Freitag, 25. April 2025

Klassefrauen


Ich schätze den Schriftsteller Erich Kästner sehr, ich besitze auch eine Gesamtausgabe seiner Werke, alle neun Bände. Kästner war schon mehrfach mit Gedichten in diesem Blog, manche der Posts erreichten vierstellige Leserzahlen. Das Gedicht Sogenannte Klassefrauen habe ich schon mehrmals erwähnt, hatte es hier allerdings noch nie im Text. Es ist schon ziemlich alt, aber nie veraltet. Es erschien 1930 in dem Band Ein Mann gibt Auskunft. Es findet sich auch in dem Band 6 der Frankfurter Anthologie, da gibt es eine Interpretation von Christa Rotzoll zu dem Gedicht. Aber eine Interpretation braucht dieses Gedicht nicht. Es ist ein klein bisschen schmutzig und sehr böse. Kästner mag beim Schreiben an Frauen wie die amerikanische Schauspielerin Phyllis Gordon gedacht haben, die hier mit ihrem Geparden in London beim window shopping ist. Wir denken heute eher an die Frauen bei ✺Germany’s Next Topmodel oder✺ My Style Rocks:

Sind sie nicht pfuiteuflisch anzuschauen?
Plötzlich färben sich die Klassefrauen, 
weil es Mode ist, die Nägel rot ! 
Wenn es Mode wird, sie abzukauen
oder mit dem Hammer blauzuhauen, 
tun sie's auch. und freuen sich halbtot. 

Wenn es Mode wird, die Brust zu färben, 
oder falls man die nicht hat, den Bauch . . . 
Wenn es Mode wird, als Kind zu sterben 
oder sich die Hände gelbzugerben, 
bis sie Handschuhn ähneln, tun sie's auch. 

Wenn es Mode wird, sich schwarzzuschmieren . . . 
Wenn verrückte Gänse in Paris 
sich die Haut wie Chinakrepp plissieren . . . 
Wenn es Mode wird, auf allen Vieren 
durch die Stadt zu kriechen, machen sie's. 

Wenn es gälte, Volapük zu lernen 
und die Nasenlöcher zuzunähn 
und die Schädeldecke zu entfernen 
und das Bein zu heben an Laternen, 
morgen könnten wir's bei ihnen sehn.

Denn sie fliegen wie mit Engelsflügeln 
immer auf den ersten besten Mist. 
Selbst das Schienbein würden sie sich bügeln ! 
Und sie sind auf keine Art zu zügeln, 
wenn sie hören, daß was Mode ist.

Wenn's doch Mode würde, zu verblöden ! 
Denn in dieser Hinsicht sind sie groß. 
Wenn's doch Mode würde, diesen Kröten 
jede Öffnung einzeln zuzulöten ! 
Denn dann wären wir sie endlich los.


Donnerstag, 24. April 2025

krumme Wege

Auf die amerikanische Dichterin Hilda Doolittle, die als H.D. Gedichte schrieb, bin ich auf einem krummen Weg gekommen, der mit dem englischen Luftmarschall Hugh Dowding beginnt. Der hat heute Geburtstag, hat aber im Gegensatz zu dem Feldmarschall Sir Archibald Percival Wavell keine Gedichte geschrieben. Dowding war hier schon in den Posts Battle of Britain, Battle of Britain Day und Septemberhimmel; und wenn Sie den Film ✺Battle of Britain gesehen haben, wissen Sie, dass er da von Laurence Olivier gespielt wird. Ich wusste allerdings nicht, dass H.D., die seit 1911 in England lebte, und Hugh Dowding (auch HD) sich nahestanden. Weil sie sich beide dem →Spiritismus verschrieben hatten. Lord Dowding war nach seiner Pensionierung zu Englands führendem Spiritisten geworden.

