Im Jahr 1830 wurde in Berlin das Alte Museum eröffnet, eins der Hauptwerke von Karl Friedrich Schinkel. Es war Preußens erstes öffentliches ✺Museum. Es war auf einer →Insel in der Spree gebaut worden, wo in den nächsten hundert Jahren noch mehrere Museen gebaut werden. Deshalb nennt man sie heute auch die →Museumsinsel. Eins dieser ✺Museen hat heute seinen hundertfünfzigsten Geburtstag, wenn man eine Eintrittskarte hat, sind alle →Führungen in der Alten Nationalgalerie heute frei.
Am 22. März 1876 wurde die kaiserliche Nationalgalerie von Kaiser Wilhelm, den man Jahrzehnte zuvor den Kartätschenprinz genannt hatte, feierlich eröffnet. Ein Tempel der Kunst des jungen Deutschlands, das es jetzt fünf Jahre gab. Im Auftrag des Königs Friedrich Wilhelms IV, der seit dem Juni 1886 ein →Reiterstandbild vor der Nationalgalerie hat, hatte der preußische Baumeister Friedrich August Stüler ab 1862 das Bauwerk geplant. →Stüler, der ein Schüler von Karl Friedrich Schinkel war, wird hier schon in den Posts Gemäldegalerie und Putbus erwähnt. Gebaut wurde das Museum dann nach Stülers Tod von Johann Heinrich Strack in dem Mischstil aus Klassizismus und der Neorenaissance, den man in der Belle Époque gerne verwendete.
Der erste Direktor der königlichen Nationalgalerie war Max Jordan, hier nach seiner Pensionierung von seinem Neffen Wilhelm Jordan gemalt. Max Jordan verwaltet, was er vorfindet. Der Grundstock des Museums war die →Kunstsammlung von Joachim Heinrich Wilhelm Wagener, die der Bankier in seinem 1859 aufgesetzten Testament dem Prinzregenten, beziehungsweise dem Staat Preußen, schenkte: Im Vertrauen auf das Urtheil vieler Kenner über den nicht unbedeutenden Kunstwerth der Sammlung, die ich mit einem Kostenaufwande von weit über 100,000 Thalern zusammengebracht und mit stets wachsender Freude gepflegt habe, wage ich es, dieselbe Sr. Königlichen Hoheit dem Prinz-Regenten und, insofern bei meinem Ableben die Regentschaft beendet sein sollte, Sr. Majestät dem alsdann regierenden Könige als ein Legat anzubieten und um huldreiche Annahme desselben im Interesse der Kunst unterthänigst zu bitten. Es knüpft sich an diese meine Bitte keinerlei andere Bedingung oder Beschränkung, als die ich in meinem obigen Wunsche für die ungetrennte Erhaltung, Aufstellung und Benutzung der Sammlung bereits auszusprechen mir erlaubt habe.
Schinkels →Gotische Kirche auf einem Felsen am Meer war eins der ersten Bilder, das der Bankier 1815 gekauft hatte, zwei Bilder von Caspar David Friedrich hatte er auch besessen. Über den Säulen der Frontseite der Nationalgalerie steht programmatisch Der Deutschen Kunst. Daran werden sich die Nachfolger von Max Jordan, der die Sammlung von Wagener neu ordnete und katalogisierte, nicht halten. Hugo von Tschudi, der sich in einem Konkurrenzkampf mit dem übermächtigen Wilhelm von Bode befindet, kauft zum Missfallen des Kaisers Monet, →Manet, Renoir, Cezanne und →Constable. Und auch sein Nachfolger Ludwig Justi, den die Nazis 1933 absetzen, wird Ähnliches tun.
Hüsch war von 2010 bis 2025 Direktorin der Kieler Kunsthalle. Der ✺NDR hat bei ihrem Abschied über sie gesagt: Mehr als ein Jahrzehnt lang hat Hüsch die Kunstszene in der Landeshauptstadt geprägt. Davon habe ich, das muss ich gestehen, überhaupt nichts gemerkt; obwohl ich in der Landeshauptstadt wohne und seit einem halben Jahrhundert Mitglied des Kunstvereins bin. Die Kunsthalle Kiel ist seit drei Jahren wegen einer Renovierung, die fünfzig oder sechzig Millionen Euro kosten soll, geschlossen. Und wird das auch noch mindestens drei Jahre bleiben. Eine neue Direktorin hat man aber schon.
