Dienstag, 16. August 2011
Cowpens
Heute ist der Jahrestag der Schlacht von Camden, wo die Amerikaner unter Führung von General Horatio Gates so fürchterlich verloren haben. Und der feige Gates sicherheitshalber erst einmal getürmt ist. Ich hatte das schon erwähnt, als ich über ➱Nathanael Greene schrieb. Und ich nehme das Datum einmal zum Anlass, das Versprechen einzulösen, über die denkwürdige Schlacht von Cowpens und den General Daniel Morgan zu schreiben.
Die ➱Baronin Riedesel, die ihrem Gatten nach Amerika gefolgt war, hat uns in ihrem Buch Die Berufs-Reise nach America. Briefe der Generalin Riedesel auf dieser Reise und während ihres siebenjährigen Aufenthaltes in America zur Zeit des dortigen Krieges in den Jahren 1777 bis 1783 nach Deutschland geschrieben ein lebendiges Bild von ihrer Zeit in Amerika während des Unabhängigkeitskrieges hinterlassen. Sie mokiert sich darin auch über amerikanische Offiziere, die vor dem Krieg einfache Handwerker waren. Das kann man sich in deutschen Adelskreisen einfach nicht vorstellen. Allerdings hat auch Washington ähnliche Vorstellungen von einem Offizier. Er feuert einen Captain, der vorher Friseur war und jetzt seiner Kompanie die Haare schneidet. Irgendwo sind Grenzen. Ganz bestimmt hat Daniel Morgan der Baronin Riedesel nicht gefallen, denn der grobschlächtige ungebildete Mann begann sein Berufsleben als Fuhrunternehmer, den Spitznamen Old Waggoner hat er sein Leben lang getragen. Er kann immerhin lesen und schreiben, wir sollten aus der Orthographie der wenigen erhaltenen Briefe nicht auf seine Intelligenz schliessen. Amerikaner können keine Rechtschreibung! Das sieht in den Manuskripten von Hemingway und Fitzgerald nicht anders aus als bei dem Old Waggoner. Die Baronin Riedesel hat in Saratoga ja noch mal Glück gehabt, dass sie nach der für die Engländer (und ihren Gatten) schmähliche Kapitulation nicht mit dem Colonel Morgan am Tisch sitzen musste, weil sie der nette General Schuyler in sein Zelt eingeladen hatte.
Wenn wir John Trumbull trauen dürfen, dann hat Daniel Morgan in Saratoga (einer Schlacht, die seine Elitetruppe aus Virginia mitentschieden hat) so ausgesehen, wie auf diesem Bild. Es ist nicht die Uniform, die die amerikanischen Generäle Schuyler, Glover und Whipple neben ihm tragen. Oder Horatio Gates in der Bildmitte. Der mit der Schlacht wenig zu tun hat, sich aber als Sieger feiern lässt. Daniel Morgan trägt wie sein berühmtes 11. Virginia Regiment ein hunting shirt (dies ist allerdings die Gala-Ausführung). Das wird ➱Mode machen. Auch Washington (der so etwas natürlich nie trägt) und der Kongress sind von dem Teil begeistert. Weil es viel preiswerter in der Herstellung (sei es Leinen oder Hirschleder) ist als eine richtige Uniform. Was durch James Fenimore Coopers Lederstrumpf eines Tages berühmt wird, tragen die Scharfschützen von Morgan jetzt schon.
Sie sind bei den Engländern gefürchtet. Morgan hat nur Leute in seinem Regiment aufgenommen, die mit dem ersten Schuss ein Ziel von der Größe eines Kopfes auf 100 Yards trafen. Der Fama noch soll die Zielscheibe ein Abbild von König Georg gewesen sein. So etwas finden die Engländer schlichtweg not fair, man schießt nicht aus der Ferne auf Offiziere. Die Engländer haben auch eine Truppe von Scharfschützen, kommandiert von Major Patrick Ferguson, in Amerika. Der hat auch ein Gewehr erfunden, das seiner Zeit hundert Jahre voraus ist. Kein Vergleich mit der Brown Bess Muskete der Army. Aber man wird dieses Gewehr nicht in großen Zahlen bauen und einsetzen, Patrick Fergusons sharp shooters spielen nur eine marginale Rolle in dem Krieg. Und dabei hätte er George Washington (er wusste nicht, dass es Washington war) erschiessen können, aber er hat es gelassen. Er fand es disgusting: As I was with the distance, at which in the quickest firing, I could have lodged a half dozen balls in or about him before he was out of my reach, I had only to determine, but it was not pleasant to fire at the back of an unoffending individual who was acquitting himself coolly of his duty, and so I let him alone. Morgan hat keine Schwierigkeiten, seinen Leuten zu befehlen, auf die Offiziere und die Sergeanten zuerst zu schießen.
Der Krieg in Amerika hat, vor allem seit er sich in den Süden verlagert hat, andere Formen angenommen als es die Engländer von ihren Kriegen in Europa gewöhnt sind. Da führt man noch (auf jeden Fall bis zu Napoleons levée en masse) das, was Historiker den Kabinettskrieg nennen. Feste Regeln und Reglementierungen. Hatte es schon seit dem Mittelalter gegeben, da gab es schon Schiedsrichter, deren Hauptaufgabe es war, sich auf den Namen der Schlacht (nach dem nächsten Adelssitz) zu einigen. Und zu erklären, wer gewonnen hatte. Es war festgelegt, wer wen gefangen nehmen durfte, wer wen erschlagen durfte. Aber Gesetze sind offensichtlich dafür da, um gebrochen zu werden. Die Frucht vom Baum der Erkenntnis wird unerlaubt gegessen. Der Sündenfall des "zivilisierten" Krieges findet spätestens in der Schlacht von Azincourt statt, als die walisischen Bogenschützen anfangen, die adligen französischen Ritter zu erschlagen.
Die Europäer hatten schon vor dem Revolutionskrieg den Krieg einmal nach Amerika getragen. Was bei uns Siebenjähriger Krieg heißt, heißt in den Kolonien French and Indian War, und da bekommt der Krieg eine neue Dimension der Grausamkeit. James Fenimore Coopers ➱Version von dem massacre of Fort William Henry ist ja noch eine nette Version von dem, was in Amerika in diesen neun Jahren geschieht. Der junge Daniel Morgan ist (wie der junge George Washington) dabei gewesen. Er hat einmal einen englischen Offizier verprügelt, was ihm 499 Peitschenhiebe einbringt. Normalerweise ist der Delinquent dann tot, Morgan wird das überleben. Und die Engländer ewig hassen. Die Narben wird er sein Leben lang zeigen. Auch in der Nacht vor der Schlacht von Cowpens.
Daniel Morgans Gegner ➱Banastre Tarleton heißt bei den Amerikaner nur Bloody Ban, er soll Amerikaner niedergemetzelt haben, die sich längst ergeben hatten. Tarleton's quarter wird daraufhin das Umbringen wehrloser Gegner heißen. Beide Seiten betreiben das, der French and Indian War und viele kleine Indianerkriege (an denen Morgan auch teilgenommen hat) haben eine neue Dimension der Grausamkeit in die Kolonien gebracht. Francis Marion, den man den swamp fox nennt, erfindet den Guerrilakrieg. Der Kabinettskrieg ist eine Sache der Vergangenheit.
