Donnerstag, 28. Februar 2019

28. Februar


Vor sechzig Jahren starb der Schriftsteller Maxwell Anderson. Er hat berühmte Theaterstücke geschrieben und Drehbücher zu berühmten Filmen geschrieben. Am berühmtesten von allen Werken ist wohl der von Kurt Weill vertonte September Song geworden, der hier schon einen Post hat. Wir hören ihn uns noch einmal in der Version von Tony Bennett an. Wir können natürlich den Februar nicht mit dem September Song beenden, aber glücklicherweise gibt es den amerikanischen Bariton Josh Groban. Und der hat einen February Song geschrieben.

Dienstag, 26. Februar 2019

Birken


Auf beinahe jedem Bild der Worpsweder Maler sind sie zu sehen, die Birken. Sie gehören zum Bildinventar der kleinen Worpsweder Welt. Das die Maler schon selbst etwas ironisch betrachteten. So erschien in der Worpsweder Zeitung zur Vierzigjahrfeier der Künstlerkolonie am 11. Oktober 1924 ein satirisches Preisausschreiben, das als ersten Preis folgendes auslobte: 1. Preis: Ein original Worpsweder Motiv, bestehend aus: 1 frisch gestrichenes Strohdachhaus, 1 fleckige Kuh, 1 Paar braune Segel, 1 Dtzd. Gutgewachsene Birken, 1 Ia. Sonnenuntergang (alles vom Verschönerungs=Verein Worpswede eigens angepflanzt und sofort lieferbar). Den richtigen Lösungen des Preisausschreibens waren 20 Mark Worpsweder Notgeld beizufügen. Man muss dazu sagen, dass diese Sondernummer der Worpsweder Zeitung zum 11. Oktober eine Ulknummer war. Aber Satire hin und her, das was da so ironisch beschrieben wird, ist die gesamte Worpsweder Bildwelt.

Natürlich haben Dichter die Birken besungen, so zum Beispiel Thomas Hardy in The Upper Birch-Leaves. Aber da ist es schon November, und der Baum verliert seine Schönheit:

Warm yellowy-green
In the blue serene,
How they skip and sway
On this autumn day!
They cannot know
What has happened below, -
That their boughs down there
Are already quite bare,
That their own will be
When a week has passed, -
For they jig as in glee
To this very last.

But no; there lies
At times in their tune
A note that cries
What at first I fear
I did not hear:
"O we remember
At each wind's hollo -
Though life holds yet -
We go hence soon,
For 'tis November;
- But that you follow
You may forget!"

Bei Börries von Münchhausen wird die Birke in seinem Gedicht Birkenlegendchen richtig sexy:

Birke, du schwankende, schlanke,
wiegend am blassgrünen Hag,
lieblicher Gottesgedanke
vom dritten Schöpfungstag

Gott stand und formte der Pflanzen
endlos wuchernd Geschlecht,
schuf die Eschen zu Lanzen,
Weiden zum Schildegeflecht.

Gott schuf die Nessel zum Leide,
Alraunenwurzeln zum Scherz,
Gott schuf die Rebe zur Freude,
Gott schuf die Distel zum Schmerz.

Mitten in Arbeit und Plage
hat er ganz leise gelacht,
als an den sechsten der Tage,
als er an Eva gedacht.

Sinnend in göttlichen Träumen
gab seine Schöpfergewalt
von den mannhaften Bäumen
einem die Mädchengestalt.

Göttliche Hände im Spiele
lockten ihr blonden das Haar,
daß ihre Haut ihm gefiele,
seiden und schimmernd sie war.

Biegt sie und schmiegt sie im Winde
fröhlich der Zweigelein Schwarm,
wiegt sie, als liegt ihr ein Kinde
frühlingsglückselig im Arm.

Birke, du mädchenhaft schlanke,
schwankend am grünenden Hag,
lieblicher Gottesgedanke
vom dritten Schöpfungstag!


Eine sehr schöne literarische Form haben die Birken in Hermann Kasacks Erzählung Das Birkenwäldchen gefunden. Geschrieben 1944 für seinen Freund Peter Suhrkamp, den die Gestapo ins KZ gebracht hatte. Kasack beschreibt hier ein Birkenwäldchen, das er jeden Tag aus der Eisenbahn sehen kann: Als ich an einem der letzten Tage am Birkenwäldchen vorüberfuhr, sah es aus, als ob über dem krausen Blätterbehang ein grauer Staub lag, wie ihn der Wind an trockenen Tagen durch die Luft treibt. Es müßte ein Regen kommen, um die Blätter blank zu waschen. Was aber ließe sich Besseres sagen, um das Birkenwäldchen jemandem lebendig zu machen, der es so lange nicht erblickte als dies: Ich sehe es beinahe täglich mit deinen Augen.

