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Mittwoch, 28. November 2012

Beresina 1812


An 'Borodino' knüpften sich hundert Fragen, und von Meerheimb, während er diese Fragen beantwortete, blieb der Mittelpunkt des Kreises. Er erzählte von dem Marsche über das unaufgeräumte, die entsetzlichsten Szenen bietende Schlachtfeld, von dem Einzug in Moskau, von ihren Hoffnungen und Enttäuschungen, endlich von dem Aufgeben der verödeten und mittlerweile zu einer Brandstätte gewordenen Hauptstadt. Mit dem Bilde, das er von diesem Elend entwarf – eine Woche später war er verwundet worden –, brachen seine Schilderungen ab. Es konnte dabei nicht fehlen, daß einzelner französischer Heerführer, Neys oder Nansoutys, noch häufiger Murats und des Vizekönigs, mit wenig verhehlter Vorliebe gedacht wurde; aber die Verhältnisse lagen damals in Preußen und ganz besonders in seiner Hauptstadt so eigentümlich, daß solcher Vorliebe ohne die geringste Besorgnis vor einem Anstoß Ausdruck gegeben werden konnte. Niemand wußte, wohin er sich politisch, kaum, wohin er sich mit seinem Herzen zu stellen hatte, denn während unmittelbar vor Ausbruch des Krieges dreihundert unserer besten Offiziere in russische Dienste getreten waren, um nicht für den 'Erbfeind' kämpfen zu müssen, standen ihnen in dem Hilfskorps, das wir ebendiesem 'Erbfeinde' hatten stellen müssen, ihre Brüder und Anverwandten in gleicher oder doppelter Zahl gegenüber. Wir betrachteten uns im wesentlichen als Zuschauer, erkannten deutlich alle Vorteile, die uns aus einem Siege Rußlands erwachsen mußten, und wünschten deshalb diesen Sieg, waren aber weitab davon, uns mit Kutusow oder Woronzow derartig zu identifizieren, daß uns eine Schilderung französischer Kriegsüberlegenheit, an der wir, gewollt oder nicht gewollt, einen hervorragenden Anteil hatten, irgendwie hätte verletzlich sein können.

Dieser Absatz folgt in dem Roman ➯Vor dem Sturm der eingeschobenen Erzählung Borodino, die der Herr von Meerheimb gerade vorgetragen hat. Die Erzählung komplementiert eine andere Binnenerzählung, Erinnerung aus dem Krieg in Spanien: Das Gefecht bei Plaa, die ein Rittmeister von Hirschfeldt vorträgt. Der hat auf der englischen Seite gegen Napoleon gekämpft. Der Herr von Meerheimb stand bei Borodino in dem Hilfskorps unter dem sächsischen General Johann Adolf Freiherr von Thielmann auf der französischen Seite. Es geht in diesem Absatz bei Fontane um die Loyalitäten des politischen Zufalls. Wenige Jahre nach Borodino wird Thielmann, inzwischen auf Seiten der Preußen, bei Wavre seinen Beitrag zum Sieg von ➯Waterloo beitragen. Aber der Sieg über Napoleon ist für die Personen von Vor dem Sturm noch ferne Zukunft. Fontanes Schilderung der Schlacht von Borodino ist nicht so berühmt geworden wie die Beschreibung, die uns ➯Tolstoi in Krieg und Frieden gibt.

Weder für die Franzosen noch für die Russen hatte sie den geringsten Sinn. Ihr nächstes Resultat war und mußte sein: für uns Russen, daß wir den Untergang Moskaus beschleunigten (den wir doch über alles in der Welt fürchteten), und für die Franzosen, daß sie den Untergang ihrer Armee beschleunigten (den sie gleichfalls über alles in der Welt fürchteten). Die Bataille de la Moskova ist für Napoleon ein Sieg, weil er das Terrain behauptet. Aber ein Sieg auf welche Kosten! Die Zahlen der Historiker gehen auseinander, doch man kann davon ausgehen, dass Napoleon einen großen Teil seiner Armee verliert. Die Verluste der russischer Armee sind ebenso groß, aber dies ist ihr Land, sie können Reserven mobilisieren. Ihren fähigsten General, den Fürsten Pjotr Iwanowitsch Bagration, können sie natürlich nicht ersetzen. Wie schön geordnet sah der Rußlandfeldzug noch auf diesem Bild aus, das der bayrische Maler Albrecht Adam (der den Russlandfeldzug im Gefolge von ➯Eugène de Beauharnais mitgemacht hatte) von der Überquerung des Njemen durch Eugène de Beauharnais gemalt hat.

In Smolensk hatte das auch noch gut ausgesehen. Da erringt Napoleon einen trügerischen Sieg, aber die Stadt wird von den Russen angezündet, es gibt keine Vorräte mehr für die französische Armee. Und Borodino ist der Anfang vom Ende, nur Napoleon will das nicht sehen. In der Schlacht fällt der französische General Auguste-Jean-Gabriel de Caulaincourt, sein Bruder Armand Augustin Louis de Caulaincourt wird überleben. Er wird auch als einziger General seinen Kaiser auf der Flucht begleiten, er hat seine Erlebnisse in einem Bericht voll bitterer Ironie festgehalten. Wenn Napoleon sagt: Die Russen müssen allen Völkern als eine Geißel erscheinen ... Man sollte nur noch einen Feind in Europa sehen; dieser Feind ist der russische Koloß, antwortet ihm Caulaincourt: Sie selbst sind es, Sire, den man fürchtet! Eine Antwort von schöner Doppeldeutigkeit.

Nach Borodino (hier in der Darstellung von Albrecht Adam) kommt nicht die erhoffte russische Kapitulation, die Napoleon täglich erwartet. Es kommt das brennende Moskau. Dann der lange Rückzug, dann der Übergang über die Beresina. Heute vor zweihundert Jahren war die Schlacht an der Beresina entschieden. Die französischen Truppen schmolzen gleichmäßig in mathematisch regelmäßiger Progression zusammen. Und jener Übergang über die Beresina, über den so viel geschrieben worden ist, war nur eine der Zwischenstufen in der Vernichtung des französischen Heeres und keineswegs die entscheidende Katastrophe des Feldzuges. Wenn über die Beresina so viel geschrieben worden ist und noch geschrieben wird, so kam das von seiten der Franzosen nur daher, daß auf den eingestürzten Beresinabrücken die bis dahin über einen größeren Zeitraum verteilten Leiden, die die französische Armee auszuhalten hatte, sich plötzlich in einen Moment zusammendrängten, zu einem tragischen Schauspiel, das allen im Gedächtnis blieb.

Mit erstaunlicher Distanz entscheidet sich Tolstoi, in ➯Krieg und Frieden so gut wie nichts über die Schlacht an der Beresina zu schreiben. In diesem Augenblick sieht er die Lage der Armeen mit beinahe strategischer Kälte, was er auch tun muss, um Kutusow bei dem Gezänk der Generäle in einem noch helleren Licht dastehen zu lassen. Diese Distanz des Romanciers haben die Augenzeugenberichte, die die Schlacht an der Beresina erlebten, selten. Natürlich wird man dort auch Sätze finden wie: 'Frierst du, mein Freund?' fragte Napoleon einen alten Grenadier, der bei einer Kälte von zwanzig Grad blaugefroren neben dem Schlitten des Kaisers stapfte. 'Nein, Sire', antwortete der Soldat. 'Solange ich Sie sehe, ist mir warm!', aber das scheint eher aus einem patriotischen französischen Kitschroman zu stammen. Napoleons Sekretär Baron Fain will sogar einen aufleuchtenden Sonnenstrahl gesehen haben, der seinem Kaiser den Weg über die Beresina Pontonbrücke wies.

Er war der einzige, der das berichtet. Ansonsten sehen die Augenzeugenberichte eher so aus, wie der des jungen Capitain ➯von Papet: Durch die viele Passage der Pferde war der vor der Brücke befindliche Morast beinahe aufgetäut, sodaß die meisten Pferde hier einsanken, die dann durch die Anstrengungen, sich emporzuarbeiten, mehrere Menschen umwarfen, die, da von allen Seiten gedrängt wurde, meistenteils verloren waren. So mußte man also, um nach der Brücke zu gelangen, von einem Pferd aufs andere springen. Wer ausglitschte und unter ein Pferd zu liegen kam, wurde von den Nachfolgenden zertreten. Wer unglücklicherweise die Brücke verfehlte, denn da man, in den Haufen eingepreßt, nicht wissen konnte, in welcher Direction dieselbe lag, und sich also vom Ohngefähr leiten lassen mußte, da der Fluß nicht zugefroren war und Hülfe unmöglich, ertrinken.

