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Freitag, 9. September 2022

Queen Elizabeth ✝


Die neue Premierministerin hat die Königin noch ernannt, Boris Johnson den Hosenbandorden zu verleihen, ist ihr erspart geblieben. Vielleicht verleiht der König Charles dem Boris den Orden auch nicht, honi soit qui mal y pense. In siebzig Jahren auf dem Thron hat Elizabeth Premierminister kommen und gehen sehen. Als sie einsam und alleine ihren Ehemann betrauerte, war ihr Premierminister Boris Johnson bei irgendeiner Party. Die deutsche Außenministerin twitterte nach dem Tod von Elizabeth: Wir trauern mit unseren britischen Freund*innen um Queen Elizabeth II. Sie war für ihr Land fast 100 Jahre lang Quelle der Stärke und Zuversicht. Deutschland bleibt ihr ewig dankbar, dass sie uns nach dem Terror des Zweiten Weltkriegs die Hand zur Versöhnung gereicht hat. Das mit desem albernen Gendersternchen musste wohl sein. 

Das englische Königshaus hat seit Jahren auch einen Twitter Account. Da schrieb gestern der neue König: The death of my beloved Mother, Her Majesty The Queen, is a moment of the greatest sadness for me and all members of my family. We mourn profoundly the passing of a cherished Sovereign and a much-loved Mother. I know her loss will be deeply felt throughout the country, the Realms and the Commonwealth, and by countless people around the world. During this period of mourning and change, my family and I will be comforted and sustained by our knowledge of the respect and deep affection in which The Queen was so widely held.

Der Hofdichter Simon Armitage hat im Juni des Jahres ein Gedicht zum Platinum Jubilee der Queen veröffentlicht, das den Ttel Queenhood hat. Es findet sich auf der Seite des Königshauses. Ich glaube, es ist ein Gedicht, das heute hier stehen sollte:

I

An old-fashioned word, coined in a bygone world. 
It is a taking hold and a letting go,
girlhood left behind like a favourite toy, 
irreversible step over invisible brink.
A new frock will be made, which is a country 
hemmed with the white lace of its shores, 
and here is a vast garden of weald and wold, 
mountain and fell, lake, loch, cwm.
It is constancy and it is change:
the age of clockwork morphs into digital days, 
but the song of the blackbird remains the same.

II

Queenhood: a long winding procession
from the abbey door to the abbey door.
Queenhood: vows taken among bibles and blades, 
beneath braided banners and heralding horns;
the anointment of hand, breast, head, with oil
of cinnamon, orange, musk and rose; promises
sworn in secret under tented gold
so daylight won’t frighten the magic away,
too sacred by far for the camera to see.
It is an undressing first then a dressing up,
a shedding of plain white cloth then the putting on
of a linen gown and the supertunica – dazzling gold foil 
lined with crimson silk. Man will walk
on the moon, great elms will fail and fall.
But a knife’s still a knife. A fork’s still a fork.

III

So the emblems and signs of royalty are produced: 
the gilded spurs; the blued steel sword – like a sliver 
of deep space drawn from the scabbard of night –
to punish and protect; bracelets to each wrist, 
sincerity and wisdom – both armour and bond.
Love is still love is still love, and war is war.

IV

And indestructible towers will atomise in a blink.
The God particle will be flushed from its hiding place. 
The sound barrier will twang with passenger planes. 
Civilisation will graft its collected thoughts
onto silicon wafers, laureates will pass through court . . . 
But Taurus, the bull, on its heavenly tour,
will breach the same horizon at the given hour.

V

Queenhood: it is the skies, it is also the soil
of the land. It is life behind glass walls
and fortified stones. Robe and stole are lifted
onto your shoulders – both shield and yoke. 
Motherhood and womanhood will be taken as read. 
‘Multitasking’ will be canonised as a new word.

VI

It is an honouring, but also an honour.
In the flare and blur of an old film
ghostly knights and chess-piece bishops deliver
the unearthly orb, with its pearled equator
and polished realms, into your open palm;
and pass you the sceptre and rod of mercy
and justice, one bearing the cross, one plumed
with a white dove; and load your fourth finger
with a ring that makes you the nation’s bride;
and offer the white kid glove with its scrollwork tattoo 
of thistles and shamrocks, oak leaves and acorns;
then finally furnish your head with the crown – 
jewelled with history, dense with glory –
both owned and loaned at the same time.

Do those burnished relics still hold
the fingerprints of a twenty-seven-year-old?

VII

A priceless freight for a young woman to bear, 
but, draped and adorned, a monarch walks forward 
into the sideways weather of oncoming years.
And the heavy cargoes of church and state
lighten with each step, syrupy old gold
transmuted to platinum, alchemy redefined. 
Queenhood: it is law and lore, the dream life
and the documentary, a truthful fantasy.
For generations we will not know such majesty.

