Montag, 21. Mai 2012

FiDi


Dietrich Fischer-Dieskau, der am letzten Freitag starb, hat mein Leben ein halbes Jahrhundert begleitet. Seit ich seine Aufnahme von der Winterreise besaß. Im Laufe meines Lebens habe ich immer wieder Fischer-Dieskau Platten gekauft, später dann CDs. Ich will die jetzt nicht zählen, aber es ist eine ganz erkleckliche Zahl. Dinge, die ich nicht ausstehen konnte, habe ich nach einmaligem Hören verschenkt.

Und solche Aufnahmen gibt es, nicht nur für mich. Seine Erfolge waren auch immer von Kritik begleitet. Manchmal berechtigt, häufig aber nur Schmäh. Ich habe nichts getan als gesungen, hat Fischer-Dieskau in einem seiner letzten ➱Interviews gesagt. Wenn er auch seit zwanzig Jahren nicht mehr öffentlich gesungen hat, ist er doch immer bei uns gewesen. Dank der Toningenieure, die die Stimme immer wieder eingefangen haben. Diese Stimme wird uns immer erhalten bleiben. Als ich im Radio hörte, dass er gestorben sei, habe ich die Winterreise aufgelegt. Nicht die berühmte Aufnahme mit Gerald Moore, sondern die mit Klaus Billing vom 19. Januar 1948. Da hatte er sein Studium bei Hermann Weissenborn gerade wieder aufgenommen, das durch den Krieg unterbrochen worden war. Vorher hatte er vor seinen Mitgefangenen in einem amerikanischen Kriegsgefangenenlager in Italien gesungen. Jetzt sang er mit dreiundzwanzig Jahren für die Toningenieure des Rundfunks im amerikanischen Sektor, der die schöne Abkürzung RIAS hatte. Und er sang für uns. Im zerstörten Deutschland war plötzlich diese unnachahmliche Stimme da, die die deutsche Romantik zurückbrachte.

Die liebe Erde allüberall 
Blüht auf im Lenz und grünt aufs neu!
Allüberall und ewig blauen licht die Fernen!
Ewig... Ewig...

Mit diesen Worten geht Mahlers Lied von der Erde zu Ende. Ich habe es Fischer-Dieskau singen hören, an jenem Frühlingsabend im Jahre 1964, als er an der Seite von ➱Fritz Wunderlich sang. Und dieses ewig ist auch ein Wort, das zu Dietrich Fischer-Dieskau passt. Irgendwie verbinde ich das Wort ewig sowieso immer mit Musik, weil ich Anfang der sechziger Jahre die Rowohlt-Bände Ewiger Vorrat klassischer Musik auf Langspielplatten beinahe auswendig gelernt hatte. Im Musikunterricht von ➱Ernst Meissner hörte ich schon nicht mehr hin, mochte er berühmt sein wie er wollte. Der Ewigkeitsanspruch wird auch nicht an der Länge des Wikipedia Artikels bemessen, der Artikel zu ➱Andrea Bocelli ist um ein Vielfaches länger als der von Fischer-Dieskau. Aber Ewigkeit? nope! 


Am 13. August 2010 ist Dietrich Fischer-Dieskau zum ersten Mal in diesem Blog genannt worden, am 8. März 2011 zum letzten Mal. Das verrät mir mein kleines Suchfeld, weil ich längst die Übersicht über das verloren habe, was ich geschrieben habe. Ich liste einmal die Posts auf, so wie sie angezeigt werden, wenn man Fischer-Dieskau in das Suchfeld eingibt. Sie haben keinen Ewigkeitsanspruch, aber manches ist doch ganz nett zu lesen. Ich habe zum Schluss noch ein kleines ➱Tonbeispiel, es ist mein Lieblingstitel von Fischer-Dieskau, herzzerreissend schön.

silvae: Othmar Schoeck
08 März 2011
silvae: Gustav Mahler
18 Mai 2011
silvae: Lindenbäume
06 Apr. 2010
silvae: Winterreise
19 Nov. 2011
silvae: Fritz Wunderlich
26 Sept. 2010
silvae: Don Giovanni
29 Okt. 2010
silvae: Rudolf Schock
04 Sept. 2010
silvae: Mauer
13 Aug. 2010

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