Ähnlich ist das, was der Schweizer Albrecht von Muralt schreibt, der Leutnant bei den bayrischen Cheveaulegers ist: Ungeachtet der Anwesenheit des Kaisers, der von seinem Ge­folge umgeben dicht an der linken Brücke zu Fuß hielt, um selber den Übergang zu beaufsichtigen, nahm die Unordnung mit jedem Augenblicke zu. Feindliches Artilleriefeuer ließ sich schon ganz nahe vernehmen. Einige Kanonenkugeln schlugen ganz dicht auf der Anhöhe ein, auf der wir übernachtet hatten und wo noch im­mer eine zahllose Menge lagerte. Andere Schüsse ließen das Eis­wasser in der Beresina emporwirbeln und schleuderten die Eisschollen haushoch in die Luft. Wenn man Albrecht von Muralt und Thomas Legler Beresina: Erinnerungen aus dem Feldzug Napoleons I. in Russland 1812 liest, oder Caulaincourts Memoiren,  Eckart Kleßmanns Sammlung Napoleons Russlandfeldzug in Augenzeugenberichten oder Boris (von) Uxkulls Armeen und Amouren ein Tagebuch aus napoleonischer Zeit, erhält man ein facettenreiches Bild von diesem schicksalhaften Ereignis vor zweihundert Jahren. Der oben erwähnte Secondelieutenant ➯Thomas Legler ist übrigens derjenige gewesen, der an dem Tag das berühmte ➯Beresinalied gesungen hat.

Millionen von Menschen beginnen plötzlich gegeneinander eine zahllose Menge von Übeltaten: Betrug, Verrat, Diebstahl, Fäl­schung von Banknoten, Raub, Brandstiftung und Mord zu bege­hen, wie sie die Listen aller Gerichte der Welt wohl während eines ganzen Jahrhunderts nicht aufzählen. Aber man spricht von gro­ßen und heroischen Zeiten anstatt von Verbrechen und nennt das Ereignis Krieg. Ich habe Tolstois Text bewusst einmal hierher gestellt, ich habe dazu auch ein passendes Video. Vielleicht klicken Sie ➯dies einmal an. Nein, sagen Sie jetzt nichts, wir lernen nichts aus der Geschichte. Im Zweiten Weltkriegs wird in der sowjetischen Offensive 1944 (die nach dem Fürsten Bagration auch Operation Bagration hieß) die deutsche 4. Armee nach der Überquerung der Beresina in einem Kessel östlich von Minsk vernichtet.

Die oben zitierten Buchtitel wären auch heute mein Lesetip. Und natürlich die Posts ➯Beresina und ➯Caulaincourt in diesem Blog, vielleicht noch jener Post, der ➯Briefwechsel heißt, in dem die Beresina auch eine Rolle spielt. Ich habe das heute durchgehend mit den Bildern von Albrecht Adam illustriert. Außer diesem letzten Bild, das auch von einem bayrischen Maler ist, allerdings einem unbekannten Volkskünstler. Doch das Bild ist rührender als jede heroische Schlachtenmalerei.



Mittwoch, 6. Januar 2010

Beresina


Sie hätten Napoleons Armee ganz vernichten können, aber Russlands Generäle Wittgenstein und Tschitschagow sind wieder einmal unter einander zerstritten, und der cunctator Kutusow zögert wieder einmal. So entkommt Napoleon über die Beresina. Aber er lässt die Hälfte seines restlichen Heeres, das sich von Moskau bis hierhin geschleppt hat, in Russland zurück. Und dennoch bewundert man ihn, obgleich er immer seine Armee opfert, nicht sich selbst. In Ägypten hatte er schon das gleiche Spiel gespielt und den armen Kléber mit den Resten der Armee dem sicheren Tod geweiht. Sie fliehen nicht, ach wo, lässt Stendhal eine Romanfigur in der Kartause von Parma sagen. Und daneben steht eine süffisante Bemerkung über den Hang der Franzosen zur Lüge. Stendhal (damals noch Henri Beyle) weiß, worüber er redet. Er ist mit Napoleon in Russland gewesen. Und wenn er seinen jungen Helden auf dem Schlachtfeld von Waterloo herumirren lässt und der Krieg nichts Romantisches und Heroisches mehr hat, dann schreibt hier ein Mann, dem nach dem Russlandabenteuer die letzten Illusionen verlorengegangen sind. Stendhal war nicht bei Waterloo dabei, aber er schreibt hier alles hinein, was er von Wagram bis Moskau gesehen hat.

Sein Ruhm gleicht einer Rakete, die in die Höhe steigt, dort einen Augenblick durch ihren Glanz blendet und dann verschwindet, notiert der junge baltische Baron Boris (von) Uxkull, Offizier in russischen Diensten nach der Schlacht an der Beresina. Napoleon reist zwei Wochen später aus Warschau ab, nachdem er Murat das Kommando übergeben hat und alle seine Generale umarmt hat. Macht er im Zweifelsfall immer. Vorher hat er, wie der Gesandte Dominique Dufour de Pradt aufgezeichnet hat, eine Rede gehalten, die eine reine Größenwahnphantasie war. Klaus Theweleit hätte seine Freude daran gehabt. Mit 300.000 Mann wolle er aus Paris zurückkommen, in einem halben Jahr wolle er wieder am Njemen sein: Ha, ha, das ist ein großes politisches Schauspiel, wer nichts wagt, hat auch nichts. Am 6. November war ich noch Herr von Europa, am 14. war ich es nicht mehr, ich erkannte meine Armee nicht wieder. So grenzt das Erhabene ans Lächerliche. Nun ist dem Diplomaten (und Erzbischof) de Pradt nicht so ganz zu trauen, er ist auch Schriftsteller, und die übertreiben manchmal. Und er schreibt dies, nachdem ihn Napoleon seiner Ämter enthoben hat und er zum grössten Feind seines ehemaligen Kaisers geworden ist. Der junge Baron Uxkull hat in seinem Tagebuch, dem man nachträglich den Titel Armeen und Armouren gegeben hat, detaillierter bei der Beschreibung von Tod und Vernichtung an der Beresina: diese Scenen werden nie aus meinem Gedächtnis verschwinden, schreibt er. Da hat sie Napoleon in seinem Wagen auf dem Rückweg nach Paris wahrscheinlich schon vergessen und träumt von neuen Schlachten, die glücklicher für ihn ausgehen. Seinen Übergang über die Beresina sollen die Schweizergarden gesichert haben, mit ihrem heldenhaften Opfermut das Beresinalied singend:

Unser Leben gleicht der Reise
eines Wandrers in die Nacht.
Jeder hat auf seinem Gleise
Vieles, das ihm Kummer macht.

Nach dem Schweizer Selbstverständnis ist dieses Lied, das eine zweite Nationalhymne geworden ist, ein Symbol für den sich selbst verleugnenden Opfermut der Schweizer. Und so stehen dann die Soldaten des 1. Schweizerregiments, das Napoleon schon nach Korsika und Elba gefolgt war, am Ufer der Beresina und singen den ganzen Tag das Beresinalied. So wie in der Welt der Operette ein Soldat am Wolgastrand steht und immer wieder Hast Du dort droben vergessen auf mich singt. Sie singen es so lange, bis nur noch 300 von 1300 übrig sind. So, oder so ähnlich steht es in literarischen Machwerken, die nach dem Ereignis geschrieben wurden. 1999 hat der Schweizer Regisseur Daniel Schmid diesen ganzen Beresinakult mit seiner wunderbaren schwarzen Komödie Beresina, oder die letzten Tage der Schweiz lächerlich gemacht. Aber darüber konnten nicht viele Schweizer lachen.

