Donnerstag, 12. März 2020

er hat was Neues


Ja, es gibt etwas Neues. Nämlich einen neuen Blog. Mein Freund Georg hatte die Idee. Ich schriebe soviel über Frauen, da könnte ich doch mal einen Themenblog machen, so wie Tickendes Teufelsherz zum Beispiel. Mein Freund Georg ist immer wieder in diesem Blog erwähnt worden. Sie können ihn in dem Post Cricket sehen. Und in dem Post Morning Coat auch, weil er da bei der Hochzeit bei den englischen Verwandten einen Morning Coat trägt. Und in dem Post Danke wird ihm gedankt, weil er nämlich mein Korrektursystem ist und bei jedem neuen Post meine Tippfehler ausmerzt.

Also ein neuer Blog, in dem nur Posts über Frauen sind. Ich machte mich ans Werk. Ich brauchte einen Namen und eine Adresse. Der Name war einfach, ich nannte den Blog femmes. Für die Adresse nahm ich eine Zeile aus Jacques Préverts Les feuilles mortes. Für das Layout wählte ich das Design "Einfach", da musste ich nur die scheußliche Farbe in die Frauenfarbe Lila ändern. Und dann schaufelte ich einen Post nach dem anderen aus SILVAE in den neuen Blog. Posts über Malerinnen, Filmschauspielerinnen, Schriftstellerinnen, historische Persönlichkeiten, es ist kein System in der Anordnung. Da ist jetzt Maj Sjöwall neben der Günderrode und Jil Sander neben Anne Boleyn. Aber das Ganze war irgendwie witzig. Als ich den Computer nachts in den Ruhezustand versetzte, hatte ich zwanzig Posts da stehen. Und erstaunlicherweise hatten 101 Leute das schon angeklickt, ich weiß nicht, wie die das gefunden haben. Sie finden den Blog, der jeden Tag größer werden wird, unter ➔femmes. Gucken Sie mal hinein.


Mittwoch, 11. März 2020

giftgrün


Das erste, was mir bei Torquato Tasso (der am 11. März 1544 geboren wurde) einfällt, ist das Wort giftgrün. Das kommt nun nicht in dem Epos La Gerusalemme liberata (Das befreite Jerusalem) des italienischen Dichters vor. Aber das giftgrün ist in meinem Kopf. Tassos Versgedicht Befreites Jerusalem verursacht mir immer ein leichtes Unbehagen, ein schlechtes Gewissen, weil ich es nie zuende gelesen habe. Allerdings habe ich Goethes Torquato Tasso gelesen. Und auf der Bühne gesehen. Dreimal. Das war Peter Steins Inszenierung im März 1969 in Bremen. Da war ich eigentlich nur wegen Jutta Lampe, für die ich damals schwärmte.

Ich ging damals ja sowieso nur wegen der Bühnenbilder von Wilfried Minks in die Zadek Aufführungen. Und natürlich wegen der schönen Jutta Lampe. Die Bildung, die man auf Umwegen erwirbt, ist sicher nicht die schlechteste. Goethes Kampagne in Frankreich habe ich auf der Ladefläche eines Bundeswehr MAN Fünftonners liegend gelesen, war irgendwie passend. Aber wenn die Bildung etwas mit schönen Frauen zu tun hat, ist das natürlich viel schöner. Ich hätte Jutta Lampe nach der Vorstellung mit Blumen auflauern sollen, habe ich in dem Schiller Post colossal geschrieben. Ich weiß allerdings nicht, was die Ingrid gesagt hätte, wenn ich ihr gestanden hätte, dass ich mal Jutta Lampe mit Blumen hätte auflauern wollen.

