Am 8. August 1969 hat die Genossenschaft Deutscher Brunnen die Einführung einer neuen Mehrwegflasche für Mineralwasser beschlossen. Das Design der sogenannten Normbrunnenflasche stammte von dem Industriedesigner Günter Kupetz. Der hatte auch die Pril Flasche und den Hähnchengrill für die Firma Wienerwald entworfen. Die Normbrunnenflasche, die wegen der 230 Perlen im Glas auch Perlenflasche genannt wird, ist mehrfach für ihr Design ausgezeichnet worden. 1999 war sie auf einer Sondermarke der Post zu sehen. Kupetz hat über seine Flasche gesagt: Ich halte den Entwurf für zeitlos und würde sagen, verbessern kann man ihn eigentlich nicht.
Sonntag, 8. August 2021
Normbrunnenflasche
Am 8. August 1969 hat die Genossenschaft Deutscher Brunnen die Einführung einer neuen Mehrwegflasche für Mineralwasser beschlossen. Das Design der sogenannten Normbrunnenflasche stammte von dem Industriedesigner Günter Kupetz. Der hatte auch die Pril Flasche und den Hähnchengrill für die Firma Wienerwald entworfen. Die Normbrunnenflasche, die wegen der 230 Perlen im Glas auch Perlenflasche genannt wird, ist mehrfach für ihr Design ausgezeichnet worden. 1999 war sie auf einer Sondermarke der Post zu sehen. Kupetz hat über seine Flasche gesagt: Ich halte den Entwurf für zeitlos und würde sagen, verbessern kann man ihn eigentlich nicht.
Donnerstag, 5. August 2021
geschrubbte Flunder
Der Motorsportjournalist Fritz Bob Busch, der am 5. August 2010 gestorben ist, hatte seinen eigenen Stil beim Schreiben. Er war immer witzig, häufig sogar ein wenig satirisch. Er nahm das Auto nicht so ernst. Als ein Klassiker seiner Artikel über Automobile gilt der Artikel Whisky pur oder Die Flunder aus dem Jahre 1961, den Sie heute hier lesen können. Ich habe einen Freund, der so etwas hat, ✺E Type Cabrio in silber, ich durfte schon mal drin sitzen. Ich träumte, als ich jung war, auch von einem Jaguar. Das steht schon in dem Post Klassentreffen: Ich weiß von der Abiturfeier wenig, außer dass ich gesagt habe, dass ich mit dreißig einen grünen Jaguar mit roten Ledersitzen haben würde. Ich war wohl schon ziemlich betrunken. Um einen Kasten Sekt habe ich mit dem Klaus gewettet, aber niemand hat sich später daran erinnert. Old men forget.
Es gibt in diesem Blog schon einen Post über ein anderes Jaguar Modell, den ich zur Lektüre empfehlen kann. Er heißt Des Königs Jaguar, ist schon viele tausendmal angeklickt worden. Darin findet sich der schöne Satz: In der Tiefgarage meines Herzens, wo die Autos stehen, von denen man träumt, wird immer ein dunkelblauer großer Jaguar Mark VII stehen. So ein Satz hätte Fritz B. Busch sicher gefallen.
Montag, 2. August 2021
die Malerin aus Lüdenscheid
Sie ist beinahe dreißig, als sie nach Paris geht. Allein, ohne Gouvernante. Sie will Malerin werden. Und nicht nur das, sie will als Malerin von ihrem Beruf leben. Auf allen Selbstportraits trägt sie eine Brille, die braucht sie um die Welt zu sehen. Sie könnte sich ohne Brille malen, aber die Brille gibt ihr etwas Überlegenes, Spöttisches. Das haben Männer nicht unbedingt gerne. Mäner mögern auch diese Malweiber nicht, die nach Paris gehen. Und deutsche Malerinnen haben wenig Chancen, in Paris ihre Bilder zu verkaufen. Aber Ida Gerhardi gibt nicht auf, sie bleibt in Paris. Westfalen hat eine große Frau, Annette Droste, hervorgebracht, nun will ich die zweite sein, schreibt sie 1909 an den Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus.
