Dienstag, 30. November 2010

Terrence Malick


Herzliche Glückwünsche, Terrence Malick. Der amerikanische Regisseur wird heute 67. Hat nur drei Filme gedreht, aber was für welche! Drei Filme, und bei den Kritikern berühmt wie Sergei Eisenstein! Er zeigt sich selten in der Öffentlichkeit, ist aber nicht ganz so scheu wie Greta Garbo und J.D. Salinger es waren. Vor Jahren ist er zu aller Überraschung bei der Berlinale aufgetaucht, als dort Days of Heaven gezeigt wurde. Manchmal taucht er auch in seinen Filmen kurz auf. Wenn sie hier klicken, können Sie ihn in seinem ersten Film Badlands sehen. Aber ansonsten bleibt er geheimnisvoll wie Citizen Kane.

Seine ersten beiden Arbeiten, Badlands und Days of Heaven, blieben lange Zeit die einzigen Filme. Dann zwanzig Jahre später The Thin Red Line. Und massenhaft Gerüchte, was er jetzt gerade macht. The Thin Red Line hatte das Pech, dass er gleichzeitig mit Saving Private Ryan ins Kino kam. Der kriegte natürlich fünf Oscars, Malicks Film nur zwei Nominierungen. Die Academy ist für jeden Spielberg Kitsch empfänglich. Natürlich ist unter ästhetischen Gesichtspunkten The Thin Red Line der bessere Film, aber das sind für die Academy keine Kriterien. Meine Lieblingsfilme haben nie die Academy Award bekommen.

Malicks Filme sind schon ein klein wenig intellektuelles Kino, und die Filmemacher, die ihren Film über Terrence Malick Rosy-fingered Dawn nannten, wussten schon was sie taten (Sie können den Film hier ganz sehen). Homers epitheton für die Morgenröte ist für Malick sicher passend. Zum einen hat Malick in Harvard und Oxford Philosophie studiert (und am MIT unterrichtet), zum anderen ist das genau das Licht, in dem er gerne seine Filme dreht, diese magic hour: a euphemism, hat Néstor Almendros gesagt, der den Film photographierte. because it's not an hour but around 25 minutes at the most. It is the moment when the sun sets, and after the sun sets and before it is night. The sky has light, but there is no actual sun. The light is very soft, and there is something magic about it. It limited us to around twenty minutes a day, but it did pay on the screen. It gave some kind of magic look, a beauty and romanticism.  Auch wenn man da nur eine halbe Stunde am Tag drehen kann. Dann dauern die Dreharbeiten eben länger. Das macht Malick nichts aus. Er hat ja auch Jahre lang nachgedacht, bevor er mit den Filmarbeiten begann.

Das New Hollywood der siebziger Jahre, dieses kurze Aufflackern einer wirklich interessanten Filmkultur, bedeutete auch eine Intellektualisierung des Kinos. Die jungen Regisseure kamen plötzlich von den Universitäten (an denen man plötzlich Film studieren konnte), und hatten sich nicht mehr über eine Lehrlingszeit als Regisseur von TV-Serien nach oben gearbeitet. Francis Ford Coppola, Martin Scorcese, Brian De Palma, George Lucas und Terrence Malick wären Beispiele dafür. In Frankreich machte man das anders, da saß man jahrelang im Kino und schrieb Filmkritiken. Dann fing man an zu filmen, so haben es Truffaut, Godard oder Rohmer gemacht. In Amerika ist Peter Bogdanovich einen ähnlichen Weg gegangen. In einer der ersten Bestandsaufnahmen des neuen amerikanischen Films, James Monacos American Film Now von 1979, hieß es über Malick he already has to be regarded as one of the most interesting American filmmakers of the 1970s.

Malick begins with the reality, sagt Monaco, then draws his his impressively mythic material out of it. Und er fährt fort: If a filmmaker wants to be consciously mythic this is obviously the modus operandi that will result in the most valid and affective movies. Yet of all the Homers and Joyces working in  American film today, Terrence Malick seems to be the only one who uses this sophisticated approach. In Badlands erzählt Malick die Geschichte von Charles Starkweather, aber er erzählt sie anders als das Oliver Stone in Natural Born Killers tut. Wir haben eine durchgehende voice over narration von Cissy Spacek. Aber was die Stimme erzählt, passt nicht zur Handlung. Und die ausgesucht poetischen Bilder verfremden das Ganze noch ein zweites Mal. Badlands ist eine Parabel über die Landschaft des Westens, über die Rolle der Medien, über Amerikas Besessenheit von der Gewalt. Der Film, der so mit dem Mythos vom Westen und dem Mythos der Gewalt spielt, ist letztlich hoch ironisch. Ist natürlich das, was Filmkritiker lieben, weil die Mordgeschichte hier Filmkunst wird. Das amerikanische Publikum liebt so etwas nicht unbedingt.

In Days of Heaven wird Malick das gleiche Mittel der voice over narration verwenden. Während Sissy Spacek in Badlands den Film erzählte, ist es hier Linda Manz, die in die Rolle einer jugendlichen Erzählerin schlüpft. Der Kommentar ist sparsamer, aber häufig auch symbolischer: I been thinkin' what to do wit' my future. I could be a mud doctor. Check out the earth. Undernet'. Malicks Filme handeln von dem underneath. Obgleich die Oberfläche betörend schön ist. Malick hatte dafür den Meister des magic realism, Néstor Almendros, als Kameramann für Days of Heaven geholt. Weil er a very visual movie wollte, die Geschichte nur durch Bilder erzählen. Eigentlich macht er das in allen Filmen. Ich habe einmal das Experiment gemacht und mir The Thin Red Line ohne Ton angesehen, nur die Flut der Bilder. War auch schön.

Die drei Filme von Malick sind als DVD erhältlich. Im Internet kann man die filmscripts von Badlands, Days of Heaven und The Thin Red Line lesen. Seit wenigen Jahren gibt es auch Literatur zu dem Regisseur in Buchform wie zum Beispiel The Cinema of Terrence Malick: Poetic Visions of America von Hannah Patterson.

Kommentare:

  1. Lieber Jay,
    es gefällt mir gut, daß Sie auf TM hinweisen und voller Begeisterung von seinen Filmen sprechen. Ich frage mich nur, warum Sie immer von drei Filmen sprechen? Da ist Ihnen, scheint
    mir, leider etwas entgangen ...

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  2. Ist mir nicht entgangen, aber ich finde nun mal, dass diese drei seine größten Filme sind.

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