Haben die Schweizer Soldaten damals das Beresinalied gesungen? Wir wissen, dass ein Schweizer Berufsoffizier, der Oberleutnant Thomas Legler, auf Bitten seines Kommandeurs am Tage der Schlacht beim Morgenappell die letzten vier Strophen eines Liedes gesungen hatte, das 1792 von Ludwig Gisecke geschrieben wurde und das Die Nachtreise hieß. Es war später von Friedrich Wilke vertont worden. Dies hat Thomas Legler in seinen Denkwürdigkeiten aus dem russischen Feldzug berichtet, die sein Sohn 1868 im Jahrbuch des Historischen Vereins des Kantons Glarus abdrucken ließ. Die Melodie, zu der patriotische Schweizer das Lied (das erst seit dem Ersten Weltkrieg Beresinalied heißt) singen, ist nicht die Melodie, die Legler gesungen hat. Die heutige Melodie wurde von dem deutschen Kirchenmusiker Johann Immanuel Müller komponiert. Der Leutnant Boris Uxkull führt nach dem Krieg das Leben eines reichen Adligen, er reist durch Europa, er hat überall Liebschaften. Aber er hat noch andere Seiten: er studiert Philosophie. Teile von Hegels Vorlesungen sind nur durch Uxkulls Nachschriften erhalten. Thomas Legler lernt nichts dazu, nach der endgültigen Niederlage Napoleons wird er sich als Berufsoffizier bei verschiedenen europäischen Armeen verdingen.

Caspar David Friedrich, dessen Bilder in der Zeit der Befreiungskriege ja häufig kleine Allegorien sind, hat zwei Jahre nach der Schlacht an der Beresina ein Bild gemalt, das Der Chasseur im Walde heißt. Ein Mann in grüner Uniform auf einem schneebedeckten Weg steht hier beinahe zögernd vor einem Waldeingang, das ganze Bild scheint nur aus Winterwald zu bestehen. Ein Chasseur sollte eigentlich ein chasseur-à-cheval sein, dieser ist definitiv sans cheval. Im Katalog der Bilder des Fürsten Malte von Putbus, der das Bild erwarb, findet sich folgende Eintragung: Das Bild wurde vom Meister gekauft, nachdem es auf einer Ausstellung in Dresden allgemeinen Beifall gefunden und vortheilhaft recensiert war. Es ist eine Winterlandschaft; der Reiter, dessen Pferd schon verlorenging, eilt dem Tod in die Arme, ein Rabe krächzt ihm das Todtenlied nach. Auch dies Bild ist, wie fast alle des Meisters, mystisch, schauerlich und trübe. Der Fichtenwald, soll, so Helmut Börsch-Supan (der sich auf der Jagd nach Symbolen nochmal den Hals bricht), das geschlossene Zusammenstehen der Patrioten bedeuten. Und der Schnee soll dann auch kein Todessymbol sein - an der Beresina haben es viele so gesehen - sondern die deutschen Zustände vor der Befreiung symbolisieren. Macht nicht soviel Sinn, aber Kunsthistoriker schreiben sowas gerne mal schnell dahin, kost'nix. Es sind solche Formulierungen, die die Geisteswissenschaften zu den Schwafelwissenschaften haben verkommen lassen.

Der Schnee spielt auch eine Rolle in Theodor Fontanes Roman aus der Franzosenzeit Vor dem Sturm. Lange Zeit ist der Romanerstling von der Literaturkritik nicht beachtet worden, inzwischen gönnt man ihm doch schon einen wirklichen Status im erzählerischen Werk Fontanes. Und der Roman ist wirklich gut, nicht nur wegen des Schnees und wegen skuriler Figuren wie Hoppenmarieken oder General Bamme. Wenn man den Roman vor dem Hintergrund von Krieg und Frieden liest (wo es zugegeben noch mehr Schnee und die Beresinaschlacht gibt), dann kann er durchaus gegenüber dem russischen Meisterwerk des historischen Romans bestehen. Tolstoi hat einmal gesagt, dass er vieles von seinen Schlachtbeschreibungen Stendhal verdankt: Ich bin Stendhal wie kaum irgendwem verpflichtet: ich verdanke ihm die Kenntnis des Krieges. Wer vor ihm hat den Krieg auf diese Weise geschildert, das heisst so, wie er wirklich ist? Alle Verfilmungen von Krieg und Frieden haben den Übergang über die Beresina ins Bild gesetzt, am opulententesten Sergei Bondartschuk 1968. Aber niemals singen die Schweizergarden.

Die russische Armee wird sich an ihren berühmten General, den Fürsten Bagration (der einzige, den Napoleon wirklich fürchtete) erinnern, wenn sie ihrer Sommeroffensive von 1944 den Namen Operation Bagration geben. Unweit der Beresina, in Minsk, wo der Generalquartiermeister Henri Beyle einen Wintermantel weggibt, ohne zu bedenken, dass seine Schwester darin Goldstücke eingenäht hat, werden sie die ganze vierte deutsche Armee vernichten.


Lesen Sie auch: Beresina 1812, Ney, Caulaincourt, Sir Archibald Alison, William Hazlitt, Briefwechsel, Ferdinand von Rayski

Mittwoch, 5. Mai 2021

Napoleon

Können wir die Klappe da mal aufmachen? fragte der Mann. Ich sagte: Besser nicht. - Warum soll ich die nicht aufmachen? - Weil Sie dann ganz weiß sein werden, sagte ich, darunter ist die Feuerlöschanlage des Panzers, die reagiert sofort, wenn man an der Klappe rumfummelt. Ich fügte noch ein très dangereux hinzu. Er sprach eigentlich gut Deutsch, aber das très dangereux gab den Ausschlag. Der Mann ließ die Klappe zu. Er war vom Zoll und kontrollierte unsere Panzer, bevor wir sie auf die Eisenbahnwaggons verluden. Es war kalt, es hatte hier oben in achthundert Meter Höhe gerade angefangen zu schneien. Wir waren auf dem Truppenübungsplatz La Courtine im französischen Zentralmassiv (darüber können Sie ⇾hier mehr lesen). Für die Dauer des Manövers waren wir Zollausland gewesen, jetzt waren wir auf dem Weg nach Deutschland. Und deshalb kontrollierte uns der Mann vom Zoll. Die 150.000 Kilo Munition und 570.000 Liter Treibstoff, die wir mitgebracht hatten, waren verbraucht. Ich musste einen Packen Dokumente unterschreiben, auf denen stand, dass wir keine zollpflichtigen Waren mit uns führten. Das tat ich ohne zu zögern. Überreichte dem Zollbeamten die Dokumente und sagte: Monsieur. Er führte die Hand an die Mütze und sagte: Merci. Und Bon voyage. Wahrscheinlich wusste er genau wie ich, dass unsere Panzer voller Schmuggelware waren.

Man hätte die Klappe hinten im Panzer öffnen können, die Feuerlöschanlage wäre nicht in Aktion getreten. Dazu hätte man noch innen auf einen dicken Knopf drücken müssen. Hätten wir die Klappe geöffnet, dann hätte der französische Zollbeamte eine schön verpackte Flasche Cognac gefunden: Cognac Napoléon. Die hatte ich zollfrei erstanden, ich wollte sie meinen Eltern mitbringen, die mich länger als ein Vierteljahr nicht gesehen hatten. Bei uns zuhause stand immer eine Flasche Hennessy. Genau genommen gab es zwei Flaschen Hennessy im Haus. Eine hielt mein Vater verschlossen, die war für die Gäste. Aus der offen im Wohnzimmer herumstehenden Flasche bediente sich unsere Putzfrau, meine Mutter füllte die immer mit Wasser nach. Ich verstehe nichts von Cognacs, aber ich dachte mir damals, dass ein Cognac der Napoléon heißt, nicht schlecht sein könnte. Ich weiß nicht, wie gut er wirklich war.

Heute vor zweihundert Jahren ist Napoleon auf St Helena gestorben, ich bin mir nicht sicher, ob das ein Tag zum Feiern ist. Die Firma Montblanc hat einen Füllfederhalter mit dem Namen Napoleon Bonaparte herausgebracht, kostet 2.900 Euro. Braucht man so etwas? Napoleon war niemals mein Held, ich gehörte niemals zu seinen Bewunderern. William Hazlitt und Heinrich Heine haben ihn bewundert, ich weiß nicht so recht weshalb. Ich will gerne gestehen, daß mir in meinem Leben nichts Höheres und Erfreulicheres begegnen konnte, als vor dem französischen Kaiser und zwar auf eine solche Weise zu stehen, hat Goethe an seinen Verleger Cotta geschrieben, nachdem er Napoleon gesehen hatte. Schon Goethes Zeitgenossen haben darüber den Kopf geschüttelt.

