Dienstag, 14. September 2010

Montcalm


The marquis of Montcalm was, at the period of which we write, in the flower of his age, and, it may be added, in the zenith of his fortunes. But even in that enviable situation, he was affable, and distinguished as much for his attention to the forms of courtesy, as for that chivalrous courage which, only two short years afterward, induced him to throw away his life on the plains of Abraham. Duncan, in turning his eyes from the malign expression of Magua, suffered them to rest with pleasure on the smiling and polished features, and the noble military air, of the French general.
"Monsieur", said the latter, "j'ai beaucoup de plaisir à -- bah! -- où est cet interprête"?
"Je crois, monsieur, qu'il ne sera pas nécessaire", Heyward modestly replied; "je parle un peu français".
"Ah! j'en suis bien aise", said Montcalm, taking Duncan familiarly by the arm, and leading him deep into the marquee, a little out of earshot; "je déteste ces fripons-là; on ne sait"
.

James Fenimore Cooper mutet dem Leser im 15. Kapitel von The Last of the Mohicans beim Zusammentreffen von dem jungen schottischen Major Duncan Heyward und dem französischen Oberbefehlshaber Marquis Louis-Joseph de Montcalm ein wenig Französisch zu. Und er greift auch schon in der Geschichte vor, indem er auf den Tod Montcalms am 14. September 1759 auf den Plains of Abraham vor den Toren Québecs anspielt. Montcalm ist nicht nur eine Person in der Romanwelt von Cooper, es gibt ihn wirklich. Den jungen Major Heyward, der die Töchter Alice und Cora von Colonel Munro durch die Wildnis begleitet, hat es wohl nicht gegeben. Den Haudegen Colonel Munro wiederum schon, und das Massaker von Fort William Henry auch.

Cooper mischt in diesem Roman geschickt Fiktion und historische Realität, verbunden mit dem Motiv von Flucht und Verfolgung. Er hat diese Zauberformel des historischen Romans, den man auch in Deutschland damals begeistert liest, von dem Schotten Sir Walter Scott geklaut. Die Schotten lieben dieses Motiv von flight and pursuit offensichtlich. Scott jagt seinen Helden in Waverley durch England und Schottland, Robert Louis Stevenson hetzt in Kidnapped und Catriona seine Helden durch ganz Schottland. Ebenso wie John Buchan es mit seinem Helden Richard Hannay in The Thirty-Nine Steps tut oder Michael Innes mit seiner Heldin in The Secret Vanguard.

Colonel Munro kann das Fort William Henry nicht gegen die französische Übermacht verteidigen, er ergibt sich dem Marquis. Bekommt die ehrenvollsten Bedingungen und darf mit seiner Garnison mit Fahnen und Waffen (allerdings ohne Munition) abmarschieren. Ins nächste Fort (Fort Edward) zu General Webb, der feige wie er ist, ihnen keine Hilfe zukommen ließ. Und nun kommen die Indianer, schließlich heißt dieser Krieg French-and-Indian War (in Europa heißt er Siebenjähriger Krieg). Die Indianer sind natürlich böse - wenn sie nicht gerade Uncas und Chingachgook heißen - und halten sich nicht an die ehrenvollen Bedingungen. Und bringen alle Engländer um, tausende, das berühmte Massaker von Fort William Henry. Und der Marquis soll sie dazu angestiftet haben. Oder versucht haben es zu verhindern. Es gibt mehr Gerüchte als Tatsachen. Den Engländern kommt die Geschichte gerade recht für die Propaganda.

Hier versucht Montcalm, die blutrünstigen Indianer an ihrem schlimmen Tun zu hindern. Dies ist ein Holzstich nach dem Kupferstich von F.O.C. Darley, dem Illustrator Coopers, nach dem auch eine Werkausgabe Darley Cooper heißt. Man weiß bis heute nicht, wie viele Soldaten oder Zivilisten umgekommen sind, neueste Berechnungen reden von 69 bis 184 Opfern. Es ist alles Propaganda, auch dieser Stich von Darley. Montcalm agiert da geradezu halbherzig. Im Gegensatz zu dem Engländer Sir William Johnson, der auf dem Bild von Benjamin West (unten) einen Indianer daran hindert, den verwundeten Brigadegeneral Dieskau mit dem Tomahawk umzubringen. Mit der Überlegenheit des weißen Mannes, der die Rothaut mit dieser Geste, die sagt geh woanders spielen, wegschickt.