Was mich bei der Bremer Aufführung, die Ivan Nagel 1988 bei seiner Lobrede zur Verleihung des Goethepreises an Peter Stein ausführlich würdigte, am meisten beeindruckte, war der grüne Plastikrasen, den Wilfried Minks auf der Bühne drapiert hatte. Betreten ohne Vers-Füße verboten! Der giftgrüne Florteppich wird auch in dem Wikipedia Artikel zu Wilfried Minks erwähnt. Bei mir im Blog taucht er schon in den Posts Swinging London und cucumber sandwiches auf. Und ich kann ihn mir immer wieder anschauen, denn die DVD mit dem Mitschnitt von Peter Steins Torquato Tasso, mit Bruno Ganz als Tasso, Jutta Lampe als Prinzessin und Edith Clever als Leonore Sanvitale, die besitze ich. Das Bühnenbild von Wilfried Minks ist bei Googles Bilderflut nirgendwo zu sehen, aber einen Minks wollte ich heute gerne haben, deshalb präsentierte ich hier das Bühnenbild für Die Räuber, das 1966 auch Furore machte.

Bei diesem Tasso hier zwischen den beiden Leonoren ist die Pop Art noch nicht angekommen, das ist noch der Kitsch aus dem 19. Jahrhundert. Goethe war gerade tot, als das Bild gemalt wurde. Tasso hätte ja gerne die Prinzessin gewonnen. Die mag ihn auch: Ich mußt ihn lieben, weil mit ihm mein Leben Zum Leben ward, wie ich es nie gekannt. Und Tasso, dem (so Peter Stein) in der konventionell formalisierten Feudalgesellschaft die Rolle des Emotionalclowns zufällt, sagt: Unwiderstehlich ziehst du mich zu dir Und unaufhaltsam dringt mein Herz dir zu. Du hast mich ganz auf ewig dir gewonnen, So nimm denn auch mein ganzes Wesen hin. Aber die Prinzessin wird ihn verstoßen, als er sie zu umarmen versucht. Der Dichter bleibt allein. Nichts mehr mit den schönen Frauen und dem Leben am Hof, vielleicht ist er auch geistig umnachtet:

Nein, alles ist dahin! – Nur eines bleibt:
Die Träne hat uns die Natur verliehen,
Den Schrei des Schmerzens, wenn der Mann zuletzt
Es nicht mehr trägt – Und mir noch über alles –
Sie ließ im Schmerz mir Melodie und Rede,
Die tiefste Fülle meiner Not zu klagen:
Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt,
Gab mir ein Gott zu sagen, wie ich leide.

Was für mich damals nur Jutta Lampe und der grüne Flokati war, war für die Kritiker und Literaturhistoriker eine legendäre und epochale Inszenierung. Für Botho Strauß war es die durchdachteste, aufregendste Inszenierung, die seit langem dem Theater hierzulande vergönnt war. Die chattering classes werfen ja gerne mit solchen Wörtern um sich, aber vielleicht war das alles wahr. Steins Tasso wurde damals als eine aufsehenerregend aktuelle und viel diskutierte Programm-Aufführung der 68er verstanden. Man kann das heute noch sehen, die bei der Edition Mnemosyne erschienene DVD kann man noch finden. Peter Stein kommentierte das Erscheinen der DVD mit den Sätzen: Kürzlich hat irgend so ein Arschloch eine CD von meinem alten, Bremer 'Torquato Tasso' gemacht. Da war ich erstaunt über die Präzision der Spracharbeit damals. Übrigens auch darüber, wie wunderschön diese jungen Menschen damals waren. Außer einigen dämlichen Kaspereien wurde sehr ernsthaft, direkt und realistisch gespielt. Von Gorkis 'Sommergästen' an hat sich meine Arbeit dann nicht mehr stark verändert. Ich habe keinen Stil und will auch keinen. Das ist nun klein und kleinlich, der Mann, für den er nur dieses A-Wort übrig hat, ist der Besitzer der Edition Mnemosyne und war mal sein Freund und Kollege in der Schaubühne am Halleschen Ufer. Veritas temporis filia est. 

Montag, 9. März 2020

Johann Friedrich August Tischbein


Im Rijksmuseum Twente in Enschede ist gerade eine Ausstellung über den Portraitmaler Johann Friedrich August Tischbein (der heute vor 270 Jahren geboren wurde) zu Ende gegangen. Die Bilder waren Leihgaben aus dem Palais Het Loo in Apeldoorn (das gerade noch wegen Renovierungsarbeiten geschlossen ist) und der Gemäldegalerie Alte Meister in Kassel. Dass die in Kassel viele Tischbeins haben, das weiß ich. Wir waren da mal auf Klassenfahrt. Der Führer, der uns durch die Wilhelmshöhe geleiten sollte, war offensichtlich Tischbein Liebhaber, er redete stundenlang über die Tischbeins.

