Freitag, 27. März 2020

Born to be bad


In der Beschreibung des Filmes Born to be bad aus dem Jahre 1950 kann man bei der russischen Wundertüte, aus der meine Filme kommen, über die Rolle der Hauptdarstellerin Joan Fontaine lesen: Christabel Caine (Joan Fontaine) has the face of angel and the heart of a swamp rat. She'll step on anyone to get what she wants, including her own family. A master of manipulation, she covertly breaks off the engagement of her trusting cousin, Donna (Joan Leslie), to her fabulously wealthy beau, Curtis Carey (Zachary Scott). Once married to Curtis herself, Christabel continues her affair with novelist Nick Bradley (Robert Ryan), who knows she's evil, but loves her anyway.

Wenn Frauen beschriftet werden, weiß man, woran man ist. Ob sie nun das rote A für adultery tragen wie Hester Prynne in The Scarlet Letter, oder ob Born to be bad auf ihrem Rücken steht. Das Filmplakat gehört allerdings nicht zu dem Film mit Joan Fontaine, es gab 1934 schon einmal einen Film, der Born to be bad hieß. Wenn Joan Fontaine auch mit the face of angel and the heart of a swamp rat beschrieben wird, geht es in dem Film nicht um das wirklich Böse, wie der Titel vermuten lässt. Der Film ist eine Komödie. Das wirklich Böse, oder das ein klein bisschen Böse, präsentiert uns Hollywood ein Jahrzehnt früher im Film Noir in Gestalt des good-bad girl. Oder wir erkennen das Böse, das natürlich seit den Tagen der Vamps und der femmes fatales immer eine Frau ist, wenn es ein Schild trägt, auf dem I'm Evil steht.

Oder es sieht so aus wie diese badende Schönheit. Das ist eine Zeichnung von Charles Henry Dana, dem Erfinder des berühmten Gibson Girls. Ich habe das Bild schon einmal in dem Post Harry Graf Kessler gezeigt. Hier ist das Gibson Girl mal etwas anders. Böse. Born to be bad. Als ich anfing, diesen Post zu schreiben, sang bei mir gerade Lorez Alexandria Speakin' of the devil Well, here I am, may I come in? Ich fand, das passte wunderbar.

Joan Fontaine kommt nicht daher wie das teuflisch lächelnde schwimmende Gibson Girl. Sie ist am besten in romantischen Komödien und Kostümfilmen aufgehoben, die Rolle der romantischen Naiven in Liebesnöten war mit ihr immer gut besetzt. In den vierzigen Jahren war sie zweimal in anderen Filmen zu sehen: als skrupellose Mörderin in Ivy und als armes Opfer in Kiss the Blood Off My Hands. Joan Fontaine, die mit Hitchcocks Rebecca (der heute vor achtzig Jahren in die Kinos kam), berühmt wurde, hat diese Filme nicht besonders gemocht.

Ihr Lieblingsfilm der vierziger Jahre war Letter from an Unknown Woman. Der Film von Max Ophüls, für den sie von David O. Selznick ausgeliehen wurde, war bei seinem Erscheinen ein Flop, gilt heute aber als bester amerikanischer Film von Ophüls. Die Verfilmung der Novelle von Stefan Zweig wurde von einer Firma namens Rampart Productions produziert, einer  Firma, die Joan Fontaine und ihrem damaligen Gatten William Dozier gehörte. So nah wie auf diesem Pressephoto kommen sich Joan Fontaine und Louis Jourdan in der traurigen Liebesgeschichte nicht.

Das Drehbuch für den Film hatte Howard Koch geschrieben, der wenige Jahre zuvor für das Drehbuch von ✺Casablanca einen Oscar bekommen hatte. François Truffaut, der später Ophüls interviewte und beinahe Regieassistent bei Lola Montez geworden wäre, fand den Film wunderschön. Der Max Ophüls schrieb kurz vor seinem Tod: Die Rezeption in Europa war sehr gut und nun ist er einer der beliebtesten Filme im amerikanischen Fernsehen. Es ist ein sehr interessantes Phänomen: einige eher intime Filme scheitern, wenn sie im Kino gezeigt werden, aber machen sich ganz gut im Fernsehen.