Diese Verbindung zu Osthaus ist für beide wichtig, er kann sie fördern und bekanntmachen, und sie macht ihn mit französischen Künstlern bekannt. Osthaus setzt auf ihre diplomatischen Fähigkeiten, dank ihrer Vermittlung lernt er 1903 Auguste Rodin kennen. Und gibt gleich mehrere Bronzen und eine Marmorstatue in Auftrag. Die Malerin (hier auf dem Selbstportrait Nummer drei) vermittelt ihm auch Kontakte zu Aristide Maillol, Matisse und Maurice Denis, sie ist, wenn man so will, seine französische Kunstagentin geworden. Und im Jahr 1903 kauft er viel, sehr viel. Hauptsächlich französische Kunst. Osthaus stellt manchmal Bilder von Gerhardi in seinem Museum Folkwang aus, eine Gerhardi Ausstellung gbt es allerdings in Hagen nicht. Als er ihr 1912 schreibt, dass sie ihm natürlich Bilder schicken kann, schickt sie zu seinem Entsetzen 183 Bilder, soviel Platz hat sein Museum noch nicht.Mittwoch, 28. Juli 2021
Wuthering Heights
Ich weiß nicht, warum Emily Brontë noch nicht in diesem Blog aufgetaucht ist, erwähnt wurde sie schon, of all places, in dem Post Ermenegildo Zegna. Und das nicht aus schier Schandudel, wie wir Bremer so sagen, das hat schon seine Berechtigung. Die Brontës werden auch noch in den Posts Arno Schmidt, Darling Jane und Jean Rhys erwähnt. Emily wurde heute vor 199 Jahren geboren, und obgleich sie mit ihren Schwestern in relativer Obskurität lebte und das Publikum ihre Werke nicht liebte (hier die ersten Rezensionen), ist sie doch nicht vergessen. Ihr Roman Wuthering Heights ist x-mal verfilmt worden, und das Pfarrhaus von Haworth in Yorkshire ist zu einem Museum und einem touristischen Wallfahrtsort geworden.
Diesmal erinnerte ich mich, daß ich in dem eichenen Kabinett läge und deutlich den Sturmwind und das Schneetreiben hörte; außerdem hörte ich weiterhin das nervenzerrende Pochen des Föhrenastes und schrieb es der richtigen Ursache zu — es ärgerte mich aber so sehr, daß ich beschloß, es zum Schweigen zu bringen — und so, wie mir schien, stand ich auf und ging daran, den Fensterflügel aufzuhaken. Der Haken war jedoch mit der Krampe fest verlötet: ein Umstand, den ich im Wachsein bemerkt, nun aber vergessen hatte. »Gleichwohl – das muß aufhören!« murrte ich, stieß meine Knöchel durch die Scheibe und reckte einen Arm, um nach dem lästigen Ast zu greifen — statt dessen schlossen sich meine Finger um die Finger einer kleinen, eiskalten Hand! Das durchdringende Grauen eines Nachtmahrs überkam mich — ich suchte meinen Arm zurückzuziehen, aber die Hand klammerte sich an ihn und eine ungemein trostlose Stimme schluchzte: »Laß mich ein — laß mich ein!« »Wer bist du?« fragte ich und mühte mich dabei, meine Hand aus ihrer Umklammerung zu lösen. »Catherine Linton«, tönte es schauerlich zurück (warum Linton? – zwanzigmal öfter hatte ich Earnshaw gelesen!), »ich bin wieder daheim — ich war nur vom Weg abgekommen im Moor.« Bei diesen Worten machte ich undeutlich das Gesicht eines Kindes aus, das durchs Fenster blickte — das Grauen machte mich grausam — : da ich den Versuch, das Wesen abzuschütteln, nutzlos fand, zog ich sein Handgelenk auf die zerbrochene Scheibe nieder und sägte es auf ihr hin & her, bis das Blut aus ihm floß und die Bettwäsche durchtränkte — und immer noch klagte das Wesen »Laß mich ein!« und lockerte nicht seinen festen Griff, bis ich vor Angst fast verrückt wurde. »Wie kann ich denn?« sagte ich endlich. »Laß mich los, wenn du willst, daß ich dich einlasse!« Die Finger lockerten ihren Griff; ich zog die meinen rasch durch die Öffnung zurück, dichtete diese sogleich mit einem Stapel Bücher ab und hielt mir die Ohren zu, um das klägliche Gewinsel auszusperren. Wie es schien, hielt ich sie etwa eine Viertelstunde lang geschlossen — doch in dem Moment, da ich sie öffnete, war auch das Jammergestöhn wieder zu vernehmen. »Hebe dich hinweg!« rief ich. »Nimmer laß ich dich ein, und wenn du noch zwanzig Jahre hier bettelst.« »Es sind zwanzig Jahre«, klagte die Stimme, »zwanzig Jahre! Seit zwanzig Jahren irre ich umher!« Hierbei ließ sich hinterm Fenster ein schwaches Kratzen hören, und der Bücherstapel bewegte sich, als drückte ihn etwas von außen ein. Ich wollte aufspringen — konnte jedoch kein Glied rühren — und so brüllte ich laut auf, vor Angst schier von Sinnen. Zu meiner Verwirrung merkte ich, daß das Gebrüll keine Ausgeburt meiner Phantasie gewesen war.