Das lasse ich jetzt einmal weg, das ist nicht meine Welt. Die Dichterin und der Held der Battle of Britain haben sich auch schnell wieder entzweit. In ihrer Jugend war H.F. mit Ezra Pound befreundet gewesen, wie der steht sie für die moderne Lyrik des 20. Jahrhunderts. Und die kommt jetzt mit dem Schlachtruf Make it new! aus Amerika: H.D. Pound und T.S. Eliot. Man kann alles dazu in dem 752-seitigen Buch Make it new: US-amerikanische Lyrik des 20. Jahrhunderts von dem Amerikanistikprofessor Franz H. Link lesen. Der natürlich auch etwas über →Hilda Doolittle geschrieben hat. Und er hat bei Reclam den Band Amerikanische Lyrik: Vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart. (zweisprachig: Deutsch und Englisch) herausgegeben. Wenn Sie sich mit der amerikanischen Dichtung beschäftigen wollen, ist dies das Buch, mit dem Sie anfangen sollten. Man findet es antiquarisch noch leicht.

Ich habe natürlich ein Gedicht von ihr, nichts Repräsentatives, aber nett:

Never more will the wind
cherish you again,
never more will the rain.

Never more
shall we find you bright
in the snow and wind.

The snow is melted,
the snow is gone,
and you are flown:

Like a bird out of our hand,
like a light out of our heart,
you are gone.



Nie wieder wird der Wind
dich so zärtlich umhegen,
nie wieder der Regen.

Nie wieder
werden wir dich hell leuchtend
antreffen in Schnee und Wind.

Der Schnee ist geschmolzen,
der Schnee ist weg,
und du bist fortgeflogen:

Wie ein Vogel aus unserer Hand,
wie ein Leuchten aus unserem Herzen,
so bist du weg.

Ich war auf einem krummen Weg vom Luftmarschall zur Dichterin gekommen, aber der krumme Weg führte mich noch weiter. Die Übersetzung von Never more will the wind hatte den Namen eines Übersetzers, den ich nicht kannte. Und so lernte ich im Internet den Maler, Dichter, Übersetzer und Photographen →Johannes Beilharz kennen, der auch einen interessanten →Blog hat. Da habe ich mich erst einmal festgelesen. Schreiben kostet viel Zeit.


Und ja, ich wusste, dass William Turner gestern den 250. Geburtstag hatte, aber dazu fiel mir nichts ein. Es gibt schon sehr, sehr viel Turner in diesem Blog. Wenn Sie den Post William Turner in Kiel anklicken, finden Sie dort zwei Dutzend Links zu Posts, in denen Turner erwähnt wird.


Mittwoch, 23. April 2025

Thomas Parke D'Invilliers

Im April des Jahres 1925 war F. Scott Fitzgeralds Roman The Great Gatsby erschienen. Es war kein großer Erfolg. Fitzgerald glaubte bei seinem Tod, dass man ihn als →Schriftsteller vergessen würde. Modern Library listete den Roman 1998 auf Rang 2 der 100 besten englischsprachigen Romane des 20. Jahrhunderts. Die →New York Times hat zur Hundertjahrfeier hier eine schöne Seite 

Fitzgerald hatte zwei Jahre an dem Roman geschrieben, nach der ersten Fassung 1924 hatte ihm Maxwell Perkins vom Scribner Verlag gesagt, er müsse ihn umschreiben. Wenn Fitzgerald Perkins nicht gehabt hätte, wäre keiner seiner Romane veröffentlicht worden. In der Geschichte der Literatur des 20. Jahrhunderts sind Lektoren manchmal genauso wichtig wie die Autoren. Was wäre aus Thomas Wolfe geworden, wenn er Maxwell Perkins nicht gehabt hätte? Look Homeward, Angel war lediglich eine Kiste voller getippten Seiten. Perkins machte daraus einen Roman. Und der Mann, ohne den so vieles aus der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts nichts geworden wäre, nimmt sich auch des jungen Veteranen James Jones an und wird der Geburtshelfer für From Here to Eternity. Der gerade aus der Armee entlassene Sergeant Jones hatte keine Erfahrung mit dem Schreiben von Romanen. Er hatte jede Seite, die er fertig hatte, an Perkins geschickt. 