Bis ich ihn ziemlich unhöflich unterbrach und ihn fragte, was eigentlich mit den Rembrandts wäre. Mein Klassenlehrer, der den schönen friesischen Namen Tammo hatte, hat sich mal wieder fürchterlich für mich geschämt. Wir schämten uns andererseits auch ein bisschen für Tammo, denn er trug auf Klassenfahrten ein Norfolkjackett und Knickerbockerhosen. Das Ganze wurde komplettiert durch eine umgehängte Kartentasche und eine Baskenmütze, irgendwie sah er aus, als wäre er aus dem Film Feuerzangenbowle entsprungen. Mein Verlangen, endlich die Rembrandts zu sehen, war nicht ganz unberechtigt. Denn die haben da sehr viele Rembrandts in Kassel. Johann Friedrich August Tischbein orientiert sich weniger an seinen berühmten Verwandten (der Goethe Tischbein ist sein Cousin) als an den Engländern.

Wir sind im Zeitalter der Empfindsamkeit, und da kommt jetzt eine ganze ästhetische Bewegung aus England. Es ist ja kein Zufall, dass wir Buchtitel wie Sentimental Journey oder The Man of Feeling haben. Zusammen mit der Philosophie des Gefühls kommt aber auch die englische Mode des 18. Jahrhunderts (für die es hier den ausführlichen Post 18th century: Fashion gibt) nach Europa. Beinahe alle Personen auf den Portraits von Tischbein sind nach englischem Vorbild gekleidet. Kein Wunder, denn Tischbeins malerische Vorbilder heißen Gainsborough und Romney (für den es hier die Posts George Romney und Lady Emma Hamilton gibt). Dass auf einem Familienbild die Frau dem Kind die Brust gibt, ist ein Zeichen dieses neuen Gefühls der Natürlichkeit.

Das Familienbild mit dem Säugling ziert auch den holländischen Katalog Johann Friedrich August Tischbein en de ontdekking van het gevoel, den Amazon für 24,49 € anbietet. Im Jahre 1800 wurde Tischbein, der als Maler weit herumkam, der Nachfolger von Adam Friedrich Oeser (zu dem es hier einen Post gibt) an der Kunstakademie zu Leipzig, weshalb man diesen Tischbein auch den Leipziger Tischbein nennen wird. Wenn Goethe sein Theaterstück Der Triumph der Empfindsamkeit: Eine dramatische Grille schreibt, ist es mit der Zeit der Empfindsamkeit vorbei. Dann kommt die Romantik, die sich im Werk von Johann Friedrich August Tischbein schon angedeutet hat. Er ist als Maler sicher nicht so gut wie seine Vorbilder Gainsborough und Romney, aber er ist ein interessanter Maler.

Gainsborough ist irgendwann die Portraits leid: I'm sick of portraits, and wish very much to take my viol-da-gamba and walk off to some sweet village, where I can paint landskips (sic) and enjoy the fag end of life in quietness and ease, schreibt er in einem Brief, den Kunsthistoriker immer als den viola da gamba Brief zitieren. Landschaftsmalerei verkauft sich damals noch schlecht, Tischbein läßt die Finger davon, er bleibt bei seinen Portraits. Und darin ist er vielleicht besser als seine übrigen Verwandten.

Zu dem Kasseler Tischbein, dessen Schüler Johann Friedrich August Tischbein war, gibt es hier schon einen Post.

Samstag, 7. März 2020

All I Need


Vielleicht schreibe ich einmal mehr zu dem Thema. Heute geht es nicht, da ist eine kleine Feier angesagt, nunc est bibendum, nunc pede libero pulsanda tellus. Aber vielleicht lege ich zur Verblüffung der Gäste einmal eine Townes van Zandt Platte auf, das habe ich am 7. März 2013 in dem Post Townes van Zandt geschrieben. Dass der Sänger am 7. März Geburtstag hat, kann ich mir leicht merken, weil das auch mein Geburtstag ist. Wie das dann bei mir aussieht, das wissen Sie, wenn Sie den Post Geburtstagsfeier gelesen haben.

