Montag, 11. Oktober 2010

Elmore Leonard


Seit sechzig Jahren schreibt er, morgen stellt er sein vierundvierzigstes Buch vor. Heute hat er Geburtstag. Elmore Leonard wird fünfundachtzig. Selbst wenn Sie noch nie einen Roman von ihm gelesen haben, so haben Sie doch bestimmt schon einen Film gesehen, für den eine Geschichte oder ein Roman von ihm die Basis waren oder für den er das Drehbuch geschrieben hat. Also zum Beispiel solch klassische Western wie 3:10 to Yuma (mit Glenn Ford), The Tall T (mit Randolph Scott), Hombre (mit Paul Newman) oder Valdez is Coming (mit Burt Lancaster). Oder in neuerer Zeit Get Shorty (John Travolta), Out of Sight (Jennifer Lopez, George Clooney), Jackie Brown (Pam Grier, Samuel L. Jackson), Be Cool (John Travolta). Elmore Leonard hat eine nett gemachte Internetseite, er ist inzwischen auch dreifacher Ehrendoktor. Ich nehme mal an, dass er Multimillionär ist.

Im Gegensatz zu ihm ist sein älterer Kollege Jim Thompson, mit dem er manchmal verwechselt wird, arm und krank in Hollywood gestorben. Als The Grifters erschien, war er schon lange tot, und vom Erfolg von The Getaway scheint er auch nichts abbekommen zu haben. Dabei war er, ohne dass ich das Geburtstagskind beleidigen will, der bessere Schriftsteller (und er hat auch das Drehbuch zu einem Filmklassiker, Stanley Kubricks Paths of Glory, geschrieben), der auch bei Intellektuellen immer ein Geheimtipp war. Und dann muss in diesem Zusammenhang eigentlich auch noch Cornell Woolrich genannt werden. Was wären der film noir (und ➱Truffaut) ohne ihn? Dashiell Hammett und Raymond Chandler haben es in der literarischen Bewertung ganz nach oben geschafft, ihre Werke sind in der Library of America. Woolrich ist mit einem Roman im Band 1 der Reihe Crime Novels vertreten. Und immerhin ist Jim Thompson mit The Killer Inside Me in dem Band Crime Novels: American Noir of the 1950s. Und es gibt auch eine sehr gute Würdigung seines Werkes von Robert Polito: Savage Art: A Biography of Jim Thompson. Es wäre schön, wenn es von Elmore Leonard und Cornell Woolrich auch eine Biographie von einer ähnlichen Qualität geben würde. Diese drei Chronisten der dunklen, gewalttätigen Seite Amerikas hätten es eigentlich verdient, dass sich die Literaturwissenschaft um sie kümmert.

Mein Lieblingsfilm nach einem Roman von Elmore Leonard ist Cat Chaser von Abel Ferrara. Das ist das, was die Filmkritiker gerne einen kleinen, schmutzigen Film nennen. Hat aber schon diesen typischen Abel Ferrara touch, trotz Farbe irgendwie noir. Obgleich es nach der Premiere Verrisse hagelte, ist der Film bei Ferrara Fans immer Kult gewesen. Ist auch näher an der Welt von Jim Thompson als Krimikomödien wie Get Shorty oder Be Cool. Variety schrieb damals: 'Cat Chaser' is another example of how difficult it is to transform a sharp and racy novel into a classy movie. Despite a fine cast and atmospheric direction by Abel Ferrara, the pic [from the novel by Elmore Leonard] doesn't quite make the grade, though it certainly is worth a look. Dieses though it certainly is worth the look ist ja ein wenig herablassend. Ich mag den Film trotzdem.

Und bevor ich das vergesse: Happy Birthday, Elmore Leonard!

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