Fitzgerald beginnt seinen Roman mit einem Epigraph, einem vierzeiligen Gedicht:

Then wear the gold hat, if that will move her;
If you can bounce high, bounce for her too,
Till she cry “Lover, gold-hatted, high-bouncing lover,
I must have you!”

Das Gedicht, in dem sich die ganze Handlung des Romans findet, stammt von einem Thomas Parke D'Invilliers. Den Dichter wird man vergeblich im Lexikon suchen. Fitzgerald hat ihn erfunden. Er taucht als Romanfigur in Fitzgeralds Roman This Side of Paradise auf. Da können wir über ihn lesen: They sallied into a discussion of poetry, in the course of which they introduced themselves, and Amory’s companion proved to be none other than “that awful highbrow, Thomas Parke D’Invilliers,” who signed the passionate love-poems in the Lit. He was, perhaps, nineteen, with stooped shoulders, pale blue eyes, and, as Amory could tell from his general appearance, without much conception of social competition and such phenomena of absorbing interest. Still, he liked books, and it seemed forever since Amory had met any one who did; if only that St. Paul’s crowd at the next table would not mistake him for a bird, too, he would enjoy the encounter tremendously. They didn’t seem to be noticing, so he let himself go, discussed books by the dozens—books he had read, read about, books he had never heard of, rattling off lists of titles with the facility of a Brentano’s clerk. D’Invilliers was partially taken in and wholly delighted. In a good-natured way he had almost decided that Princeton was one part deadly Philistines and one part deadly grinds, and to find a person who could mention Keats without stammering, yet evidently washed his hands, was rather a treat. Das Brentano in diesem Text hat nichts mit unserem deutschen Dichter zu tun, es ist der Name einer New Yorker Buchhandlung.

Hinter der Romanfigur Thomas Parke D'Invilliers steht allerdings ein richtiger Dichter, Fitzgeralds Freund John Peale Bishop. Wenn Sie von dem ein Gedicht lesen wollen, dann kann ich The Hours empfehlen. Es ist ein Gedicht, das ein Motto von F. Scott Fitzgerald hat: In the real dark night of the soul it is always three o'clock in the morning. 


Dienstag, 22. April 2025

Künstliche Intelligenz


Im April 1863 hatte der französische Kaiser Napoleon III angeordnet, dass die vom Salon abgelehnten Werke in einem Salon des Refusés gezeigt werden sollen. Eins der Werke, vielleicht das berühmteste, war Manets Frühstück im Grünen. Das Bild war schon mehrfach in diesem Blog, Edouard Manet auch. Immer wieder haben vom Pariser Salon abgelehnte Bilder Geschichte gemacht, ich habe zu dem Thema hier einen schönen ✺Film, der vor zehn Jahren mal bei arte gelaufen ist. Der Film fängt auch mit dem Skandal an, den Manets Bild verursachte. Nackte Körper in der Kunst sind eine gefährliche Sache. Im Jahre 2018 hat Facebook eine Abbildung der steinzeitlichen Statuette Venus von Willendorf als gefährlich pornografisch zensiert. Und eine Künstlerin namens Illma Gore bekam tausend Todesdrohungen, nachdem sie einen nackten Donald Trump gemalt hatte.

