Freitag, 2. April 2010

Karfreitag


Dass heute einer der höchsten christlichen Feiertage ist, kann man mit einem Blick am Fernsehprogramm erkennen: Aliens vs. Predator, Wu Kung: Herr der blutigen Messer, Dolph Lundgren: The Last Warrior, Blackbeard: Piraten der Karibik. Dazu diese schlimmen Hollywood Blockbuster wie Ben Hur, Die zehn Gebote oder Kampf um Rom. Und als Höhepunkt die Passiongeschichte in der Version von Mad Max Mel Gibson. Da kann man schon dankbar sein, dass man bei 3sat wenigstens im Abendprogramm Bachs Matthäuspassion sehen und hören kann. Gut, es wird Menschen geben, die jetzt in die Kirche gehen, die heute in der Bibel lesen, die heute Brahms Deutsches Requiem hören werden oder John Donnes Good Friday, 1613. Riding Westward lesen. Aber ich fürchte, sie sind in der Minderheit. Geistliche Lyrik zu schreiben, war für John Donne noch eine Selbstverständlichkeit. Heute muss man schon angestrengt suchen, um einen christlichen Dichter zu finden.

Die Gedichte von ➱Andrew Hudgins in The Never-Ending 1991 wären eine Alternative. Der gebürtige Texaner, der in Montgomery, Alabama (da, wo Dr. Martin Luther King Pastor gewesen ist) aufgewachsen ist und auf einem Methodisten College gewesen ist, hat sich einmal, wenn schon nicht als Christian, dann aber auf jeden Fall als Christian poet bezeichnet. Und einem Journalisten auf die Frage nach seiner Lektüre  geantwortet: Robert Lowell und die Bibel. Robert Lowell ist einer der bedeutendsten amerikanischen Dichter im 20. Jahrhundert gewesen, man merkt den Einfluss sicherlich überall im Werk von Hudgins. Den der Bibel auch, Hudgins' Vater hat der Familie jeden Abend daraus vorgelesen.

Mein Exemplar von The Never-Ending trägt die handschriftliche Widmung des Autors an einen bedeutenden deutschen Dichter. Der mit dem Band nichts anderes anzufangen wußte, als ihn in einem Antiquariat zu verkaufen. Irgendwie ein barbarischer Akt für einen Dichter. Andrew Hudgins ist nicht irgendjemand, kein obskurer religiöser Fanatiker aus dem amerikanischen Süden, wie Hazel Motes in Flannery O'Connors Roman Wise Blood. Hudgins' Gedichte sind im New Yorker und in ähnlichen prominenten Journalen gedruckt worden. Er hat zahlreiche literarische Preise erhalten, ist 1985 mit Saints and Strangers in die Nähe des Pulitzer Preises gekommen und ist Gastprofessor in Princeton gewesen. Er lehrt heute als Professor für Englisch an der Ohio State University. Und er schreibt immer noch Gedichte, vielleicht die originellsten in Amerika. Hudgins' ist kein Prediger, er hat keine Botschaft zum Mitnehmen. Aber die stille Art, in der er in The Never-Ending die Passionsgeschichte mit dem Hass der weissen Ku-Klux-Klan Nachfolger auf die Schwarzen im Alabama der fünfziger Jahre kontrastiert, lässt den Leser betroffen zurück. Diese Geschichte ist nicht auf dem Kalvarienberg zu Ende, sie ist nie zu Ende.


Christ Carrying the Cross


Two crosses on the hill await a third.
A crowd stands in a circle as other townsfolk
swarm slowly up the hill to join them. Where's Christ?
They frolic, gossip, rear the horses, laugh.
Even the soldiers celebrate. They sport
red jackets as they keep some order here.
Not too much. It's an execution, after all.
Where's Christ? There are the thieves. In a horse cart,
one prays, one stares into the sky and howls.
Where's Christ? There's a small town, 
there's a crag with a black windmill, rickety, on top.
And there's Christ, hard to see, right in the center.
He's fallen beneath his huge cross. Can he rise?
The revelers kick and taunt him. At church we sing,
Where were you when they crucified my Lord?
A crow perched on a torture-wheel looks off
into the distance. Christ staggers, falls, stays down.
Eternity's a long walk, Lord. Get up!

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