Dienstag, 11. Januar 2011

Sir Hans Sloane


Das kommt mir gerade recht, dass ich in Wikipedias Tageskalender lese, dass Sir Hans Sloane am 11. Januar 1753 gestorben ist, wo ich doch zu Weihnachten dieses schöne Buch Enlightenment über das British Museum im 18. Jahrhundert geschenkt bekommen habe. Herausgegeben von der Museumskuratorin Kim Sloan, die aber nicht mit Hans Sloane verwandt ist. Hans Sloane wird 1660 in Nordirland geboren, sein Vater Alexander ist da Grundbesitzer und Steuereinnehmer, er gehört zu den so genannten Ulster Scots, die der schottische König James in die Plantation of Ulster geschickt hat. Der Begriff plantation mag uns heute etwas seltsam erscheinen, er bedeutet damals soviel wie eine Kolonie oder eine Siedlung. Das erste Buch, das die Touristen, die auf der Mayflower gebucht hatten, in Massachusetts produzieren, heißt Of Plimoth Plantation, da finden wir das Wort schon wieder. Der Ort, in dem Hans Sloane geboren wird, heißt Killyleagh. Und da ist man heute immer noch mächtig stolz auf den größten Sohn des kleinen Ortes, wie man auf dieser Internetseite sehen kann. Der Sloane Square in London heißt nach ihm, aber wer er war, wird die neue Spezies Mensch ➱Sloane Ranger, die man in den achtziger Jahren entdeckte, wohl nicht gewusst haben.

Hans Sloane, 1716 zum Baronet geadelt (der erste Arzt in der Geschichte Englands, der diesen Titel bekam), ist einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler des frühen 18. Jahrhunderts. Und so ist es auch völlig logisch, dass der Doktor der Medizin der Nachfolger von Sir Isaac Newton als Präsident der Royal Society wird. In Jamaica hatte er die Theobroma cacao kennengelernt, aber das Zeug schmeckte ihm zu bitter, da hat er es mit Milch vermischt. Und den Kakao erfunden. Noch ein Jahrhundert später vermarktet die Firma Cadbury den nach dem Originalrezept von Sir Hans Sloane.

In Jamaica war Sloane als Leibarzt des Duke of Albemarle, da hat er gleich die gesamte Botanik der Insel katalogisiert. Er ist der Arzt der Londoner High Society, und auch das Königshaus nimmt seine Dienste in Anspruch, 1727 wird er der Leibarzt von Georg II (Generalarzt der englischen Armee war Sloane schon vorher). Mit achtzig Jahren gibt es seinen Arztberuf auf und widmet sich vollständig jener pathologischen Sucht, die er sein Leben so ganz nebenbei bestimmt hat. Eine Krankheit, die der gute Dr Sloane nicht heilen kann. Und die auch keinen lateinischen Namen hat, wie die Motte, die seinen Namen trägt (Urania sloanus). Es ist die Sammelwut. Wenn man die 15.000 Bücher mitzählt, enthält seine Sammlung in seinem Haus in Chelsea so um und bei 70.000 Gegenstände. Mit der Zahl der Bücher könnte ich ja vielleicht mithalten, mit dem Rest nicht.

Eine Gipsbüste seines Freundes Isaac Newton, die Totenmaske von Cromwell und ein Porträt seines Freundes und Mentors John Ray, der auch wie Newton und Sloane Präsident der Royal Society gewesen war. Neben seiner eigenen Sammeltätigkeit von botanischen Objekten, die er auf seinen Reisen fand, war der Grundstock seines Kuriositätenkabinetts die Sammlung, die er von Sir William Courten (dessen Großvater der reichste englische Kaufmann des 17. Jahrhunderts gewesen war) geerbt hatte. Sloane beschrieb den Zweck seiner Sammlung als to illustrate to the advancement of the Glory of God, the honour and renown of his country and history and ancient times...to the no small promotion of knowledge and useful arts. Hans Sloane wird noch ein halbes Dutzend Sammlungen seiner Kunst- und Wunderkammer einverleiben, die nach seinem Tod die Basis von dem wird, das heute das British Museum ist.

Zu dem auch eine Bibliothek gehören wird, weil George III zusätzlich zu den 15.000 Büchern von Sloane seine königliche Bibliothek (die bis dahin schon Gelehrten zur Verfügung stand) in die Museumsgründung einbringt. Eines Tages wird in deren berühmten Reading Room ein deutscher Philosoph namens Karl Marx Das Kapital schreiben. Und Gerald Hoffnung wird Londontouristen den schönen Rat Try the famous echo in the British Museum Reading Room! erteilen. Kann man heute nicht mehr, da die Bibliothek 1997 umgezogen ist. Aber sie haben im British Museum natürlich eine Erstausgabe von Aesculapius: A Poem. Humbly inscribed to the Hon. Sir Hans Sloane, Bar't aus dem Jahre 1721. Und 14 Millionen andere. Sind sogar welche von mir dabei, wie ich eben im Katalog festgestellt habe. Happiness is having your own library card, wie Sally Brown von den Peanuts sagt.


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