Auf der Suche nach einem Gedicht für den Tag, dachte ich mir, dass vielleicht ein französischer Dichter etwas zu Manets Bild geschrieben hätte. Wie zum Beispiel Charles Baudelaire, der wunderschöne Dinge über Eugène Boudin geschrieben hatte. →Manet und Baudelaire waren befreundet, Manet hat Baudelaire auch gezeichnet. Aber Baudelaire hat kein Gedicht über Manet geschrieben. Ich fand dann aber etwas Verblüffendes, als ich bei Google Frühstück im Grünen und poem eingab. Google präsentierte mir ein Gedicht, das die Künstliche Intelligenz produziert hatte:

Früh am Morgen, Sonne scheint,
Ein Picknick-Tuch, ganz fein und rein.
Mit Brot und Käse, Saft so süß,
Der Gartenzauber, uns'rer Seele lässt.

Grüne Wiese, Himmel blau,
Ein Festmahl, voller Freude, kaum.
Die Vögel singen, leise, sanft,
Ein Augenblick, der uns so sehr verwirrt.

Mit Freunden lachen, ganz so frei,
Ein Frühstuck, das uns glücklich macht, sei.
Die Natur umarmt, warm und mild,
Ein Bild, das immer in uns brennt, wie ein Wild.

Wenn die Künstliche Intelligenz so weitermacht, dann kriegt sie vielleicht irgendwann richtige Gedichte hin.

Noch mehr Manet in den Posts: Frühstück, Spargel, Edouard Manet, Kindermädchen, Präsenz der Abwesenheit, Grundstückspreise,Ellen Andrée: nue et habillée, les grandes horizontales, Berthe Morisot, Impressionisten

Montag, 21. April 2025

Beatrix Potter

Einen kleinen Osterhasen für das Fest habe ich noch. Den hübschen Osterhasen hat Beatrix Potter gezeichnet, die ihre Kinderbücher selbst illustrierte. Sie hatte mit ihren Nursery Rhymes und ihren Büchern, beginnend mit The Tale of Peter Rabbit (1902), großen Erfolg. →Peter Rabbit habe ich für Sie hier im Volltext. Beatrix Potter ist in einer wohlhabenden Familie in London aufgewachsen. Ihr Großvater Edmund Potter hatte sein Vermögen mit →Calico in Manchester gemacht. Wenn man vom Manchesterkapitalismus spricht, dann war ihr Opa auch dabei. Allerdings auf der guten Seite, er ist ein patriarchalischer Unternehmer, der sich wie Titus Salt um seine Arbeiter kümmert. 

Beatrix Potter hat die Metropole London nicht geliebt, ihre zweite Lebenshälfte wird sie als Farmerin und Schafzüchterin im  ✺Lake District verbringen. Ihre →Farm kann man heute noch besichtigen. Potter wird Land kaufen, sehr viel Land. Nicht, um damit Geschäfte zu machen, sie will die Natur erhalten. In ihrem Testament hinterläßt sie dem National Trust sechzehn Quadratkilometer Land. I wish there may be a sufficient representative number of the old farms in the hands of the Trust, schreibt sie inden 1930er Jahren einer Freundin. Der National Truist wird vierzehn Farmen von ihr enthalten, die heute Teil des Lake District National Parks sind.

Ein kleines Gedicht von Beatrix Potter habe ich zum Schluss auch noch:

We have a little garden,
A garden of our own,
And every day we water there
The seeds that we have sown.

We love our little garden,
And tend it with such care,
You will not find a faded leaf
Or blighted blossom there.

Hundertausende von englischen Kindern sind mit solchen Versen aufgewachsen. Ich habe aber heute noch etwas mehr als dieses Gedicht, vor allem für Beatrix Potter Fans. Denn seit wenigen Wochen gibt es die erste deutsche Übersetzung von ihrem Spätwerk →The Fairy Caravan. Übersetzt von Dietrich H. Fischer, dessen →Wordsworth Seiten im Internet ich schon in dem Post Narzissen aufs Höchste gelobt habe. Der Lake District hat es auch ihm angetan, zuerst kam das Werk von Wordsworth, dann das Werk von Potter. Sein Buch über den Wanderzirkus, der durch den Lake District tourt, ist nicht nur eine Übersetzung, es ist gleichzeitig beinahe ein Potter Lexikon. 150 Seiten Text mit den Originalillustrationen, 100 Seiten Anhang. Ein Verzeichnis aller Pflanzenarten, eine kommentierte Liste aller Ortsnamen, Bemerkungen zu den eingestreuten Gedichten, hunderte von Anmerkungen und ein sehr schönes Nachwort. Hier kommen philologische Genauigkeit und die Liebe zur Landschaft und zur Autorin zusammen. Besser kann man das nicht machen. Das geht nicht. Beatrix Potter Fans werden ihm für dieses Buch dankbar sein.