In der Nacht vor der Schlacht von Cowpens schläft Daniel Morgan nicht, er schleppt sich mit seinen kaputten Bandscheiben (ein Ergebnis des Kanadafeldzuges, das er als a glimmering glimpse of eternity bezeichnete) von Lagerfeuer zu Lagerfeuer und redet mit jedem. Besonders den jungen Freiwilligen von der Miliz, die keinerlei militärische Erfahrung haben. Er hat einen einfachen Plan, und er will, dass ihn jeder versteht. Kein General in Europa käme in diesem Jahrhundert auf die Idee, einen einfachen Plan zu haben und ihn in der Nacht vor der Schlacht seinen Soldaten zu erklären. Morgan baut seinen Plan darauf auf, dass sein Gegner Tarleton heißt, und der hat einen one track mind. Der beau sabreur der Engländer kann nur angreifen, Nachdenken ist bei ihm nicht.
Tarleton ist mit seinen Truppen unweit der Kuhpferche des Herrn Hannah, nach denen die Schlacht heißt. In der Eiseskälte der Dunkelheit (wir haben Januar) hetzt er sie, manchmal im Laufschritt, zum Schlachtfeld. Er weiß von seinen Spionen, dass der größte Teil von Morgans Truppen aus Milizsoldaten besteht. Für die hat er nur Verachtung übrig, sie waren ja auch bei Camden gleich weggelaufen - aber da hatte auch niemand die ganze Nacht mit ihnen geredet. Sie können auch nicht weglaufen. Auf jeden Fall, nicht sehr weit. Hinter ihnen ist der Broad River, das hat General Morgan so ausgesucht. Die Engländer haben bestenfalls vier Stunden in den letzten vierundzwanzig Stunden geschlafen, sie sind durch den Gewaltmarsch fix und fertig, als ihnen Tarleton bei Sonnenaufgang um 6.45 den Angriff befiehlt. Sie brauchen sich nicht mehr lange zu plagen, eine Stunde später ist alles vorbei, und beinahe die ganze Truppe von Tarleton ist tot oder in Gefangenschaft. The most serious calamity since Saratoga, wird einer der Offiziere aus Lord Cornwallis' Stab sagen. Es ist der Anfang vom Untergang der englischen Armee von Lord Cornwallis. Seldom has a battle, in which greater numbers were not engaged, been so important in its consequences as that of Cowpens, hat John Marshall gesagt.
Der Hergang der Schlacht ist schnell erzählt, jeder Stammtischstratege kann das. Fünftklässler einer amerikanischen High School stellen ihre Cowpens ➱Videos ins Netz (wenn Sie eine visuelle Hilfe brauchen, nehmen Sie ➱dieses Video). Auch der deutsche Wikipedia Artikel ist brauchbar, wenn auch in der Terminologie etwas seltsam (auf einer Heeresoffiziersschule war der Verfasser wohl nicht).
Daniel Morgan ist der archetypische amerikanische Held der frontier Gesellschaft (obwohl Daniel Boone bekannter geworden ist als er). Er scheint aus dem Nichts zu kommen, man weiß nichts über seine Herkunft und seine Familie. Er ist tough, stärker als all die Helden, die John Wayne gespielt hat. Er ist schnell beleidigt, und quittiert irgendwann den Dienst, weil man ihn bei der Beförderung zum General immer wieder übergangen hat. Aber als Horatio Gates die Schlacht von Camden verloren hat und die Continental Army im Süden vor ihrer Auflösung steht, da schleppt er sich mit seinem kaputten Rücken wieder auf das Schlachtfeld. Und schlägt die verhassten Briten in einer Stunde. Danach ➱schreibt er an seinen Vorgesetzten Nathanel Greene: Dear Sir, The Troops I had the Honor to command have been so fortunate as to obtain a compleat Victory over a Detachment from the British Army commanded by Lt Colonel Tarlton. The Action happened on the 17th Instant about Sunrise at the Cowpens. It perhaps would be well to remark, for the Honour of the American Arms, that Altho the Progress of this Corps was marked with Burnings and Devastations & altho’ they have waged the most cruel Warfare, not a man was killed, wounded or even insulted after he surrendered. Had not Britons during this Contest received so many Lessons of Humanity, I should flatter myself that this might teach them a little, but I fear they are incorrigible.
Und er beendet den Brief mit den Sätzen From our Force being composed of such a Variety of Corps, a wrong Judgment may be formed of our Numbers. We fought only 800 men, two thirds of which were Militia. The British with their Baggage Guard, were not less than 1150, & these Veteran Troops. Their own Officers confess, that they fought 1037. Such was the Inferiority of our Numbers that our Success must be attributed to the Justice of our Cause & the Bravery of our Troops. My Wishes would induce me to mention the Name of every private Centinel in the Corps I have the honor to Command. In Justice to their Bravery & good Conduct, I have taken the Liberty to enclose you a List of their officers from a Conviction that you will be pleased to introduce such Characters to the World.
Hätte er Shakespeares Henry V gekannt, hätte er sagen können: We few, we happy few, we band of brothers.
Sonntag, 7. August 2011
Nathanael Greene
Nathanael Greene hat heute Geburtstag. Er ist schon über zweihundert Jahre tot, aber in Amerika weiß man noch, wer er ist. Unzählige Schulen tragen seinen Namen, Orte sind nach ihm benannt. Er war ein General im Revolutionskrieg und einer der besten Freunde von George Washington. Er gilt als einer der fähigsten amerikanischen Generäle im Unabhängigkeitskrieg. Er hat keine einzige Schlacht gewonnen. Aber worin liegt seine Größe? Normalerweise beurteilt man Feldherren nach ihren gewonnenen Schlachten, damit kann der Quäker aus Rhode Island nicht aufwarten.
Als George Washington ihm einmal für wenige Tage die Armee überlässt, tut er das mit den folgenden Worten: In my absence the command of the army devolves upon you. I have such entire confidence in your prudence and abilities that I leave conduct of it to your discretion, with only one observation: that with our present prospects it is not our business to seek action, nor to accept one, except upon advantageous terms. Den letzten Satz hat er verinnerlicht, als er das Kommando über die amerikanische Armee in den südlichen Kolonien erhält: it is not our business to seek action, nor to accept one, except upon advantageous terms.
Der General Horatio Gates, ein miles gloriosus, der auch schon gegen Washington intrigiert hatte, war bei Camden vernichtend geschlagen worden. Hatte sich dann auf sein Pferd gesetzt und war am Abend schon 60 Meilen weit weg in Charlotte (North Carolina). Er hat nie wieder ein Kommando in der Revolutionsarmee bekommen. Nathanael Greene soll jetzt die geschlagene Armee wieder aufrichten und den Siegeszug von Lord Cornwallis aufhalten. Nachdem die Engländer die Amerikaner im Norden nicht haben schlagen können, hat Cornwallis den Krieg auf Befehl des glücklosen englischen Oberbefehlhabers Henry Clinton (der Lord Cornwallis nicht ausstehen kann) in den Süden getragen. In diese Staaten, die alle nach englischen Herrschern heißen: Georgia (nach George II), Carolina (nach Charles I), Virginia (nach der virgin queen Elizabeth I). Eigentlich war es Henry Clinton, der gerade Savannah eingenommen hat. Aber als die englischen Truppen die Stadt erobern, ist Clinton schon wieder in New York. Er ist am liebsten in New York, da war sein Pappi schon Gouverneur, da fühlt er sich sicher. Die Sache mit Savannah hat er auch nur unternommen, um die Scharte mit Sullivan's Island auszuwetzen, wo sich die Engländer so unsterblich blamiert haben. Und eine Kanonenkugel eines eigenen Geschützes Admiral Parker den Hosenboden weggeschossen hat. Einige Jahrzehnte später war der junge Edgar Allan Poe dort stationiert, seine Erzählung The Gold-Bug spielt auf Sullivan's Island.