Die Birke, die von vielen Allergikern nicht geliebt wird, ist einer der ersten Bäume, der im Frühling Blätter trägt, für den Maibaum nimmt man meistens eine Birke. Sie ist ein Symbol des Frühlings und des Lebens. Sie findet sich auch häufig auf Friedhöfen, wahrscheinlich soll sie da ein Symbol des ewigen Lebens sein. Aber Birken leben nicht ewig. Die Birke, die Opa nach dem Krieg auf dem Familiengrab hat pflanzen lassen, war nach einem halben Jahrhundert riesig geworden, ich musste sie auf Wunsch der Gemeinde fällen lassen. Es wurde keine neue Birke gepflanzt, sie wäre ein Fremdkörper geblieben. Die alte Birke hatten alle gekannt, die da unten in den Särgen lagen.

Und so kann sie auch ein Symbol des Todes sein. Ich war gerade zum Gymnasium gekommen, da gab es eine offiziell angesetzte Stunde zur Feier des Kriegsendes. Die fiel bei unserem Klassenlehrer Hermann Bollenhagen, dessen Kriegsverletzungen man jeden Tag sehen konnte, ohne jede Verherrlichung aus. Trocken und spröde erzählte er, wie er als junger Soldat in Russland mit seiner Kompanie in einen Birkenwald ging und links und rechts von ihm die Soldaten plötzlich tot am Boden lagen. Man sah den Feind nicht, man hörte die Schüsse kaum. Da waren nur dieser Birkenwald, der blaue Himmel eines Spätsommertages, und der Tod. Dies war offensichtlich ein anderer Krieg als der Krieg meines Großvaters dreißig Jahre früher in Frankreich.

Während Bollenhagen die Geschichte erzählte, dachte ich an den kleinen russischen Friedhof in einem Birkenwäldchen bei Eggestedt, das wie eine Landzunge in die Äcker hineinreichte, und den ich einmal beim Spielen mit meinen Freunden, auch an einem Spätsommertag mit blauem Himmel, entdeckt hatte. Viele Lehrer erzählten uns in den fünfziger Jahren ihren Krieg, aber niemand sprach von den Zwangsarbeitern, die den U-Boot Bunker in Farge gebaut hatten, an Unterernährung und Entkräftung gestorben waren und da in dem kleinen Birkenwäldchen lagen, mit Grabkreuzen in kyrillischer Schrift. Die Geschichte ist nicht nur in Büchern zu finden, sie schreibt sich auch in die Natur ein. Da ist sie nur schwer zu lesen.

Sonntag, 24. Februar 2019

Plakativ


Der amerikanische Maler Winslow Homer wurde am 24. Februar 1836 in Boston, Massachusetts, geboren. Ich kenne den Maler seit mehr als einem halben Jahrhundert, weil ich seine Bilder damals in der Vierteljahrsschrift Perspektiven/Perspectives fand. Er hat hier schon einen Post (und er kommt mit seinen Bildern in vielen Posts vor), und auf dieser Seite können Sie sein Werk betrachten. Da haben Sie für das Wochenende ein opulentes optisches Vergnügen. Die junge amerikanische Dichterin Hannah Fries hat über dieses Bild aus dem Jahre 1900 ein kleines Gedicht geschrieben:

Reckless precision, pull and layered flow
of paint: the force that forms the wave drives it
ceaselessly to shore. He holds it in his hand,
presses his own will against it: crimson
streak across the horizon, sunset tingeing
the ocean as it plunges at the rocks,
gets dragged between them, all churn and rush,
into the hollow body of the next
rearing wave. What to make of it,
arched back like a broken wrist, tethered
by a brush to its shattering and wild against
last light, bursting into sculpture, impossibly
paused—a salty spume of chiseled shards,
an unhinged slap to the flushed sky.

Das Motiv für die Brandung an der Küste brauchte er nicht lange zu suchen, er konnte es aus seinem Studio in Prouts Neck heraus malen. Auch diesen Fuchs fand er in Prouts Neck. Es war sein bisher größtes Bild  (76.4 cm x 122.2 cm). Und das von der japanischen Malerei beeinflusste Werk war das erste Bild, das er gut verkaufen konnte. Die Pennsylvania Academy of the Fine Arts kaufte das Bild, kaum, dass die Farbe trocken war. Das Meer, das Homer immer faszinierte, ist hier auch im Hintergrund zu sehen.

Hannah Fries hat in ihren Winslow Homer Gedichten auch für dieses Bild ein Gedicht geschrieben:

The fox is belly-deep, rust red streak
in the drift of snow that takes its color
from everything in order to hold every
thing against it—a few prickly stems
proffering berries like drops of blood
to the fox’s extended paw. Hunted,
he is for a moment paused, neck not
outstretched to speed the flight, but raised,
head turned and black ears pricked
toward the surf where it shatters over rocks,
blue-green foam, gray ocean sucking back
into sky. He turns his head but keeps
his course along the shore while faceless
crows—a jeer of black wings—wait.


