Heute vor 245 Jahren hat der englische General Charles Cornwallis bei Guilford Courthouse in North Carolina eine Schlacht gegen die Amerikaner gewonnen. Es war die letzte Schlacht, die er in Amerika gewann. Wenige Monate später musste er sich George Washington in Yorktown ergeben. In Roland Emmerichs Film ✺The Patriot kommt die Schlacht auch vor, aber das lassen wir mal weg. Wenn aus Francis Marion, den man den swamp fox nennt, Mel Gibson wird, dann hat das nichts, aber auch gar nichts, mit historischer Wirklichkeit zu tun. Das ist nur grauenhafte Geschichtsklitterung. Und Roland Emmerich Filme kommen in diesem Blog sowieso nicht vor. Dies ist kein Bild aus dem Film von Emmerich, es ist ein Photo von einem Re-Enactment der Schlacht. Denn die Schlacht wird als Spektakel für Touristen jedes Jahr wieder geschlagen. Auch heute wird es, beginnend um 14:00 Ortszeit, wieder ein →Re-Enactment geben. Ich habe hier einen interessanten ✺Film zu dem Thema.
Die Schlacht von Cowpens, die die Amerikaner im Januar 1781 dank des taktischen Geschicks von General Daniel Morgan gegen die überlegenen Engländer gewinnen, hatte sich General Nathanael Greene zum Vorbild genommen, als er sich endlich Lord Cornwallis in einer Schlacht stellt. Greene war einer der engsten Freunde von George Washington und gilt als einer der fähigsten amerikanischen Generäle im Unabhängigkeitskrieg. Er hat keine einzige Schlacht gewonnen.
Aber worin liegt seine Größe? Normalerweise beurteilt man Feldherren nach ihren gewonnenen Schlachten, damit kann der Quäker aus Rhode Island, den man The Fighting Quaker nennt, nicht aufwarten. Nathanael Greene hatte den Krieg als gemeiner Soldat begonnen. Die Infanteriekompanie, in die er eingetreten war, wollte ihn nicht zu ihrem Captain wählen, weil er ein lahmes Bein hatte. Aber wenig später ist er schon Brigadegeneral der Miliz. Er ist vom Anfang des Krieges an immer an Washingtons Seite gewesen, später hat ihn Washington zum Generalquartiermeister der Armee gemacht. Das hat Greene nicht geschmeckt (No one ever heard of a quartermaster in history), aber er hat in dieser Zeit viel gelernt, er holt da sozusagen eine Generalstabsausbildung nach. Wie man Truppenteile bewegt, wie man Nachschub an Munition und Verpflegung organisiert. Vieles bezahlt er jetzt auch (wie Washington) aus eigener Tasche. In seiner Jugend hat er jedes Buch über die Kriegskunst gelesen, das er in die Finger kriegen konnte - was die Quäkergemeinde nicht gerne sah - jetzt kann er die Theorie in die Praxis umsetzen.
Als George Washington ihm einmal für wenige Tage die Armee überlässt, tut er das mit den folgenden Worten: In my absence the command of the army devolves upon you. I have such entire confidence in your prudence and abilities that I leave conduct of it to your discretion, with only one observation: that with our present prospects it is not our business to seek action, nor to accept one, except upon advantageous terms. Den letzten Satz hat er verinnerlicht, als er das Kommando über die amerikanische Armee in den südlichen Kolonien erhält: it is not our business to seek action, nor to accept one, except upon advantageous terms. Und er weiß, dass er Niederlagen einstecken wird, Scharmützel, Gefechte und Schlachten verlieren wird. There are few Generals that have run oftener, or more lustily than I have done... But I have taken care not to run too far and commonly have run as fast forward as backward, to convince our enemy that we were like a crab, that could run either way, wird Nathanael Greene sagen. Seine Maxime ist: we fight, get beat, rise, and fight again. Das schreibt er auch an den französischen Gesandten in Amerika, den Chevalier de la Luzerne (nach dem Luzerne County in Pennsylvania benannt ist). Der gleiche Satz findet sich auch in einem Brief an Washington vom 1. Mai 1781. General Greene hat den Unterschied zwischen Strategie und Taktik begriffen, er will keine Schlacht gewinnen, er will den Krieg gewinnen.