Das durchdringende Grauen eines Nachtmahrs überkam mich ist sicher schwächer als das Entsetzen eines Alpdrucks; ich war nur vom Weg abgekommen im Moor klingt ein wenig nach La Traviata, ich hatte mich im Moor verirrt, ist zweifellos besser. Das jammervolle Flehen ist besser als das Jammergestöhn. Hebe dich hinweg! ist ebenso daneben wie Nimmer laß ich dich ein, und weshalb Lockwood am Ende brüllt, wo doch ein schreien genügen würde, das weiß ich nicht. Wenn Wolfenstein schreibt: Da merkte ich, daß mein Schrei nicht geträumt war, dann ist das viel besser als Schlüters Zu meiner Verwirrung merkte ich, daß das Gebrüll keine Ausgeburt meiner Phantasie gewesen war.
Wolfgang Schlüters provokante Neuübersetzung von Emily Brontës berühmtem Roman 'Sturmhöhe' stößt den Leser oft vor den Kopf – aber das tat auch das englische Original im Jahr 1847, sagt Tobias Döring. Das ist ein sehr seltsames Argument eines Anglistikprofessors. Denn das Grelle und oft Anstößige solcher Wortwahl dienen Schlüters übersetzerischem Kalkül, den Romantext aufzurauen und dadurch den Schock seiner Erstlektüre abermals spürbar werden zu lassen. Das gelingt, so stellt man fest, besonders bei den Flüchen: "du Vollkoffer", "verfickte Schlampe", "geh mir nicht auf'n Sack" und was dergleichen pubertäre Kraftausdrücke mehr sind. Heathcliffs letzte Rede lautet: "O Scheiße! Das ist unsäglich - das ist zuviel für Fleisch & Blut - das kann nicht mal ich ertragen!" Kann man, will man das als Leser ertragen?
Wenn Sie drei ganze Kapitel von Schlüters provokantem Deutsch lesen wollen, dann klicken Sie hier. Dann können Sie sehen, dass Heathcliffes Beschimpfung seiner Schwiegertochter Catherine als damnable jade mit verfickte Schlampe wiedergegeben wird. Wolfenstein hat an der Stelle ein verdammtes Frauenzimmer, und das reicht auch völlig. Die ausdrucksstarken (so der Hanser Verlag) 640 Seiten kosten bei Hanser 39,90 Euro. Für zehn Euro bekommt man bei Reclam die erstklassige Übersetzung von Ingrid Rein (die zuvor Henry James und Kate Chopin übersetzt hatte); für zwanzig Euro gibt es beim Büchner Verlag Wolfensteins Umwitterte Höhen in einer Neuauflage. Die neueste Ausgabe der Norton Critical Edition kostet zwanzig Dollar. Von den tausend Exemplaren der ersten Auflage des Romans wurden nur neununddreißig Exemplare verkauft, Erstausgaben bringen heute bei Auktionen mindestens hunderttausend Pfund Sterling. Elsemarie Maletzkes Buch über die Brontë Sisters, das ich schon in dem Post Sturmeshöhe gelobt habe, ist immer noch für ganz kleines Geld lieferbar.
In dem Vorwort zu den Gedichten ihrer Schwester Emily schreibt Charlotte Brontë: The scenery of these hills is not grand – it is not romantic; it is scarcely striking. Long low moors, dark with heath, shut in little valleys, where a stream waters, here and there, a fringe of stunted copse. Mills and scattered cottages chase romance from these valleys; it is only higher up, deep in amongst the ridges of the moors, that Imagination can find rest for the sole of her foot: and even if she finds it there, she must be a solitude-loving raven – no gentle dove. If she demand beauty to inspire her, she must bring it inborn: these moors are too stern to yield any product so delicate. Moor und Heide, ein Pfarrhaus neben dem Friedhof, Armut und Einsamkeit - und dennoch: welch ein Roman. Ein Jahr nach dem Erscheinen des Romans war Emily Brontë tot.Montag, 26. Juli 2021
Kate Beckinsale
Freitag, 23. Juli 2021
This Effing Lady
Tailor: We have two Mr Burgesses. I take this to be Mr Burgess G. How is Mr Burgess? Fatter I see. One of our more colourful customers. Too little colour in our drab lives these days. Knowing Mr Guy he'll want a pinstripe. But a durable fabric. His suits were meant to take a good deal of punishment. I hope they have stood him in good stead.