Die geschmuggelte Flasche Cognac Napoléon bleibt heute das einzige, das ich zum Thema Napoleon zu sagen habe. Aber ich habe mir die Mühe gemacht, alles aus meinem Blog herauszusuchen, was mit Napoleon zu tun hat. Von den Schweizergarden, die an der Beresina das ✺Beresinalied singen, bis zu dem pechschwarzen Schiff, mit dem sein Leichnam von St Helena abgeholt wird. Wenn ich all die Posts zu Napoleon zusammenkleben würde, dann hätte ich schon ein Napoleon Buch fertig. Das wäre wahrscheinlich besser als die Studienarbeit von Maxi Mustermann, die bei ebay für 2,01€ angeboten wird. Mein Lieblingsbuch bleibt Napoleon and His Marshals von A.G. Macdonell. Wenn Sie Napoleon in aller Kürze kennenlernen wollen, dann geht nichts über das kleine Buch von Karin Schneider-Ferber, das bei Könemann im Jahre 2000 in der Reihe minigeschichtsführer erschienen war, 95 Seiten, mehr als 150 Abbildungen. Kann man antiquarisch noch finden.

Wenn Sie in der nächsten Woche nichts zu tun haben, dann lesen Sie hier die Posts: Vor dem Sturm, Beresina, Beresina 1812, Ney, Caulaincourt, Sir Archibald Alison, Der Robespierre von Hamburg, Waterloo, Waterloo, La Belle-Alliance, Elba, Briefe, Thomas Laurences Blücher, 18. Oktober 1813, The rockets' red glare: Leipzig 1813, Die Brücke von Arcole, Regenschirme, Ney, Captain Gronow, Stendhal, Luxuskutschen, John Keegan, Sigrid Combüchen, Laon 1814, St Helena, Apotheose, Joachim Murat, Jean-Baptiste Klébert, Sir Sidney Smith, Fenstersturz, Marschälle, Kutusow, Invasion, Finckenstein, Heeresreform, Tettenborn, Bennigsen, Bourrienne, Lord Byron, A.G. Macdonell, Krieg und Frieden, William Hazlitt, Vaterländisches Gedicht, Henri Beyle, Invasion, schönes Huhn, Haiti

Es gab mal im Fernsehen einen ✺Vierteiler mit Christian Clavier als Napoleon, den kann ich hier nicht anbieten. Aber ich habe hier die neue ✺Dokumentation von arte und einen Klassiker wie Bondartschuks ✺Waterloo. Es gibt hier allerdings auch den ultimativen Film: ✺Napoleon von Abel Gance aus dem Jahre 1927. Restauriert und neu aufbereitet, fünfeinhalb Stunden lang. Mehr Napoleon braucht man nicht.

Dienstag, 14. September 2021

Moskau brennt


Bald zeigten hohe Rauchsäulen und auflodernde Flammen die Wirkungen. Es brannte beinahe gleichzeitig in zwei verschiedenen Richtungen und bei der herrschenden Windstille stieg der Rauch in rötlich-grauen Säulen himmelhoch, schauerlich-majestätisch empor. Da ich das alles gleichsam zu meinen Füßen vor sich gehen sah und ein Plätzchen fand, wo ich ungestört zeichnen konnte, packte ich sogar meine Farben aus und entwarf an Ort und Stelle ein Aquarell von dem brennenden Regensburg ... Napoleon, welcher den ganzen Tag hindurch anwesend war und allenthalben gesehen wurde, stand gegen Abend nicht ferne von mir auf der Anhöhe mit einer ungeheuren Suite von mehr als hundert Köpfen; fast alle Generäle mit ihren Adjutanten hatten sich in einer Entfernung von etwa 40-50 Schritten hinter ihm versammelt. Das Ganze war prachtvoll von der Abendsonne beleuchtet. Unverwandt blickte er nach der Stadt in das mittlerweile bedeutend gewachsene Feuer. Er schien mir unheimlich, ich dachte an Nero ... Das schreibt der bayrische Maler Albrecht Adam in seinen Lebenserinnerungen (hier im Volltext). Hier hat er Napoleon in Regensburg gemalt. Er wird ihn noch mehrmals malen. Immer auf seinem weißen Araber, immer nach links blickend, immer ein Feuer betrachtend.

Der Maler Albrecht Adam wurde schon in den Posts Beresina 1812 und Bräutigam in diesem Blog erwwähnt. Er ist der Hofmaler von Eugène de Beauharnais, dem Stiefsohn Napoleons, der auch den Titel eines Vizekönigs von Italien hat. Der Militärmaler Christian Wilhelm von Faber du Faur, der dieses Bild von Smolensk gemalt hat, ist kein Zivilist wie Albrecht Adam, er ist Oberleutnant der württembergischen Armee (und wird es noch bis zum General bringen). Er zeichnet auf dem Rußlandfeldzug beinahe täglich. Er wird nach dem Krieg seine Skizzen unter dem Titel Blaetter aus meinem Portefeuille im Laufe des Feldzugs 1812. In Russland, an Ort und Stelle gezeichnet veröffentlichen. Auf diesem Bild von Smolensk haben die Russen haben die Stadt noch nicht angezündet. Wir können Napoleon in der Bildmitte auf seinem weißen Araber Marengo sehen.

Auch bei Albrecht Adam sieht das Schlachtfeld von Smolensk ziemlich ordentlich und aufgeräumt aus. Die Stadt brennt zwar schon, aber das Bild hat nichts von der Dramatik des Bildes im nächsten Absatz. Da brennt Smolensk wirklich. Das Bild hat der französische Offizier Jean-Charles Langlois gemalt. Allerdings nicht 1812 an Ort und Stelle, sondern erst in den 1830er Jahren, als er nicht mehr bei der Armee war. Der Franzose Langlois hat auf seinen Bildern immer einen Hang zur Melodramatik, die Deutschen Adam und Faber du Faur bleiben in ihrer Darstellung sachlicher. 

Nach der Schlacht um Smolensk löste Kutusow den General Barclay de Tolly als Oberbefehlshaber ab. Der Zar mochte Kutusow nicht, beugte sich aber den Forderungen des Adels, der einen Russen und keinen Deutsch-Balten an der Spitze des Herres haben wollte: Le public a voulu sa nomination, je l'ai nommé: quant à moi, je m'en lave les mains. Am Ende des Jahres 1812, als Napoleon längst wieder in Paris ist, wird Zar Alexander seinen Feldmarschall zum Fürsten von Smolensk ernennen. Der alte Kerl soll zufrieden sein. Das kalte Wetter hat ihm einen großen Dienst erwiesen, soll er gesagt haben. Er mochte Kutusow immer noch nicht.

Der Feldmarschall Kutusow wusste, dass er Napoleon immer weiter in das Land hineinlocken musste. Die russischen Armeen waren weit über das Reich verstreut gewesen: Barclay de Tolly im Norden, Wittgenstein im Baltikum, Bagration bei den Pribet Sümpfen und Tschitschagow muss mit der Moldauarmee erst von der türkischen Grenze zurückkehren. Keine der einzelnen Armeen hätte gegen Napoleon in offener Feldschlacht siegen können, das weiß Kutusow. Und wenn es ihm auch die Patrioten übelnehmen, dass er halb Russland preisgibt, Smolensk und Moskau anzünden lässt, am Ende geht sein Plan auf. 

Das ist jetzt noch einmal Napoleon vor Smolensk, wieder von Albrecht Adam gemalt. Der schreibt 1836 an seine Tochter Amalie: Ich selbst habe gegenwärtig ein Bild in Arbeit welches bey Kennern Aufsehen erregt, es ist Napoleon vor dem brennenden Smolensk (...) dieses Bild, und besonders der Ton in dem es gemalt ist, hat bisher jeden der es sah einen großen Eindruck gemacht, es hat einen nicht unbedeutenden Umfang, u(nd) gehört zu meinen größeren Werken. So groß ist das Bild nicht geworden, es ist 60x77 cm groß. Wurde vor zehn Jahren bei Neumeister für 184.150€ versteigert.