Freitag, 22. Februar 2019

Kunstfigur


Würde ich sie an einem Nacktbadestrand erkennen? Sie wissen, von wem ich rede. Von der schönen Buchhändlerin, die so gerne am Strand von Cap d'Agde geblieben wäre. Meine Kenntnis von Nacktbadestränden ist nicht sehr groß: einige Sommer Sylt in meiner Jugend an einem Strand, der Abessinien hieß. Wenn ich ehrlich bin, habe ich in der Zeit nur zwei wirklich schöne Frauen gesehen. Und die waren in Begleitung von übergewichtigen Männern mit Sonnenstudiobräune und goldenen Uhren am Arm: beauty and the beast. Man muss als schöne Frau offenbar im Leben Konzessionen machen.

Ich glaube, dass ich meine schöne Buchhändlerin am FKK Strand nicht ohne weiteres erkennen würde, ich habe sie bisher zu wenig beschrieben. Einmal mit dem Bikinihöschen in Hendaye und einmal vor dem beschlagenen Spiegel im Badezimmer des französischen Hotels. Sie wird wahrscheinlich sehr schlank sein. Watt bistu bloos für'n mageres Postür, würde ihre Tante sagen. Schlank, aber mit den Rundungen an den richtigen Stellen. Wir lassen sie noch einen Augenblick am Strand, wir können sie natürlich auch als Blaustrumpf mit Brille in die Buchhandlung versetzen. Wir lassen sie aber jetzt am Strand (den schmerbäuchigen Typ mit der goldenen Rolex ersparen wir ihr), weil ich da ein wunderbares Gedicht habe, das sich in der Autobiographie The Perfect Stranger: A Memoir von P.J. Kavanagh findet:

Curled in your night-dress on the beach,
Corn-yellow ghost, pale with sleep,
Head to the starry North, bare toes to the burning East,
Tracking the Sun's climb into our seaside perch,
I watch you at the fringe of this other island
Our public love makes private for us two;
Your face in floating shadow like a moon,
Stretching your arms around the bay to yawn,
Ebony trees in your fingers turning to green.
I stand alone, in the dark, with the birds in the bush.
Like the pewter lagoon I am flustered by day,
Which turns, turns, like a pin to prick out my eye.
Now sun, the angry bo'sun, straddles the sea.
'Is that you?' your murmur,
Grateful and blind my whisper
'You and me'.

Kunstgeschöpfe reden das, was ihr Schöpfer ihnen eingibt. Die Nicklausse in Offenbachs Oper Les contes d'Hoffmann singt in ihrer Arie Vois sous l'archet fremissant von den Dingen, die in ihrer Maschinerie rumoren. Literarische Kunstfiguren sind keine singenden Automaten, sie singen oder sprechen das, was wir eingeben. Was wirkliche Frauen sprechen, ist manchmal rätselhaft.  Die Bedienungsanleitungen sind verlorengegangen. Ich habe gerade Jacques Offenbach erwähnt, den ich leider in dem Post 1819 vergessen habe, auch er hat in diesem Jahr den zweihundertsten Geburtstag. Vielleicht schreibe ich bis zum Juni ja noch mal über Offenbach, wo mir Heidi dieses schöne französische DVD von Orphée aux enfers geschenkt hat. Zu dem Orpheus Thema könnten Sie jetzt hier im Blog Che farò senza Euridice lesen. Und zu Jacques Offenbach gibt es hier die beiden Posts Jacques Offenbach und La Périchole. Und die Kunstfigur Nicklausse lassen wir auch noch einmal singen, diesmal im Duett.

Mittwoch, 20. Februar 2019

star planétaire de la mode


Die schöne Schlagzeile star planétaire de la mode habe ich in einer französischen Zeitung gefunden. Die Nachrichten zum Tode von Karl Lagerfeld überschlugen sich. War er wirklich so großartig? Reichte er an Dior, den Grafen de Givenchy oder Jacques Fath heran? Ich weiß es nicht. Er verwaltete den Namen von Coco Chanel, was bei einer Nazi Kollobateurin ein schwieriges Erbe war. Glücklicherweise konnte ich nichts davon hören, was im Fernsehen gesagt wurde: mein altes Metz Röhrengerät hatte plötzlich keinen Ton mehr. Ist jetzt beim Fernsehdoktor. Ich stelle heute noch einmal etwas hier ein, was schon vor Jahren hier stand. Da geht es weniger um Lagerfelds Leistungen in der Haute Couture, als um all die schlimmen Dinge, die in der Herrenmode seinen Namen getragen haben.

Der Sommer ist zum Altweibersommer geworden. Der Herbst steht vor der Tür, man kann es nicht leugnen. Fette bunte Modemagazine, Kataloge, die mit der Post kommen und Prospektbeilagen in den Zeitschriften bringen uns die neue Mode. Oder was die Industrie dafür hält. In den Schaufenstern werden die Dekorationen getauscht, der slimfit Anzug, der gestern noch Mode war, weicht dem, der heute Mode ist. Wahrscheinlich noch slimmer und noch fitter. Die kleinen, feinen Herrenausstatter räumen Tweed- und Cordjacketts und Cordhosen in die Fenster, das ist nie falsch. Und jedes Teil hat natürlich ein Etikett mit einem Designernamen, der angeblich irgendetwas verheißt.

