Donnerstag, 17. März 2011

Schlangenfreie Zone


Also, ich weiß nicht, ob das noch jugendfrei ist. Aber heute ist St Patrick's Day, und da verkleiden sich Iren auf der ganzen Welt in Grün. Und wenn es den Heiligen Patrick im Paradies schon gegeben hätte, hätte Eva vielleicht so ausgesehen wie diese junge Dame. Aber die ganze Schöpfungsgeschichte hätte umgeschrieben werden müssen. Denn der Heilige Patrick hat die Schlangen aus Irland vertrieben. Wo St Patrick ist, sind keine Schlangen. Und die Geschichte mit Eva und dem Apfel wäre nie passiert. Die Folgerungen wagt man sich ja gar nicht auszudenken.

St Patrick was a gentleman
He came from decent people
He built his church in Dublin Town
And on it put a steeple
His father was a Gallagher
His mother was a Grady
His aunt was an O’Shaughnessy
His uncle was a Brady
The Wicklow Hills are very high
And so is the Hill of Howth sir
There’s a hill much higher still
Higher than them both sir
On the top of this high hill
St Patrick preached his sermon
Which drove the frogs into the bogs
And banished all the vermin

Das haben zwei Herren namens Henry Bennet und John Toleken im Jahre 1814 auf einer Bühne in Cork zum ersten Mal gesungen. Im Laufe der Zeit sind da noch unzählige Strophen hinzugekommen. Alle Iren heißen Paddy und haben rote Haare, trinken viel Whiskey oder viel Guinness und singen dann rührselige Lieder. Und feiern am 17. März den St Patrick's Day, vor allem in Amerika. Diese Stereotypen stimmen immer irgendwie. Deshalb gibt es auch tausende von Paddy Jokes. Viele fangen mit der klassischen Eröffnung An Englishman, an Irishman and a Scotsman... an. Die schönste Geschichte, die mit den nationalen Stereotypen spielt, fand sich vor Jahrzehnten in der Kolumne von Conor Cruise O'Brien im Observer. Auf dem Höhepunkt des Nordirland Konflikts offerierte O'Brien die ultimative Lösung aller Probleme: Man tauscht die Bevölkerung von Irland und Holland aus. Die Holländer, fleißig wie sie sind, werden das heruntergekommene Irland erstmal aufräumen, damit alles spick and span wird. Die Iren dagegen werden in Holland den ganzen Tag Whiskey (Jameson oder Tullamore) trinken. Sie werden Whiskey in the Jar singen und werden sich nicht um die Deiche kümmern. Bei der nächsten Sturmflut ersaufen sie alle.

Das ist definitiv nicht politically correct. Aber das war Conor Cruise O'Brien nie. So witzig die Geschichte auf den ersten Blick aussieht, so enthält sie doch Denkfehler. Denn zum einen war es ein Holländer, der am Nordirlandkonflikt schuld ist. Was wäre der Orange Order ohne Wilhelm von Oranien? Und zum anderen: hätten wir das wirklich gewollt? Eine Welt ohne Iren? Auf den irischen Pfeifentabak Erinmore könnte man ja verzichten, der ist genau so schlimm wie das gesoßte holländische Zeug. Aber Heineken statt Guinness, Oude Jenever statt Tullamore Dew, Tulpen aus Amsterdam statt The Wild Rover, Holländisches Leinen statt Donegal Tweed? Das können wir nicht wirklich wollen. Erin go Bragh!

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