Als Coral Browne den Schneider um Diskretion bittet, sagt der: Oh, Madam. Mum is always the word here. Moscow or Maidenhead, mum is always the word. Schneider sind offensichtlich verschwiegener als Spione. Bei einem zweiten Einkauf in einem anderen Geschäft weigert sich der Angestellte, Coral Browne die gewünschten Pyjamas zu verkaufen: The Gentleman is a traitor, Madam. Schließlich beliefere man die königliche Familie. Anzüge kann man bestellen, aber Pyjamas werden nicht an jeden verkauft. An dieser Stelle hat Alan Bennett, der aus seinem Theaterstück das Drehbuch für den Film gemacht hat, für die Australierin Browne eine kleine Hassattacke auf die Verlogenheit der Engländer in das Stück geschrieben. Obgleich die Namen der beiden Firmen nicht genannt werden, hat sich Bennett diese Szenen nicht ausgedacht. Die ganze Geschichte ist wahr, der Anzug erreicht Guy Burgess an seinem Geburtstag 1958 in Moskau.
The picture of the elegant actress and the seedy exile sitting in a dingy Moscow flat through a long afternoon listening again and again to Jack Buchanan singing 'Who stole my heart away?' seemed to me funny and sad but it was a few years before I got round to writing it up. It was only when I sent Coral Browne the first draft of the television film that I found she had kept not merely Burgess’s letters, thanking her for running his errands, but also her original notes of his measurements and even his cheque (uncashed and for £6) to treat her and one of her fellow actors to lunch at the Caprice. The original script of the television film was quite close to the version now presented on the stage. It had no exterior shots because I knew no BBC budget would run to filming in Moscow or some foreign substitute. I introduced the exteriors only when a suitable (and a suitably economic) substitute for Moscow was found in Dundee.
I have put some of my own sentiments into Burgess’s mouth. ‘I can say I love London. I can say I love England. I can’t say I love my country, because I don’t know what that means’, is a fair statement of my own, and I imagine many people’s position. The Falklands War helped me to understand how a fastidious stepping-aside from patriotism could be an element in characters as different as Blunt and Burgess. Certainly in the spy fever that followed the unmasking of Professor Blunt I felt more sympathy with the hunted than the hunters.
Dienstag, 20. Juli 2021
20. Juli
Zweifelt o schrickt nicht beim mahnwort
Dass was meist ihr emporhebt
Dass was meist heut euch wert dünkt
Faules laub ist im herbstwind
Endes- und todesbereich:
Nur was im schützenden schlaf
Wo noch kein taster es spürt
Lang in tiefinnerstem schacht
Weihlicher Erde noch ruht -
Wunder undeutbar für heut
Geschick wird des kommenden tages.
Darum also geht es! Im gegenwärtigen Diskurs um Eliten und ihre Ethik eignet sich der gebildete Generalstabsoffizier Stauffenberg, der zunächst den Verheißungen des Regimes vertraut, engagiert mitgemacht hat und erst spät umgekehrt ist, dann aber desto entschiedener zur Tat schritt, offenbar weit besser zum öffentlichen Helden als der spröde, eigensinnige Elser, der unter Beweis stellt, dass man auch in Zeiten, in denen die Stauffenbergs wie Millionen andere Deutsche noch den 'Führer' unterstützten, als Tischler mit Volksschulabschluss den destruktiven Charakter des NS-Regimes erkennen und den Entschluss zum Widerstand fassen konnte. 'Unglücklich das Land, das Helden nötig hat' (Bertolt Brecht).
Und die Bremer Geschichtsschreibung hat lange gebraucht, um sich zu äußern. Erst im Jahre 1980 hatte die Kultusministerkonferenz empfohlen, den Widerstand auch in seinen alltäglichen Formen der Verweigerung und Nichtanpassung zu erforschen und in den Unterricht einzubringen. Dem hat sich der Bremer Senat 1981 angeschlossen und ein Projekt Widerstand und Verfolgung unter dem Nationalsozialismus in Bremen 1933-1945 finanziell gefördert. Daraus ist ein bemerkenswertes Buch entstanden: Inge Marßolek und René Ott Bremen im Dritten Reich: Anpassung - Widerstand - Verfolgung (Schünemann 1986). Das Buch steht im völligen Gegensatz zu dem vierten Band der Geschichte der Freien Hansestadt Bremen des selbsternannten Bremer Historikerpapstes Herbert Schwarzwälder, der letztlich nur eine Geschichte der Gauleiter schreibt. Marßolek und Ott schreiben eine Geschichte von unten, in der Tradition der französischen Historikerschule von Lucien Febvre und der Annales.
We are not now that strength which in old days
Moved earth and heaven, that which we are, we are;
Made weak by time and fate, but strong in will
To strive, to seek, to find, and not to yield.








