Bei den großen Kleidungshäusern scheint ein Ende des trading up gekommen zu sein, man sieht kaum noch wirkliche Markenware. Die ist den Eigenmarken gewichen. Marken, die kurios lächerliche Namen wie McEarl oder Franco Callegari haben. Und die Lichtjahre entfernt sind von Marken wie Belvest, Caruso, Kiton oder Regent. Besonders gefällt mir die Billigmarke Hemlock bei Anson's, die mit Hemlock feel better! beworben wird. Also, der Philosoph Sokrates fühlte sich nicht mehr so gut, nachdem er seinen Becher hemlock getrunken hatte. Aber der Markenwahn der achtziger Jahre scheint langsam zu Ende zu sein. Wer trägt heute noch Armani?

Karl Lagerfeld hat eh niemand je getragen. Das Label hat ja nie in der obersten Liga der Herrenmode mitgespielt. In Deutschland hat die Familie Aulbach in Miltenberg die Lizenz. Früher hießen sie einmal Miltenberger Kleiderwerke (MKW) und machten ordentliche Sachen. Warben mit Kleide Dich besser - Trage MKW Modellkleidung, und hatten im Herrenjournal ganzseitige Anzeigen mit dem Filmschauspieler Claus Biederstaedt. Dann wurden die Miltenberger zu Daniel Hechter, weil sie den Namen gekauft hatten. Und seit 1990 haben sie die Karl Lagerfeld Lizenz und dürfen die Etiketten mit diesem Namen in ihre Jacketts nähen. Der Karl würde das Zeug nicht anziehen. Aber der Karl wird sich gesagt haben, dass Kleinvieh auch Mist macht, pecunia non olet. Der Karl wird heute achtzig, so sagt man. Wozu wir natürlich herzlich gratulieren. Vielleicht bringt er zu dem Festtag eine Kollektion von Jogginghosen heraus.

Dass diese ganze Sache mit dem Etiketten ein Schwindel ist, hat schon Thomas Mann gewusst. Und ich zitiere gerne einmal diese köstliche Passage aus Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull:

Mein armer Vater war Inhaber der Firma ›Engelbert Krull‹, welche die untergegangene Sektmarke ›Lorley extra cuvée‹ erzeugte. Unten am Rhein, nicht weit von der Landungsbrücke, lagen ihre Kellereien, und nicht selten trieb ich mich als Knabe in den kühlen Gewölben umher, schlenderte gedankenvoll die steinernen Pfade entlang, welche in die Kreuz und Quere zwischen den hohen Gestellen hinführten, und betrachtete die Heere von Flaschen, die dort in halbgeneigter Lage übereinander geschichtet ruhten. Da liegt ihr, dachte ich bei mir selbst (wenn ich auch meine Gedanken natürlich noch nicht in so treffende Worte zu fassen wußte), da liegt ihr in unterirdischem Dämmerlicht, und in euerem Innern klärt und bereitet sich still der prickelnde Goldsaft, der so manchen Herzschlag beleben, so manches Augenpaar zu höherem Glanze erwecken soll! Noch seht ihr kahl und unscheinbar aus, aber prachtvoll geschmückt werdet ihr eines Tages zur Oberwelt aufsteigen, um bei Festen, auf Hochzeiten, in Sonderkabinetten eure Pfropfen mit übermütigem Knall zur Decke zu schleudern und Rausch, Leichtsinn und Lust unter den Menschen zu verbreiten. Ähnlich sprach der Knabe; und so viel wenigstens war richtig, daß die Firma ›Engelbert Krull‹ auf das Äußere ihrer Flaschen, jene letzte Ausstattung, die man fachmännisch die Coiffure nennt, ein ungemeines Gewicht legte. Die gepreßten Korken waren mit Silberdraht und vergoldetem Bindfaden befestigt und mit purpurrotem Lack übersiegelt, ja, ein feierliches Rundsiegel, wie man es an Bullen und alten Staatsdokumenten sieht, hing an einer Goldschnur noch besonders herab; die Hälse waren reichlich mit glänzendem Stanniol umkleidet, und auf den Bäuchen prangte ein golden umschnörkeltes Etikett, das mein Pate Schimmelpreester für die Firma entworfen hatte und worauf außer mehreren Wappen und Sternen, dem Namenszuge meines Vaters und der Marke ›Lorley extra cuvée‹ in Golddruck eine nur mit Spangen und Halsketten bekleidete Frauengestalt zu sehen war, welche, mit übergeschlagenem Beine auf der Spitze eines Felsens sitzend, erhobenen Armes einen Kamm durch ihr wallendes Haar führte. Übrigens scheint es, daß die Beschaffenheit des Weines dieser blendenden Aufmachung nicht vollkommen entsprach. "Krull", mochte mein Pate Schimmelpreester wohl zu meinem Vater sagen, "Ihre Person in Ehren, aber Ihren Champagner sollte die Polizei verbieten. Vor acht Tagen habe ich mich verleiten lassen, eine halbe Flasche davon zu trinken, und noch heute hat meine Natur sich nicht von diesem Angriff erholt. Was für Krätzer verstechen Sie eigentlich zu diesem Gebräu? Ist es Petroleum oder Fusel, was Sie bei der Dosierung zusetzen? Kurzum, das ist Giftmischerei. Fürchten Sie die Gesetze!" Hierauf wurde mein armer Vater verlegen, denn er war ein weicher Mensch, der scharfen Reden nicht standhielt. "Sie haben leicht spotten, Schimmelpreester", versetzte er wohl, indem er nach seiner Gewohnheit mit den Fingerspitzen zart seinen Bauch streichelte, "aber ich muß billig herstellen, weil das Vorurteil gegen die die heimischen Fabrikate es so will — kurz, ich gebe dem Publikum, woran es glaubt. Außerdem sitzt die Konkurrenz mir im Nacken, lieber Freund, so daß es kaum noch zum Aushalten ist."

