Mittwoch, 16. November 2022
Made in Italy: Finamore
Sonntag, 23. Oktober 2022
Made in Italy: Luciano Barbera
Das Made in Italy auf dem Etikett genügt Lucianao Barbera heute nicht mehr, es gibt schon Hemden seiner Firma, auf deren Etiketten entirely manufactured in Italy steht. Luciano Barbera hat immer dafür gekämpft, dass das Made in Italy auch Made in Italy bedeutet. Erst seit 2009 ist das durch ein Gesetz halbwegs geregelt, aber das bedeutet keineswegs, dass alle Teile eines Oberhemds in Italien hergestellt sein müssen. Wenn man die Hemden in Vietnam herstellen lässt, wie van Laack und Charles Tyrwhitt das tun, aber noch zwei von vier Arbeitsschritten in Italien ausgeführt werden, dann ist das Hemd immer noch Made in Italy. Luciano Barbera hatte von seinem Vater die 1949 gegründete Weberei Carlo Barbera geerbt. Aber er hatte immer weniger Kunden: So konnte man 2010 in der New York Times in einem Artikel mit dem Titel Is Italy too Italian? lesen: When describing the ills of his businesses, Mr. Barbera tends to focus on one issue: the 'Made in Italy' label. For the last decade, he says, a growing number of clothing designers have been buying cheaper fabric in China, Bulgaria and elsewhere and slapping 'Made in Italy' on garments, even if those garments are merely sewn here. Das Hemd hier ist meins, es hat mich bei ebay zehn Euro gekostet, keine 270 Euro, die die Firma dafür verlangt. Ich habe das Hemd wegen der schönen blauen Streifen gekauft, nicht wegen des Namens auf dem Etikett.
Im Jahre des Interviews mit der New York Times ging es Luciano Guglielmo Barbera nicht so gut, er hatte gerade die Aktienmehrheit der Weberei für über drei Millionen Euro an die Firma Kiton verkauft. Der immer elegante Luciano Barbera durfte in der Firma bleiben. Seine eigene Luciano Barbera Kollektion (die es seit 1971 gibt) blieb von dem Deal unberührt. Die Stoffe von Barbera zählen mit zum Besten, was in Italien gewebt wird, zählen aber auch zu den teuersten. Was eben zu der finanziellen Schieflage der Firma führte. Luciano Barbera hat auf seiner Internet Seite die Gründung der Firma in witziger Kürze so geschildert: In 1950, Carlo Barbera, my father, took over a fabric mill near the town of Biella. The hilly town, part of the Piedmonte region, is cold and damp but that's unfortunately why it was--and is--the home of the finest fabric mills in Italy. All the same, upon his arrival, my Dad threw out half of the looms he found on site. Rip, thump, crash! The trash-haulers of Biella groaned under the burden of his rejects. Was he mad? Remember, he was already inheriting the best machinery in Italy. No, he just wanted better. His targets were royalty: English Lords, Dukes, titans of industry, this at a time when war-ravaged Italy had a GDP roughly the size of Madagascar's..
Entirely Manufactured in Italy steht auf der Seite seiner Firma, und man kann da auch noch lesen: We view manufacturing in Italy as an art form, the result of unique and invaluable knowledge passed down for generations, resulting in the highest quality garments. So etwas Ähnliches steht auf den kleinen Heftchen, die jedem Hemd beigegeben sind. Die Qualität von Luciano Barbera war von Anfang an hoch. Die Jacketts der collezione sartoriale hand made in Italy kamen von Attolini, mehr geht nicht. Neuerdings gibt es auch Hemden von Attolini (mit dem Stoff von Carlo Riva), so etwas kostet bei Michael Jondral (dem Nachfolger von Heinrich Zapke) 450 Euro. Ich weiß nicht, ob Attolini die Hemden selbst herstellt, oder ob sie die von irgendeiner camiceria beziehen. Das weiß man bei großen Namen nie. Auch bei Luciano Barbera nicht. Die Hemden haben alle ein Etikett von Grilux, das ist die von Barbera 1975 gegründete Firma, die die Kleidung von Luciano Barbera vertreibt. Die im Internet allerdings häufig mit dem Zusatz in liquidazione auftaucht.