Sonntag, 20. April 2025

voi non sapete che cos'è l'amore

Ich wollte vorgestern in der Nacht Bachs Johannespassion beim MDR sehen, das war eine gute Art, den Karfreitag zu beenden. Aber dann sah ich, dass es beim Bayrischen Rundfunk den Film ✺Il Grido von Michelangelo Antonioni gab. Ich dachte mir, dass es die ✺Johannespassion auch noch in der Mediathek geben würden und guckte mir Il Grido an. Es ist ein Film, den ich mir immer wieder angucken kann, angucken muss. Er hat hier schon mit Steve Cochran einen langen Post. Und noch einen, weil er in dem Roman Die Rote von Alfred Andersch vorkommt. Der Film handelt von der Liebe und vom Verlust der Liebe. Davon handelt ja die ganze Literatur, ob in Prosa oder Dichtung. Da fällt es nicht schwer, ein Gedicht dazu zu finden.

Ich habe eins von Raymond Carver genommen, das in der italienischen Ausgabe seiner Gedichte den Titel voi non sapete che cos'è l'amore hat. Da hat der Herausgeber wohl ein wenig an Mozarts Arie ✺Voi che sapete che cosa è amor gedacht. Von dieser Arie des Cherubino habe ich noch eine ganz schräge ✺Version, die schon einmal in dem Post Untertitel vorkam. Man muss das einmal gesehen haben, das macht eine vergnügte Stimmung für den Ostersonntag. Bachs Johannespassion nicht so. Ich habe Carvers Gedicht, das ein fiktiver Monolog von Charles Bukowski ist, hier in einer italienischen →Fassung, aber das Original ist englisch:

You Don’t Know What Love Is (an evening with Charles Bukowski)