Mehr braucht man über den Schwindel mit dem Glamour nicht zu sagen. Thomas Mann verstreut noch keine Markennamen in seinen Texten, wenn wir mal von der Lorley extra cuvée und der Zigarrenmarke Maria Mancini im Zauberberg absehen (mehr zu dieser Zigarre aus Bremen hier). Das Geburtstagskind Karl Lagerfeld (Ich bin ein Papierfresser!) hat ein besonderes Verhältnis zu Thomas Mann: Das Problem bei Thomas Mann ist, dass ich das nur zu gut verstehe. Ich bin ja aus dem Norden. Die ganze Mentalität, das ist mir so familiär. Ich liebe die Novellen noch heute, aber nicht unbedingt 'Tod in Venedig'. Thomas Mann war zu konventionell. So konventionell bin ich nicht. Ich lebe ja auch in einer anderen Zeit. Im letzten Jahr hat der Karl bei der LitCologne auch öffentlich über Thomas Mann geredet, hatte aber mit einer Absage gedroht, wenn er von Elke Heidenreich interviewt würde. Weil die in einem Artikel für die Brigitte geschrieben hatte: Die Halbhandschuhe verstehe ich nur zu gut, denn nirgends sieht man das wahre Alter eines Menschen deutlicher als an seinen Händen. Das hört der Karl nicht gerne, denn er ist wie das Bildnis von Dorian Gray forever young.

Aber Thomas Mann konventionell? Da muss ich etwas verpasst haben. Karl Lagerfeld (der angeblich mehr als 200.000 Bücher hat), der Die Buddenbrooks heute noch auswendig kann, bei Doktor Faustus einschläft und den Zauberberg nicht mag (Den 'Zauberberg' habe ich nie zu Ende gelesen, das war mir zu langweilig), sollte vielleicht doch einmal Der Tod in Venedig lesen. Denn Gustav von Aschenbach (im Film wunderbar gespielt von Dirk Bogarde), der sich so verzweifelt bemüht, jung zu erscheinen, das ist niemand anderes als Karl Lagerfeld:

Wie irgend ein Liebender wünschte er, zu gefallen und empfand bittere Angst, daß es nicht möglich sein möchte. Er fügte seinem Anzuge jugendlich aufheiternde Einzelheiten hinzu, er legte Edelsteine an und benutzte Parfüms, er brauchte mehrmals am Tage viel Zeit für seine Toilette und kam geschmückt, erregt und gespannt zu Tische. Angesichts der süßen Jugend, die es ihm angetan, ekelte ihn sein alternder Leib, der Anblick seines grauen Haares, seiner scharfen Gesichtszüge stürzte ihn in Scham und Hoffnungslosigkeit. Es trieb ihn, sich körperlich zu erquicken und wiederherzustellen; er besuchte häufig den Coiffeur des Hauses. 

Er saß dort, der Meister, der würdig gewordene Künstler, ... der in so vorbildlich reiner Form dem Zigeunertum und der trüben Tiefe abgesagt, dem Abgrunde die Sympathie gekündigt und das Verworfene verworfen hatte, der Hochgestiegene, der, Überwinder seines Wissens und aller Ironie entwachsen, in die Verbindlichkeiten des Massenzutrauens sich gewöhnt hatte, er, dessen Ruhm amtlich, dessen Name geadelt war und an dessen Styl die Knaben sich zu bilden angehalten wurden,— er saß dort, seine Lider waren geschlossen, nur zuweilen glitt, rasch sich wieder verbergend, ein spöttischer und betretener Blick seitlich darunter hervor, und seine schlaffen Lippen, kosmetisch aufgehöht, bildeten einzelne Worte aus von dem, was sein halb schlummerndes Hirn an seltsamer Traumlogik hervorbrachte.