Nathanael Greene hat den Krieg als gemeiner Soldat begonnen. Die Infanteriekompanie, in die er eingetreten war, wollte ihn nicht zu ihrem Captain wählen, weil er ein lahmes Bein hatte. Aber wenig später ist er schon Brigadegeneral der Miliz. Er ist vom Anfang des Krieges an immer an Washingtons Seite gewesen, später hat ihn Washington zum Generalquartiermeister der Armee gemacht. Das hat Greene nicht geschmeckt (No one ever heard of a quartermaster in history), aber er hat in dieser Zeit viel gelernt, er holt da sozusagen eine Generalstabsausbildung nach. Wie man Truppenteile bewegt, wie man Nachschub an Munition und Verpflegung organisiert. Vieles bezahlt er jetzt auch (wie Washington) aus eigener Tasche. In seiner Jugend hat er jedes Buch über die Kriegskunst gelesen, das er in die Finger kriegen konnte - was die Quäkergemeinde nicht gerne sah - jetzt kann er die Theorie in die Praxis umsetzen. Und er weiß, dass er Niederlagen einstecken wird, Scharmützel, Gefechte und Schlachten verlieren wird. We fight, get beat, rise, and fight again, schreibt er an den französischen Gesandten in Amerika, den Chevalier de la Luzerne (nach dem Luzerne County in Pennsylvania benannt ist). Der gleiche Satz findet sich auch in einem Brief an Washington vom 1. Mai 1781. General Greene hat den Unterschied zwischen Strategie und Taktik begriffen, er will keine Schlacht gewinnen, er will den Krieg gewinnen.
Und so sieht er zu, dass er immer einen Fluss zwischen sich und dem Gegner hält. Und die Engländer (und ihre deutschen Hilfstruppen) schleppen sich hinter ihm her. Von Georgia durch die Carolinas bis nach Virginia. Und immer wieder werden sie aus dem Hinterhalt attackiert. Von Leuten wie Francis Marion, den man den swamp fox nennt (und der eine der Vorlagen für den australischen Schlagetot Schauspieler Mel Gibson in Roland Emmerichs grauenhafter Geschichtsklitterung The Patriot ist). Aber auch ihre eigenen loyalistischen Miliztruppen (deren Stärke lange nicht so groß ist wie man General Cornwallis vorgemacht hat) verlieren gegen die amerikanischen Milizen in der Schlacht von Kings Mountain. Und Banastre Tarleton, der bestgehasste englische Offizier in Amerika, erleidet bei Cowpens eine schmähliche Niederlage. Und mit jedem Gefecht wird Cornwallis' Armee kleiner. Die Amerikaner schiessen auch gemeinerweise zuerst auf die Offiziere. Einfache Soldaten kann Cornwallis aus den loyalistischen Milizen rekrutieren, Offiziere, die ihren Beruf erlernt haben, bekommt er nicht nach. Die Truppen, die ihm Clinton versprochen hat, kommen auch nie an.
Vor einem Jahr, als ich über Banastre Tarleton schrieb, versprach ich, demnächst einmal über die denkwürdige Schlacht von Cowpens zu schreiben. Ich habe es immer noch nicht getan, weil hier in diesem Blog kein System drin ist, und ich mich von augenblicklichen Einfällen leiten lasse. Das hat natürlich einen gewissen Charme, ist aber auch ein geniales Kuddelmuddel. Aber ich habe keine Lust, nur zu einem Thema zu schreiben. Dann hätte ich kein Blogger zu werden brauchen, dann hätte ich ein Buch geschrieben. Was viel langweiliger ist, als einen Blog zu füllen. Ich weiß das. Und ich verspreche jetzt auch, demnächst über die Schlacht von Cowpens zu schreiben.
Die Schlacht von Cowpens hat sich Nathanael Greene zum Vorbild genommen, als er sich endlich Lord Cornwallis in einer Schlacht stellt. Er wird die Schlacht von Guilford Court House verlieren, weil der Gegner am Ende der Schlacht das Feld behauptet, nachdem sich Greene geordnet zurückgezogen hat. Aber das ist wieder einmal das, was man so schön als Pyrrhussieg bezeichnet. The enemy got the ground the other Day. They had the splendour but we the advantage. Cornwallis kann Greene nicht verfolgen, er schafft es nicht einmal, sich um seine Toten und Verwundeten zu kümmern, die beinahe zwei Tage im strömenden Regen auf dem Schlachtfeld liegen. Allein die Garderegimenter verlieren elf ihrer neunzehn Offiziere durch Tod oder Verwundung (und beinahe die Hälfte der Mannschaften). Als die Verlustlisten London erreichen, wird der Oppositionsführer im Parlament Charles James Fox ausrufen Another such victory would ruin the British army! Als der Bericht von General Greene den Kongress in Philadelphia erreicht, hat eine Zeitung die schöne Schlagzeile Good News from the South.
Your private letter of the 18th ultimo came safe to hand. Although the honors of the field did not fall to your lot, I am convinced you deserved them. The chances of war are various and the best concerted measures, and the most flattering prospects, may and often do deceive us; especially while we are in the power of the militia. The motives which induced you to seek an action with Lord Cornwallis are supported upon the best military principles; and the consequences, if you can prevent the dissipation of your troops, will no doubt be fortunate. Every support, that it is in my power to give you from this army, shall cheerfully be afforded; but if I part with any more troops, I must accompany them or have none to command, as there is not at this moment more than a garrison for West Point, nor can I tell when there will be.
Das ist der Brief, den Nathanael Greene von George Washington erhält, seinem großen Lehrmeister im Zögern und Abwarten. Washington wird ein wenig Verstärkung durch die Truppen des Comte de Rochambeau erhalten. Obwohl sein Französisch kaum existent ist (dafür ist sein Latein gut), verstehen sich Rochambeau und Washington gut. Und planen gemeinsam mit dem französischen Admiral de Grasse den Angriff auf Yorktown. Lord Cornwallis bleibt nichts anderes übrig, als sich zu ergeben. Nach Saratoga verlieren die Engländer jetzt ihre zweite Armee in Amerika. Und in den Carolinas räumt Nathanael Greene jetzt planmäßig auf, ein kleines Gefecht nach dem anderen, bis sich die Briten nach Charleston zurückziehen.
We fight, get beat, rise, and fight again. Man braucht viel Selbstvertrauen, um über lange Monate einen überlegenen Gegner zu zermürben. There are few Generals that have run oftener, or more lustily than I have done... But I have taken care not to run too far and commonly have run as fast forward as backward, to convince our enemy that we were like a crab, that could run either way.
Nach dem gewonnenen Krieg zieht es den Mann aus Rhode Island in den Süden, wo er in Georgia Plantagenbesitzer wird. Auch darin eifert er seinem Vorbild George Washington, der immer das Leben eines englischen Landedelmannes einer kriegerischen Tätigkeit vorzog. The garden is delightful. The fruit trees and flowering shrubs form a pleasant variety. We have green peas almost fit to eat and as fine lettuce as you ever saw. The mocking birds surround us evening and morning. The weather is mild and the vegetable world progressing to perfection. We have in the same orchard apples, pears, peaches, apricots, nectarines, plums of various kinds, figs, pomegranate and oranges. And we have strawberries which measure three inches around, schreibt Greene im April 1786. Er kann aber das ländliche Idyll nicht lange genießen, wenige Monate nach diesem Brief stirbt er an einem Hitzschlag.
