Mittwoch, 20. April 2011

Max Oertz


The Yachts

contend in a sea which the land partly encloses
shielding them from the too-heavy blows
of an ungoverned ocean which when it chooses

tortures the biggest hulls, the best man knows
to pit against its beatings, and sinks them pitilessly.
Mothlike in mists, scintillant in the minute

brilliance of cloudless days, with broad bellying sails
they glide to the wind tossing green water
from their sharp prows while over them the crew crawls

ant-like, solicitously grooming them, releasing,
making fast as they turn, lean far over and having
caught the wind again, side by side, head for the mark.

In a well guarded arena of open water surrounded by
lesser and greater crafts which, sycophant, lumbering
and flittering follow them, they appear youthful, rare

as the light of a happy eye, live with the grace
of all that in the mind is fleckless, free and
naturally to be desired. Now the sea which holds them

is moody, lapping their glossy sides, as of feeling
for some slightest flaw but fails completely.
Today no race. Then the wind comes again. The yachts

move, jockeying for a start, the signal is set and they
are off. Now the waves strike at them but they are too
well made, they slip through, though they take in canvas.

Arms with hands grasping seek to clutch at the prows
Bodies thrown recklessly in the way are cut aside.
It is a sea of faces about them in agony, in despair

until the horror of the race dawns staggering the mind;
the whole sea become an entanglement of watery bodies
lost to the world bearing what they can not hold. Broken,

beaten, desolate, reaching from the dead to be taken up
they cry out, failing, failing! their cries rising
in waves skill as the skillful yachts pass over.

The Yachts ist ein berühmtes Gedicht des amerikanischen Dichters William Carlos Williams. Zuerst sieht es aus, als wollte es lediglich die Schönheit der Hochseeyachten beschreiben, aber dann bekommt es doch einen ganz anderen Ton. Die hilflos im Wasser treibenden Gestalten haben manche Interpreten an William Turners Bild The Slave Ship erinnert. Das Gedicht wurde 1935, also in der Great Depression, veröffentlicht und war vom Dichter durchaus als Sozialkritik gemeint. Wie auch aus einer handschriftlichen Notiz in der Manuskriptsammlung der Columbia University hervorgeht: ... the yachts do not sink but go on with the race while only in the imagination are they seen to founder. It is a false situation which the yachts typify with the beauty of their movements while the real situation (of the poor) is desperate while 'the skillful yachts pass over.

Williams wird bei seinen Segelbooten (die die kapitalistische Klasse symbolisieren) die Segelregatten vor Newport im Sinn gehabt haben. Die amerikanischen und englischen Millionäre haben nämlich ein neues Spielzeug, eine neue, genormte Bootsklasse der Luxusyachten, die J-Class. Die schönsten Segelyachten, die je gebaut wurden. Manche, wie die Endeavour, segeln heute noch, liebevoll restauriert. Wenn Sie wissen wollen, wie es an Bord der Shamrock aussah, die Sir Thomas Lipton gehörte, dann schauen Sie einmal in diesen kleinen Film. ➱Sir Thomas Lipton hat zwar niemals den America's Cup gewonnen, aber seine Teilnahme daran war auch gut für das Geschäft. Plötzlich kannte ganz Amerika Lipton Tea. Sir Thomas passt nicht so ganz in das Bild, das Willliam Carlos Williams von der segelnden Millionärsklasse zeichnet, er hat viele gute Werke getan und im Ersten Weltkrieg seine Yachten dem Roten Kreuz zur Verfügung gestellt.

Sie werden wahrscheinlich noch nicht von Max Oertz gehört haben, der heute vor 140 Jahre geboren wurde, aber in dem kleinen Kaff aus dem ich komme, kannte man den Namen schon. Weil man bei Abeking & Rasmussen Segelyachten gebaut hat, die Max Oertz konstruiert hatte. Max Oertz ist der erste deutsche Yachtkonstrukteur von Bedeutung gewesen. Darauf hatte die Nation gewartet. Nun brauchte man sich die Großsegler nicht mehr in England oder Amerika zu bestellen. Als einer der ersten orderte Krupp seine Germania (Deutsch vom Kiel bis zum Flaggenknopf), dann kam Wilhelm II mit seiner Meteor IV (das da links ist die Meteor 1910 in Travemünde). Über die Segelleidenschaft des Kaisers - dessen nautische Fähigkeiten sich auf das Posieren auf Deck beschränkten, er hätte wohl keinen Optimisten über die Kieler Förde segeln können - gibt es ein sehr hübsches kleines Gedicht, das ich meinen Lesern nicht vorenthalten will:

Was steigt denn da am Horizont
für´n schwarzer Rauch empor?
Es ist des Kaisers Segelyacht,
die stolze “Meteor”
Der Kaiser steht am Steuerrad,
Prinz Heinrich hält die Schot,
Und hinten hißt Prinz Adalbert
Die Flagge Schwarz-Weiß-Rot.
(Und achtern, tief in der Kombüse,
Brät Speck Victoria Louise!)
Ein Volk, dem solche Fürsten stehn,
Da hat es keine Not.
Deutschland kann niemals untergehen.
Es lebe Schwarz-Weiß-Rot.
So stehn wir an des Thrones Stufen,
Und halten ihn in Treue fest,
Und sind bereit, Hurra zu rufen,
Wo es sich irgend machen läßt.

Als das zum ersten Mal im Wilhelmshavener Offizierskasino von einem Fähnrich im Kieler Knabenanzug vorgetragen wurde, soll sich seine Majestät über die Maßen amüsiert haben. Wenig später lachte die ganze Küste. Ich nehme an, dass der Fähnrich später Kabarettist geworden ist.

Dies hier ist nicht die Meteor, das ist Ihrer Majestät Yacht Iduna. So ein ähnliches Photo hängt bei mir im Flur. Mein Freund Ekke hat mir einmal einen Abzug von einer photographischen Glasplatte aus dem 19. Jahrhundert gemacht, die er im Keller eines Abbruchhauses gefunden hatte. Damals gab es keine Computer und kein Internet, und es war nicht so leicht an Material über die kaiserlichen Yachten zu kommen. Man konnte nicht wie heute mit einem Klick alle möglichen Photos von der Iduna finden. Die Iduna hieß zuerst Yampa und war 1887 in Amerika gebaut worden (auch Wilhelms Meteor I-III kamen aus Amerika beziehungsweise aus Schottland). Der Kaiser hatte sie gekauft und soll im Jahre 1901 bei einer Regatta auf der Kieler Förde sogar am Ruder gestanden haben, dann hatte er sie seiner Gattin geschenkt. Da wurde die Iduna wohl nur noch, wie man an der Küste spöttisch sagte, bei Damenwind gesegelt. Unter diesem leicht abwertenden Begriff verstand man die Windstärke 1-2. Die seglerische Welt wird im wilhelminischen Deutschland noch vom Herrensegler beherrscht. Erst 1923 gibt es in Oevelgönne einen Verein aus der Arbeiterbewegung, der zuerst Arbeiter Segel Verein heißen sollte, dann aber doch Segelclub Tümmler Oevelgönne getauft wird.

Ich bin mit meinem Photo damals zum Kieler Yacht Club gegangen, und der pensionierte Admiral Hans-Ulrich Rösing hat das Bild sofort als die Iduna identifiziert. Wollte es auch gleich für die Sammlung des KYC ankaufen, aber ich habe es natürlich behalten.


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