Sonntag, 19. Dezember 2021
Hemdenkauf bei ebay
Als ich die Posts Englische Oberhemden und Schweizer Oberhemden geschrieben hatte (und gleichzeitig meine Hemden in den Schränken aufgeräumt hatte), dachte ich mir, ich könnte mich mit einem neuen Hemd belohnen. Und guckte mir an, was ebay so zu bieten hat. Ich fand dieses blau-weiße Borrelli Hemd mit einem Startpreis von fünf Euro, Preisvorschläge waren erwünscht. Ich machte Vorschläge, der Verkäufer rührte sich nicht. Dann verschwand das Angebot plötzlich, ebay sieht so etwas nicht gerne, wenn Angebote aus einer Auktion unter der Hand verkauft werden. Eine Woche später tauchte das Hemd wieder auf, wieder mit einem Startpreis von fünf Euro. Ich bot 25,10 € und bekam sofort den Zuschlag, das ist für ein einmal getragenes Borrelli Hemd kein schlechter Preis.
Ich will keine Reklame für Borrelli Hemden machen, es sind sicher gute Hemden, ich habe das auch nur wegen der böau-weißen Streifen gekauft. Mein ideales Hemd sieht so. Passte mir leider nicht. In Italien gibt es viele Firmen, die Gleiches oder Besseres wie Borrelli herstellen. Ein Borrelli Hemd ist auch nichts Exklusives, bei ebay gibt es mehr als 1.200 Angebote, aber kein Hemd von Bruli (es gibt auch mehr als viertausend van Laack Hemden). Mein erstes Borrelli Hemd hat mir Hans Carl Capelle, den jeder Kelly nannte, verkauft. Es war grasgrün. Vielleicht wusste Kelly das gar nicht, er war farbenblind. Das habe ich erst Jahre später erfahren.Der Ruf von Borrelli ist neuerdings ein klein wenig beschädigt, Borrelli ist auch nicht mehr Borrelli. Der Herr auf dem Photo mit dem zu kurzen Schlips ist Fabio Borrelli, der Sohn des Firmengründers Luigi Borrelli. Er ist gerade vor Gericht freigesprochen worden. Sieben Jahre zuvor hatte die Guardia di Finanza seine Fabriken besetzt und ihn festgenommen. Er kam erst einmal nicht ins Gefängnis sondern bekam Hausarrest. Damals gab es noch keine Corona, sonst hätte er das als Home Office deklarieren können. Es war eine Blitzaktion der Guardia di Finanza gewesen, die nicht nur Borrelli betraf, es ging um Wirtschaftskriminalität, falsche Abrechnungen und das Erschleichen von fünfzig Millionen EU Förderungsgeldern. Borrelli wurde zwar irgendwie freigesprochen, aber er musste für seine Firmen der Borrelli Gruppe Konkurs anmelden. Wer heute die Firma Borrelli besitzt und die Hemden herstellt, ist ein klein wenig unklar. Auf der Borrelli Homepage wird die Wirtschaftskriminalität nicht erwähnt, aber man kann lesen, dass man stolz sei, Viktor Emanuel von Savoyen zu beliefern. Bei dem Ruf dieses Herrn ist das eine sehr zweifelhafte Reklame.
Donnerstag, 22. September 2022
war nicht nötig, aber
Donnerstag, 19. Januar 2023
Made in Italy: Fray
Dienstag, 26. August 2025
van Laack: königlich?
Die Corona Krise, die die Textilwelt schwer traf, wurde für van Laack eine goldene Zeit. Im Geschäftsjahr 2020 verkaufte van Laack mehr als 100 Millionen Alltagsmasken (der Werbeträger Johannes B. Kerner trägt hier eine) und zwölf Millionen Kittel. Damit verdoppelte die Firma ihren Umsatz. Aber dieser Gewinn bringt auch viel Schmutz mit sich, der an der Firma van Laack kleben bleibt. Dem Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen Armin Laschet, dessen Sohn als Influencer für van Laack Reklame macht, wird vorgeworfen, die Aufträge an van Laack ohne →Ausschreibung vergeben zu haben.
