Samstag, 13. August 2011

Mauern


Gesine Lötzsch wurde wenige Tage vor dem Beginn des Mauerbaus vor fünfzig Jahren geboren. Sie ist heute im Vorstand der Linken, früher war sie mal in der SED. Ich habe mit Erstaunen festgestellt, dass sie eine Wissenschaftlerin ist. Bisher hatte ich nach ihrem Auftreten immer auf Beruf Hausfrau getippt, deren intellektuelle Grenzen mit dem Einkochen von Rote Beete erreicht sind. Ihre Reden im Bundestag gelten regelmäßig als rhetorische Tiefpunkte. Selbst auf Parteitagen nutzen Delegierte Lötzschs Auftritte gerne für eine Kaffee-Pause, schrieb die Süddeutsche.

Einen Doktortitel hat Frau Lötzsch auch, allerdings aus der Zeit, als sie noch in der SED war. Ich weiß nicht, was so etwas heute wert ist. Ihre Dissertation zum Thema Computergestützte Studien zum mittelniederländischen Plenarium Ms. germ. 1612 liegt schon mal bei PlagiPedi Wiki. Die haben aber in die 151 Seiten noch nicht hineingeguckt. Und bevor Sie jetzt auf die Idee kommen, dass das ein Phantasietitel ist: das ostmittelniederländische Plenarium Ms. germ. 2°1612 gibt es wirklich in der Deutschen Staatsbibliothek zu Berlin in der Abteilung Manuscripta Mediaevalia. Es gibt von Een nuttelijc boec den kerstenen menschen nur ein Exemplar.

Frau Dr. Lötzsch ist in diesem Jahr immer wieder mit originellen Meinungen hervorgetreten, die durch die Meinungsfreiheit der BRD abgedeckt sind. Wie Anfang des Jahres mit einer neuen Kommunismus-Diskussion. Neuerdings ist sie, passend zum Mauerbau vor fünfzig Jahren, für eine Mauer-Debatte. In der Debatte um die Bewertung des Mauerbaus hat die Bundesvorsitzende der Linken, Gesine Lötzsch, die historische Einordnung angemahnt, so fängt die Meldung an. Muss dpa in die Welt gesetzt haben, wird im Netz hundertfach nachgedruckt. Die Mauer-Debatte mit der historischen Einordnung von Gesine Lötzsch ist allerdings nicht so furchtbar originell, weil sie eigentlich nur DDR Propagandafloskeln wiederholt, die schon ein halbes Jahrhundert alt sind. 35 Prozent der Berliner finden den Bau der Mauer gar nicht so falsch, lautete vor wenigen Wochen die Schlagzeile eines Artikels, der über eine FORSA Umfrage berichtete. Die meisten Befürworter des Mauerbaus wählen auch die Partei von Gesine Lötzsch. Der Beton ist nicht nur in die Mauer gewandert, der ist auch immer noch in manchen Köpfen.

Helmut Kohl hat seit wenigen Tagen ein Stückchen Berliner Mauer bei sich im Garten. Soll wohl so etwas wie eine Ruine oder eine Grotte sein, wie man sie sich im 18. Jahrhundert in England in den Garten bauen ließ. Eine Erinnerung an die Vergangenheit. Manche adlige Großgrundbesitzer  beschäftigten damals auch einen ornamental hermit, einen Ziereremiten, der in der Grotte wohnte. Unterkunft und Verpflegung frei. Der musste nur nach Vergangenheit aussehen und wirres Zeug reden. Vielleicht könnte Gesine Lötzsch ja Ziereremit bei Helmut Kohl im Garten werden. Die sitzt denn da auf dem Mauerrest und redet vom Kommunismus und vom Mauerbau.

Ach, ist das alles unersprießlich. Ich hätte an diesem Tag gerne lieber was anderes geschrieben. Wenn Ihnen das heute nicht gefällt, dann lesen Sie doch diesen ➱Post vom letzten Jahr. Ich hatte meine Erinnerungen an den Mauerbau vor einem Jahr mit einem Gedicht von Wolf-Dieter Biermann abgeschlossen, und ich will ihm auch heute das letzte Wort geben. Der Liedermacher fand die Äußerungen der Parteichefin zum Mauerbau unerträglich und sagte über sie, dass sie versuche, sich selbst mit ihrer Partei aus der Schuld herauszulügen, die geschichtlich auf diesen Leuten lastet. Das sind ja die Erben der DDR-Nomenklatura, und zwar finanziell und politisch und moralisch, genauer gesagt, unmoralisch. Es ist dieses verkommene Pack, das uns jahrzehntelang in der DDR unterdrückt hat, und natürlich tun die alles, um ein Geschichtsbild zu basteln, wo sie mit blauem Auge davonkommen und nicht mit Kopf ab.

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