Sonntag, 5. Mai 2019

Frauen und Zigarren


Es ist unglaublich, wie viele Zitate es über Zigarren gibt. Die ja angeblich auf den nackten Schenkeln von kubanischen Jungfrauen gerollt werden. Fangen wir mal mit Sigmund Freud an, diese kleine Geschichte hier kennen wir alle: Die monotone Anwendung desselben Interpretations-Schemas erinnert mich an eine Geschichte, die mir ein Kollege von Sigmund Freud erzählte: auf einer Abendgesellschaft zündete sich Freud arglos eine Zigarre an. Alle Anwesenden starrten fasziniert auf diese nach Freuds Lehre mit einer eindeutig sexuellen Symbolik geladene Handlung. Freud bemerkte die allgemeine Aufmerksamkeit, die sein Tun erregte, und sagte milde lächelnd: 'Manchmal ist eine Zigarre nur eine Zigarre'. Wie es mit den schönen Geschichten so ist, die Anekdote ist leider nicht eindeutig belegt, und die Sache mit den nackten Schenkeln ist auch nur ein Mythos.

Frauen und Zigarren sind immer wieder zusammen erwähnt worden. Gebt mir die Wahl zwischen einer Frau und einer Zigarre und ich werde immer die Zigarre wählen, hat Marx gesagt. Nicht Karl, sondern Groucho. Und der Regisseur Samuel Fuller bemerkte: A woman is just a script, but a cigar is a motion picture. Ähnlich dichtet Rudyard Kipling in The BetrothedAnd a woman is only a woman, but a good cigar is a Smoke. Und wir sollten den Komiker George Burns nicht vergessen, der gesagt hat: Happiness? A good cigar, a good meal, a good cigar and a good woman - or a bad woman; it depends on how much happiness you can handle.

Karl Marx hat Kierkegaard nie gelesen. Kierkegaard seinerseits hat Marx nie gelesen. Das haben sie gemeinsam. Sie haben noch etwas gemein, sie rauchen beide gerne Zigarren. Das ,Kapital' wird mir nicht einmal so viel einbringen, als mich die Zigarren gekostet, die ich beim Schreiben geraucht, soll Karl Marx gesagt haben. Karl Marx raucht billige Zigarren, Kierkegaard raucht diese wirklich guten, teuren Zigarren, die gerade in Mode gekommen sind und Las tres Coronas und La Paloma heißen. Rätselhaft muß man nicht allein andern sein, sondern auch sich selbst. Ich studiere mich selbst; bin ich dessen müde, so rauche ich zum Zeitvertreib eine Zigarre und denke: Gott der Herr weiß, was er eigentlich mit mir gemeint hat, oder was er aus mir machen will. Kierkegaard schreibt häufig über die Liebe, das tut Karl Marx selten. Wahrscheinlich weil er billige Zigarren raucht.

Dem Zigarrenraucher Mark Twain verdanken wir eine Vielzahl von schönen Zitaten zum Thema Zigarren. Wie zum Beispiel: Zuerst schuf der liebe Gott den Mann, dann schuf er die Frau. Danach tat ihm der Mann leid, und er gab ihm den Tabak. Zigarren können den Namen von Frauen tragen wie die Maria Mancini, die Thomas Mann in den Zauberberg hineinschreibt. Da heißt es über den jungen Hans Castorp, dass er die bürgerliche Arbeit nicht liebe, weil sie dem ungetrübten Genuß von Maria Mancini etwas im Wege war. Thomas Mann bezog seine Zigarren von der Bremer Firma Hagedorn und Söhne, die Marke Maria Mancini ist übrigens wiederbelebt worden.

Man muss sie vorsichtig behandeln. Die Zigarren und die Frauen. Mark Twain soll einmal gesagt haben, dass es sich mit den Zigarren wie mit der Liebe verhalte, wer sie nicht pflege, dem geht sie aus. Ähnliches finden wir bei Churchill: Smoking Cigars is like falling in love. First, you are attracted by its shape; you stay for its flavor, and you must always remember never, never to let the flame go out! Und damit komme ich zu meinem letzten Zitat: Love: It is like a cigar. If it goes out, you can light it again but it never tastes quite the same.

Der letzte Satz stammt von einem englischen General, einem Mann, der sicherlich nicht der typische englische General ist. Er liest Bücher und kann hunderte von englischen Gedichten auswendig. Er wird während des Zweiten Weltkriegs eine Anthologie englischer Lyrik herausgeben: 'I have gathered a posie of other men's flowers and nothing but the thread that binds them is my own.' So wrote Montaigne; and I have borrowed his title, my memory being the binding thread. This is a purely personal anthology. I have read much poetry; and since I had once a very retentive memory for verse much has remained in my head. I have had less opportunity to read poetry during these late years of war. When I do so, I find that I read the old favourites rather than fresh poets or poems; so that with failing memory it is unlikely that I shall acquire much more by heart. It amused me lately to set down in a notebook--mainly with a view to discussion with my son, who shares my liking for poetry-- the poems I could repeat entire or in great part. I have now collected and arranged the poems I set down. I did it with no idea of publication, but my son and others have suggested that the collection might appeal to a wider circle.

Sie wissen natürlich schon, weil Sie den Post Fremde Federn gelesen haben, dass von dem Feldmarschall Archibald Percival Wavell (der am 5. Mai 1883 geboren wurde) die Rede ist. Einem Mann, der sich (obwohl glücklich verheiratet) gerne mit jüngeren Frauen umgab, die Gesellschaft von Künstlern schätzte und ein halbes Dutzend Sprachen sprach. Wavell fügte in seine Anthologie ein sehr persönliches Gedicht ein, das er als a little wayside dandelion of my own bezeichnete. Und da das ein sehr schönes Sonett ist, möchte ich Ihnen das nicht vorenthalten:

Dear Lady of the cherries, cool, serene,
Untroubled by the follies, strife and fears,
Clad in soft reds and blues and mantle green
Your memory has been with me all these years.

Long years of battle, bitterness and waste,
Dry years of sun and dust and eastern skies,
Hard years of ceaseless struggle, endless haste,
Fighting ‘gainst greed for power hate and lies.

Your red-gold hair, your slowly smiling face
For pride in your dear son, your king of kings,
Fruits of the kindly earth, and truth and grace,
Colour and light, and all warm lovely things –

For all that lovelieness, that warmth, that light,
Blessed Madonna, I go back to fight.


Winston Churchil wird Other men's flowers nicht gelesen haben, er konnte den zurückhaltenden Gentleman Wavell nicht ausstehen. Erstaunlicherweise wird Churchill den Nobelpreis für Literatur bekommen, doch wenn man das genauer untersucht, hat er immer Ghostwriter gehabt. Für sein großes Geschichtswerk war das unter anderem Alan Hodge, der zusammen mit Robert Graves den Klassiker The Long Week-End geschrieben hat. Die Gedichtsammlung von Lord Wavell ist heute immer noch lieferbar.

Wenn Ihnen nach noch mehr Nikotin ist, kann ich die Posts Zigarren, Blauer Dunst und Tabac Trennt empfehlen.

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