Montag, 25. Januar 2010
Amerikanische Dandies
Amerikanische Dandies? Es muss sie gegeben haben. Denn das berühmte Lied Yankee Doodle, das in der Zeit der amerikanischen Revolution überall gesungen wird, spricht in Zeile drei und vier von stuck a feather in his cap and called it macaroni und in Zeile zwei des Refrains von Yankee Doodle Dandy. Nun hat macaroni hier nichts mit einem italienischen Gericht zu tun, es ist vielmehr eine Bezeichnung für einen ➱Dandy, die im England des 18. Jahrhunderts allgemein gebräuchlich wird. Horace Walpole benutzt das Wort, James Boswell auch. In der Mitte des 19. Jahrhunderts ist es so gut wie ausgestorben. Wir müssen bei dem Lied bedenken, das es von einem Engländer geschrieben wurde, voller Verachtung für die country bumpkins in den Kolonien. Die sich schon als Dandy fühlen, wenn sie sich eine Feder in den Hut stecken.
Aber was zuerst ein englisches Spottlied ist, wird von den Revolutionären übernommen. Und die singen es dann bei jeder Gelegenheit, wenn sie die Engländer schlagen. Es muss schmerzlich für den Ruhm eines englischen Offiziers sein, auf dem Schlachtfeld von einem Amerikaner in Lederhemd und mit Bärenfellmütze erschossen zu werden, während er gerade dabei ist, mit Hilfe seines Dieners die Seidenstrümpfe zu wechseln. Der Leutnant hieß John Dutton, und sein vor dem Revolutionskrieg gemaltes Portrait ist in schottischem Privatbesitz. Der General Lord Howe hat diese dandyhaften Bedenken des Strumpfwechsels nicht. Als er oben auf Bunker Hill ankommt, sind seine weißen Seidenstrümpfe rot von Blut. Er ist aber einer der wenigen englischen Offiziere, die an diesem Nachmittag überleben. Die Amerikaner haben nicht so schöne blutrote Uniformen wie die Engländer.
Dennoch entwickeln sie ihren eigenen sartorialen Dandyismus. General Daniel Morgans Truppe der Virginia Riflemen trägt Lederhemden, so wie wir uns den Lederstrumpf vorstellen. Und auf dem Bild von der Kapitulation von Saratoga, wo alle amerikanischen Generäle eine blaue Uniform mit goldenen Verzierungen tragen, trägt er ein weißes Lederhemd, mit einem Gürtel geschnürt. Und mit viel Pelzbesatz. Außergewöhnlich, aber doch elegant. Und sicherlich eine bewusste Inszenierung. Daniel Morgan hat auch eine blaue Generalsuniform besessen, aber so sollte ihn die Welt sehen. Kein aristokratischer Gentleman und Dandy, ein Mann aus dem Volke.
Einen der elegantesten englischen Dandies des Revolutionskrieges kann man in der National Gallery in London bewundern. Das Bild ist von Joshua Reynolds gemalt und zeigt General Sir ➯Banastre Tarleton. Allerdings ist der junge Mann auf dem Bild damals noch nicht geadelt, und ein General ist er auch noch nicht. Er kommt aus reichem Hause, war ein großer Dandy in der feinen Londoner Welt, kaufte sich seinen Rang als Oberstleutnant und ist in Amerika nun das, was die Franzosen einen beau sabreur nennen. Die Amerikaner nennen ihn Bloody Ban und hassen ihn, weil er amerikanische Soldaten, die sich schon ergeben hatten, niedergemetzelt hat. Sir Joshua hat den schneidigen Kavallerieoffizier so gemalt, dass wir nicht sehen können, dass ihm an einer Hand mehrere Finger fehlen. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass diesem englischen Möchtegern Aristokraten und Dandy seine größte militärische Niederlage durch Daniel Morgan zugefügt wird. Und das auch noch in einer Schlacht, die ➱Cowpens heißt. ➱Saratoga oder Princeton würde ja noch gehen, aber wer verliert schon gerne eine Schlacht an einem Ort namens Hannahs Kuhpferch? Den Platz hat sich Morgan ausgesucht, gegen jede Empfehlung aus dem Taktiklehrbuch. Einen Wald und einen Fluss im Rücken. Er kann sich nicht zurückziehen. Aber seine jungen Milizsoldaten können auch nicht wegrennen, darum geht es ihm jetzt. Und er ist oben auf einem Hügel, da müssen die Engländer erstmal rauf. Die Schlacht von Cowpens ist ein Beispiel dafür, wie man mit Intelligenz gegen eine gutausgebildete Übermacht gewinnen kann. Auch wenn man nicht so elegante Uniformen hat wie Banastre Tarleton. Es ist nicht bekannt, ob die Amerikaner nach der Schlacht von Cowpens den Yankee Doodle gesungen haben.
Wenn Natty Bumppo, der Held von Coopers Lederstrumpfromanen, so herumgelaufen wäre, hätten ihn seine indianischen Freunde ausgelacht. Aber in Europa kommt er damit an. Hier in den Salons von Paris und London wird der Franzose Audubon zum Amerikaner. Weil sich amerikanische Trapper besser verkaufen, als angebliche Schüler von David. Man findet diesen kultivierten Primitivismus chic. Daniel Boone, der wahrscheinlich die Basis für all diese neuen amerikanischen Helden ist, wird diesen Look sorgsam pflegen. Andrew Jackson wird sich ein ähnliches Image geben. Und am Ende des Jahrhunderts zeigt Buffalo Bill Cody, dass dieser Look des amerikanischen Waldläufer-Dandies nicht totzukriegen ist. In England wird sich diese Mode nicht durchsetzen. Wenn man schon mit dem Wilden flirten möchte, dann liest man Lord Byron und trägt den Hemdkragen offen. Und außerdem ist man gerade auf einem Mittelalter Trip und verkleidet sich als Ritter. Und der Prince Consort entwirft schottische Tartans. Die englische Mode geht seltsame Wege.
Montag, 15. März 2021
der Anfang vom Ende
Heute vor zweihundertvierzig Jahren hat der englische General Lord Cornwallis bei Guilford Courthouse eine Schlacht gegen die Amerikaner gewonnen, es war die letzte Schlacht, die er in Amerika gewann. Wenige Monate später musste er sich George Washington in Yorktown ergeben. In Roland Emmerichs Film ✺The Patriot kommt die Schlacht auch vor, aber das lassen wir mal weg, das hat nichts, aber auch gar nichts, mit historischer Wirklichkeit zu tun. Und Roland Emmerich Filme kommen in diesem Blog sowieso nicht vor. Dies ist kein Bild aus dem Film von Emmerich, es ist ein Photo von einem Re-Enactment der Schlacht. Denn die Schlacht wird als Spektakel für Touristen jedes Jahr wieder geschlagen (ich habe hier einen interessanten ✺Film dazu). In diesem Jahr fiel das allerdings wegen Covid-19 aus.
