Donnerstag, 14. April 2011

John Steinbeck


Heute vor 72 Jahren ist der Roman The Grapes of Wrath von John Steinbeck erschienen. Ein Jahr nach dem Erscheinen des Romans erhielt Steinbeck den Pulitzer Prize. Im gleichen Jahr wurde The Grapes of Wrath von John Ford verfilmt. Ich habe im letzten Jahr in meinem Post über ➱Gone with the Wind geschrieben:

Drei Jahre nach "Gone with the Wind" bekommt Amerika einen anderen Bestseller, der eine ganz andere Seite des amerikanischen Südens zeigt. Wo die Menschen nicht vornehm aristokratisch sind, sondern eher richtig prollig wie die Familie Joad. Der Roman heißt "The Grapes of Wrath" und er spielt in der Gegenwart, in der Welt der Okies, der Staubstürme und der Route 66. Das Buch wurde am Ende des Jahres 1939 eine halbe Million mal verkauft, war aber aus vielen Büchereien verbannt und in einigen Counties sogar verbrannt worden, wie man in Rick Wartzmans Buch "Obscene in the Extreme: The Burning and Banning of John Steinbeck's 'The Grapes of Wrath'" nachlesen kann. Einen Pulitzerpreis hat es aber (wie "Gone with the Wind") dennoch bekommen. Es sind zwei verschiedene Versionen des amerikanischen Südens, aber im Zweifelsfall zieht man doch die Welt der Nostalgie und die Welt von Tara dem harten Alltag vor.

Ich würde jetzt eigentlich ganz gerne noch den Film The Plow that Broke the Plains im Kontext mit Steinbecks epischer Beschreibung der Okies heranziehen, aber ich hebe mir das für ein anderes Mal auf. Hinweisen möchte ich allerdings auf diese ➱Seite von PBS mit der Sendung Surviving the Dustbowl, die zur Einstimmung auf das Thema sehr gut geeignet ist.

The Grapes of Wrath ist sicherlich ein großer Roman, die sieben Jahrzehnte haben ihm nicht viel anhaben können. Und das Elend, das Steinbeck beschreibt, gibt es sicher heute noch an vielen Orten der USA. Eine so kauzige Familie wie die Joads wahrscheinlich auch. Steinbeck ist nicht nur groß in der Beschreibung von menschlichen Schicksalen und großen Emotionen, er ist auch ein Meister der Landschaftsbeschreibung. Wie in den Romanen von Thomas Hardy (oder denen von Cormac McCarthy) sind bei ihm Landschaft und Romanfigur miteinander verwoben. Und er scheint ganz außergewöhnliche Kenntnisse von Geographie und Geologie zu besitzen, nicht nur von Salinas Valley, wo viele Erzählungen spielen. Es ist nicht ganz klar, was er an der Stanford Universität (an der selten aufgetaucht ist) studiert hat. Der Wikipedia Artikel sagt Englische Literatur, andere Quellen sagen Meeresbiologie. Da hat er ja dank seines Freundes Ed Rickett erstaunliche Kenntnisse, wie die Leser des Sea of Cortez Logs wissen.

Der Roman hat viel mit einem Dokumentarfilm zu tun, und es ist viel an journalistischer Recherche von Seiten Steinbecks in diesem Roman gewandert. Er hat auch die Photos der Photographen der Farm Security Administration studiert. Pare Lorentz, der mit The Plow that Broke the Plains den ersten Dokumentarfilm der Regierung gedreht hat, hat gesagt, dass Steinbeck und Dorothea Lange have done more for these tragic nomads than all the politicians of the country. Obgleich Pare Lorentz ein glühender Parteigänger von Franklin D. Roosevelt ist, will ich ihm in diesem Punkt nicht widersprechen. Denn es fehlt ja nicht an Politikern, die das Elend nicht sehen wollen, die das Ganze schlichtweg leugnen. Es gehört offensichtlich zum Wesen eines Politikers, von der wirklichen Welt nichts zu wissen.