You don’t know what love is Bukowski said
I’m 51 years old look at me
I’m in love with this young broad
I got it bad but she’s hung up too
so it’s all right man that’s the way it should be
I get in their blood and they can’t get me out
They try everything to get away from me
but they all come back in the end
They all came back to me except
the one I planted
I cried over that one
but I cried easy in those days
Don’t let me get onto the hard stuff man
I get mean then
I could sit here and drink beer
with you hippies all night
I could drink ten quarts of this beer
and nothing it’s like water
But let me get onto the hard stuff
and I’ll start throwing people out windows
I’ll throw anybody out the window
I’ve done it
But you don’t know what love is
You don’t know because you’ve never
been in love it’s that simple
I got this young broad see she’s beautiful
She calls me Bukowski
Bukowski she says in this little voice
and I say What
But you don’t know what love is
I’m telling you what it is
but you aren’t listening
There isn’t one of you in this room
would recognize love if it stepped up
and buggered you in the ass
I used to think poetry readings were a copout
Look I’m 51 years old and I’ve been around
I know they’re a copout
but I said to myself Bukowski
starving is even more of a copout
So there you are and nothing is like it should be
That fellow what’s his name Galway Kinnell
I saw his picture in a magazine
He has a handsome mug on him
but he’s a teacher
Christ can you imagine
But then you’re teachers too
here I am insulting you already
No I haven’t heard of him
or him either
They’re all termites
Maybe it’s ego I don’t read much anymore
but these people w! ho build
reputations on five or six books
termites
Bukowski she says
Why do you listen to classical music all day
Can’t you hear her saying that
Bukowski why do you listen to classical music all day
That surprises you doesn’t it
You wouldn’t think a crude bastard like me
could listen to classical music all day
Brahms Rachmaninoff Bartok Telemann
Shit I couldn’t write up here
Too quiet up here too many trees
I like the city that’s the place for me
I put on my classical music each morning
and sit down in front of my typewriter
I light a cigar and I smoke it like this see
and I say Bukowski you’re a lucky man
Bukowski you’ve gone through it all
and you’re a lucky man
and the blue smoke drifts across the table
and I look out the window onto Delongpre Avenue
and I see people walking up and down the sidewalk
and I puff on the cigar like this
and then I lay the cigar in the ashtray like this and take a deep breath
and I begin to write
Bukowski this is the life I say
it’s good to be poor it’s good to have hemorrhoids
it’s good to be in love
But you don’t know what it’s like
You don’t know what it’s like to be in love
If you could see her you’d know what I mean
She thought I’d come up here and get laid
She just knew it
She told me she knew it
Shit I’m 51 years old and she’s 25
and we’re in love and she’s jealous
Jesus it’s beautiful
she said she’d claw my eyes out if I came up here
and got laid
Now that’s love for you
What do any of you know about it
Let me tell you something
I’ve met men in jail who had more style
than the people who hang around colleges
and go to poetry readings
They’re bloodsuckers who come to see
if the poet’s socks are dirty
or if he smells under the arms
Believe me I won’t disappoint em
But I want you to remember this
there’s only one poet in this room tonight
only one poet in this town tonight
maybe only one real poet in this country tonight
and that’s me
What do any of you know about life
What do any of you know about anything
Which of you here has been fired from a job
or else has beaten up your broad
or else has been beaten up by your broad
I was fired from Sears and Roebuck five times
They’d fire me then hire me back again
I was a stockboy for them when I was 35
and then got canned for stealing cookies
I know what’s it like I’ve been there
I’m 51 years old now and I’m in love
This little broad she says
Bukowski
and I say What and she says
I think you’re full of shit
and I say baby you understand me
She’s the only broad in the world
man or woman
I’d take that from
But you don’t know what love is
They all came back to me in the end too
every one of em came back
except that one I told you about
the one I planted We were together seven years
We used to drink a lot
I see a couple of typers in this room but
I don’t see any poets
I’m not surprised
You have to have been in love to write poetry
and you don’t know what it is to be in love
that’s your trouble
Give me some of that stuff
That’s right no ice good
That’s good that’s just fine
So let’s get this show on the road
I know what I said but I’ll have just one
That tastes good
Okay then let’s go let’s get this over with
only afterwards don’t anyone stand close
to an open window

Wir können uns natürlich fragen: ist das überhaupt ein Gedicht? Oder hatte Carver in der Nacht nur den tape recorder laufen lassen? Carver hat dazu gesagt: In 'Fires', I even dedicated a poem to him. It's titled 'You Don't Know What Love Is.' It's kind of the story of an evening that he spent at my house, and many lines are nothing more than phrases taken directly from what he said [...] Well, Bukowski is a really strange guy; it's almost impossible to agree with him. I was in my early twenties and I told him that I liked his poems. He answered that I must have a terrible taste. Sie können das Gedicht You Don't Know What Love Is ✺hier vorgelesen bekommen.

Noch mehr Michelangelo Antonioni in diesem Blog in den Posts: Michelangelo Antonioni, Antonioni, Swinging London, Monica Vitti, Gassman, Ossessione, Ingmar Bergman, Cinecittà und die Mode, Brioni,

Ich wünsche all meinen Lesern ein schönes Osterfest. Und ich hör mir jetzt die ✺Johannespassion an.