Das Auktionshaus wies bei der Versteigerung darauf hin, dass es aus der Sammlung Dr Walter Helbig komme. Den kennt die Wikipedia nun wieder gar nicht, obwohl er mal eine der größten Privatsammlungen Deutschlands besaß. Der Dresdner hatte sein Geld mit einer Firma namens Anita gemacht, die Korsagen und Miederartikel herstellte. 1971 machte er mit der DDR Regierung einen Deal, er durfte seine ganze Kunstsammlung aus der Meyerburg mit in den Westen nehmen, alles andere, was er in Dresden besaß, wurde enteignet. Die Firma Anita Lingerie und Swimwear mit Herz gibt es immer noch. Die DDR nicht mehr.

Am Abend des 14. September 1812, als die Franzosen gerade in Moskau einmarschiert sind, gibt es die ersten Brände in Moskau. Sie werden gelöscht, aber dann werden es immer mehr Brandherde. Moskau ist von seinen Bewohnern so gut wie verlassen. Von Napoleons Armee ist nur noch ein Fünftel übriggeblieben, die kampieren jetzt vor Moskau, wie man auf diesem Bild von Albrecht Adam vom 20. September 1812 sehen kann. Napoleon residiert zwei Tage im Kreml und wartet auf die Abgesandten des Zaren, aber die kommen nicht. Er hat jetzt nachts einen schönen Blick auf das Feuer. Still und in sich gekehrt betrachtete er, von den Fenstern des Kremls aus, die immer weiter sich verbreitenden und immer höher aufbrausenden Wogen des Feuermeers, schreibt Wilhelm Zimmermann in Die Befreiungskämpfe der Deutschen gegen Napoleon.

Der holländische General Gijsbert van Dedem, der unter Murat eine Brigade kommandiert (in Wirklichkeit ist es nur noch eine halbe Brigade), wird den Brand als den schönsten Schrecken, den man je betrachten konnte beschreiben. Die ganze Nacht starrte ich verwundert auf dieses einzigartige Drama, das schrecklich, aber zugleich majestätisch und imposant war. Napoleon hat das, was hier der russische Maler Alexander F. Smirnov gemalt hat, ähnlich beschrieben: Es war der erhabenste, sublimste und fürchterlichste Anblick, den die Welt je gesehen hatte! wird er sagen. Aber da ist er schon geographisch und zeitlich weit weg, da sitzt er schon auf St Helena.

Sein ehemaliger Kriegskommissar Henri Beyle wird ihm 1817 sein erstes Buch widmen: Seiner Majestät Napoleon dem Großen, Kaiser der Franzosen, zurückgehalten auf der Insel Sankt-Helena. Wir kennen den Schriftsteller unter dem Namen Stendhal. Er ist Napoleon bis Moskau gefolgt, jetzt will er zurück nach Paris, am 16. Oktober, zwei Tage vor Napoleon, verläßt er Moskau. Seine Schwester hatte ihm Goldstücke in den Mantel eingenäht, aber das hatte er vergessen, er gibt den Mantel in Wilna, dem Leichenhaus der Grande Armeee, weg. 

Am 4. Oktober 1812 hatte er seiner Schwester Pauline Perier-Lagrange geschrieben: Wir verließen die vom schönsten Feuer der Welt erleuchtete Stadt; das Feuer bildete eine ungeheure Pyramide, gleich den Gebeten der Gläubigen: die Grundfläche war auf der Erde und die Spitze im Himmel. Der Mond schien, glaube ich, über dem Feuer. Das war ein großartiges Schauspiel, aber man hätte allein sein müssen, um es anzusehen, oder umgeben von geistreichen Menschen. Das Traurige an dem Russlandfeldzug war, dass ich ihn mit Leuten machte, die das Kolosseum und das Meer von Neapel im Wert herabgesetzt hätten. Das Buch, aus dem ich dieses Bild habe, schreibt es einem gewissen Jacques Boulogne zu, von dem ich noch nie etwas gehört habe. Es sieht ein wenig nach naiver Malerei aus, aber es ist völlig authentisch. Die französischen Soldaten, die im Vordergrund stehen, machen uns darauf aufmerksam, dass wir ansonsten keinen Menschen sehen. Moskau ist leer. Keine Menschen, nur Feuer.

Und zum Schluss habe ich noch einmal Albrecht Adam, der hier Napoleon malt, wie er auf dem Verneigungsberg (Poklonnaja Gora) das brennende Moskau betrachtet: Wer kann den Eindruck schildern, als die ganze ungeheure Zarenstadt mit ihren unzähligen Türmen, Kirchen und vergoldeten Kuppeln vor unsern Blicken sich ausbreitete! Der Himmel tat sich, nachdem er den ganzen Tag mit grauen Wolken bedeckt gewesen, am Abende auf und die goldenen Kuppeln und das große Kreuz, das den Kreml zierte, warfen die Strahlen der Abendsonne zurück, die das Zauberbild verklärte. Endlich lag das lang ersehnte Ziel vor uns! mir pochte das Herz bei dem Gedanken: ,Morgen schon werden wir dort einziehen'! Unwillkürlich fielen mir die Kreuzfahrer ein, so oder ähnlich, dachte ich, muss es diesen zu Mute gewesen sein. Zwar stieg schon am äußersten Ostende der Stadt, das der Saum eines Waldes bedeckte, eine ungeheure Rauchsäule himmelhoch empor; aber man tröstete sich damit, dass es wahrscheinlich ein Magazin sei, das der Feind in Brand gesteckt. Dass wir das Grab von Napoleons Herrlichkeit vor uns sehen und Moskau bald als Aschenhaufen verlassen müssten, daran dachte Niemand.

An derselben Stelle, an der Napoleon hier auf dem Bild ist, hatte sich am 1. September Kutusow mit seinen Generälen getroffen. Da sah Moskau noch so aus, wie Faber du Faur es 1812 gezeichnet hat: Auf Poklonnaja Gora vereinigten sich die Beschützer Rußlands und beriethen sich, Angesichts Moskwa's, welches sich an dem heiteren Herbstmorgen in seiner ganzen Schönheit, mit allen Erinnerungen  des vaterländischen Ruhmes, vor ihnen ausbreitete, schreibt Aleksandr I. Michajlovskij-Danilevskij in seiner Geschichte des vaterländischen Krieges im Jahre 1812.  Dreizehn Tage später werden sich die Generäle hier in Fili wiedertreffen und beschliessen, Moskau nicht zu verteidigen. Auf dem Verneigungsberg ist heute das Museum des Großen Vaterländischen Krieges.



Freitag, 10. September 2021

Bräutigam


Dieses Bild findet sich in dem Wikipedia Artikel zu dem Maler Rudolf Kuntz, der am 10. September 1798 in Mannheim geboren wurde. Er war der Sohn des Landschaftsmalers Carl Kuntz, von dem er auch Zeichen- und Malunterricht erhielt. Rudolf Kuntz begann als Landschaftsmaler, spezialisierte sich dann aber auf Pferde und wurde ein berühmter Tiermaler. 1832 wurde er vom Großherzog Leopold zum Hofmaler ernannt. Das Bild hat bei Wikipedia den Titel Ein Pferd mit seinem Bräutigam im Kostüm. Was soll man dazu sagen? Seit wann haben Pferde einen Bräutigam? Der noch dazu ein Kostüm trägt? Will dieses Internet Lexikon ernstgenommen werden? Liest da niemand Korrektur? Es ist natürlich wieder einmal einer dieser bescheuerten Übersetzungsfehler einer Computerübersetzung, die ich schon in den Posts wie Gartenkarre und pfanni denglish erwähnt habe. Wikipedia hat das Bild offenbar aus einer englischen Quelle, und da heißt das Bild Horse with Groom in Fancy Dress. Ein groom kann ein Bräutigam sein (als Verkürzung des Wortes bridegroom), aber erstmal ist ein Bediensteter. Ein Stallknecht, ein Pferdepfleger, ein Bereiter. 