Er wird die Schlacht von Guilford Court House verlieren, weil der Gegner am Ende der Schlacht das Feld behauptet, nachdem sich Greene geordnet zurückgezogen hat. Aber das ist wieder einmal das, was man so schön als Pyrrhussieg bezeichnet. The enemy got the ground the other Day. They had the splendour but we the advantage. Cornwallis kann Greene nicht verfolgen, er schafft es nicht einmal, sich um seine Toten und Verwundeten zu kümmern, die beinahe zwei Tage im strömenden Regen auf dem Schlachtfeld liegen. Allein die Garderegimenter verlieren elf ihrer neunzehn Offiziere durch Tod oder Verwundung (und beinahe die Hälfte der Mannschaften). Die Amerikaner hatten es sich angewöhnt, zuerst auf die Offiziere zu schießen. Einfache Soldaten kann Cornwallis aus den loyalistischen Milizen des Südens rekrutieren, Offiziere, die ihren Beruf erlernt haben, bekommt er nicht nach. Die Truppen, die ihm Sir Henry Clinton versprochen hat, kommen nie an. Als die Verlustlisten London erreichen, wird der Oppositionsführer im Parlament Charles James Fox ausrufen: Another such victory would ruin the British army! Als der Bericht von General Greene den Kongress in Philadelphia erreicht, hat eine Zeitung die schöne Schlagzeile Good News from the South.
Charles Cornwallis ist der Sieger der Schlacht, aber gewonnen hat er nichts. Ein Sieger würde nach einer Schlacht den Besiegten verfolgen, aber Corwallis bleibt zwei Tage und zwei Nächte mit all den Toten und Verwundeten auf dem Schlachtfeld. Sein Stellvertreter Charles O'Hara wird schreiben: I never did, and hope, I never shall experience two such days and Nights, as these immediately after the Battle, we remained on the very ground on which it had been fought cover'd with Dead, with Dying and with Hundreds of Wounded, Rebels as well as our own. Cornwallis kann Greene nicht verfolgen, er hat einen großen Teil seiner Truppen verloren. Seine Leute können nicht mehr. Und sie haben keinerlei Vorräte mehr. Wenn Cornwallis das Schlachtfeld verlässt, wird er fünfundsiebzig Verwundete dort liegen lassen, in der Hoffnung, dass die Rebellen sich um sie kümmern. Ein Sieg sieht anders aus.
Der entscheidende Augenblick in der Schlacht, die nur neunzig Minuten dauerte, war der Angriff der englischen Garde von General Charles O'Hara, der sich schnell gegen die zahlenmäßig überlegenen Amerikaner festläuft. Und in dem Augenblick befiehlt Cornwallis seiner Artillerie, auf die eigenen Leute zu feuern. Sein Freund O'Hara soll mit Tränen in den Augen versucht haben, ihn davon abzubringen. Man nennt eine solche Aktion neuerdings euphemistisch friendly fire, aber nichts daran ist friendly. Die Engländer verlieren ein Viertel ihrer Truppen, die Amerikaner sind in den Wäldern verschwunden. General O'Hara wird vom Pferd geschossen und kämpft trotz zweier Schusswunden weiter. Sein Neffe, ein 21-jähriger Artillerieleutnant, wird in der Schlacht sterben. Nach Plutarch hat Pyrrhus angeblich gesagt: Sind wir noch einmal siegreich gegen die Römer, sind wir verloren! Und das zitiert der Führer der englischen Whig Partei, Charles James Fox, wenn er sagt: Another such victory would ruin the British Army! Und Horace Walpole, nie um ein böses Wort verlegen, wird sagen: Lord Cornwallis has conquered his troops out of shoes, and himself out of troops.
Cornwallis schleppt sich durch North Carolina und landet schliesslich in Yorktown in Virginia, wo er hofft, von der Royal Navy unterstützt zu werden. Aber die Hoffnung ist vergebens, denn im September verlieren die Engländer die Seeherrschaft. Lesen Sie mehr dazu in dem Post Chesapeake Bay. Ein halbes Jahr nach Cornwallis' Sieg bei Guilford Courthouse beginnen Amerikaner und Franzosen die Belagerung von Yorktown. Am 19. Oktober 1781 muss sich Cornwallis ergeben. Auf diesem Bild geben Rochambeau und Washington gerade den Befehl zum letzten Angriff..
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