Der Singer-Songwriter Townes van Zandt ist schon lange tot, aber er ist nicht vergessen. Unter den Song If I needed You hat bei YouTube ein Kommentator geschrieben: The greatest songwriter who ever walked the earth, and I'll stand on Bob Dylan's coffee table in my cowboy boots and say that. Emmylou Harris hat zusammen mit Don Williams dieses If I needed You auch gesungen. Im letzten Jahr hat das Label Fat Possum Aufnahmen von Townes van Zandt, die vor 46 Jahren entstanden sind, auf der CD Sky Blue zum Geburtstag des Sängers auf den Markt gebracht. Dabei waren auch Stücke, die man zuvor nie gehört hatte. Wie zum Beispiel All I Need, da hören wir heute mal hinein:

Tried everything to set me free
But my chains keep playing tricks on me
And all I need is a place to lay 'em down

My friends, they speak and their words ain't lies
Like clouds of fish, they fly
And all I need is a boat to take 'em home

And girls I see, and they see me
Then we say goodbye
All I need is a bed to call my own

Ah, my baby's eyes, see how they shine
Will his life be like mine?
All I need is a way to take his load

Ah, but when good times come falling over me
Breath turns to melody
All I need gonna fall away like dreams

Mittwoch, 4. März 2020

schon wieder nackt?


Der Tatort war eine halbe Stunde zuende (und wurde gerade auf OneHD wiederholt) da konnte man auf der ARD Seite zu Die Nacht gehört dir einen Kommentar lesen, der den Titel Nackte Tatsachen hatte, und der mir wunderbar in den Post ➱Nackt gepasst hätte: Warum im Tatort immer so viel nackte Haut gezeigt werden muss, ist mir ein Rätsel. Zugegeben, ist das schon nett anzusehen, aber macht einen Tatort noch nicht zu einem guten Film. Ich hätte mir gewünscht, dass nicht so viel auf dem Privatleben der Leute rumgehampelt wird. Nur die Honigfrau war sehr nett. Die Honigfrau (Maja Beckmann) ist die junge Frau, in die sich der Kommissar Felix Voss (Fabian Hinrichs) verliebt hat. Diese Geschichte ist  voller Honig, aber frei von Nackheit und Sex.

Vielleicht ist es eine Gegengeschichte gegen das Sexleben des Mordopfers, das mit zwei Messerstichen ins Herz getötet wurde. Wir erfahren peu à peu, dass das Liebesleben der Managerin (Anna Tenta) aus Bekanntschaften aus Dating Portalen bestand. Das gäbe nun natürlich dem Regisseur die Möglichkeit, viel nackte Haut zu zeigen. Aber der Regisseur heißt Max Färberböck, der ist nicht auf billige Effekte aus. Die verzweifelte Sehnsucht nach Liebe und die Unmöglichkeit, glücklich zu werden, ein Leitmotiv bei Färberböck, dominiert auch diesen Film, der gleichermaßen durch seine dramaturgische Feinmechanik wie durch seine filmästhetische Umsetzung besticht. Leckerbissen für Arthouse-Liebhaber, heißt es bei Rainer Tittelbach.

Das Leben des Mordopfers bleibt im Dunkeln, nur einige Rückblenden bringen etwas Licht. In der einen ist Anna Tenta nackt mit einem weißen Schleier zu einer Coverversion von Jimmi Hendrix  Angel tanzend zu sehen. Das dauert allerdings nur wenige Sekunden, ein paar Sekunden länger als die Nacktszene von Ulla Jacobsson 1952 in  Sie tanzte nur einen Sommer. Und dann haben wir zur Musik von Nina Simones Don’t Let Me Be Misunderstood einen Blick auf die Beamten des ganzen Kommissariats, die auf einer Großleinwand offenbar erotische Szenen sehen. Wir sehen die nicht, wir sehen nur die Kriminalbeamten. Das ist ein sehr witziges Bild. Oliver Jungen von der FAZ will hier schwülstige Softporno-Bilder gesehen haben, aber auf meinem Bildschirm waren die nicht.

