Donnerstag, 4. April 2019

In Bremen ist es allerbest!


Otto Gildemeister, der mehrfache Bürgermeister seiner Heimatstadt, ist wohl der gebildetste Bremer im 19. Jahrhundert gewesen. Er ist in diesem Blog schon mehrfach erwähnt worden, irgendwann komme ich noch mal dazu, einen längeren Post über ihn zu schreiben. Schon als Schüler hatte er damit begonnen, sich an Übersetzungen zu versuchen. Am Ende seines Lebens hatte er Shakespeares Sonette, Ariosts Der rasende Roland und Dantes Göttliche Komödie übersetzt. Dazu noch Lord Byrons Werke in sechs Bänden. Und dann gibt es noch diese wunderbaren Essays von ihm, von denen der Rütten und Loening Verlag 1991 eine Auswahl unter dem Titel Allerhand Nörgeleien herausgebracht hatte. Die Essays sind aber auch hier im Projekt Gutenberg zu lesen.

Er hat wenig Gedichte geschrieben, nur einige Gelegenheitsgedichte, einen Festgesang zur Schillerfeier 1859 und ein Begrüßungsgedicht an Kaiser Wilhelm I. Etwas Längeres findet sich in dem Begleittext zu lebenden Bildern des Festspiels Eine Wette im Olymp, das Gildemeister 1860 für das Stiftungsfest des im neuen Festsaal des Künstlervereins aufgeführten Stückes schrieb. Bei einem Gastmahl der olympischen Götter mit Nektar und Ambrosia zieht Neptun über die Hansestadt Bremen her. Aber Merkur, der Gott der Kaufleute (und der Diebe), kommt den Bremern wortreich, wenn auch ein wenig ironisch, zu Hilfe:

Wenn Bremen man beschreit,
So ist das nichts als Neid;
Die Stadt ist arm an nichts als Mängeln;
Die Frauen gleichen alle Engeln;
Die Männer drin sind ganze Kerle;
Kurzum, die Stadt ist eine Perle;
Die Gegend glatt und drum bequem,
Das Klima feucht und angenehm,
Die Küche einfach und geschmackvoll,
Die Luft von edelstem Tabak voll;
Denn jede Sorte, die nichts taugt,
Wird nur für den Export gebraucht;
Mit einem: Süd, Nord, Ost, West,
In Bremen ist es allerbest!

Das musste mal eben zitiert werden, vor allem, weil Werder Bremen gestern Abend gegen Schalke 04 gewonnen hat.

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