I declare before you all that my whole life, whether it be long or short, shall be devoted to your service and the service of our great Imperial family to which we all belong, hat sie mit einundzwanzig Jahren in Südafrika gesagt. Ein Journalist hatte ihr die Rede für die Rundfunkansprache an das Commonwealth geschrieben. Sie hat alles wahr gemacht, was sie gesagt hat. Und hat ihr ganzes Leben mit Stil und Würde dem Commonwalth gewidmet, obgleich das Commonwealth kleiner geworden ist in dieser langen Zeit. Als sie 1947 heiratete, schrieb der damalige Hofdichter John Masefield: 

To those dear lands, still calling Britain 'Home',
The Crown is still the link with Britain's past,
The consecrated thing that must outlast
Folly and hate and other human foam.

To those, as to ourselves, this marriage-time
Summons all hearts from their accustomed ways
To pray that hidden strengths, supreme, sublime,
May from their glory bless this couple's days.

To pray, that She, our future Queen, may hear
Through many happy years, the bells rejoice,
Telling of People glad, a Sovereign dear,
A Land restored, a Purpose again clear,
With wind-delighting clamour of glad voice.


Die Hoffnung, die der Dichter, und vielleicht auch ganz England, zwei Jahre nach dem Krieg in die zukünftige Königin setzte, ist wahr geworden.

Ich bin natürlich Royalist, das wissen Sie. Rolf Seelmann-Eggebert, der früher notorisch über die Queen berichtete, hat gesagt, dass er kein Royalist sei. Die ARD hat aber trotzdem noch eine ✺ Sendung von ihm hervorgekramt. Nein, ich bin Royalist, seit mir König Frederik von Dänemark die Hand geschüttelt hat. Die Königin Elizabeth habe ich 1958 in Amsterdam und 1965 in Hamburg gesehen, mit Philip war ich einmal in einem Raum und bewunderte seine weinroten Schuhe, die dieselbe Farbe hatten, wie der royale Daimler vor dem Haus. Wenn Sie noch mehr von der königlichen Familie wissen wollen, dann kann ich folgende Posts anbieten: Prince Philip ✝, Eiserne Hochzeit, Queen, Besucher, Hofdichter: Gott schütze die Königin, Morning Coat, Lisbeth, Queen, Teckel & Corgwn, Honi Soit, Royal Wedding, Theodor Heuss

Sonntag, 11. April 2021

Prince Philip ✝

Bitte bleiben Sie noch einen Augenblick stehen, sagte der Polizist. Woher wusste der, dass ich Deutscher war? Er fügte dann noch hinzu: Die Königin kommt gleich. Da stand ich nun in Amsterdam vor einem Zebrastreifen und wartete. Dann kam die Königin Juliana, aber die Königin Elizabeth saß auch in der Kutsche. Philip in einer zweiten. Das war das erstemal, dass ich Philip sah. Sieben Jahre später sah ich ihn noch einmal. Das war ein schöner Tag im Mai, als der Professor für englische und amerikanische Literatur Rudolf Haas im Hamburger Audimax ankündigte, dass er seine Vorlesung über die elisabethanische Literatur heute etwas früher beenden würde. Damit Sie alle Zeit haben, die Königin zu sehen, ein Pflichtprogramm für Anglistikstudenten. Die Queen wird wenig später im offenen Mercedes 600 durch die Schlüterstraße fahren, Elisabeth I und Elisabeth II sind hier heute nur zehn Minuten und hundert Meter voneinander entfernt.

Ein Jahr später sah ich Philip wieder. In Kiel, er war zum Segeln gekommen. Hier ist er auf seiner Yacht Bloodhound, die die königliche Familie gebraucht gekauft hatte, neu wäre sie Philip zu teuer gewesen. Philip war ein großer Segler, er hat über die Jahre in verschiedenen Bootsklassen zahlreiche Regatten gewonnen. Auf dem Photo hält er eine weiße Mütze in der Hand, er durfte so etwas tragen, er war Marineoffizier. Der Herr mit der weißen Mütze auf dem Kopf ist der Ministerpräsident Lemke. Der war im Zweiten Weltkrieg auch Marineoffizier, aber vorher hat er die braunen Uniformen der Nazis getragen. Die Google Bilderwelt scheint diese Bilder gelöscht zu haben, aber in meinem Post Signale kann man Lemke noch in SA-Uniform sehen. Der Prinz Philip von Griechenland und Dänemark hat keine dunklen Flecken in seiner Geschichte. Für seine Schwestern, die adlige Nazis heirateten, konnte er nichts. Wir lassen das mal weg, dass Queen Mom immer von Philip als dem Hunnen redete, aber Queen Mom verehrte ja auch Bomber Harris. 