Und die in Tunesien schnell genähten Kittel sind offenbar Schrott. Die Uniklinik Köln sortiert im Dezember 48.000 Corona Schutzkittel aus, in der Uniklinik Essen werden 40.000 Kittel ausgemustert. Die Firma van Laack hat auf ihrer Homepage inzwischen eine eigene Seite, die Medical heißt, wo wir lesen können: Seit Beginn der Pandemie hat van Laack seine Expertise im Bereich Medical unter Beweis gestellt und ganz Deutschland mit Masken ausgestattet. Die Expertise aus den Erfahrungen der vergangen Jahre ist nun in die Entwicklung einer Medical-Fashion Kollektion geflossen. Von mangelnder Qualität oder rechtswidrig erschlichenen Aufträgen ist da nicht die Rede. In England hat Emma Willis, die auch Oberhemden für den König näht (und schon in dem Post englische Oberhemden erwähnt wird) auch Kittel nähen lassen. Ohne Skandale, und ohne etwas daran zu verdienen.
Hemden stellt van Laack in Tunesien und Saigon natürlich auch noch her. Im Laufe der Firmengeschichte haben sie irgendwann das Epitheton ornans das königliche Hemd bekommen. Kriegten das Wort Royal unter dem Kragen eingestickt und bekamen eine kleine Krone auf die Brusttasche, die später auf die Manschette des rechten Arms wanderte. Ich weiß nicht, ob es die besten deutschen Hemden sind, die besten der Welt auf keinen Fall. Die Hemden, die den Namen Werner Baldessarini trugen, als er noch bei Hugo Boss war, die waren besser. Was heute Baldessarini heißt, ist nicht erwähnenswert. Windsor hatte mal gute Hemden, aber die Zeiten sind auch lange vorbei. Die einzige wirklich gute erwähnenswerte Firma ist → Emanuel Berg, die ihren Firmensitz in Rösrath hat und die Hemden in Danzig schneidern lässt. Viele deutsche Herrenausstatter beziehen die Maßhemden für ihre Kunden von dieser Adresse.
Mein erstes van Laack Hemd kam von Stiesing aus der Sögestraße, das ist über sechzig Jahre her. Mein zweites kam von dem Herrenausstatter von Alten in der Knochenhauerstraße, der immer preiswerte van Laack Hemden im Schlussverkauf hatte. Bremen war in der Adenauerzeit, als es nur weiße Hemden gab, keine besonders gute Adresse für Oberhemden, das steht schon etwas detaillierter in dem Post Made in Italy. Seit den Sixties begleiten mich die Hemden aus Mönchengladbach, aber Werbung für die Firma würde ich nicht unbedingt machen. Ich habe mir aber gerade im SSV bei kleinanzeigen eins gekauft, ein Modell, das Meisterwerk heißt, eine Komposition aus erlesenen Stoffen und einer modernen Schnittführung, vollendet durch meisterliche Handwerkskunst, definiert das luxuriöse Hemd neu. So etwas hatte ich noch nicht. Es hat eine Passe, das finde ich mit den Diagonalstreifen ja ganz charmant. Aber die Streifen der Schulter sind nicht an die Streifen des Ärmels angepasst, das ist wirklich ärmlich. Das Hemd hat sehr gute Knopflöcher, aber das ist auch das einzig Gute an dem Hemd.
Ich habe dreißig Euro dafür bezahlt. Das, was es im Laden kostet, ist das Hemd nicht wert. Einher mit diesem Kauf ging ein anderer Kauf bei kleinanzeigen, bei dem ich für zwanzig Euro ein nagelneues Bruli Hemd erstand. Die Firma nimmt für ihre Hemden inzwischen 450 Euro, die Ign. Joseph Hemden, die sie auch herstellen, kosten die Hälfte. Als die beiden kleinanzeigen Käufe nach dem Waschen auf der Leine nebeneinander hingen, konnte man die Unterschiede der Qualität sehr schön sehen. Da hing Champions League neben Amateurliga. Noch einmal Christian von Daniels: Als Heinrich van Laack sein Unternehmen 1881 in Berlin gründete, hatte er ein klares Ziel vor Augen: er wollte das beste Hemd der Welt fertigen. Seine Vision hat bis heute Bestand. Es bleibt aber nur eine Vision. Etwas, was weit weg ist.



