Historiker haben die Schlacht als einen Pyrrhussieg für Charles Cornwallis bezeichnet, er behauptete zwar das Feld, weil sich der amerikanische General Nathanael Greene mit seinen Truppen geordnet zurückzog, aber gewonnen hatte Cornwallis nichts. There are few Generals that have run oftener, or more lustily than I have done... But I have taken care not to run too far and commonly have run as fast forward as backward, to convince our enemy that we were like a crab, that could run either way, wird Nathanael Greene sagen. Seine Maxime ist: we fight, get beat, rise, and fight again. Ein Sieger würde nach einer Schlacht den Besiegten verfolgen, aber Corwallis bleibt zwei Tage und zwei Nächte mit all den Toten und Verwundeten auf dem Schlachtfeld. Sein Stellvertreter O'Hara wird schreiben: I never did, and hope, I never shall experience two such days and Nights, as these immediately after the Battle, we remained on the very ground on which it had been fought cover'd with Dead, with Dying and with Hundreds of Wounded, Rebels as well as our own. Cornwallis kann Greene nicht verfolgen, er hat einen großen Teil seiner Truppen verloren. Seine Leute können nicht mehr. Und sie haben keinerlei Vorräte mehr. Wenn Cornwallis das Schlachtfeld verlässt, wird er fünfundsiebzig Verwundete dort liegen lassen, in der Hoffnung, dass die Rebellen sich um sie kümmern. Ein Sieg sieht anders aus.
Der entscheidende Augenblick in der Schlacht, die nur neunzig Minuten dauerte, war der Angriff der englischen Garde von General Charles O'Hara, der sich schnell gegen die zahlenmäßig überlegenen Amerikaner festläuft. Und in dem Augenblick befiehlt Cornwallis seiner Artillerie, auf die eigenen Leute zu feuern. Sein Freund O'Hara soll mit Tränen in den Augen versucht haben, ihn davon abzubringen. Man nennt eine solche Aktion neuerdings euphemistisch friendly fire, aber nichts daran ist friendly. Die Engländer verlieren ein Viertel ihrer Truppen, die Amerikaner sind in den Wäldern verschwunden. General O'Hara wird vom Pferd geschossen und kämpft trotz zweier Schusswunden weiter. Sein Neffe, ein 21-jähriger Artillerieleutnant, wird in der Schlacht sterben. Nach Plutarch hat Pyrrhus angeblich gesagt: Sind wir noch einmal siegreich gegen die Römer, sind wir verloren! Und das zitiert der Führer der englischenWhig Partei Charles James Fox, wenn er sagt: Another such victory would ruin the British Army! Und Horace Walpole, nie um ein böses Wort verlegen, wird sagen: Lord Cornwallis has conquered his troops out of shoes, and himself out of troops.
Im Jahr 1781 entscheidet sich der Unabhängigkeitskrieg. Das beginnt im Januar mit der Schlacht von Cowpens, die die Amerikaner dank des taktischen Geschicks von General Daniel Morgan gegen die überlegenen Engländer gewinnen. Dann kommt im März dieses Unentschieden von Guilford Courthouse und im September die alles entscheidende Seeschlacht von Chesapeake Bay. Und dann geht es auch schon schnell zuende, Lord Cornwallis kapituliert in Yorktown. Eine englische Militärkapelle wird The World Turned Upside Down spielen:
If buttercups buzz'd after the bee,If boats were on land, churches on sea,
If ponies rode men and if grass ate the cows,
And cats should be chased into holes by the mouse,
If the mamas sold their babies
To the gypsies for half a crown;
If summer were spring and the other way round,
Then all the world would be upside down.
Er muss sich zwölf Jahre danach wieder ergeben, diesmal nicht den Amerikanern, sondern den Franzosen. Er ist der einzige englische General, der ein Gefangener von Washington und von Napoleon wurde. Die Franzosen geben ihn nicht nach drei Monaten wieder her, die behalten ihn für Jahre. Das Weihnachtsfest 1793 verbringt er im Gefängnis in Paris, aber dieses The World Turned Upside Down, das brauchte er sich nicht mehr anzuhören. Obgleich die Welt draußen aus den Fugen ist. Da ist er während der Schreckensherrschaft im Palais du Luxembourg besser aufgehoben. Und wo sollte er hin, nach England traut er sich nicht zurück. Er hat hohe Spielschulden. Einem Mitgefangenen hat er damals gesagt: In England we can say King George is mad; you dare not say here that Robespierre is a tiger. 1795 tauscht man ihn aus. Gegen - und das ist eine Ironie der Geschichte - den Sohn jenes Comte de Rochambeau, der einst seinen Untergang bei Yorktown besiegelte.
Den General Cornwallis geben die Amerikaner auch wieder her. Einer der Offiziere, die den Waffenstillstand aushandeln, ist Washingtons Adjutant, Colonel John Laurens (hier in der Mitte der drei Herren in einem Ausschnitt aus einem Bild von John Trumbull). Er ist der Sohn des im Londoner Tower gefangenen amerikanischen Kongressabgeordneten Henry Laurens, den die Engländer anderthalb Jahre inhaftiert hatten. Benjamin Franklin hatte vergeblich versucht, ihn gegen General Burgoyne auszutauschen, aber jetzt geht alles ganz schnell, es bleibt sozusagen in der Familie.
Der ehemalige Präsident des Continental Congress Henry Laurens kommt frei, und die Engländer kriegen Lord Cornwallis zurück. Der übrigens, und das ist eine weitere Ironie der Geschichte, der Constable of the Tower ist. Der amerikanische Senat hat das Bild von Laurens im Tower, das Lemuel Francis Abbott gemalt hatte, 1886 gekauft, es hängt heute im Capitol. Ein Jahrzehnt nach seinem unfreiwilligen Englandaufenthalt ist Henry Laurens wieder in Europa, er gehört der Kommission an, die den Pariser Frieden aushandelt, der den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg beendet. Er steht auf dem Bild von Benjamin West hinter Benjamin Franklin. Die rechte Bildhälfte ist leer. Da sollten die englischen Diplomaten hin, aber die haben sich geweigert, für Benjamin West Modell zu sitzen. Die Engländer sind schlechte Verlierer bis zum Schluss.Es gibt schon zu den Schlachten aus den Jahren 1780-1781 hier eine Reihe von Posts. In der Chronologie der Ereignisse sind das die Posts: miles gloriosus, Cowpens, Nathanael Greene, Banastre Tarleton und Chesapeake Bay.
Samstag, 5. September 2020
Chesapeake Bay
Am 16. August 1780 hatte die Armee von Lord Cornwallis bei Camden die amerikanischen Truppen geschlagen, das haben Sie schon in dem Post miles gloriosus gelesen. Es ist für Cornwallis noch nicht die letzte Schlacht, die er im Süden der heutigen USA schlagen muss. Die Schlacht bei Guildford Courthouse hatte ein überwältigender Sieg sein sollen, war aber letztlich ein Pyrrhussieg. We fight, get beat, rise, and fight again, wird der amerikanische General Nathanael Greene schreiben. There are few Generals that have run oftener, or more lustily than I have done... But I have taken care not to run too far and commonly have run as fast forward as backward, to convince our enemy that we were like a crab, that could run either way. Und dann ist da noch die Schlacht von Cowpens (die hier schon einen Post hat), eine militärische Katastrophe für die Engländer. Und es wird noch schlimmer kommen.
Denn wenn diese beiden Herren in Yorktown ihre Befehle zum Angriff geben, geht es für die Engländer zuende. Seit dem Sommer 1780 sind Franzosen in Amerika, das ist die sogenannte Expédition Particulière unter dem Comte de Rochambeau (der hier schon einen Post hat), 450 Offiziere und 5.300 Soldaten. Rochambeau und George Washington verstehen sich vorzüglich, obgleich Washington kein Französisch spricht (dafür ist aber sein Latein gut). Der Comte de Rochambeau kann kein Englisch, aber man hat ihm in Paris zwei Übersetzer mitgegeben.