In gewisser Weise war Letter from an Unknown Woman Fontaines Abschied vom Qualitätskino. Denn nun kam Born to Be Bad, der Film, den sie in ihrer Autobiographie No Bed of Roses als disastrous bezeichnete. Und hinzufügte, dass ihre Kostüme the only acceptable part of the film gewesen seien. Auf diesem Bild ist Joan Fontaine 1967 bei der Geburtstagsparty von Marlene Dietrich mit ihrer Schwester Olivia de Havilland zu sehen. Die beiden lachend auf einem Bild, das ist sehr, sehr selten, denn die beiden Engländerinnen, die seit den dreißiger Jahren Hollywood eroberten, hassten sich seit der Kindheit. Als Joan Fontaine 1978 ihre Autobiographie No Bed of Roses vorstellte (von der ihre Schwester sagte, dass die wohl besser No Shred of Truth hätte heißen sollen) erklärte sie: I got married first, got an Academy Award first, had a child first. If I die, she’ll be furious, because again I’ll have got there first!

Joan Fontaine ist als erste gestorben, sie wurde allerdings immerhin 96 Jahre alt. Ihre Schwester Olivia lebt immer noch, sie ist jetzt 103 Jahre alt. Die englische Königin hat sie vor einigen Jahren geadelt, da war Dame Olivia die älteste Lady, die diesen Titel bekam. Dieses Bild hat Olivia de Havilland nicht gerne gesehen. Es ist ein Bild aus der Fernsehreihe Feud des amerikanischen PayTV Senders FX, wir sehen hier Catherine Zeta-Jones als Olivia de Havilland. Die hat einen Prozess gegen den Sender geführt, weil ihr Verhältnis zu ihrer Schwester falsch dargestellt sei. Sie hätte nie bitch zu ihrer Schwester gesagt. Sie hat den Prozess verloren. 1942 waren beide Schwestern für den Oscar nominiert gewesen, Joan Fontaine gewann ihn für ihr Rolle in ✺Suspicion. Bei der Verleihung fielen böse Worte, bitch habe sie nie gesagt, erklärte de Havilland. Dragon Lady vielleicht.

Das born to be bad trifft vielleicht auch auf Joan Fontaine zu. Sie hasst nicht nur ihre Schwester, sie hat auch ihre Mutter gehasst. Und ihre Töchter auch, über die hat sie gesagt: You can acquire enemies. Why give birth to them? In ihren Filmen ist sie die romantische Unschuld und die elegante Lady, Leslie Halliwell schreibt etwas bösartig in seinem Filmgoer's Companion: Became typed as the shy English rose, later made efforts to play sophisticated roles. Aber so schüchtern und unschuldig sie in den Filmen wirkt, ist sie in Wirklichkeit nicht. Sie war vier Mal verheiratet und hatte zahlreiche Affairen, aber nicht mit David Niven, wie sie immer wieder betonte. Der Vater von John F. Kennedy wollte sie als Geliebte haben, aber sie lehnte lachend ab. In Suspicion verdächtigt sie ihren Ehemann Cary Grant, sie ermorden zu wollen. Der hat später gesagt, dass sie ideal für die Rolle gewesen wäre: anyone who knows me realizes that I couldn’t be married to Joan Fontaine for more than 24 hours without wanting to wring her neck.

Das bringt mich zurück zu Born to be bad. Der Regisseur Nicholas Ray verstand etwas davon, was es heißt, mit schwierigen Frauen zu leben. Er war bei den Dreharbeiten noch mit Gloria Grahame verheiratet, ließ sich aber scheiden, nachdem er sie mit seinem dreizehnjährigen Sohn im Bett ertappt hatte. Das ist doch eine Handlung für einen Film, der Born to be bad heißt.

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