Im Colloquium von Professor Titelnot diskutierten wir damals wochenlang, welche Bilder wir ihm an die Wände seiner Hotelsuite hängen sollten. Es musste unbedingt Nolde sein, den kann ich zwar nicht ausstehen, aber ich meldete mich freiwillig für die Arbeit des Aufhängens. Wir hatten die Noldes kaum an der Wand, als Philip schon im Zimmer war. Er war sehr nett, aber ich wußte vor Verlegenheit nicht, wo ich hingucken sollte. Also habe ich auf seine Schuhe geguckt. Schöne weinrot-braune hochpolierte Schuhe, wahrscheinlich von John Lobb. Passten in der Farbe prima zu seinem bordeauxfarbenen Rolls-Royce draußen auf dem Hof. 

Es gab zwar immer schöne Frauen in Philips Leben, wie hier seine Freundin Angela Cara Delevingne, die die Tochter eines Viscounts war, aber als er Lisbeth gefunden hatte, blieb er ihr ziemlich treu. Die englische Skandalpresse hat zwar immer etwas Amouröses gefunden, aber an der Verbreitung von Lügen verdienen die Murdochs dieser Welt ihr Vermögen. In der jetzt laufenden Netflix Serie The Crown wird Philip mit dem Profumo Skandal in Verbindung gebracht (Sie könnten jetzt einmal den schönen Post Christine Keeler lesen), aber da ist auch nichts dran.

Er besaß gute Schneider (in den letzten fünfzig Jahren war das John Kent) und viele Uniformen. Hier trägt er die schräge Mütze (im Original grün und weiß) der Royal Irish Hussars. Am liebsten trug er Marineuniformen, als er neunzig wurde, ernannte ihn seine Gattin zum Lord High Admiral, da brauchte er wieder eine neue Uniform. Als seine Frau 1952 unvermutet Königin von England wurde, nahm Philip seinen Abschied von der Royal Navy: Ich war gerade zum Fregattenkapitän befördert worden, hatte damit den interessantesten Teil der Karriere begonnen. Natürlich war ich enttäuscht. Doch dann besann ich mich. Als Ehemann einer Königin, schien mir, war meine oberste Pflicht, nach bestem Vermögen ihr zu dienen. Als er heiratete, hat er auf die Titel eines Prinzen von Griechenland und eines Prinzen von Dänemark verzichtet, erhielt die britische Staatsbürgerschaft und änderte seinen Familiennamen in Mountbatten. Bekam von seiner Frau dann noch die Titel Duke of Edinburgh, Earl of Merioneth und Baron Greenwich dazu.

Mit sechsundneunzig Jahren hatte Prince Philip seinen letzten offiziellen Auftritt, da hatte er siebzig Jahre seiner Königin gedient. Immer ein Gentleman. Die Premierministerin Theresa May (kann sich noch jemand an die erinnern?) twitterte: As he carries out his final public engagement, I thank the Duke of Edinburgh for a remarkable lifetime of service. I hope the Duke, after 22,219 solo engagements since 1952, can now enjoy a well-earned retirement! Er trug keine Uniform mehr. Die Militärkapelle der Royal Marines spielte die Nationalhymne und For He’s a Jolly Good Fellow. Das war's. Einen wie ihn bekommt England nie wieder. Auch wenn er ruppig sein konnte und eine spezielle Form des englischen Humors hatte, verbarg er immer hinter dieser Fassade einen gebildeten Menschen, der mehrere Sprachen fließend sprach und mehr als zehntausend Bücher besaß. Und Gedichte las.

Dieser Blondschopf im Kostüm eines Ritters ist der vierzehnjährige Philip, als er in seinem schottischen Internat eine kleine Nebenrolle bei der Aufführung von Shakespeares Macbeth hat. Man sieht ihm nicht an, dass er er eine schwere Kindheit hatte. Er ist mit dem Adel von ganz Europa verwandt, aber er hat kein wirkliches Zuhause. Als er in einem Interview nach seiner Kindheit gefragt wurde, sagte er: What do you mean, ‘home’? You get on with it. You do. One does. Das klingt ein wenig nach Becketts Satz You must go on. I can't go on. I'll go on. Er war seinem Lehrer Kurt Hahn von Salem zur British Salem School in Gordonstoun gefolgt, Philips Schwager, der Prinz von Baden, hatte Hahn bei der Ausreise geholfen. Salem und Gordonstoun waren für Philip die glücklichsten Jahre. Drei Jahre nach der Macbeth Aufführung war er in der Royal Navy, wo er mit einundzwanzig der jüngste Leutnant der Royal Navy wurde. Er war kein Engländer, aber sein Onkel Lord Mountbatten hatte dafür gesorgt, dass ihn die Navy aufnahm. Die Engländer scheinen da sehr großzügig zu sein, Adrian Carton de Wiart war acht Jahre in der englischen Armee, bevor jemand merkte, dass der belgische Baron kein Engländer war.