Ich wollte an dem Abend keinen Tatort sehen, ich wollte den Film über Clara Haskil sehen, aber ich hatte den Fernseher nach der Tagesschau nicht ausgemacht, und schon lief da der Tatort Die Nacht gehört dir. Ich wusste nichts darüber, aber ich sah sofort, dass dies etwas Besonderes war, ich erkannte die Handschrift des Regisseurs. In dem Post Verzierungen habe ich geschrieben: Manchmal geht das auf. Zum Beispiel gab es in dem Tatort Der Himmel ist ein Platz auf Erden Martha Wainwrights Dans le silence, was ein sehr schönes Lied ist. Es ist übrigens auch ein schöner Tatort, nicht diese billige Dutzendware, sondern eine sorgfältig photographierte Geschichte, die schon Kinoqualität hatte.

Der Himmel ist ein Platz auf Erden war auch ein Tatort von Färberböck, der die Drehbücher für seine High-End Krimis zusammen mit Catharina Schuchmann schreibt. Und wahrscheinlich auch die Musik aussucht. Wenn es nicht  Martha Wainwrights Dans le silence oder Lucinda Williams' Angel ist, dann hat er mit Verena Marisa Schmidt eine junge Komponistin in seinem Team, die schon zahlreiche Preise bekommen hat.

Färberböck wagt die Revolution im modernen Tatort: Er bringt Ermittler, die keinen an der Klatsche haben. Sie sind eher warm als innerlich erfroren, eher linkisch als cool. Und berührbar von dem, was passiert. […] Dieser Fall […] hat ein paar Längen, aber die Geschichte nimmt Fahrt auf, sie findet einen Sound, und tatsächlich alle Darsteller sind mit Liebe ausgesucht, schrieb Holger Gertz in der Süddeutschen nach der Ausstrahlung von Der Himmel ist ein Platz auf Erden.  Max Färberböck ist auf dem besten Weg, aus dem heruntergekommenen Tatort Format ein Gesamtkunstwerk zu machen, meilenweit von Til Schweiger Tatorten entfernt. Glücklicherweise.

Die drei Franken Tatorte mit den Ermitterduo Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) und Felix Voss (Fabian Hinrichs) können Sie hier anklicken: Ich töte niemand,  Der Himmel ist ein Platz auf ErdenDie Nacht gehört dir

Montag, 2. März 2020

Präsenz der Abwesenheit


Es ist eins der schönsten Bilder von Eduard Manet, dieses Portrait von seiner Schülerin und Freundin Berthe Morisot. Es ziert den Umschlag des Buches Das Gesicht: Aufsätze zur Kunst von dem Bremer Kunsthallendirektor Günter Busch (der schon in dem Post über die Kunsthalle Bremen erwähnt wird). Der Buchumschlag ist allerdings eine kleine Täuschung, es gibt leider kein Kapitel über Berthe Morisot in dem Essayband. Aber Busch zitiert ausführlich den französischen Dichter Paul Valéry, der viel über Manet und Berthe Morisot gesagt hat. Je ne mets rien, dans l’œuvre de Manet, au-dessus d’un certain portrait de Berthe Morisot, daté de 1872, hat er geschrieben. Das Bild Berthe Morisot au bouquet de violettes hat er gut gekannt, er war ein entfernter Verwandter von Berthe Morisot, die er in einem Essay liebevoll Tante Berthe nennt.

Mon ambition est de saisir une touche d’éphémère, hat Berthe Morisot, die aus der vornehmen Gesellschaft und nicht aus der Bohème kam, über ihr Kunstwollen gesagt. Das ist ein schöner Satz, vielleicht haben viele Maler so etwas gedacht. Manet hält das Portrait mit dem Licht von der Seite ganz in Schwarz, sogar Berthes Augen sind schwarz, eigentlich hatte sie grüne Augen: La toute-puissance de ces noirs, la froideur simple du fond, les clartés pâles ou rosées de la chair, la bizarre silhouette du chapeau qui fut à la dernière mode et «jeune»; le désordre des mèches, des brides, du ruban, qui encombrent les abords du visage; ce visage aux grands yeux, dont la fixité vague est d'une distraction profonde et offre en quelque sorte, une présence d'absence - tout ceci se concerte et m'impose une sensation singulière... de poésie -, mot qu'il faut aussitôt que je m'explique.