Wenn die Übersetzer nicht weiterwissen, haben Rochambeau (Bild) und Washington noch Generäle an ihrer Seite, die mehrsprachig sind. Washington vertraut auf den Marquis de Lafayette, Rochambeau auf den Marquis de Chastellux. Der ist nicht nur ein General, der fliessend Englisch spricht, er ist auch noch Schriftsteller und Mitglied der Académie Française. Die Herren Generäle diskutieren den Winter von 1780-81 über Taktik und Strategie. Soll man New York angreifen (was Washington gerne möchte) oder mit dem vereinigten Heer nach Virginia ziehen? Rochambeau ist dafür, Cornwallis in Yorktown anzugreifen, aber er will erst die Meinung von Admiral de Grasse hören, der mit einer Flotte von sechsundzwanzig Linienschiffen vor Saint-Domingue liegt. Der Comte de Grasse plädiert für Yorktown, in der Chesapeake Bay kann eine Flotte besser navigieren als im Hafen von New York. Er verspricht auch, einige tausend Soldaten mitzubringen.
Washington und Rochambeau machen sich im Juni 1781 mit ihren Truppen auf den tausend Kilometer langen Weg von Newport, Rhode Island (wo später das berühmte ✺Jazz Festival sein wird), zur Chesapeake Bay. Das ist heute die sogenannte Washington–Rochambeau Revolutionary Route. In der Mitte des Weges muss sich Washington Geld von Rochambeau leihen, er kann seine Soldaten nicht mehr bezahlen. Der Marsch wird vierzehn Wochen dauern. Am Ende hat Washington die Gelegenheit, zum ersten Mal seit 1775 wieder einmal seinen Landsitz Mount Vernon zu sehen. Der Comte François Joseph Paul de Grasse hält sein Wort und segelt los. Er wählt allerdings nicht die übliche Route, um die Engländer zu irritieren. Der englische Admiral George Rodney glaubt, dass ein Teil der französischen Flotte jetzt nach Europa zurückkehren würde, weil die Saison der gefürchteten Hurrikane naht. Er selbst segelt nach England zurück und lässt den Rear Admiral Sir Samuel Hood mit einer Flotte von nur 11 Linienschiffen zurück.
In Newport liegt noch eine zweite kleine französische Flotte, befehligt von dem Comte de Barras. Der wollte eigentlich eine kleine Expedition gegen Neufundland beginnen, aber Rochambau überredet ihn, stattdessen Soldaten, Verpflegung und Munition in den Süden zu transportieren. Er macht es, aber er macht es ungern, de Grasse ist der Dienstältere, der hat das Sagen und hat eine viel größere Flotte als er. Ende August verlässt Admiral Barras mit acht Linienschiffen, vier Fregatten und 18 kleineren Transportschiffen den Hafen von Newport. Was sich Rochambeau und Washington im Mai 1781 in einer mehrtägigen Konferenz im Haus von Joseph Webb in Wethersfield ausgedacht haben, ist ein genialer, aber etwas irrwitziger strategischer Plan. Eine amerikanisch-französische Armee auf einem Marsch von tausend Kilometern, bei dem Flüsse und Meerengen überwunden werden müssen. Zwei französische Flotten, die ständig der Royal Navy ausweichen müssen - alles kann schiefgehen.
Als erstes geht etwas für die Engländer schief. Der Admiral Hood (hier auf dem 1784 gemalten Portrait von James Northcote) taucht am 25. August 1781 vor der Chesapeake Bay auf. Aber da sind keine Franzosen. Kein einziges Schiff. Er segelt mit seinen elf Schiffen nach New York zurück. Dabei hätte er auf den französischen Admiral de Barras treffen können, aber das Schicksal will das glücklicherweise nicht. Horatio Nelson hat Hood the greatest sea officer I ever knew, great in all situations which an admiral can be placed in genannt. Doch die Historikerin Barbara Tuchman sieht dieses Lob kritisch: Nelson was habitually overkind to his officers, and in this case rated Hood more highly than he deserved; his tribute cannot apply to situations in America in which Hood, on a number of occasions, was not only not great but something less than adequate.
In New York begegnet Hood seinem Kollegen Admiral Thomas Graves (hier von Gainsborough gemalt). Der hat zwar nur fünf Schiffe, ist aber sein Vorgesetzter, weil er gerade zum Kommandeur der North America and West Indies Station eingesetzt worden ist. Er wird diese Stellung nur wenige Monate lang innehaben. Die letzten Wochen hatte Graves erfolglos damit verbracht, irgendwo auf dem Atlantik den Konvoi von Colonel John Laurens zu finden, der Nachschub für die Amerikaner aus Frankreich bringt. Die patriotschen Taten von John Laurens und seinem Vater Henry Laurens werden hier schon erwähnt. Graves kann den frisch geadelten Baron Hood nicht ausstehen. I know no-one whatsoever that I should have wished in preference to my old friend Sir Samuel Hood, schreibt er an die Admiralität. Aber im Kreis seiner Offiziere sagt er: They might as well have sent me an old applewoman.
Denn genau das ist der Comte de Grasse. Sein Sieg in der Seeschlacht vom 5. September 1781 entscheidet den Revolutionskrieg. Hätten die Engländer einen Horatio Nelson gehabt, wäre die Sache vielleicht anders ausgegangen, aber sie haben nur Hood (der something less than adequate ist) und Graves. Über den hat der englische Marinehistoriker Michael Lewis gesagt: he had lost no engagement, no ships, none was lost on either side. He had merely lost America. Nach der Seeschlacht vom 5. September, die nur zweieinhalb Stunden dauert, belauern sich die englische und die französische Flotte noch zwei Tage lang, treiben hinunter bis Cap Hatteras. Dann segelt Graves mit seiner Flotte, die zum großen Teil aus schwimmendem Kleinholz besteht, nach New York zurück. Er wird die Schuld auf sich nehmen, obgleich jeder weiß, dass Hood der große Versager war. Der französische Admiral de Barras ist mittlerweile mit seiner Flotte in der Chesapeake Bay gelandet und hat die Kanonen ausgeladen, die Washington und Rochambeau für die Belagerung von Yorktown so dringend brauchen.
Der englische Historiker Thomas Babington Macaulay hatte seinen Kollegen empfohlen, so zu schreiben wie Sir Walter Scott. Damit betonte er das Erzählerische, das ein Historiker besitzen sollte. Neuerdings heißt das Schlagwort dafür narrative history. Wenn irgendjemand das beherrscht, dann ist es die amerikanische Historikerin Barbara Tuchmann gewesen: Tuchman writes narrative history in the great tradition ... A persuasive book, which brings us entertaining pictures, scenes and characters, schrieb die Chicago Tribune in ihrer Rezension zu The First Salute (Der erste Salut). Man ist als Leser zuerst ein wenig all at sea, wie der Engländer sagt. Ein wenig ratlos. Was haben die Schiffe, Flotten und Admiräle mit Amerikas Revolutionskrieg zu tun? Aber dann wird es uns klar: der Unabhängigskeitskrieg wird nicht durch die Überquerung des Delaware, nicht durch den Sieg von Saratoga oder die Schlacht von Cowpens gewonnen. Er wird durch die Seeschlacht vor der Chesaspeake Bay gewonnen. Um nichts anderes geht es. The Battle of Chesapeake Bay was one of the decisive battles of the world. Before it, the creation of the United States of America was possible; after it, it was certain, schreibt Michael Lewis The History of the British Navy.
Cornwallis ist jetzt in Yorktown abgeschnitten, am 19. Oktober muss er sich ergeben. Die amerikanische Militärkapelle spielt ✺The World Turned Upside Down.
