Im nächsten Jahr soll es eine neue ✺Verfilmung von Wuthering Heights geben, ich weiß nicht, ob das sein muss. Wenn man die Spielfilm- und TV-Versionen des Romans addiert, kommt man sicher auf mehr als zwanzig Titel (die ✺Monty Python Version nicht mitgezählt). Ich würde nichts davon empfehlen wollen, auch den Film von ✺1939 nicht, Emily Brontës Roman lebt von der Sprache. Der Roman wird in diesem Blog schon in dem Post Sturmeshöhe besprochen. Und in dem Post Wuthering Heights gibt es einiges über die Übersetzung, die Sie auf keinen Fall lesen sollten.
Das war im letzten Jahr der letzte Absatz in dem Post die vergessene Oper, inzwischen gibt es den Film seit einer Woche im deutschen Kino. Sie können ✺"Wuthering Heights" in einer schlechten Kopie hier sehen, wenn Sie wollen. Muss aber nicht sein. Weltliteratur als Groschenroman kann man auf der →Filmkritik Seite lesen, wo auch oberflächlicher Edeltrash-Film steht. Die An- und Abführzeichen des Filmtitels hat die Regisseurin Emerald Fennell so gewollt, weil dies nur ihre Adaption sei. But the thing for me is that you can't adapt a book as dense and complicated and difficult as this book. Mit dem letzten Satz hat sie sicher Recht. Aber wenn man weiß, dass man den Roman nicht verfilmen kann, warum tut man es dann? Damit man ein paar →BDSM Szenen filmen kann?
Manche Literaturverfilmungen gehen daneben. Zum Beispiel die des Romans Die Rote von Alfred Andersch. Die Pressekonferenz in Berlin nach der Premiere des Filmes ✺Die Rote war noch nicht zu Ende, da gab es schon einen Eklat. Andersch und Käutner beschimpften sich, Ruth Leuwerik fing an zu weinen. Alfred Andersch warf dem Regisseur Helmut Käutner vor, sich bei der Verfilmung nicht im geringsten an das Drehbuch gehalten zu haben, das er angefertigt hatte. Dem Schriftsteller wurde von Regisseur und Produzent entgegnet, man habe sein Drehbuch nicht benutzen können, weil es als Drehbuch völlig unbrauchbar gewesen sei. Käutner hat später zugegeben, dass alle Schuld an dem Misserfolg bei ihm gelegen habe. Und dass Ruth Leuwerik eine Fehlbesetzung für den Film war. Das stand hier vor Jahren in dem Post Drehbücher, in dem viel über Literaturverfilmungen gesagt wird.
Häufig ist es nicht die Schuld der Regisseure, sondern die Schuld der Studios und Geldgeber, die die Treue zum Text bei der Verfilmung verhindern. John Huston hat das bei der Verfilmung von Stephen Cranes ✺The Red Badge of Courage erfahren müssen. Lillian Ross hat ein ganzes Buch über die Dreharbeiten geschrieben. Hustons Moby-Dick war ein vergeblicher Versuch, aus einem unverfilmbaren Roman einen Film zu machen. Aber in seinem letzten Film ✺The Dead. da ist John Huston ganz nah an dem Text von James Joyce.
Für manche Filme bietet es sich an, dass sie einen Erzähler im Off haben, was man wissenschaftlich extradiegetische Narration nennt. Bertrand Tavernier, der mit einer Drehbuchautorin verheiratet ist, macht davon in Un dimanche à la campagne überzeugend Gebrauch. Was ihm leicht fiel, da Pierre Bost, der Autor des Romans, eigentlich Drehbuchautor war, und der Roman Monsieur Ladmiral va bientôt mourir sich schon wie ein Drehbuch las.
Schwieriger war es für Axel Corti, der bei der Verfilmung von Radetzkymarsch neben sich mehrere Drehbuchautoren hatte. Sich aber durchsetzen konnte, einen Erzähler im Off (Udo Samel) zu verwenden, das hält den Film (✺Teil 1 und ✺Teil 2) zusammen, der sonst auszuufern drohte. Vielleicht mehr als die wenig bekleideten Schauspielerinnen Charlotte Rampling, Elena Sofia Ricci und Julia Stemberger.
Mit der Einsamkeit der Heide in Yorkshire im Jahre 1800 hat der Film wenig zu tun. Das, was die Schauspielerin Margot Robbie im Film (im Absatz oben) trägt, hat mit der Kleidung von 1800 nichts zu tun. Klamotten aus Latex gab es damals noch nicht. Irgendwie erinnert das Kleid an die Wuthering Heights Oper in Braunschweig vor zehn Jahren. Da sah Catherine Earnshaw ähnlich aus, wie man auf diesem Bild sehen kann.
Das Pfarrhaus von Haworth, in dem die Brontë Schwestern aufwachsen, liegt eine Viertelstunde Autofahrt von Saltaire entfernt, wo Sir Titus Salt die größte Fabrik Englands für alle Arten von Baumwollstoffen hat. Die Brontës werden, wie alle Frauen in der Zeit, Baumwollkleider getragen haben. Vielleicht auch einmal eins aus dem glänzenden →Alpakavlies, auf das Sir Titus so stolz war. Aber →Latex bestimmt nicht. Dass das Pfarrhaus heute noch so gut erhalten ist, verdankt die Nation Sir James Roberts, der 1892 die Firma von Titus Salt übernommen hatte. Der Mann aus Haworth, der Charlotte Brontë noch gekannt hatte, hatte das heruntergekommene Pfarrhaus gekauft und es 1928 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, dafür sollte man ihm dankbar sein. Emerald Fennell muss man für nichts dankbar sein.










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