Mittwoch, 26. April 2017

John James Audubon


Der deutsche Dichter Ludwig Uhland wurde heute vor 230 geboren, wir lassen den mal aus, er hat schon mit ➱Tanzseuche im letzten Jahr einen Post gehabt. Da wenden wir uns doch lieber dem Amerikaner John James Audubon zu, der beinahe gleich alt mit Uhland ist. Der kommt zwar auch schon in den Posts ➱Adam Gopnik und ➱Amerikanische Dandies (und an vielen anderen Stellen) vor, aber irgendwie ist er interessanter als Uhland. Wegen seines großen Werks Die Vögel Amerikas. Teuerstes ➱Buch der Welt. Und wirklich groß, Audubon wählte diese Größe, damit er alle Vögel in Lebensgröße abbilden konnte. Hier betrachten Angestellte von Sothebys vor der Auktion das Werk, das mit seinen vier Bänden einen Preis von 7,3 Millionen Pfund erzielte. Im Gegensatz zu meinem Freund Gert hatte ich, wie man in dem Nachruf auf ➱Gert Börnsen lesen kann, mit Piepmätzen nicht etwas am Hut. Aber dennoch besitze ich Die Vögel Amerikas in einer schönen Reproduktion. Es ist ein wunderbares Buch. Und Amerikas Wappentier, der Bald Eagle, ist nicht das erste Bild im Buch, das erste ist der ➱Truthahn.

Das Buch hier hat natürlich auch seine Bedeutung, es ist die Lebensgeschichte der Lucy Bakewell, die den jungen Franzosen John James La Forest Audubon heiratete und ihm Englisch beibrachte. Der Dichter Steven Vincent Benét hat sie in sein Gedicht John James Audubon hineingeschrieben. Man braucht das Buch von Lucy Kennedy nicht unbedingt zu lesen, obgleich es ein nettes Buch ist. Ein Buch sollten Sie allerdings lesen, wenn Sie etwas über Audubon wissen wollen. Seine Lebensgeschichte ist schon oft erzählt worden, aber es kommt darauf an, wie man sie erzählt. Und da ist der Pulitzer Preisträger Richard Rhodes mit seinem Buch John James Audubon: The Making of an American brillant. Aber erst einmal gibt es hier Benéts witziges Gedicht (➱hier auch vorgelesen):

Some men live for warlike deeds,
Some for women’s words.
John James Audubon
Lived to look at birds.

Pretty birds and funny birds,
All our native fowl
From the little cedar waxwing
To the Great Horned Owl.

Let the wind blow hot or cold,
Let it rain or snow,
Everywhere the birds went
Audubon would go.

Scrambling through a wilderness,
Floating down a stream,
All around America
In a feathered dream.

Thirty years of traveling,
Pockets often bare,
(Lucy Bakewell Audubon
Patched them up with care).

Followed grebe and meadowlark,
Saw them sing and splash.
(Lucy Bakewell Audubon
Somehow raised the cash).

Drew them all the way they lived
In their habitats.
(Lucy Bakewell Audubon
Sometimes wondered “Cats?”)

Colored them and printed them
In a giant book,
“Birds of North America”—
All the world said, “Look!”

Gave him medals and degrees,
Called him noble names,
—Lucy Bakewell Audubon
Kissed her queer John James.

Was ich Ihnen heute erspare, ist ➱Robert Penn Warrens ellenlanges Gedicht Audubon: A Vision. Seit Walt Whitman das Langgedicht perfektionierte, neigen die Amerikaner gerne zum narrative poem. Aber den Anfang (A I+II) stelle ich gerne hierher. Sie können bei ➱Google Books dann noch große Teile des Gedichts lesen. Das schöne Portrait Audubons von dem Schotten John Syme muss natürlich hier sein, da ist er, der American Adam. Ein amerikanischer Dandy, das legte der gebürtige Franzose, der gerne tanzte und mehrere Instrumente spielte, nie ab. Aber er der letzte Dauphin, das ist er wahrscheinlich nicht gewesen, obgleich die Gerüchte nie verstummten. In einem Brief an seine Frau aus dem Jahre 1828 finden sich die Sätze: patient, silent, bashful, and yet powerful of physique and of mind, dressed as a common man, I walk the streets! I bow! I ask permission to do this or that! I… who should command all! Und mit dieser Geschichte vom letzten Thronfolger beginnt Robert Penn Warren sein Gedicht:

Was not the last dauphin, though handsome was only
Base-born and not even able
To make a decent living, was only
Himself, Jean Jacques, and his passion--what
Is man but his passion?

Saw,
Eastward and over the cypress swamp, the dawn,
Redder than meat, break;
And the large bird,
Long neck outthrust, wings crooked to scull air, moved
In a slow calligraphy, crank, flat and black against
The color of God’s blood spilt, as though
Pulled by a string.

Saw
It proceed across the inflamed distance.

Moccasins set in hoar frost, eyes fixed on the bird,
Thought: “On that sky it is black.”
Thought: “In my mind it is white.”
Thinking: “Ardea occidentalis, heron, the great one.”

Dawn: his heart shook in the tension of the world.

Dawn: and what is your passion?

October: and the bear,
Daft in the honey-light, yawns.

The bear’s tongue, pink as a baby’s, out-crisps to the curled tip,
It bleeds the black blood of blueberry.

The teeth are more importantly white
Than has ever been imagined.

The bear feels his own fat
Sweeten, like a drowse, deep to the bone.

Bemused, above the fume of ruined blueberries,
The last bee hums.

The wings, like mica, glint
In the sunlight.

He leans on his gun. Thinks
How thin is the membrane between himself and the world.

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