Auf diesem Bild von George Stubbs sehen wir einen groom, der ein Rennpferd hält. Wir wissen, dass das Pferd Lustre heißt und dem zweiten Viscount Bolingbroke gehört. Sein Onkel ist der Bolingbroke, den Gustav Gründgens in ✺Das Glas Wasser spielt. Dieser Bolingbroke züchtet Pferde und lässt sie von George Stubbs malen, mindestens achtmal hat Stubbs die Pferde des Viscounts gemalt. Der groom trägt einen eleganten Mantel, der Adel achtet darauf, wie seine Bediensteten gekleidet sind. Der Viscount wird im Lauf seiner Karriere siebzig Pferde besitzen, das berühmteste ist wahrscheinlich Gimcrack (natürlich auch von Stubbs gemalt). Er wird seine Pferde verkaufen müssen, um seine Schulden zu bezahlen. Spielsucht, Nutten und Suff fordern ihren Tribut.

Seine Ehefrau läßt sich von ihm scheiden, sie verkehrt jetzt in anderer Gesellschaft, ist befreundet mit der Herzogin von Devonshire. Die kennen Sie, weil Sie den Film The Duchess mit Keira Knightley gesehen haben. Oder weil Sie den Post Herzoginnen gelesen haben. Ihre Freunde nennen sie Lady Di. Mit der Lady Di des 20. Jahrhunderts hat sie gemein, dass sie auch aus der Familie der Spencer kommt, der Duke of Marlborough ist ihr Großvater. Lady Di ist übrigens Malerin, sie hat in ihrer Jugend Unterricht bei Joshua Reynolds gehabt.

Mit Pferden hat Lady Di wenig zu tun. Sie hat sie manchmal gemalt. Wie hier die sagenumwobene englische Heerführerin Boadicea zu Pferde. Der Viscount hatte übrigens ihr zu Ehren eins seiner Pferde Lady Bolingbroke genannt. Man muss aber dazu sagen, dass zwei seiner Pferde Kitty und Polly heißen, benannt nach den notorisch bekannten Courtisanen Kitty Fisher und Polly Jones. Beide Damen sind übrigens (wie Lady Di auch) von Reynolds gemalt worden. Es ist eine seltsame Zeit, ich überlege mir noch immer, ob der groom, der Lustre am Zügel hält, seinen eleganten Mantel behalten darf, wenn der Viscount pleite ist. Viele der grooms und stable lads auf den Bildern von George Stubbs sind mit sehr guten Reitmänteln bekleidet.

Das hier ist kein Bräutigam im Kostüm mit seinem Pferd. Das ist der württembergische König Wilhelm I. auf seinem Lieblingspferd Bairactar. Wenn das Ganze etwas unproportioniert aussieht, dann liegt es daran, dass Bairactar nicht sehr groß, der König aber beinahe zwei Meter groß ist. Der König züchtet Araber. Diese Pferde hatte er kennengelernt, als er gezwungen war, mit Napoleons Armee zu kooperieren. Und mit Napoleon nach Rußland zu ziehen, er hat es damals noch nicht mit der Pferdezucht, er ist froh, wenn er ein Pferd hat und über die Beresina zurückkommt. Von den 15.800 württembergischen Soldaten kommen knapp tausend zurück. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig wechselte Württemberg auf die Seite der Allianz gegen Napoleon und reitet am 31. März 1814 zusammen mit Zar Alexander und König Friedrich Wilhelm III. von Preußen in Paris ein. Leider war Pferde-Krüger nicht dabei, der hätte ein schönes Bild davon gemalt. So etwas wie die Parade auf dem Opernplatz.  

Das Bild des Monarchen auf seinem Lieblingspferd ist nicht von Rudolf Kuntz, es wurde von dem Schlachtenmaler Albrecht Adam gemalt, der hier schon in dem Post Beresina 1812 erwähnt wird. Ab 1829 arbeitete der Maler (der sich in München ein ebenerdiges Stall-Studio hatte bauen lassen, in das die Kundschaft ihre Pferde führen konnte) auch für den württembergischen König, dies Bild von Wilhelms Pferden ist von ihm. Die württembergische Beteiligung an dem Rußlandfestzug ist durch den Militärmaler Christian Wilhelm von Faber du Faur, der später noch Generalmajor wird, sehr genau in Wort und Bild dokumentiert.

Hier noch einmal ein Stubbs, das Pferd hier heißt Tristram Shandy. Und wir können sehen, dass der groom den gleichen Mantel trägt, wie der groom auf dem Bild mit dem Hengst Lustre, es ist offenbar eine Livree, die die Bediensteten von Viscount Bolingbroke tragen. Interessant sind hier die schräge Tasche und die langen Rückenschlitze. Aber es ist noch kein riding coat, der Mantel ähnelt in Farbe und Schnitt eher dem Covert Coat. Und das bringt mich zurück zu dem Bräutigam im Kostüm, denn auf dem Bild von Kuntz sehen wir einen ganz anderen Typ von Mantel.

Dies ist auch ein Bild von Rudolf Kuntz. Es zeigt das Pferd Sultan Mahmud vor dem Schlösschen Weil bei Esslingen, wo das Gestüt des Königs beheimatet ist; darüber können Sie alles auf dieser Seite des ehemaligen Stuttgarter Museumsdirektors Christian von Holst lesen. Für Pferdeliebhaber unverzichtbar, mit hunderten von Abbildungen. Dieser groom trägt auch eine Livree, eine Kleidung, die der eines Jockeys ähnelt. Etwas irritierend ist der hohe Zylinder. Der König Wilhelm wird sich durch die Zucht von Arabern nicht ruinieren, wenn er 1864 nach beinahe fünfzigjähriger Regierungszeit stirbt, hinterläßt er ein geordnetes Reich. Als der schwerkranke König ahnt, dass er nicht mehr lange zu leben hat, lässt er sich von seinem Oberstallmeister Graf Wilhelm von Taubenheim noch einmal zu seinem geliebten Gestüt bei Esslingen kutschieren. Es schmerzt sehr, von einem so schönen und guten Lande scheiden zu müssen, hat er gesagt. Zwei Tage später ist er tot. Die Württemberger Pferdezucht wird weiterleben.

Den hohen Zylinder finden wir auf diesem Bild von Otto Stotz wieder, wo der Stallmeister des Gestüts des Königs auch solch einen Zylinder trägt. Und einen langen Mantel. Wie der angebliche Bräutigam im ersten Bild ganz oben. Das schöne Bild von Rudolf Kuntz ist noch nicht so lange im Netz, A Horse with his Groom in Fancy Dress wurde 2018 bei Doyle in New York verkauft. Es brachte 5.625 Dollar. Das mehrbändige Werk von Kuntz, Abbildungen königlich-württembergischer Gestütspferde von orientalischen Racen, wird beim ZVAB für 48.000 Euro angeboten.

Mittwoch, 15. August 2012

Caulaincourt


The time I spent in Russia is almost the only interval of my life to which I can refer without the fear of conjuring up some painful recollection, hat der Herzog von Vicenza in Napoleon and his Time gesagt. Er meint damit nicht Napoleons Feldzug gegen Russland, wo er am Ende derjenige war, der Napoleon auf seiner Flucht von der Beresina bis Paris begleitete. Die schöne Zeit in Rußland ist die Zeit, wo der Marquis Armand de Caulaincourt Botschafter in St. Petersburg ist: In 1807, when I was sent as ambassador to Russia, the Emperor Napoleon had attained the zenith of his political fortune. France had no boundaries save those determined by her sovereign. The French name was a talisman to which the nations of the world rendered homage and obedience. Then, indeed, there was glory and honor in being the representative of France! In den schönen Tagen in St. Petersburg, an die er sich so gerne erinnert, wird er übrigens einen Kollegen haben, der eines Tages noch Präsident der Vereinigten Staaten wird. Es ist niemand anderes als John Quincy Adams, der damals Botschafter am Zarenhof ist. Der bewundert den Prunk und den Aufwand, mit dem sich Caulaincourt umgibt, amerikanische Botschafter sind zu der Zeit die armen Verwandten des diplomatischen Corps.