Sonntag, 15. März 2026
das Ende eines Kriegs
Heute vor 245 Jahren hat der englische General Charles Cornwallis bei Guilford Courthouse in North Carolina eine Schlacht gegen die Amerikaner gewonnen. Es war die letzte Schlacht, die er in Amerika gewann. Wenige Monate später musste er sich George Washington in Yorktown ergeben. In Roland Emmerichs Film ✺The Patriot kommt die Schlacht auch vor, aber das lassen wir mal weg. Wenn aus Francis Marion, den man den swamp fox nennt, Mel Gibson wird, dann hat das nichts, aber auch gar nichts, mit historischer Wirklichkeit zu tun. Das ist nur grauenhafte Geschichtsklitterung. Und Roland Emmerich Filme kommen in diesem Blog sowieso nicht vor. Dies ist kein Bild aus dem Film von Emmerich, es ist ein Photo von einem Re-Enactment der Schlacht. Denn die Schlacht wird als Spektakel für Touristen jedes Jahr wieder geschlagen. Auch heute wird es, beginnend um 14:00 Ortszeit, wieder ein →Re-Enactment geben. Ich habe hier einen interessanten ✺Film zu dem Thema.
Die Schlacht von Cowpens, die die Amerikaner im Januar 1781 dank des taktischen Geschicks von General Daniel Morgan gegen die überlegenen Engländer gewinnen, hatte sich General Nathanael Greene zum Vorbild genommen, als er sich endlich Lord Cornwallis in einer Schlacht stellt. Greene war einer der engsten Freunde von George Washington und gilt als einer der fähigsten amerikanischen Generäle im Unabhängigkeitskrieg. Er hat keine einzige Schlacht gewonnen.
Aber worin liegt seine Größe? Normalerweise beurteilt man Feldherren nach ihren gewonnenen Schlachten, damit kann der Quäker aus Rhode Island, den man The Fighting Quaker nennt, nicht aufwarten. Nathanael Greene hatte den Krieg als gemeiner Soldat begonnen. Die Infanteriekompanie, in die er eingetreten war, wollte ihn nicht zu ihrem Captain wählen, weil er ein lahmes Bein hatte. Aber wenig später ist er schon Brigadegeneral der Miliz. Er ist vom Anfang des Krieges an immer an Washingtons Seite gewesen, später hat ihn Washington zum Generalquartiermeister der Armee gemacht. Das hat Greene nicht geschmeckt (No one ever heard of a quartermaster in history), aber er hat in dieser Zeit viel gelernt, er holt da sozusagen eine Generalstabsausbildung nach. Wie man Truppenteile bewegt, wie man Nachschub an Munition und Verpflegung organisiert. Vieles bezahlt er jetzt auch (wie Washington) aus eigener Tasche. In seiner Jugend hat er jedes Buch über die Kriegskunst gelesen, das er in die Finger kriegen konnte - was die Quäkergemeinde nicht gerne sah - jetzt kann er die Theorie in die Praxis umsetzen.
Als George Washington ihm einmal für wenige Tage die Armee überlässt, tut er das mit den folgenden Worten: In my absence the command of the army devolves upon you. I have such entire confidence in your prudence and abilities that I leave conduct of it to your discretion, with only one observation: that with our present prospects it is not our business to seek action, nor to accept one, except upon advantageous terms. Den letzten Satz hat er verinnerlicht, als er das Kommando über die amerikanische Armee in den südlichen Kolonien erhält: it is not our business to seek action, nor to accept one, except upon advantageous terms. Und er weiß, dass er Niederlagen einstecken wird, Scharmützel, Gefechte und Schlachten verlieren wird. There are few Generals that have run oftener, or more lustily than I have done... But I have taken care not to run too far and commonly have run as fast forward as backward, to convince our enemy that we were like a crab, that could run either way, wird Nathanael Greene sagen. Seine Maxime ist: we fight, get beat, rise, and fight again. Das schreibt er auch an den französischen Gesandten in Amerika, den Chevalier de la Luzerne (nach dem Luzerne County in Pennsylvania benannt ist). Der gleiche Satz findet sich auch in einem Brief an Washington vom 1. Mai 1781. General Greene hat den Unterschied zwischen Strategie und Taktik begriffen, er will keine Schlacht gewinnen, er will den Krieg gewinnen.
Er wird die Schlacht von Guilford Court House verlieren, weil der Gegner am Ende der Schlacht das Feld behauptet, nachdem sich Greene geordnet zurückgezogen hat. Aber das ist wieder einmal das, was man so schön als Pyrrhussieg bezeichnet. The enemy got the ground the other Day. They had the splendour but we the advantage. Cornwallis kann Greene nicht verfolgen, er schafft es nicht einmal, sich um seine Toten und Verwundeten zu kümmern, die beinahe zwei Tage im strömenden Regen auf dem Schlachtfeld liegen. Allein die Garderegimenter verlieren elf ihrer neunzehn Offiziere durch Tod oder Verwundung (und beinahe die Hälfte der Mannschaften). Die Amerikaner hatten es sich angewöhnt, zuerst auf die Offiziere zu schießen. Einfache Soldaten kann Cornwallis aus den loyalistischen Milizen des Südens rekrutieren, Offiziere, die ihren Beruf erlernt haben, bekommt er nicht nach. Die Truppen, die ihm Sir Henry Clinton versprochen hat, kommen nie an. Als die Verlustlisten London erreichen, wird der Oppositionsführer im Parlament Charles James Fox ausrufen: Another such victory would ruin the British army! Als der Bericht von General Greene den Kongress in Philadelphia erreicht, hat eine Zeitung die schöne Schlagzeile Good News from the South.
Charles Cornwallis ist der Sieger der Schlacht, aber gewonnen hat er nichts. Ein Sieger würde nach einer Schlacht den Besiegten verfolgen, aber Corwallis bleibt zwei Tage und zwei Nächte mit all den Toten und Verwundeten auf dem Schlachtfeld. Sein Stellvertreter Charles O'Hara wird schreiben: I never did, and hope, I never shall experience two such days and Nights, as these immediately after the Battle, we remained on the very ground on which it had been fought cover'd with Dead, with Dying and with Hundreds of Wounded, Rebels as well as our own. Cornwallis kann Greene nicht verfolgen, er hat einen großen Teil seiner Truppen verloren. Seine Leute können nicht mehr. Und sie haben keinerlei Vorräte mehr. Wenn Cornwallis das Schlachtfeld verlässt, wird er fünfundsiebzig Verwundete dort liegen lassen, in der Hoffnung, dass die Rebellen sich um sie kümmern. Ein Sieg sieht anders aus.
Der entscheidende Augenblick in der Schlacht, die nur neunzig Minuten dauerte, war der Angriff der englischen Garde von General Charles O'Hara, der sich schnell gegen die zahlenmäßig überlegenen Amerikaner festläuft. Und in dem Augenblick befiehlt Cornwallis seiner Artillerie, auf die eigenen Leute zu feuern. Sein Freund O'Hara soll mit Tränen in den Augen versucht haben, ihn davon abzubringen. Man nennt eine solche Aktion neuerdings euphemistisch friendly fire, aber nichts daran ist friendly. Die Engländer verlieren ein Viertel ihrer Truppen, die Amerikaner sind in den Wäldern verschwunden. General O'Hara wird vom Pferd geschossen und kämpft trotz zweier Schusswunden weiter. Sein Neffe, ein 21-jähriger Artillerieleutnant, wird in der Schlacht sterben. Nach Plutarch hat Pyrrhus angeblich gesagt: Sind wir noch einmal siegreich gegen die Römer, sind wir verloren! Und das zitiert der Führer der englischen Whig Partei, Charles James Fox, wenn er sagt: Another such victory would ruin the British Army! Und Horace Walpole, nie um ein böses Wort verlegen, wird sagen: Lord Cornwallis has conquered his troops out of shoes, and himself out of troops.