Romane mit Designernamen vollzupflastern, das blieb einer jüngeren Generation vorbehalten. Zum Beispiel Brett Easton Ellis in seinem grässlichen Roman American Psycho, wo er seitenlang Markennamen abspult. Das waren beinahe immer italienische Produkte, weniger die großen Namen der amerikanischen Konfektionsindustrie. Die Italiener hatten damals ihre große Zeit in den USA, allerdings gelangte kaum das Originaldesign aus Mailand oder Neapel in die amerikanischen Geschäfte. Alles wurde ein wenig verändert für die Nation, deren Ideal der sack suit number one war. Gegenüber Bret Easton Ellis war der Klamottenfetischist und Dandy Tom Wolfe mit der Nennung von Markennamen in The Bonfire of the Vanities ja gar nichts. Zwar trägt Shermann McCoy Anzüge aus der Savile Row, die 2.200 Dollar gekostet haben (sehr preiswert) und $650 shoes from New & Lingwood of Jermyn Street. Aber was ist das schon? Wer kauft sich New & Lingwood Schuhe? Dann doch lieber Foster & Son oder Edward Green. Oder einen Schuh von Cliff Roberts.

Die deutsche Antwort auf Brett Easton Ellis, der mit Less than Zero etwas erfunden hatte, was fortan Yuppie und Pop Literatur hieß, war Christian Kracht. Mit seinem Roman Faserland, bei dem kein Kritiker es ausließ, auf den Einfluss von Ellis hinzuweisen. Das hat Kracht auch selbst zugegeben: Ellis brachte mich unter anderem auf die Idee zu 'Faserland'. Die Nennung von Markennamen aus dem Bereich der Mode ist gegenüber Bret Easton Ellis in Krachts Roman Faserland eher zurückhaltend: Barbour, Ralph Lauren, Armani, Jil Sander, Doc Martens, Kiton und Brooks Brothers hat ein Rezensent gezählt (also jetzt einmal von Marken wie Rolex und Cartier etc. abgesehen). In einem Interview im Jahre 1999 sagte Kracht: Aber ich fühle mich […] zu alt, um Konsumgüter und Markennamen in meinen Büchern zu erwähnen. […] Zuerst dachte ich, eine leichte Verneigung vor dem medialen Konstrukt der Popliteratur hineinschreiben zu wollen, ein letztes Aufbäumen durch die Erwähnung der Parisienne-Zigarette, aber was soll’s? Ich habe es zum Glück herausgestrichen – nichts sollte mehr daran erinnern, dass man mir einst vorwarf, bereits auf der allerersten Seite von 'Faserland' tauchten zehn bis zwölf Markennamen auf. 

Dass der Held des Romans ein Kiton Jackett trug, war damals keinem Rezensenten entgangen. Steht ja auch fett im Roman: Ich bezahle den Taxifahrer, der zum Glück während der Fahrt kein Wort gesagt hat, weil er sauer war, daß wir beide gleich alt sind und ich eine Kiton-Jacke trage und er auf Demos geht. Obgleich, wenn ich es mir überlege, hätte ich gerne mit ihm geredet und ihm gesagt, daß ich auch auf Demonstrationen gehe, nicht, weil ich glaube, damit würde man auch nur einen Furz erreichen, sondern, weil ich die Atmosphäre liebe. Ich nehme an, dass ein solches Nennen einer Marke noch nicht unter den Begriff product placement fällt. Aber offensichtlich liebäugeln manche Autoren schon mit solchen Gedanken.

Das Kiton Jackett blieb nicht lange in Christian Krachts Roman. In der dtv Taschenbuchausgabe sucht man es vergeblich. Da trägt der Held ein Jackett von Davies & Sons. Da heißt es dann, dass wir beide gleich alt sind und ich ein Jackett von Davies & sons trage und er auf Demos geht. Was ist falsch am Kiton Jackett? Warum diese Änderung? Und warum Davies & Sons? Da hätte man ja doch Anderson & Sheppard oder Huntsman vorziehen sollen. Gut Davies & Sons (the oldest independent tailor on Savile Row) haben die Uniform für Admiral Nelson geschneidert (und hinterher gut zu tun gehabt, weil alle Marineoffiziere eine Uniform vom Schneider des Admirals haben wollten). Sie haben auch die Anzüge für Sir Robert Peel gemacht. Und für George V. Für den Herzog von Windsor natürlich auch irgendwann (wer hat nicht für den geschneidert?). Ich habe einen Anzug und einen eleganten Stadtmantel von Davies & Sons (natürlich in einem Secondhand Laden gekauft), ich will nichts gegen die Qualität sagen. Aber an die Schneiderkunst von Heinz-Josef Radermacher in Düsseldorf kommen sie nicht heran. Ihren Internet Auftritt versaut sich die Firma durch eine Vielzahl von Druckfehlern und dadurch, dass sie Loake Schuhe verkaufen. Man fasst es nicht.