Die Formulierung der présence d'absence ist immer wieder zitiert worden. Für den Dichter Paul Valéry wird das Portrait zu einem Gedicht: Je puis dire à présent que le portrait dont je parle est poème. Par l'harmonie étrange des couleurs, par la dissonance de leurs forces, par l'opposition du détail futile et éphémère d'une coiffure de jadis avec je ne sais quoi d'assez tragique de l'expression de la figure, Manet fait résonner son œuvre, compose du mystère à la fermeté de son art. Il combine à la ressemblance physique du modèle, l'accord unique qui convient à une personne singulière, et fixe fortement le charme distinct et abstrait de Berthe Morisot.

Die Malerin Berthe Morisot, die une touche d’éphémère wiedergeben wollte, ist heute vor 125 Jahren gestorben. Wenn Sie sich wundern, dass es hier überhaupt keine Bilder von ihr gab, dann habe ich dafür natürlich einen Grund. Nämlich einen kleinen  Film, eine halbe Stunde lang mit mehr als 300 Bildern von Berthe Morissot. In HD Qualität. Da kann man sehen, um noch einmal Paul Valéry zu zitieren, dass la singularité de Berthe Morisot fut [...] de vivre sa peinture et de peindre sa vie. 

Und ihr Werk wird für Valéry zu einem Tagebuch ihres Lebens: Elle prenait, laissait, reprenait le pinceau, comme nous prend, s’efface et nous revient une pensée. C’est là ce qui confère à ses ouvrages le charme très particulier d’une étroite, presque indissoluble relation entre un idéal d’artiste et l’intimité d’une existence. Jeune fille, épouse, mère, ses croquis et ses tableaux suivent son sort et l’accompagnent de fort près. Je suis tenté de dire que l’ensemble de son œuvre fait songer à ce que serait le journal d’une femme dont le moyen d’expression serait la couleur et le dessin.

Sonntag, 1. März 2020

Nebraska


Am 1. März 1867 hatten die Vereinigten Staaten einen neuen Staat, aus dem Nebraska Territorium wird der Staat Nebraska. Den finden Sie bestimmt auf der Landkarte. Den Film Nebraska aus dem Jahre 2013 kann ich Ihnen nicht anbieten, aber ich habe hier den Trailer. Doch einen schönen Western, der in Nebraska spielt, hätte ich für Sie, den SpätwesternThe Rounders mit Henry Fonda und Glenn Ford.

Westlich von Nebraska liegen Colorado und Wyoming, östlich liegt Iowa mit der Hauptstadt Des Moines. Den Staat kennen Sie, weil da immer mit den Vorwahlen der Wahlkampf um die amerikanische Präsidentschaft beginnt. Sie erinnern sich, die Demokraten hatten vor Wochen große Schwierigkeiten, ihre Stimmen auszuzählen. Über die Vorwahl berichtete natürlich auch das Heute Journal, und Claus Kleber erklärte an einer großen Landkarte, wo Iowa liegt. Aber das waren leider Fake News, Iowa liegt da überhaupt nicht. Was auf der ZDF Karte Iowa sein sollte, war in Wirklichkeit Colorado.

Es war, was die Geographie betrifft, die zweite falsche Meldung an diesem Tag. Denn Donald Trump hatte gerade auf Twitter der Mannschaft der Kansas City Chiefs zum Gewinn der Super Bowl gratuliert: Ihr habt den großartigen Bundesstaat Kansas und, genau genommen, die ganze USA so gut vertreten. Unser Land ist stolz auf euch! Pech nur, dass die Mannschaft aus Kansas City in Missouri kommt. Es ist schon eine schwierige Sache mit den Landkarten. Das weiß auch IKEA, die hatten in diesem Jahr eine Weltkarte im Programm, auf der Neuseeland fehlte. Ach ja, und bei Shakespeare lag Böhmen am Meer.