Caulaincourt schreibt das oben Zitierte natürlich auf Französisch, ich zitiere es nur deshalb auf Englisch, weil ich Napoleon and his Times (1838 in Philadelphia erschienen) so im Netz gefunden habe. Und weil ich die englische Ausgabe von With Napoleon in Russia habe, die eine ganze andere Geschichte als Napoleon and his Times erzählt. With Napoleon in Russia hätten wir nicht in dieser Form nicht, wenn man das Originalmanuskript nicht durch Zufall in den dreißiger Jahren in einem kleinen Safe in den Überresten von Caulaincourts Schloss gefunden hätte. Das Schloss in der Nähe von Saint Quentin hatten die Deutschen 1917 gesprengt (das Photo zeigt den Zustand vor und nach der Sprengung), war das die Rache an einem der Generäle Napoleons? Oder schlichte Barbarei, wie die Zerstörung der Bibliothek von Löwen 1914? Wahrscheinlich waren es taktische Erwägungen in den Kämpfen der Deutschen gegen die Engländer. In dem Jahr, in dem man das Schloss Caulaincourt sprengt, sind zwei englische war poets mit ihren Einheiten in Saint-Quentin gewesen, Winfrid Owen und Ivor Gurney. Die ganze Gegend hier oben in der Picardie besteht ja nur aus ➱Schlachtfeldern. Bei dem, was hier alles zerstört wird, kommt es auf ein Schloss mehr oder weniger nicht an.

Der Text von Caulaincourts Bericht über den Rußlandfeldzug hat eine größere Sprengkraft als das Dynamit der deutschen Pioniere 1917. Wenige Jahre, nachdem Jean Hanoteau das Manuskript herausgegeben hatte, erschien es auf Deutsch unter dem Titel Unter vier Augen mit Napoleon: Denkwürdigkeiten des Generals Caulaincourt Herzogs von Vicenza, Großstallmeisters des Kaisers. Das Buch bekommt wenige Jahre später ein völlig neues Lesepublikum, denn es wurde mit Angst und Sorge von deutschen Generälen in Rußland gelesen. So berichtete der General Günther Blumentritt, dass das Buch für Feldmarschall von Kluge zu einer Bibel geworden sei und dass die Generalität das Schicksal Napoleons nicht mehr aus ihren Träumen verdrängen konnte. Ähnliche Äußerungen sind von den Generälen Hoepner und Guderian belegt. Vom Gefreiten Hitler allerdings nicht.

A volume...whose tremendous importance is due to its complete artlessness and candor....When General de Caulaincourt laid down his pen he had completed, whether he knew it or not, a masterpiece, schrieb die New York Times anläßlich einer Neuauflage des Buches. Wie komme ich auf Caulaincourt? Napoleon hat heute Geburtstag. Ich wollte nicht schon wieder über ihn schreiben, manchmal habe ich das Gefühl, dass dies ein Napoleon Blog wird. Eine meiner ersten kleinen historischen Skizzen hieß ➱Beresina, da war ich erst seit wenigen Tagen in der blogosphere. Und das letzte Mal kam Napoleon in dem wirklich schönen Post ➱La Belle-Alliance vor. Ich bin kein Bewunderer Napoleons, aber ich kenne mich in der Geschichte dieser Zeit ganz gut aus - und auch Napoleons Gegenspieler, der Herzog von Wellington, ist hier ja auch schon häufig genug erwähnt worden.

Eines der ersten Gedichte, das ich auswendig lernte, als ich klein war, war ein Gedicht, von dem ich damals nicht einmal den Dichter kannte. Irgendwie ist es bei Heinrich Heine ja etwas befremdlich, dass er ➱Napoleon verehrte. Aber es reimte sich so schön und ließ sich so leicht lernen:

Nach Frankreich zogen zwei Grenadier',
Die waren in Rußland gefangen.
Und als sie kamen ins deutsche Quartier,
Sie ließen die Köpfe hangen.


Mein Opa hörte mich immer ab, ich weiß nicht so recht, weshalb ihm dieses Gedicht gefiel. Vielleicht weil der kaisertreue Hauptmann des Ersten Weltkriegs auch an seinen Kaiser dachte, wenn es in der letzten Strophe heißt:

Dann reitet mein Kaiser wohl über mein Grab,
Viel Schwerter klirren und blitzen;
Dann steig' ich gewaffnet hervor aus dem Grab-
Den Kaiser, den Kaiser zu schützen!


Aber in diesem Gedicht steckt natürlich, wie auch in dem Schweizer Beresinalied, das ganze Elend des Rußlandfeldzuges. Die Weltseele zu Pferde (so ➱Hegel) ist froh, dass er mit Caulaincourt im Schlitten entkommen kann. Du sublime au ridicule il n'y a qu'un pas. Und mit der feigen Flucht Napoleons (hier ein zeitgenössischer Stich, der Napoleon und Caulaincourt zeigt), beginnt das Buch von Harold Nicolson The Congress of Vienna. Mein Freund Georg wies mich letztens auf eine Stelle in dem Buch hin, ich ging zum Bücherregal und musste feststellen: ich besaß das Buch gar nicht. Ich habe sehr viel von Harold Nicolson, von seiner Kulturgeschichte des Gentleman (Good Behaviour, being a Study of Certain Types of Civility) bis zu dem dicken Packen seiner Briefe und Tagebücher. Also ratzfatz bei Amazon Marketplace antiquarisch gekauft, war 24 Stunden später da. Wenn man bedenkt, dass man früher manchmal Monate auf ein Buch warten musste, ist das antiquarische Händlernetz wirklich eine der Segnungen, die die Welt des Internets mit sich gebracht hat.

The Congress of Vienna ist ein großartiges Buch, es wieder so etwas, was nur Engländer hinkriegen. Und Nicolson würdigt gleich am Anfang die Integrität des Generals Caulaincourt. Falls Ihnen dieses Bild irgendwie bekannt vorkommt, das ist Caulaincourt. Und auch wieder nicht, weil es eigentlich Heino Ferch ist, der in dem Fernseh-Mehrteiler Napoleon den Marquis de Caulaincourt spielte. Es ist ein wenig erstaunlich, dass man den Mann, der sich dank Napoleon Herzog von Vicenza nennen durfte, überhaupt in den Film hineingeschrieben hatte. Normalerweise lässt ihn die Filmindustrie aus, er ist nicht bedeutend genug. Und er passt so wenig in die Zeit, weil er ein Ehrenmann ist, dem alle Intrigen fremd sind. Deshalb gefällt er natürlich auch Harold Nicolson, der wie Engländer es häufig tun, die Darstellung geschichtlicher Ereignisse mit moralischer Wertung verbindet. Das scheint seit Edward Gibbon ein Wesenszug englischer Historiker zu sein.

Nicolson entgehen auch die kleinen Absurditäten der Geschichte nicht. So, wenn George Canning vor das Unterhaus tritt und den berühmten Satz (well-known but almost meaningless) sagt: I called the New World into existence, to redress the balance of the Old. Dem fügt Nicolson hinzu: Observers have recorded that when he said these words there was a sudden hush, broken by one slight titter. Then the whole House rose and shouted their applause. History does not record the name of the man who tittered. We are left wonderung whether he was foolish or wise.

Mittwoch, 10. Mai 2017

der Robespierre von Hamburg


"Waterloo: Das Ende" ist ein spannend in Szene gesetzter Dokumentarfilm über eine der größten und folgenreichsten Schlachten der europäischen Geschichte. In chronologischer Reihenfolge zeichnet der Dokumentarfilm die zahlreichen Wendungen der Ereignisse im Juni 1815 nach. Gestützt auf schriftliche Augenzeugenberichte vermittelt der Film hautnah und ohne romantische Verklärung, wie die Kämpfenden die letzte Schlacht Napoleons erlebt haben: ihre Hoffnungen und Ängste, das Leid und den Tod. 200 Jahre später lässt der Dokumentarfilm die Schlacht aus der Perspektive der Beteiligten noch einmal lebendig werden.

Nichts von diesem Text ist wahr, gar nichts. Nicht nur ➱Politiker lügen in diesen Tagen des Wahlkampfs, auch ➱arte lügt, wenn man einen solchen Text veröffentlicht. Diese billige belgische ➱Produktion war eine zusammengeschusterte Sache, und das von einem Sender, der Qualität verspricht. Man wäre besser beraten gewesen, ➱Sergei Bondartschuks Filme ➱Waterloo und ➱Krieg und Frieden zu senden. Mehr und mehr sogenannte Dokumentationen werden gedreht, die aber nie an die Klassiker des ➱Dokumentarfilms heranreichen. Es steckt mehr Wahrheit in diesem Bild eines naiven bayrischen Malers, als in den beiden Dokumentationen, die arte gerade gesendet hat.