Cornwallis schleppt sich durch North Carolina und landet schliesslich in Yorktown in Virginia, wo er hofft, von der Royal Navy unterstützt zu werden. Aber die Hoffnung ist vergebens, denn im September verlieren die Engländer die Seeherrschaft. Lesen Sie mehr dazu in dem Post Chesapeake Bay. Ein halbes Jahr nach Cornwallis' Sieg bei Guilford Courthouse beginnen Amerikaner und Franzosen die Belagerung von Yorktown. Am 19. Oktober 1781 muss sich Cornwallis ergeben. Auf diesem Bild geben Rochambeau und Washington gerade den Befehl zum letzten Angriff..Dienstag, 5. November 2019
Washington Allston
Diese kühle Blonde ist die Prinzessin Florimel. Auf jeden Fall stellt sich ein Fan der Chronicles Of Amber so vor. Florimel ist ein schöner Name, es stecken Blume (Flora) und Honig (mel) darin. Aber der Science Fiction Autor Roger Zelazny hat diese Prinzessin Florimel nicht erfunden, die gibt es schon ganz lange. Also ungefähr seit 1590. Dass ich Zelaznys Florimel überhaupt kannte, liegt daran, dass ich vor vielen Jahren mal einen Artikel über SF etc (genauer gesagt, einen Hassartikel) geschrieben habe, Teile davon sind in den Post Fantasy gewandert.
Ich lasse einmal die Chronicles Of Amber draußen vor und springe ins 16. Jahrhundert zu der Florimel, die in Edmund Spensers epischem Gedicht The Faerie Queene vorkommt. Da heißt es über die in goldene Kleider gehüllte Florimel: Still as she fled her eyes she backward threw As fearing evil that pursued her fast And her fair yellow locks behind her flew. Dieses zwei hundert Jahre alte schöne romantische Bild setzt Spensers Zeilen perfekt um. Das Bild ist von dem amerikanischen Maler Washington Allston, der heute vor 240 Jahren geboren wurde.
Allston war vier Jahre in Italien, man nannte ihn in Rom den amerikanischen Tizian, häufig haben seine Bilder etwas von dem großen Venezianer. Dieses Selbstportrait mit der interessanten Verteilung von Licht und Schatten hat er 1805 in Rom gemalt. Allston hatte in Harvard studiert und war danach nach London gereist, wo er zwei Jahre lang der Schüler von Benjamin West war. Viele amerikanische Maler sind im 18. und frühen 19. Jahrhundert nach England gereist, Benjamin West und John Singleton Copley waren die frühesten. Lesen Sie mehr dazu in dem Post 18th century: America.
Allston ist einer der ersten in Amerika, der den Vornamen Washington bekommt. In Rom wird er seinen Namensvetter Washington Irving, den Erfinder der amerikanischen Short Story, kennenlernen, sie werden Freunde. Auch den englischen Dichter Samuel Taylor Coleridge, der zu einem lebenslangen Freund wird, lernt Allston in Rom kennen. Er wird ihn ein Jahrzehnt später, wenn er mit seinem Schüler Samuel Morse England besucht, portraitieren. Und nicht nur das, er wird auch ein Gedicht für Coleridge schreiben, denn er ist nicht nur Maler, er ist auch noch Dichter. Die vier Jahre in Italien sind die glücklichste Zeit seines Lebens.
Washington Allstons Vater soll auf dem Sterbebett über seinen Sohn gesagt haben: He who lives to see this child grow up will see a great man. Ich weiß nicht, wie wahr diese Geschichte ist, aber der Sohn von dem Plantagenbesitzer William Allston ist ein großer Mann geworden. Ein Stadtteil von Boston heißt heute noch nach ihm. Den Tod seines Vaters umgibt eine mysteriöse Geschichte, der Captain Allston hatte gerade die Schlacht von Cowpens überlebt, war nach Hause geritten und starb dann plötzlich auf seiner Plantage, wahrscheinlich wurde er von einem Diener vergiftet.
Diese drei Landschaftsbilder von Allston in den letzten Absätzen zeigen uns, dass er im Pariser Louvre und in Rom genügend Bilder von Claude Lorrain gesehen hat, an dessen formelhafter Landschaft kaum ein Landschaftsmaler vorbeikommt. Seine Bilder werden auch die amerikanische Landschaftsmalerei beeinflussen. Allston kehrt 1818 aus Europa nach Boston zurück, aber seine große Zeit ist vorbei. Robert Southey wird in The Vision of Judgment schreiben:
Here lost in their promise
And prime, were the children of Art, who should else have deliver'd
Works and undying names to grateful posterity's keeping,
Such as Haydon will leave on earth; and he who, returning
Rich in praise to his native shores, hath left a remembrance
Long to be honour'd and loved on the banks of Thames and of Tiber:
So may America, prizing in time the worth she possesses,
Give to that hand free scope, and boast hereafter of Allston.
Zu seinem sechzigsten Geburtstag organisieren Freunde in Harding's Gallery in Boston eine Ausstellung seines Werkes. Es sind nur die Werke, die man in Amerika hat finden können: Such pictures of this great master as could be obtained on this side of the Atlantic, were collected for exhibition at Boston in the spring of 1839 and, although his largest and most celebrated works were not included, the variety, originality, artistic finish, and beauty — the mature skill and refined genius manifest in this gallery, made a deep and delightful impression upon all spectators versed in art, or endowed with a sense of the beautiful, schreibt Henry Tuckerman in seiner Geschichte der amerikanischen Maler.
Das Bild von der fliehenden Florimel war in der Ausstellung, vielleicht sein schönstes Bild. Man musste den Maler aus einem life of great seclusion reißen, das er in dem Bostoner Vorort Cambridgeport führte: Allston starved spiritually in Cambridgeport; he fed upon himself. There was nothing congenial without, and he turned all his powers inward and drained his memory dry. His works grew thinner and vaguer everyday, and in his old age he ruined his great picture. I know no more melancholy sight than he was, so rich and beautiful a nature, in whose veins the south ran warm, which was born to have grown to such a height . . . stunted on the scant soil and withered by the cold winds of that fearful Cambridgeport, hat der Bildhauer William Wetmore Story geschrieben.
Vielleicht hätte Allston in London bleiben sollen, wo ihn die Royal Academy 1819 zum Associate ernannt hatte, im selben Jahr übrigens, in dem auch John Constable ARA hinter seinen Namen schreiben konnte. Mein Lieblingsbild von Allston ist Rising of a Thunderstorm at Sea. Er hat es 1804 in Paris gemalt, wo er die Bilder mit Stürmen und Schiffbruchszenen von Joseph Vernet gesehen hatte: In Allston’s thunderstorm the tremendous presence and power of nature, the smallness of man, and the gallantry of his will to master nature expressed by the beauty of the swaying ship are felt by a mind peculiarly open to impressions of solemnity and grandeur. The whole tone is changed. Nature had never been felt in this way by Vernet or in American painting. Sagt Edgar Preston Richardson in Washington Allston: A Study Of The Romantic Artist In America und betont das Einmalige dieses Bildes.


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