Jens Christian Jensen war 1971 der erste hauptamtliche und eigenständige Direktor der Kunsthalle geworden, vorher war der Ordinarius für Kunstgeschichte der Universität in Personalunion Direktor der Kunsthalle. Jensen hatte durch ein Feuerwerk von großen Ausstellungen das verschlafene Provinzmuseum in die Champions League der Museen geführt, seine Nachfolger haben sie in die Kreisklasse gebracht. Jensen, den die dänische Königin zum Ritter des Dannebrogordens ernannt hatte, hatte mir vor seinem Tod geschrieben, dass er über die Tätigkeiten seiner Nachfolger sehr, sehr unglücklich sei. In dem Post Friedrich Mißfeldt habe ich über das Kieler Stadtmuseum Warleberger Hof gesagt, dass dieses Haus ein kulturelles Juwel ist. Als die Kieler Kunsthalle nach dem Weggang von Jensen unter unfähigen Direktoren zur Bedeutungslosigkeit verkam, als nach der Verlegung der Kunstsammlung der Stiftung Pommern nach Greifswald noch ein Loch in die dünne Kulturdecke gerissen wurde, als keine Ausstellungen mehr in der Landeshalle des Kieler Schlosses stattfanden, da blieb der Warleberger Hof der einzige Ort, an dem man noch interessante Ausstellungen sehen konnte.
Irgendwie lebte ich wohl in einer anderen Welt als die Direktorin der Kunsthalle, die angeblich die Kunstszene der Landeshauptstadt geprägt hat.
Aber wie es auch sei, ich gratuliere natürlich der Alten Nationalgalerie, in der ich in meinem Leben viele Stunden verbracht habe, zum hundertfünfzigsten Geburtstag. Bei Google habe ich über meinen Blog gelesen: Die Texte sind bekannt für ihre intellektuelle Tiefe, gepaart mit einem persönlichen, oft anekdotischen Erzählstil. Das stimmt wahrscheinlich, je suis comme je suis. Und so will ich meinen Glückwunsch mit etwas Anekdotischem beschließen. Dieses schöne Bild von Franz Krüger aus der Nationalgalerie, das den →Künstler beim Ausritt mit dem Kronprinzen zeigt, brauche ich auch dazu. Vor fünfundsechzig Jahren war ich mit meiner Freundin Traute, die leider viel zu früh verstorben ist, eine Woche in Berlin. Wir bewegten uns von Museum zu Museum. Wir hatten noch kein Abitur, aber Traute war klar, dass sie Kunst studieren würde. Mir war klar, dass ich Kunstgeschichte studieren würde. Und an diesem schönen Spätsommertag, als wir auf der Museumsinsel landeten, konnte ich es wieder einmal nicht lassen, den Mini-Kunsthistoriker herauszulassen und gab vor jedem Bild meine Kommentare ab.
Als wir bei Franz Krügers →Parade auf dem Opernplatz in Berlin angekommen waren, gesellte sich eine vierköpfige Familie aus Sachsen zu uns, die irgendwie den Eindruck hatten, dies sei eine offizielle Museumsführung. Bei der Nennung von Pferde-Krüger nickten sie schon alle fachmännisch mit den Köpfen, und als ich dann noch hinzufügte, dass Krüger bei einem Landschaftsmaler namens Kolbe gelernt hatte, den man den Eichen-Kolbe nannte (weil er immer so schöne Eichen in seine Bilder malte), waren sie von mir begeistert. Pferde-Krüger und Eichen-Kolbe, das kann man sich leicht merken. Und dann zur Krönung noch die Geschichte, dass Krüger am Anfang seiner Karriere Kohlezeichnungen von Pferden und Stallburschen gemacht hat, für fünf Groschen das Bild. Die Geschichte stimmt wahrscheinlich nicht, kommt aber immer gut an.
Glücklicherweise besitzt die Nationalgalerie auch viele →Bilder von Carl Blechen, einem Maler, zu dem mir (wie bei diesem →Waldweg bei Spandau) immer etwas einfällt. Am Ende des Nachmittags war die Gruppe, die wir von Saal zu Saal mitschleppten, auf etwas über zwanzig Leute angewachsen. Meine Freundin Traute, eine coole Blondine, hatte die ganze Zeit über Schwierigkeiten, nicht vor Lachen loszuprusten. Ein schwedisches Diplomatenehepaar mit einem verzogenen Gör gab mir zum Schluss sein ganzes DDR Blechgeld. Sie glaubten wohl, einem jungen DDR Bürger damit einen großen Gefallen zu tun. Wir versuchten, das DDR Geld über das Wasser zu ditschen, aber was mit flachen Kieseln auf der Weser geht, ging mit den Münzen auf der Spree nicht. Das billige Blechgeld hüpfte nicht, wie es hüpfen sollte.


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