Dienstag, 8. Juni 2010

Ernst Busch


Der Schauspieler und Sänger Ernst Busch ist heute vor dreißig Jahren gestorben. Als er 1900 in Kiel geboren wurde, hatten wir noch einen Kaiser. Und auf dem, was in Kiel de kiserliche warf hieß, hat der junge Ernst Busch auch angefangen. Dann der Matrosenaufstand und die Revolution, da war der Maschinenschlosser schon in der Kommunistischen Partei. 1921 hat er sein erstes Engagement am Stadttheater Kiel bekommen, stand mit Bernhard Minetti, Hans Söhnker und Gustav Gründgens auf der Bühne. Von diesen Namen träumt man am Stadttheater Kiel heute noch. An 1927 ist er in Berlin und ist bei allem dabei, was Piscator, Brecht und Friedrich Wolf inszenieren. Spielt und singt in der Dreigroschenoper und dem Film Kuhle Wampe. Und beginnt jetzt zu singen. Brandgesänge, gemacht aus Feuer und Hammerschlag, hat Heinrich Mann gesagt. Den Roten Orpheus und den Barrikaden Tauber hat man ihn genannt und singendes Herz der Arbeiterklasse.

1933 muss er emigrieren. Im Spanischen Bürgerkrieg wird er vor den Internationalen Brigaden singen, und mit dem, was er da singt, ist er bis heute berühmt. 1940 erscheint in Amerika bei Keystone Records eine Platte mit dem Titel 6 Songs for Democracy, mit Begleittexten von Erich Weinert und Paul Robeson. Der ist ein Beispiel dafür, dass man trotz internationalen Renommees nicht nur bei den Nazis verfolgt wird, wenn man nicht ins System passt. In der McCarthy Ära zieht man seinen Pass ein und lässt ihn nicht mehr auf die Bühne. Zu der Zeit ist Ernst Busch, der die letzten Kriegsjahre im Zuchthaus Brandenburg verbrachte, im Arbeiter- und Bauernparadies, aber so richtig glücklich ist er da auch nicht. Den Erich Honecker hat er mal geohrfeigt. So etwas ist nicht gut für die Karriere. Aber er kann noch mitansehen, dass die neuen Liedermacher, die sich auf Burg Waldeck treffen, jetzt seine Lieder wieder singen und dass das politische Lied im Westen salonfähig wird. Auch Wolf Biermann, den die DDR argwöhnisch betrachtet, wird Lieder singen, die zu Buschs Standardrepertoire gehörten.

Mit unseren Liedern haben wir Deutschen Schwierigkeiten, wie Franz Josef Degenhardt auf der Burg Waldeck gesungen hat:

Tot sind unsere Lieder
Unsere alten Lieder.
Lehrer haben sie zerbissen,
Kurzbehoste sie verklampft,
braune Horden totgeschrien,
Stiefel in den Dreck gestampft.

Hannes Wader, der 1977 bei Philips Hannes Wader singt Arbeiterlieder herausbringt, wird sehen, dass sein Engagement für die DKP ihn auch in der freiheitlichen Bundesrepublik in Schwierigkeiten bringt. Der NDR (und andere Radiosender) boykottiert ihn, so wie McCarthys Amerika Paul Robeson boykottiert hat. Hannes Wader singt Arbeiterlieder enthält vieles, was auch Ernst Busch gesungen hat. Und obgleich sich Wader in der Vortragsart sehr stark an Busch orientiert, wirken dessen zwanzig Jahre ältere Aufnahmen immer noch frischer, voller Feuer und jugendlichem Pathos. Denn Buschs Lieder gab es damals auch wieder zu hören, der linke Verlag Pläne hatte die Rechte von der Aurora erworben und die Lieder der Arbeiterklasse und Lieder des spanischen Bürgerkrieges auf zwei LPs auf den Markt gebracht. Mit einem dezenten Hinweis im Kleingedruckten: Diese Schallplatte konnte durch Unterstützung von Ernst Busch und der Akademie der Künste der Deutschen Demokratischen Republik erscheinen. Wurde auch nicht im Radio gespielt, aber gekauft wurde es. Man kann es noch heute kaufen. Und ich habe zu meiner Überraschung feststellen können, dass Ernst Busch bei YouTube hervorragend repräsentiert ist. Seine Lieder sind hier durch Photos aus dem spanischen Bürgerkrieg zum Teil sehr gut  illustriert. Man sollte sich unbedingt die Lieder vom Thälmann Bataillon (Spaniens Himmel breitet seine Sterne...), die Ballade von der XI Brigade und Halt stand, Rotes Madrid anhören und anschauen.

Zum 75 Geburtstag von Busch schrieb der Schriftsteller Peter Edel: überall war seine Clairon-Stimme zu vernehmen; der helle, scharfe, metallische Klang, der warme und lyrische, der aggressiv peitschende - Liederfülle, entstanden aus Feuer, Leid und Hammerschlag, so hat's Heinrich Mann genannt, und ich denke, würdiger kann nicht definiert werden, was Menschen vieler Nationen in den Bann zwang und zwingen wird. Und wie bitter schwer war's so ermutigend zu singen mit "keenem Sechser in der Tasche, bloß Stempelschein". Anzusingen "Gegen Hunger, Dreck und Blut!" Einmal: im überfüllten Saal springt einer auf, durcheilt die Reihen, als der da oben singt, klimmt aufs Podium wo Hanns Eisler am Flügel sitzt, umarmt Ernst Busch, küsst ihn, ein Stimmverwandter, herzensbeteiligter Mitstreiter: Majakowski.

Wir haben keinen zweiten wie ihn, und so sollten wir einen Augenblick seiner gedenken. In seiner Heimatstadt Kiel gibt es einen Ernst Busch Chor, der darf bei Feiern des Matrosenaufstandes singen, aber nicht die Internationale. Das ist ihm verboten worden, das haben aber dann die Zuschauer getan. Man plant auch einen Ernst Busch Platz, eine Schmuddelecke in einem Neubaugebiet vor einem Videoverleih, der Fun Time Mega Company heißt. Ein bisschen entwürdigend, ça ira.

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