Ich brauche das Photo von dem jungen Blondschopf, denn ich habe ein Gedicht dazu, das Prince Philip As an Actor in Macbeth heißt. Da der derzeitige Poet Laureate Simon Armitage (der einmal Sir Gawain and the Greene Knighte ins Neuenglische übersetzte) noch nicht als Hofdichter zu dem Tod von Philip tätig geworden ist, nehme ich das Sonett von dem Amerikaner Phillip Whidden, das auf der Seite einer relativ obskuren Society of Classical Poets veröffentlicht wurde. Über den Dichter weiß ich nichts, allerdings hat er im Internet eine beeindruckende Seite, auf der wir hunderte seiner Sonette finden. Das Gelegenheitsgedicht über den jungen Blondschopf ist eigentlich gar nicht so schlecht:

He wore a white gold crown wherever he
Was living, Denmark, Greece, and also here
In Scotland and in England. Like a spree
Of happiness, he was a musketeer
Of royal beauty whose blond diadem
Was full of pranks and alpha male-ish fun.
His suffering something to deny, a gem
Worn silently concealed the way a nun
Belies distress, young Philip’s pain was hard
As diamonds inside a regal watch
That keeps to time inerrantly. If scarred,
He never showed it. Platinum the swatch
     Of hair across his forehead, silver gold,
     Was like a future victory foretold.

Mittwoch, 11. März 2026

Wagner in Dänemark

Ich bin natürlich Royalist, das wissen Sie. König Frederik von Dänemark hat mir mal die Hand geschüttelt. Die Königin Elizabeth habe ich 1958 in Amsterdam und 1965 in Hamburg gesehen, mit Philip war ich einmal in einem Raum und bewunderte seine weinroten Schuhe. Wenn Sie noch mehr von der englischen königlichen Familie wissen wollen, dann kann ich folgende Posts anbieten: Besucher, Hofdichter: Gott schütze die Königin, Morning Coat, Lisbeth, Queen und Teckel & Corgwn. Das steht schon in dem Post Royals. Am heutigen Geburtstag des dänischen Königs Frederik IX muss ich das noch einmal zitieren. Der Mann, der unter seiner Marineuniform voll →tätowiert war, war schon zweimal in diesem Blog. Zum einen in danske piber, zum anderen in dem Post Des Königs Jaguar. Da können Sie lesen, wie es dazu kam, dass mir der König die Hand schüttelte. Frederiks Tochter Margrethe war auch schon häufig in diesem Blog. Lesen Sie doch die Posts Ingahild Grathmer, skandinavische Mode, Delmenhorst und Danmark.

Frederik war nicht nur König und Marineoffizier, er war auch Musiker. Seine Mutter Alexandrine, die aus Mecklenburg kam, liebte die Musik und war eine ausgezeichnete Pianistin. Als Klavierlehrerin für ihren zwölfjährigen Sohn hatte sie Johanne Elisabeth Hohlenberg (1883-1970), die jedermann Lizzy nannte, ausgesucht, mit der sie gerne Klavier-Duette gespielt hatte. Sechs Jahre lang kam Lizzy Hohlenberg, die mit dem Komponisten Hakon Børresen befreundet war, regelmäßig ins Schloss, um den Kronprinzen auszubilden. Sie war auch eine Freundin der Malerin Anna Ancher, die sie in Skagen kennengelernt hatte, weil sie dort jeden Sommer ihren Onkel C.F. Dahlerup besuchte. Der war der königliche Oberdünenmeister, heute würde man ihn als einen Landschaftsarchitekten bezeichnen. Wer die →Skagener Dünen einmal gsehen hat, weiß, dass die gepflegt werden müssen. Dahlerup wird in diesem Blog schon einmal erwähnt, weil die verzweifelte Marie Krøyer seine Hilfe sucht, als ihr Ehemann wieder in einer Krise steht. Peder Severin Krøyer wird Lizzys Onkel als →Jäger mit Jagdhund einer Düne liegend malen, wie es sich für einen Oberdünenmeister gehört. Anna Ancher hat ihre Freundin Lizzy 1905 auf diesem schönen Bild mit den Mohnblumen auf dem Tisch portraitiert. Die Klavierlehrerin war für Frederik über die Jahre zu einer Freundin geworden, und er hat noch viele Jahre mit ihr zusammen Duette gespielt.

1938 trat der Kronprinz zum ersten Mal öffentlich als Dirigent auf. Und das hat er immer wieder getan. Auf diesem ✺Video dirigiert er das Danish National Symphony Orchestra in einer privaten Vorstellung. Nur die Mitglieder der königlichen Familie sind im Saal. Frederik dirigiert Wagner, den hatte schon seine Mutter geliebt, die häufig Gast in Bayreuth gewesen war. 

Diese privaten →Konzerte waren zu einer Tradition geworden, bei der sich das königliche Orchester jedes Jahr einmal im Schloss einfand, um vom König dirigiert zu werden. Zum siebzigsten Geburtstag seines Schwiegervaters Gustav VI Adolf von Schweden dirigierte Frederik im Königlichen Theater in Stockholm das Orchester. Es gab wieder nur Wagner. Er hat aber auch auch andere Komponisten dirigiert, wie man auf dieser →Liste seiner CDs sehen kann.