Highway 66 is the main migrant road. 66 - the long concrete path across the country, waving gently up and down on the map, from the Mississippi to Bakersfield - over the red lands and the gray lands, twisting up into the mountains, crossing the Divide and down into the bright and terrible desert, and across the desert to the mountains again, and into the rich California valleys. 66 is the path of a people in flight, refugees from dust and shrinking ownership, from the desert's slow northward invasion, from the twisting winds that howl up out of Texas, from the floods that bring no richness to the land and steal what little richness is there. From all of these the people are in flight, and they come into 66 from the tributary side roads, from the wagon tracks and the rutted country roads. 66 is the mother road, the road of flight.

Wenn ich ehrlich bin, habe ich die Sache mit der Erstveröffentlichung von The Grapes of Wrath nur als Vorwand genommen, um Ihnen eine erstaunliche amerikanische Dichterin vorzustellen. Sie heißt Raynette Eitel und drei ihrer schmalen Gedichtbände sind in den letzten Jahren erschienen. Davor waren ihre Gedichte von Zeit zu Zeit in kleinen mehr oder weniger berühmten literarischen Magazinen und in Zeitungen erschienen. Sie hat lange gebraucht, um etwas bekannter zu werden. Ihr Gedicht Grieve, America ist berühmt geworden, weil es in einer Anthologie zum 11. September war. Mir wäre es lieber, wenn sie mit anderen Gedichten berühmt geworden wäre. Einen richtigen Verlag hat sie immer noch nicht, denn XLibris, wo ihre Gedichtbände erschienen sind, ist ein self-publishing und on-demand-printing Verlag. Das gilt in der Welt der Dichtung als nicht so fein, Faber&Faber, wo T.S. Eliot einmal war, das wäre wirklich fein. Aber vielleicht kommt das ja noch. Und vielleicht muss man sehr alt werden, um ein so bezauberndes Gedicht wie Old Poet zu schreiben:

I have reached the age
where my feet move slowly enough
for words to catch up,
skipping along in iambic pentameter.

Once I hopped over merry metaphors
rolling like marbles in front of me
so I would not fail to notice.

There was a time when rhyme
rang in my ears like a lullaby,
when alliteration clung to my tongue
like licking lime lollipops
until my lips puckered.

Now, weary words wander blithely
across my pages,
recalling passion, laughter, tears
from other years
then leaving a sort of peace.

I don’t mind that my life
is in the final couplet of a sonnet.
The first twelve lines were superb.
I expect only that the ending rhyme
will in all due time
be unique and pleasing to the ear.


Bei Amazon gibt es drei Gedichtbände von ihr aus den letzten Jahren. Der erste, Harsh Country, enthält Gedichte, die mit dem amerikanischen Südwesten (der Heimat der Dichterin) zu tun haben. Der neueste Band, Preludes to An Allelujah Chord, enthält Weihnachtsgedichte. Falls Sie noch mit dem Kauf zögern sollten, lesen Sie doch erst einmal die 32 Gedichte auf diesen Seiten. Und nach diesem kleinen Umweg, mäandere ich doch wieder zu Steinbeck zurück. Weil Raynette Eitel auch ein Gedicht mit dem Titel Steinbeck Country geschrieben hat. Das passt mir natürlich wunderbar in den Kram.

Steinbeck Country

The fields near Salinas still hold

Steinbeck’s spirit within the cold fog
wrapping row after row of curly artichokes,
workers bent as they harvest the crops.

By the Salinas river, twists of fate
fold precarious lives on a whim,
dark deeds done by night,
hope dimmed by morning fog….

He is there in the vineyards of Paso Robles
where grapes of wrath hang heavy
in waiting for hoards of pickers to come.
Not from the dustbowl as in yesteryear,
but in the same desperation, workers wind
their way from across the border to the riches
of the Salinas valley and the vineyards.

In Monterrey, Cannery Row, Steinbeck’s spirit
beckons to tourists who flock to grasp words
to their hearts like fruits ripe for picking.
Derelicts still hover by doorways in old brick buildings,
but now seem clothed in glamour
reminiscent of names like Mack and Palace.
The brothels are hotels and restaurants
and gift shops with lusty ghosts and
down-and-out, ragtag youth learning
about life and love.

Steinbeck must still walk along the fields,
smelling row on row of bold onions,
tasting strawberries like rubies,
touching leafy lettuce the color of emeralds.
He surely smiles when he spies workers
with bottled water and portable latrines
taking a break from the back-breaking work,
and nods as he hears language much the same
as when he lived and loved and wrote
all those wonderful words about his beloved Salinas.

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