Samstag, 19. April 2025

Abschied ist ein scharfes Schwert


Nicht jeden Kommentar zu einem Post drucke ich ab. Hasskommentare schon gar nicht. Kommen nicht so häufig, aber es gibt sie. Und dann gibt es Kommentare wie diesen, der mich gestern erreichte, der ein Kommentar zu dem Post Hochzeitsmarsch aus dem Jahre 2012 sein sollte:

In einem Haus, das einst von Lachen widerhallte, hatte sich Stille wie dichter Nebel gelegt. Mein Mann, die Liebe meines Lebens, hatte sich von mir entfernt, und das Wort „Scheidung“ hing wie eine dunkle Wolke in der Luft. Mein Herz brach jeden Tag ein wenig mehr, verzweifelt versuchte ich, die Liebe, die wir einst teilten, festzuhalten.
     Auf meiner Suche nach Antworten stieß ich auf Dr. X, eine Liebeszauberin, die versprach, verlorene Liebe wiederzubeleben. Skeptisch, aber hoffnungsvoll, beschloss ich, es zu versuchen. Unter seiner Anleitung sprach ich einen Zauber, der meine tiefsten Wünsche nach Liebe und Verbundenheit widerspiegelte.
     Wie durch ein Wunder kam mein Mann am nächsten Tag nach Hause, seine Augen sanfter, erfüllt von Erkenntnis. Er sah mich nicht nur als seine Partnerin, sondern als die Königin seines Herzens. Er begann, mich mit Respekt zu behandeln, fragte mich immer nach meiner Meinung und schätzte unsere Verbindung über alles.
     Unsere Liebe war neu entfacht, stärker als zuvor. Ich war Dr. X dankbar, die mir geholfen hatte, den Weg zurück zu der Liebe zu finden, die ich für immer verloren glaubte. Falls sich jemand in einer ähnlichen Situation befindet, empfehle ich dringend, sich an Dr. X zu wenden. Für die Liebe lohnt es sich zu kämpfen, und manchmal kann ein wenig Magie die Flammen des Herzens neu entfachen
.

Ich kannte den Text schon, die Autorin, die in ihrer Jugend offenbar schwer von Courths-Mahler Romanen geschädigt wurde, versuchte jetzt zum dritten Mal in diesem Jahr diesen Text bei mir unterzubringen. Eine WhatsApp Adresse und eine E-Mail Adresse waren dem Text natürlich beigefügt. Ich füge dem Text einmal diesen wunderbaren Cartoon von Ronald Searle zum Thema Abschied zu. Der Autorin ist es übrigens gelungen, ihren Text an mehreren Stellen im Internet unterzubringen. Falls Sie die Adresse der Liebeszauberin brauchen, müssen Sie mal ein wenig suchen.

Abschied hatten wir in diesem Monaten schon in Comment te dire adieu, aber ein Abschiedsgedicht habe ich heute auch für Sie, Theodor Storm hat es geschrieben. Er befand sich da in einer Ehekrise, die Liebeszauberin Dr X konnte ihm nicht helfen, die war noch nicht geboren. Storm verarbeitet seine Gefühle in Gedichten, wie zum Beispiel in →Rote Rosen, das zu seinen Lebzeiten nicht veröffentlicht wurde. Aber das Trennungsgedicht für Dorothea Jensen aus dem Jahre 1852, das wurde gedruckt

Die Zeit ist hin; du löst dich unbewußt
Und leise mehr und mehr von meiner Brust;
Ich suche dich mit sanftem Druck zu fassen,
Doch fühl' ich wohl, ich muß dich gehen lassen.

So laß mich denn, bevor du weit von mir
Im Leben gehst, noch einmal danken dir;
Und magst du nie, was rettungslos vergangen,
In schlummerlosen Nächten heimverlangen.

Hier steh' ich nun und schaue bang zurück;
Vorüber rinnt auch dieser Augenblick,
Und wieviel Stunden dir und mir gegeben,
Wir werden keine mehr zusammenleben.