Weshalb soviel Wagner in Dänemark? Am 10. September 1911 wurde die Danske Richard Wagner-Forening gegründet, die unter dem Patronat der Königin Alexandrine stand. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs hörte diese Gesellschaft auf zu existieren. Aber seit 1994 gibt es wieder eine Richard Wagner Selskabet in Kopenhagen. Der Einfluss von Alexandrine von Mecklenburg ist sicher sehr groß gewesen, aber es gibt da noch jemand anderen, der Wagner nach Dänemark gebracht hat. Und der heißt →Hans Christian Andersen. 

Der Dichter war ein leidenschaftlicher Verehrer Wagners und hat ihn auch in seinen Roman →Lykke-Peer hineingeschrieben. Da bedeutet Wagner für den jungen Komponisten die Musik der Zukunft. Meine Leser wissen seit den Posts bêtes noires, Richard Wagner, Bayreuth und Wagner, Wacken und La Périchole, dass ich kein Verehrer von Wagner bin. Und irgendwie bleibt mir das mit Hans Christian Andersen ein wenig rätselhaft. Die kleine Meerjungfrau und Wagner passen für mich nicht zusammen.

Noch mehr Dänemark (ohne Richard Wagner) findet sich in dem Post Mein Dänemark

Samstag, 19. Mai 2018

Royals


Es wird heute genügend Berichte von der Hochzeit in London geben, ich halte mich da etwas zurück. Diesen Cartoon von Mac (das ist Stanley McMurtry) konnte man am 28. November 2017 in der Daily Mail sehen. Die Bildunterschrift lautete: MARKLE, Philip, dear. MEGHAN MARKLE! Harry's not marrying Angela Merkel! Ich fand den Cartoon damals wunderbar.

Die Hofdichterin Carol Ann Duffy (die hier schon erwähnt wird), die sich bei den letzten royalen Ereignissen merkwürdig still verhielt, und lieber über David Beckham als über die königliche Familie schrieb, hat diesmal für Harry und Meghan ein Gedicht geschrieben. Es heißt The Long Walk, und es ist, wenn wir ehrlich sind, ein etwas armseliges Gedicht:

It should be private, the long walk
on bereavement’s hard stones;
and when people wave, their hands
should not be mobile phones,
nor their faces lenses;
so your heart dressed in its uniform.
On. Then one blessed step
and the long walk ended
where love had always been aimed,
her arrows of sweet flowers gifting
the air among bells - yes, they all looked -
and saying your name.


Hofdichter zu sein ist keine leichte Aufgabe. Als Ted Hughes Poet Laureate war, schrieb Andrew Motion dies kleine Gedicht für ihn:

My family are a trial to Ted Hughes:
No sooner do they marry than divorce
His burdens would be lighter if he chose
To write about a corgi or a horse.

Und als Andrew Motion selbst Hofdichter war, schickte ihm Attila the Stockbroker das Gedicht: In Sympathy with the Poet Laureate anläßlich der Hochzeit von Charles und Camilla:

(I have never envied your task: especially now.....)
Their tenure should have ended at that final Worcester battle
But to this day we're fed a diet of endless royal prattle
And soon will come that awful time which some of us
are dreading:
The global media yawn-fest which is
Chas and Millie's wedding....
There's squabbling in the churches and across the Union Jack:
To write this one, I think you'll need to DRAIN your butt of sack!
We just need abolition, not a Cromwell-style beheading.
It's their business and theirs alone, old Chas & Millie's wedding.
It really doesn't matter who is sitting on the throne:
They're all as dull as dishwater and should be left alone.
I don't care what their hamster's called or whom
they are a-bedding:
I want some interesting news, not Chas & Millie's wedding!
So, Andrew, if your royal task becomes too much to bear
Go to your favourite football club and write your poems there.
I'm Brighton's Poet in Residence: tonight we're home to Reading.
That's worthy of a verse or two. Not Chas & Millie's wedding!

Ich bin natürlich Royalist, das wissen Sie. König Frederik von Dänemark hat mir mal die Hand geschüttelt. Die Königin Elizabeth habe ich 1958 in Amsterdam und 1965 in Hamburg gesehen, mit Philip war ich einmal in einem Raum und bewunderte seine weinroten Schuhe. Wenn Sie noch mehr von der königlichen Familie wissen wollen, dann kann ich folgende Posts anbieten: Besucher, Hofdichter: Gott schütze die Königin, Morning Coat, Lisbeth, Queen, Teckel & Corgwn

Sonntag, 17. November 2013

Aktmalerei


Wenn man als Teenager in den frühen fünfziger Jahren wissen wollte, wie nackte Frauen aussahen, gab es nur wenige Gelegenheiten zur persönlichen Weiterbildung. Heute geben die Kiddies bei Google Bilder das Wort nackt ein und bekommen pralle Seiten voll nackter Frauen. Damals gab es nur zwei Möglichkeiten: die Nacktbadestrände auf Sylt und das Studium von Kunstbänden. Von daher ist mir Agnolo di Cosimo (den seine Zeitgenossen Bronzino nannten), der heute vor fünfhundertzehn Jahren geboren wurde, seit Kindestagen ein Begriff.