Die Sache mit dem Garderobenwechsel von Kiton zu Davies & Sons ist mir vor Jahren aufgefallen, leider habe ich nirgendwo eine Erklärung dafür gefunden. Obgleich es schon Sekundärliteratur en masse zu dem Roman gibt und es für den Lehrer (das scheint ein beliebter Roman für den Deutschunterricht zu sein) eine Vielzahl von Handreichungen gibt. Wie Königs Erläuterungen: Christian Kracht - Faserland. Analyse und Interpretation. Diese Klatschen sind ganz schlimme Dinger. Es ist schon schlimm genug, wenn ein Roman wie Faserland im Deutschunterricht gelesen wird. Noch schlimmer ist allerdings, dass der Autor letztens den Wilhelm Raabe Preis bekommen hat.

Am Ende von Faserland sucht der Held in der Nacht auf dem Friedhof von Kilchberg vergeblich nach dem blöden Grab von Thomas Mann: Irgendwo habe ich mal gelesen, daß das Grab von Thomas Mann in der Nähe von Zürich liegt, oben auf einem Hügel über dem See. Thomas Mann habe ich auch in der Schule lesen müssen, aber seine Bücher haben mir Spaß gemacht. Ich meine, sie waren richtig gut, obwohl ich nur zwei oder so gelesen habe. Diese Bücher waren nicht so dämlich wie die von Frisch, Hesse oder Dürrenmatt oder was sonst noch so auf dem Lehrplan stand. Er findet es nicht. Diese Suche nach Thomas Mann ist von etwas verkrampfter Symbolik. An den Meister wird das verzogene Millionärssöhnchen Christian Kracht (Pappa war Axel Springers Generalbevollmächtigter) nicht herankommen. Als Redakteur von Tempo war Kracht an seinem richtigen Platz, warum musste er höher hinaus wollen? Die Rezensenten von Krachts neuem Roman Imperium (für den er den Wilhelm Raabe Preis erhielt) rückten ihn allerdings beinahe unisono in die Nähe von Thomas Mann. Verstehe ich nicht, Imperium habe ich auch nicht gelesen. Das Leben ist zu kurz, um Christian Kracht zu lesen. Lieber noch einmal den ganzen Proust. Es ist erstaunlich, wie schnell heutzutage jemand nach oben geschrieben wird: Helene Hegemann, Uwe Tellkamp, Christian Kracht. Wenn die Sonne der Kultur tief steht, werfen auch Zwerge lange Schatten.

Karl Lagerfeld, auch ein Mann mit einem langen Schatten, wird dies heute bestimmt lesen. Und am Abend zieht er dann seine Jogginghosen an und liest Der Tod in Venedig. Da bin ich sicher.

Samstag, 16. Februar 2019

Fortsetzung?


In der ersten Mail, die mich erreichte, nachdem ich die kleine Geschichte Sommerurlaub ins Netz gestellt hatte, stand die Frage autobiographisch? Etwas, das ich glatt verneinen konnte. In der zweiten stand: Die Kurzgeschichte ist gut, kommt mehr? Das hätte ich zuerst auch verneinen wollen, aber zwölf Stunden später sah die Welt ganz anders aus. Der Post hatte am ersten Tag mehr Leser erreicht als alle anderen Posts in diesem Blog in den letzten neun Jahren. Am dritten Tag klickten 4.150 Leser den Post an. Als ich den Post Rolex schrieb, hat das Internet in bisschen gewackelt, dies war schon ein kleines Erdbeben. Sollte ich meiner schönen Buchhändlerin ein neues Leben in einer anderen Geschichte verschaffen? Oder belassen wir sie erst einmal in ihrer Buchhandlung?

Wie gehen Autoren mit ihren Heldinnen um? Die Romanciers des 19. Jahrhunderts hatten eine fatale Neigung, ihre weiblichen Heldinnen untergehen zu lassen. Ob sie nun Emma Bovary, Anna Karenina, Tess of the d'Urbervilles oder Effi Briest heißen. Das Bild La belle inconnue von Iwan Kramskoy, das in der Kieler Kunsthalle hängt, könnte Anna Karenina zeigen. Das glaubten damals viele Zeitgenossen.

Die Bilder der Filme sind ein Problem. Wir stellen uns beim Lesen unsere Effi auf irgendeine Art und Weise vor und sind dann enttäuscht, wenn sie von Ruth Leuwerik gespielt wird. Oder von Hanna Szygulla. Wenn wir uns Fontanes Text anschauen, werden wir feststellen, dass seine Beschreibungen nicht sehr genau sind. Die Literaturwissenschaft redet hier seit Wolfgang Isers Buch Der implizite Leser von einer Leerstelle.

