmann


Nein, das ist jetzt nicht der Deichgraf und Schimmelreiter aus Theodor Storms Novelle, das ist der dänische Finanzminister, der Graf Ernst Heinrich von Schimmelmann. Starb heute vor 180 Jahren. Er ist das Vorbild aller Finanzminister und Bankiers. Sein Bild hängt wahrscheinlich in Wolfgang Schäubles Dienstzimmer. Schimmelmann hat den dänischen Staat ruiniert. So schrieb die Allgemeine Deutsche Biographie 1890 über ihn: Was Schimmelmann’s Finanzpolitik anbetrifft, so ist der schwerste Vorwurf-, daß er – als die bewaffnete Neutralität und nachher der Krieg die größten Anforderungen stellten – der maßlosen Vermehrung des unfundirten Papiergeldes (Bankozettel), wozu die seit 1773 königliche Bank eine allzu bequeme Handhabe bot, sich nicht widersetzte. Diese Zettelschuld stieg in den Jahren 1800–1814 von 10,5 Millionen auf 142 Mill. Thaler und verfiel am Ende einer vollständigen Entwerthung. Auch die Stiftung der Reichsbank 1813, zu deren Fundirung alles Grundeigenthum mit einer Abgabe von 6 Prozent des Werthes belegt wurde, erfuhr mit Recht bitteren Tadel.

Aus der dänischen Finanzkrise zu Anfang des Jahrhunderts ist der Vater von Sören Kierkegaard als einer der wenigen Dänen ohne größere Verluste hervorgegangen, was seinem Sohn ein angenehmes Leben als Kopenhagener Dandy ermöglichte. So katastrophal das alles ist, was er als Finanzminister anrichtet, es gibt auch einiges, was auf der Habenseite von Schimmelmann steht. Er hat Friedrich Schiller für einige Jahre eine jährliche Pension von tausend Talern gezahlt. Und er hat, obgleich Sklavenhalter, den dänischen Sklavenhandel abgeschafft. Schon 1792, da hatte er gerade vorher den dänischen Elefantenorden bekommen. Zwanzig Jahre zuvor hatte der Doktor Struensee aus Altona den Sklavenhandel schon einmal verboten. Aber dessen kurze Regentschaft, in der er alle Ziele der Aufklärung in die Tat umsetzt, endet mit der Hinrichtung vor den Toren von Kopenhagen, und all seine fortschrittlichen Gesetze werden kassiert.

Die Schimmelmanns sind mit dem Sklavenhandel reich geworden. Ich weiß nicht, ob man Schimmelmanns Vater Heinrich Karl als einen frühen global player oder nur als einen Kriminellen im großen Stil bezeichnen soll. Aber immerhin verbessert sein Sohn die Lebensbedingungen seiner Sklaven in der Karibik. Ganz aufgeben möchte er sie nicht, wenn er schon den Sklavenhandel verbietet. Die Dänen sind mit diesem Verbot die ersten, es wird noch hundert Jahre dauern, bis sich die letzten Länder (Brasilien) dazu entschliessen können.

Vater Schimmelmann, frisch zum dänischen Grafen geadelt, wird dafür sorgen, dass seine Töchter in die alte Aristokratie im damals dänischen Schleswig-Holstein einheiraten. Der reichste Mann Dänemarks oder gar ganz Europas zu sein, ist ja ganz schön. Aber wenn man nun mit den Reventlows verwandt ist und den Rantzaus ihr Schloss abkaufen kann, dann sieht der Adel vielleicht darüber weg, wie man sein Geld gemacht hat, pecunia non olet. Ernst Heinrich von Schimmelmann hatte eine Rantzau geheiratet, seine Schwester Friederike Juliane einen Reventlow. Sie wird sich nicht nur von Angelika Kaufmann malen lassen. Sie wird ihr Gut Ehmkendorf bei Kiel in einen Musenhof verwandeln, ein Weimar des Nordens hat man den Ort genannt. Das nennt man zu der Zeit auch Eutin, soviel Kultur war da  oben noch nie. Wird auch nie wieder sein. Bevor wir aber über soviel Kultur ganz rührselig werden, denken wir doch noch einen Augenblick an die dänische Staatspleite und daran dass der Reichtum der Schimmelmanns mit dem Blut der Sklaven erkauft wurde. Was böte sich da an, als mal eben Heinrich Heine Das Sklavenschiff in der Version 1 oder Version 2 zu lesen?

LiteraturtippsChristian Degn, Die Schimmelmanns im atlantischen Dreieckshandel: Gewinn und Gewissen. Wachholtz 2001 - Per Olov Enquist, Der Besuch des Leibarztes. Übersetzt von Wolfgang ButtHanser 2001.

Kommentare:

  1. Kleiner Tippfehler: 180 Jahre sind es seit dem 9.2.1831. Oder sollte ich mich jetzt gaenzlich verirrt haben? Was die volkswirtschaftliche Bewertung angeht, kenne ich mich nicht aus. Nur fällt mir am ADB-Artikel der Hinweis auf die Besteuerung des Adels (Grundbesitz) auf. List der Finanzgeschichte?

    MfG!

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  2. Thanx. Das mit den 280 Jahren ist mir natürlich peinlich, er ist zeitlich näher an uns dran. Und in Bezug auf Schimmelmanns Leistung als Finanzpolitiker bin ich natürlich bewusst polemisch. Denn man muss einbeziehen, dass die bewaffnete Neutralität, zu der sich Dänemark entschlossen hatte, zum Krieg gegen England führt und sehr viel Geld kostet.

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