Sir William Johnson wird über General Webb sagen: the only Englishman I ever knew who was a coward. Harte Worte, aber William Pitt wird im Parlament Ähnliches sagen. Die beiden beteiligten englischen Generäle (Loudon und Webb), haben diesen Feldzug gegen Montcalm völlig in den Sand gesetzt, man holt sie nach England zurück. Sir William Johnson ist einer der wenigen Engländer, der sich für die Sache der Indianer einsetzt. Wir haben ein Porträt von ihm (vielleicht zeigt es auch seinen Neffen Guy Johnson) wiederum von Benjamin West.

William Johnson war der englische Commisioner for Indian Affairs, sozusagen Londons Indianerminister. Er ist auch Generalmajor und hat zwei Jahre vor dem Massaker von Fort William Henry (das er angelegt hatte) am Lake George einen Sieg über die französischen Truppen errungen. Dafür hat man ihn zum Baronet gemacht. Und er hat den Baron Ludwig August von Dieskau (ein Sachse in französischen Diensten) vor dem Tod gerettet, man geht ja unter Offizieren immer höflich miteinander um. Lediglich die Indianerstämme, die beide Seiten angeworben haben, halten sich nicht an die Regeln des zivilisierten Krieges. William Johnsons Kleidung ist eine Mischung aus englischer und indianischer Kleidung, er steht zwischen zwei Kulturen. Der Indianer neben ihm hat keinen Tomahawk, er hält eine Friedenspfeife in der Hand. Im Hintergrund haben wir friedliche Indianer, und dahinter plätschern die etwas klein geratenen Niagarafälle.

Zwei Jahre nach den Ereignissen von Fort William Henry wird der Marquis de Montcalm auf der Hochebene vor den Toren von Québec seinen Tod finden. Sein tapferer Widersacher, der Colonel George Monro (oder Munro), ist da schon tot. Ein Schlaganfall hat ihn dahingerafft, er hatte sich zu sehr über den unfähigen General Webb aufgeregt. In der Schlacht auf den Plains of Abraham wird auch sein Gegenspieler, der englische General James Wolfe, den Tod finden. Und das wird wiederum von dem Lieblingsmaler des englischen Königs, dem Amerikaner Benjamin West, gemalt.

Das Bild ist eine kleine Sensation in der Geschichte der Historienmalerei, deren Sujets bis dahin klassische Szenen waren, also antike Helden in weißen Bettlaken. Jetzt malt ein Amerikaner in London ein zeitgenössisches Ereignis, das gerade mal elf Jahre zurückliegt. Wenn auch die Kleidung der Beteiligten historisch korrekt ist, die Wiedergabe des Todes im Augenblick des Sieges in einer Pose klassischer Vorbilder ist es nicht. Viele der hier Abgebildeten waren gar nicht in der Schlacht dabei. Fünf Jahre später wird der irische Maler James Barry den Tod des jungen Generals noch einmal malen. Nicht so spektakulär wie Benjamin Wests grandiose Inszenierung, aber auf der Basis von Augenzeugenberichten.

Wir können natürlich schon voraussagen, dass Barrys Bild in Vergessenheit geraten wird. Das Publikum möchte lieber diese grandezza, diese Cecil B. DeMille Version der Geschichte haben. 

The boast of heraldry, the pomp of pow'r,
And all that beauty, all that wealth e'er gave,
Awaits alike th'inevitable hour.
The paths of glory lead but to the grave.


Ich zitiere diese Zeilen aus Thomas Grays berühmter Elegy Written in a Country Churchyard nicht, um zu beweisen, dass ich dieses Gedicht kenne. Nein, ich zitiere es weil der General Wolfe es seinen Offizieren vor der Schlacht vorgetragen haben soll, bevor er Montcalm besiegte. Und gesagt hat Gentlemen, I would rather have written that poem than take Quebec tomorrow. James Wolfe wird für die Engländer zu einem Helden, und er kommt in der inoffiziellen kanadischen Nationalhymne The Maple Leaf Forever vor.

In days of yore, from Britain's shore
Wolfe, the dauntless hero, came
And planted firm Britannia's flag
On Canada's fair domain.
Here may it wave, our boast and pride
And, joined in love together,
The thistle, shamrock, rose entwine
The Maple Leaf forever!


Der frankophone Teil Kanadas hört das natürlich nicht so gerne. Und frankophone Québécois lassen einen noch heute spüren, dass die Engländer damals nicht wirklich ihre Stadt erobern konnten. Das alles ist nun 251 Jahre her. Im letzten Jahr gab es ein Jubiläum der Schlacht, die Kanada immer noch beschäftigt, wie man hier sehen kann. Der blutbefleckte Mantel von General Wolfe wandert heute noch durch verschiedene Ausstellungen.



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