Diese Leerstellen erlauben eine Vieldeutigkeit, sie regen den Leser zur Interpretation ein. Der Leser macht den Roman erst zum Kunstwerk, keine zwei Leser werden denselben Roman lesen, es gibt unzählige Lesarten. Das wusste schon Proust, als er sagte: In Wirklichkeit ist jeder Leser, wenn er liest, ein Leser nur seiner selbst. Das Werk des Schriftstellers ist dabei lediglich eine Art von optischem Instrument, das der Autor dem Leser reicht, damit er erkennen möge, was er in sich selbst vielleicht sonst nicht hätte erschauen können.

Mochte Fontane seine siebzehnjährige Kindfrau Effi wirklich? Ich habe zu diesem Thema hier eine sehr interessante Seite. Die oben genannten Autoren sind natürlich richtige Schriftsteller, mit denen kann ich mich nicht vergleichen. Ich bin nur ein kleiner Blogger, der eine kleine Short Story geschrieben hat, keinen Roman der großen Gefühle. Aber meine Figuren habe ich natürlich selbst erfunden, und je länger ich daran schrieb, umso mehr begannen sie ein eigenes Leben zu führen, das war eine erstaunliche Sache. Die schöne Buchhändlerin sollte niemand sein, den ich kannte, also diese hier schon mal nicht.

Ich hielt mich an Wolfgang Iser, desses Buch Der implizite Leser hier im Volltext gelesen werden kann und verzichtete auf ein Zuviel der Charakterisierung. Der Leser würde schon seine Arbeit machen und vieles ergänzen. Und so erschien die schöne Buchhändlerin manchen als kalt und herzlos, als eine Art von femme fatale, während andere eine selbstbestimmte Frau in ihr sahen. Ich weiß im Augenblick noch nicht, was aus ihr wird. Sie bleibt vorerst in ihrer Buchhandlung. Sie kann da Geschäftsführerin werden, vielleicht sogar eines Tages die Buchhandlung übernehmen. Ihr R4 muss in die Werkstatt. Der Besitzer ist sehr nett und hat Humor. Soll sie mit ihm flirten, damit die Reparatur billiger wird? Oder wird aus dem Flirt vielleicht noch mehr? Wir lassen die schöne Buchhändlerin erst einmal unter der Dusche L'amour est un oiseau rebelle Que nul ne peut apprivoiser singen. Falls es mit dem Besitzer der Renault Werkstatt und ihr noch etwas wird, werden Sie das hier erfahren.

Mittwoch, 13. Februar 2019

Radio


Die Unesco hat den 13. Februar zum Welttag des Radios ausgerufen. Auf NDR Kultur sammeln die Moderatoren große Radiomomente. Wenn ich gefragt würde, hätte ich auch einige große Momente aufzuzählen: Den Fall von Dien Bien Phu oder das Anrollen der der sowjetischen Panzer am 17. Juni in Berlin. Und nicht zu vergessen die schleswig-holsteinische Schneekatastrophe, als es drei Leute ins Englische Seminar geschafft hatten, einer auf Skiern. Und der Syndikus der Uni um zehn Uhr im Radio sagte, dass der Lehrbetrieb an der Uni selbstverständlich ungehindert stattfindet. Fällt das unter Fake News oder einfach unter Dummheit? Das da oben ist mein neues kleines Radio, kommt aus England, heißt Auna Georgia. Cool im Design wie der Schneewitchensarg, aber voll digital. Muss man heute haben.

Aufgewachsen bin ich mit dem analogen Radio, einem Röhrengerät von Grundig mit dem grünen magischen Auge. Röhrenradios haben heute immer noch ihre Liebhaber. Als die Gruppe Shakespeare's Sister Turn Your Radio On sangen, gab es noch kein Digitalradio. Als Marilyn Monroe sagte: It’s not true that I had nothing on. I had the radio on, auch noch nicht. In diesem Blog kommt das gute alte Radio schon häufig vor. So zum Beispiel in den Posts KulturwandelManfred SexauerElkie BrooksIngeburg ThomsenRadio Feature, Axel EggebrechtLyrics, und Mehr Jazz.

Ein kleines Radiogedicht habe ich heute auch, es ist von Bert Brecht und heißt An den kleinen Radioapparat:

Du kleiner Kasten, den ich flüchtend trug
Dass seine Lampen mir auch nicht zerbrächen
Besorgt vom Haus zum Schiff, vom Schiff zum Zug
Dass meine Feinde weiter zu mir sprächen

An meinem Lager und zu meiner Pein
Der letzten nachts, der ersten in der Früh
Von ihren Siegen und von meiner Müh:
Versprich mir, nicht auf einmal stumm zu sein.

Gesungen habe ich das auch von keinem Geringeren als Dietrich Fischer-Dieskau.

Und irgendein Radiosender wird heute mitteilen, dass mein Blog gestern 4.150 mal angeklickt wurde, da bin ich sicher. Die Leser haben natürlich alle den Sommerurlaub gesucht, falls Sie den Post noch nicht gelesen haben, klicken Sie hier. Ein Radio kommt darin auch vor.