Es ist erstaunlich, wie häufig nackte weibliche Körper von den Malern auf Holz oder Leinwand gebannt wurden. Die Geschichte von Adam und Eva liefert dem Künstler natürlich einen wunderbaren Vorwand. Und dabei lassen wir mal die alten Griechen weg, bei denen der nackte Körper schon seit dem fünften Jahrhundert vor Christus ein Thema für Malerei und Skulptur ist. Wenn Maler in der abendländischen Malerei eine Eva malen, die ja bekanntermaßen noch keine Designerklamotten trug, sind sie natürlich auf der sicheren Seite. Sie haben den Text der Bibel hinter sich: Und sie waren beide nackt, der Mensch und das Weib, und schämten sich nicht. Wenn die Maler in der Renaissance leben, interessiert die Geschichte mit der Schlange und dem Apfel nicht so sehr, aber man hat (wie hier Botticelli) das gesamte Reservoir der antiken Mythologie zur Verfügung.

Es scheint auch gar nicht so sehr darauf anzukommen, ob die dargestellte Nackte eine Venus oder eine Eva sein soll, die ➱Venus von Lucas Cranach (der übrigens der Urgroßvater siebten Grades von Goethe ist) sieht beinahe genau so aus wie seine ➱Eva. Dies hier sind seine drei Grazien, die der Louvre 2011 dank der Spenden von Mäzenen aus ganz Frankreich erwerben konnte. Aber ob die nackten Damen nun lasziv oder verschämt züchtig dastehen, ob sich ➱Lucretia aus Scham über den Verlust der Unschuld den Dolch ans Herz hält: Im Grunde geht’s um die Brüste, wie der Direktor des Städel Max Hollein im Radio anlässlich der Lucas Cranach Ausstellung sagte.

Ich finde es sehr komisch, dass die Bild Zeitung damals zur Cranach Ausstellung die reißerische Schlagzeile Sensations-Ausstellung im Städel über den ersten Nackt-Maler hatte. Und HR-online titelte Der Maler der ersten Pin-ups. Da wollte die Royal Academy in London ein Jahr später offensichtlich nicht zurückstehen, handelte sich aber mit ihren Plakaten in der Londoner U-Bahn gewaltigen Ärger ein. Offensichtlich stand hier das Prinzip des Sex Sells dem No Sex Please. We are British entgegen.

Agnolo Bronzino wird dem Manierismus zugerechnet, eine Übergangsepoche zwischen der Renaissance und dem Barock. Der Begriff wurde zuerst von Jacob Burckhardt eingeführt, gewann dann aber durch Gustav René Hockes Buch Die Welt als Labyrinth (1958 bei Rowohlt in der Reihe Rowohlts Deutsche Enyzklopädie erschienen) eine größere Verbreitung. Es ist ein erstaunliches Buch, dem Hocke ein Jahr später in der gleichen Reihe noch einen zweiten Band, Manierismus in der Literatur: Sprach-Alchemie und esoterische Kombinationskunst, nachfolgen ließ.

Ich bin jetzt in Versuchung, eine kleine Kunstgeschichte der europäischen Aktmalerei zu schreiben. Doch das lasse ich, weil ich an Kenneth Clark niemals herankommen werde, dessen The Nude: A Study of Ideal Art meiner Meinung nach immer noch das beste Buch zum Thema ist. Kenneth Clark hat als Kunsthistoriker eine Begabung, die nicht viele haben: er kann die kompliziertesten Zusammenhänge so erklären, dass auch ein normaler Leser ihm folgen kann. Millionen Menschen in aller Welt haben seine Fernsehsendung Civilisation: A Personal View by Kenneth Clark gesehen. Angeblich soll ihn die Queen deshalb zum Baron of Saltwood (er besaß das gleichnamige Schloss) gemacht haben. Als die Ernennung anstand, schlug die Satirezeitschrift Private Eye vor, dass er den Titel Lord Clark of Civilisation annehmen sollte.

Es ist natürlich bei Kenneth Clark das wunderbare Englisch, das seine Bücher zu einer Freude für den Leser werden lässt. Ich gebe einmal ein Beispiel aus The Nude: It is widely supposed that the naked human body is in itself an object upon which the eye dwells with pleasure and which we are glad to see depicted. But anyone who has frequented art schools and seen the shapeless, pitiful model that the students are industriously drawing will know this is an illusion. The body is not one of those objects which can be made into art by direct transcription — like a tiger or a snowy landscape. Often in looking at the natural and animal world we joyfully identify ourselves with what we see and from this happy union create a work of art. This is the process students of aesthetics call empathy, and it is at the opposite pole of creative activity to the state of mind that has produced the nude. A mass of naked figures does not move us to empathy, but to disillusion and dismay. Das Bild oben ist kein Bronzino, es ist von seinem Neffen Allessandro Allodri, der bei Bronzino das Malen gelernt hat. Es ist die gleiche Sorte Malerei, mit diesen gedrechselten Formen.

An einer anderen Stelle seines Buches sagt Kenneth Clark: No nude, however abstract, should fail to arouse in the spectator some vestige of erotic feeling, even if it be only the faintest shadow — and if it does not do so it is bad art and false morals. Ich habe da mal ein schönes Beispiel für bad art gesehen. In einem Antikladen erzählte mir ein junger arbeitsloser Kunsthistoriker, der hier einen schlechtbezahlten Aushilfsjob gefunden hatte, dass sein Chef einen Lambert Sustris (ein Zeitgenosse von Bronzino, der auch dem Manierismus zugerechnet wird) in seiner kleinen Galerie ausgestellt hätte.

Wenn ich wollte, könnte er mir den heute Nachmittag um vier zeigen. Wir müssten da aber um halb fünf raus sein, da käme ein reicher Hamburger, der wolle den eventuell kaufen. Es gibt von diesem Lambert Soustris sicher schöne Bilder wie die Venus und Cupido (oben), die im Louvre hängt, aber dieses Bild der Venus war nur potthässlich. Nichts von dem to arouse in the spectator some vestige of erotic feeling, even if it be only the faintest shadow.

Das Bild in der sogenannten Galerie (die allerdings nichts anderes als ein besserer Hinterhofschuppen war) war eine Variante von jenem Bild, welches das Rijksmuseum in Amsterdam besitzt (Katalognummer A 3479). Aber das Rijksmuseum hält seinen Sustris nicht unbedingt für echt, der Name ist im Katalog mit einem Fragezeichen versehen. Der Antikhändler hatte einen dunkelroten Samtvorhang um das Bild drapiert, und da lag die Venus nun, lebensgroß, schweinchenrosa und potthässlich. Ich habe sie mir trotzdem eine halbe Stunde lang angeguckt, man sieht so etwas ja nicht jeden Tag. Diese Venus hier ist nicht von Sustris, wird aber vom Auktionshaus Bonhams dem Kreis von Sustris zugerechnet.

Und bei diesem Bild wird uns natürlich klar, von wem Lambert Sustris und der unbekannte Maler aus dem Kreis des Lambert Sustris die Idee für ihr Bild haben: dies ist die berühmte Venus von Urbino von Tizian. Man vermutetet (aber man weiß das nicht genau), dass Lambert Sustris im Studio von Tizian gearbeitet hat und für manche Teile im Hintergrund von Tizians Bildern verantwortlich sein könnte.

Aber unsere Ahnenreihe des wer klaut bei wem das Motiv und den Bildaufbau? ist bei Tizian noch nicht zu Ende. Denn er scheint sich wiederum bei seinem Lehrer Giorgione bedient zu haben - wenn er nicht sogar Teile von dessen Schlafender Venus selbst gemalt hat. Wir könnten an dieser Ahnenreihe von auf einem Plümo hingestreckten Nackedeis noch länger herumbasteln. Die Liegende Quellnymphe von ➱Lucas Cranach ähnelt irgendwie diesen Bildern, und natürlich sollte man ➱Natale Schiavoni Venus mit Spiegel und Manets Olympia erwähnen. Und und und. Kunst kommt von Können, sagt man so schön. Aber Kunst kommt auch von Kunst. Der schöne Satz Wissenschaft das ist und bleibt, was einer ab vom andern schreibt, kann leicht auf die Malerei übertragen werden.

Als ich damals rechtzeitig die 'Galerie' mit der von Tiefstrahlern angeleuchteten Venus von Lambert Sustris (wenn das Bild denn überhaupt echt war) wieder verließ, quälte sich gerade ein Jaguar mit einem Hamburger Nummernschild durch das enge Hoftor. Dem Wagen entstieg ein Herr in den besten Jahren, der wie so viele Hamburger, als englischer Landedelmann verkleidet war. Oder was die Hamburger dank der Einflüsterungen der Verkäufer von Ladage & Oelke dafür halten. Die Verkäufer bei Ladage & Oelke sind sowieso Meister ihres Faches, seit Jahrzehnten verkaufen sie ihren Kunden Jacketts von Eduard Dressler als echt englisch, dazu gehört schon was. Ich nehme an, dass der Antikhändler seinen zweifelhaften Lambert Sustris dem Hamburger auch als echtes Bild anpries. Zwischen dieser Ariadne von ➱John Vanderlyn hier (einem der ersten Aktbilder der amerikanischen Malerei) und dem Bild von Bronzino ganz oben liegen beinahe fünfhundert Jahre.

Wenn Museen so etwas sammeln, ist das ja O.K. Aber wer wollte sich diesen riesigen, zweifelhaften Lambert Sustris ins Wohnzimmer hängen? Kneipiers aus St. Pauli wären natürlich eine Zielgruppe. Vielleicht verkleiden die sich ja auch bei Ladage & Oelke als englische Gentlemen. Auf irgendeine Art und Weise wird das Genre Aktmalerei diesen Hautgout des leicht Schmierigen nicht los. Wenn heute jemand Venus sagt, meint er wahrscheinlich die internationale Erotikmesse in Berlin. So weit ist es mit der Göttin der Liebe und des erotischen Verlangens gekommen. Haben die korpulenten nackten Weiber von Rubens überhaupt noch etwas mit den elongierten Gliedmassen der Frauen bei Bronzino zu tun? Ist diese pathologische Besessenheit der ➱Viktorianer von nackten Frauenkörpern die gleiche Regung, die Leute antreibt, sich das Photo von Gary Gross von der zehnjährigen zu kaufen? Und damit sind wir bei der Frage, wo die Grenzen zwischen Kunst und Pornographie liegen. Wir gestehen den manieristischen ➱Frauenkörpern von El Greco Kunstcharakter zu, aber was ist ➱Helmut Newtons Big Nudes?

Das Bild hier ist natürlich von Lovis Corinth, es ist hier, damit nach all der kalten Schönheit der Bilder aus Renaissance und Manierismus auch ein wenig Erotik auf diese Seite kommt. Denn, um noch einmal Kenneth Clark zu zitieren: The nude gains its enduring value from the fact that it reconciles several contrary states. It takes the most sensual and immediately interesting object, the human body, and puts it out of reach of time and desire; it takes the most purely rational concept of which mankind is capable, mathematical order, and makes it a delight to the senses; and it takes the vague fears of the unknown and sweetens them by showing that the gods are like men and may be worshiped for their life-giving beauty rather than their death-dealing powers.

Ich habe damals nicht weiter verfolgt, was aus dem Lambert Sustris geworden ist. Aktmalerei interessiert mich nicht wirklich. Ich habe zu Hause einen Halbakt, der hängt im Badezimmer. Hat mich auf dem Flohmarkt mal zehn Mark gekostet. Ist auf das Jahr 1940 datiert und sieht aus, als hätte der Reichsschamhaarmaler Adolf Ziegler (über den Hitler sagte: Ziegler ist der beste Fleischmaler der Welt) Eva Braun gemalt. Ich finde das sehr komisch. Dieses großartige Kunstwerk ist nicht von Ziegler sondern von einem gewissen Richard Klein, dessen Hauptwerk ansonsten das Hitler Bild auf den deutschen Briefmarken ist.

Diese Eva des Franzosen Jean Cousin aus dem Jahre 1550 ist etwas interessanter als das Bild von Richard Klein. Hier ist Eva gleichzeitig Pandora, die Frau, die das Unheil über die Welt bringt. Als hätten wir das nicht schon immer gewusst. Aber damit diese ganzen flapsigen Bemerkungen über einen ernsten Gegenstand doch noch ein gewisses Niveau bekommen, habe ich zum Schluss noch ein schönes Gedicht von ➱Robert (von Ranke) Graves, das The Naked And The Nude heißt. Viele Literaturwissenschaftler sind der Meinung, dass Graves das Gedicht (das sein Lieblingsgedicht war) nicht geschrieben hätte, wenn er Kenneth Clarks The Nude: A Study of Ideal Art nicht gelesen hätte.

Hier noch mal eben ein Lambert Sustris, der offensichtlich genau wie Lucas Cranach gesehen hatte, dass man Bilder mit einer nackten Venus gut verkaufen kann. Dass Graves' Gedicht eine Art Antwort auf Kenneth Clark ist, kann man leicht sehen, denn der Anfang des Gedichts erscheint wie eine Replik auf die Definition der Aktmalerei bei Kenneth Clark. Darüber schreibe ich noch ein anderes Mal, das wird heute zu lang.

The Naked And The Nude

For me, the naked and the nude
(By lexicographers construed
As synonyms that should express
The same deficiency of dress
Or shelter) stand as wide apart
As love from lies, or truth from art.

Lovers without reproach will gaze
On bodies naked and ablaze;
The Hippocratic eye will see
In nakedness, anatomy;
And naked shines the Goddess when
She mounts her lion among men.

The nude are bold, the nude are sly
To hold each treasonable eye.
While draping by a showman's trick
Their dishabille in rhetoric,
They grin a mock-religious grin
Of scorn at those of naked skin.

The naked, therefore, who compete
Against the nude may know defeat;
Yet when they both together tread
The briary pastures of the dead,
By Gorgons with long whips pursued,
How naked go the sometimes nude!

Lesen Sie auch: George Spencer Watson, William Etty, Spätrömische Dekadenz, Penelope Boothby. Kenneth Clark hat zu meiner Überraschung hier noch keinen Post, wird aber in Gainsborough und Sir Nikolaus Pevsner gewürdigt.