Eine Woche zuvor gab es aus französischer Produktion ➱Napoleon Bonapartes Russland Feldzug, das war nur marginal besser. Die Dokumentation (man zögert das Wort für diese Sendung zu gebrauchen, arte bezeichnete das Ganze als Doku-Fiktion) basierte auf den Erinnerungen von Caulaincourt (der ➱hier einen Post hat) und den ➱Mémoires du sergent Bourgogne. Meine vielen französischen Leser können die hier im Original lesen. Alle beteiligten Historiker konnten den Flussnamen Beresina korrekt russisch aussprechen, das war doch schon mal was. Bevor ich zum titelgebenden Robespierre von Hamburg, dem Marschall Louis-Nicolas Davout (der heute Geburtstag hat) komme, möchte ich mal eben einen kleinen Literaturbericht geben:

Das Buch Napoleon and his Marshals ist 1934 erschienen, es war lange vom Markt verschwunden, bis es in der Reihe Prion Lost Treasures 1996 wieder aufgelegt wurde. Und prompt mehrfach nachgedruckt wurde. Englands führender Militärhistoriker ➱John Keegan schrieb zu der Neuauflage: Even a Napoleon hater, which I am, will love this book. Still after 60 years, a thrilling gallop through the Napoleonic Wars. A.G. Macdonell ist Schotte, er hat das Buch ➱England, Their England geschrieben, was in England (und Schottland) ein ewiger Klassiker ist. Die Beschreibung des dörflichen Cricketspiels in diesem Buch ist in jeder Anthologie der ➱Cricket Literatur abgedruckt. Er hat auch den satirischen Roman ➱Autobiography of a Cad geschrieben, den Goebbels nicht als Satire verstand, sondern für das Portrait eines typischen Engländers hielt.

➱Archibald Gordon Macdonell kann schreiben (er hat auch unter Pseudonymen Detektivromane verfasst). Seine 300-seitige Napoleon Biographie ist wahrscheinlich die kürzeste von allen, die amüsanteste ist sie auf jeden Fall. Ein Parforceritt mit dem kleinen Caporal und seinen Marschällen über die Schlachtfelder Europas. Dies ist nicht das Buch eines Historikers, dies ist das Buch eines Schriftstellers. Es gibt keine Bibliographie der benutzen Literatur. Jedermann kann eine Hilfskraft im Britischen Museum alle Buchtitel über Napoleon abschreiben lassen, die Liste hinten ins Buch tun und die Leser mit angeblicher Gelehrsamkeit beeindrucken, sagt Macdonell. Aber er sagt auch, dass er für alles einen Beleg hätte. Wir glauben ihm, und es kümmert uns auch nicht. Das Buch endet mit dem Tod des letzten Marschalls 1852 und den Worten Que de souvenirs! Que de regrets! Und an dieser Stelle geht der Leser zurück zum ersten Kapitel und beginnt das Buch aufs Neue zu lesen.

Die 200-Jahrfeiern der Schlachten an der Beresina und von Waterloo produzierten eine Vielzahl von Büchern und TV-Produktionen. Musste es sein? Waren nicht schon genügend Bücher über dieses Thema geschrieben worden? Caulaincourts Erinnerungen sind seit den dreißiger Jahren auf dem Markt, Armeen und Amouren des jungen ➱Baron Boris (von) Uxkull (der nach dem Krieg bei Hegel studiert) kennt man erst seit 1965. Aber seit 1967 gibt es Alan Palmers Napoleon in Russland, ein Buch, das leserfreundlich geschrieben und dennoch historisch seriös ist. 1985 erschien Nigel Nicolsons ➱Napoleon 1812, in seiner Kürze von 192 Seiten ein Meisterwerk.

Adam Zamoyski, ein polnischer Adliger, hat mit seinem Buch 1812: Napoleons Feldzug in Russland einen großen Erfolg gehabt. Es ist ein gut geschriebenes Buch, das von Historikern nicht sonderlich ernst genommen wurde. Die favorisierten eher Dominic Lievens ➱Russland und und Napoleon: Die Schlacht um Europa. Weil sein Ansatz, den Feldzug von 1812 nur als einen Teil des russischen Engagements in dem europäischen Krieg zu sehen, durchaus originell ist. Und das Buch ist in vielen Teilen historisch seriöser als Zamoyski. Lässt andererseits leider vieles aus, die Tragödie, die uns Zamoyski schildert, interessiert den Rußlandspezialisten aus einer baltischen Adelsfamilie kaum. Leider ist Lieven kein besonders guter Erzähler, an A.G. Macdonell kommt er nicht heran.

Der französische Marschall Louis-Nicolas d'Avoût, genannt Davoût (in deutschen Texten häufig auch Davoust geschrieben) kam aus altem burgundischen Adel. Er war dank Napoleon zum Duc d'Auerstedt und zum Prince d'Eckmühl geworden. Er hatte noch andere Titel. Wie zum Beispiel den des eisernen Marschalls. Auf dem Rußlandfeldzug hat er den Marschall Joachim Murat (der König von Neapel war) einmal angebrüllt: Vous n'êtes Roi que par la grâce de Napoléon et du sang français. Vous ne pouvez l'être que par Napoléon et en restant uni à la France. C'est une noire ingratitude qui vous aveugle! Er hatte ja so recht, wenn Sie mehr zu Joachim Murat wissen wollen, der ja auch einmal in Düsseldorf herrschte, dann klicken Sie doch den Post ➱Joachim Murat an.

Davout war mit Napoleon auf der Offiziersschule gewesen, er war mit ihm in Ägypten, aber im Gegensatz zu General ➱Jean-Baptiste Kléber verflucht er den Korsen nicht, er gehorcht ihm. Wenn Napoleon das Land verlässt, wird Davout ihm folgen. Kléber, den Napoleon als Oberkommandierenden zurücklässt, bietet Davout den Rang eines Divisionsgenerals an, aber der schlägt das Angebot aus. Er will bei Napoleon sein. In einem Brief an seine Frau wird er später schreiben: Meine kleine Aimée, du musst das Herz deines kleinen Louis genug kennen, um zu wissen, dass er keine andere Leidenschaft, keinen anderen Ehrgeiz hat, als dem ersten Konsul dienen zu können. Wahrscheinlich ist jedes Wort davon wahr. Er wird ihr beinahe jeden Tag schreiben, wenn er im Felde ist.

In Ägypten hatte Davout General Victoire Emmanuel Leclerc (Bild), einen Schwager Napoleons, kennengelernt und sich mit ihm angefreundet. So lernte er auch dessen hübsche Schwester Aimée kennen, die beiden heiraten 1801 in Anwesenheit von Napoleon Bonaparte und seiner Frau Joséphine. General Leclerc ist bei der Hochzeit nicht dabei, den hatte Napoleon nach Santo Domingo geschickt, damit er dort den schwarzen General Toussaint Louverture bekämpft (lesen Sie mehr in dem Post ➱Haiti). Leclerc wird Paris nicht wiedersehen, er stirbt in der Fremde am gelben Fieber.

Davout wird auch mit Napoleon in Rußland sein, er ist der einzige Marschall Napoleons, der nie eine Schlacht verloren hat. Er fehlt Napoleon bei Waterloo, Napoleon hätte einen kalten, methodischen Strategen wie ihn gebraucht. Er hat in der Armee keinen besseren Offizier als Davout. Aber Napoleon braucht den Gouverneur von Paris, der auch noch Kriegsminister und Oberbefehlshaber der Nationalgarde ist, in der Hauptstadt. Davout wird seinem Kaiser bis zu dessen Untergang treu bleiben. Er bereichert sich nicht auf den Feldzügen, das Schloss in Savigny, das er sich 1802 gekauft hat, ist erst nach seinem Tod abbezahlt.

Davout klaut keine Bilder wie ➱Soult, er bleibt immer korrekt. Auch gegenüber seinen Soldaten, deren Schicksal ihm durchaus am Herzen liegt. Er wird zu dem Prozess gegen ➱Michel Ney nach Paris reisen, um für den Kameraden auszusagen. Er lässt sich nicht so häufig malen wie andere Marschälle. Auf allen Bildern kriegt er die Augen nicht auf, ist das der Schlafzimmerblick eines jungen Dandys oder blickt er voller Verachtung auf die Welt? Oder braucht er eine Brille? Ja, er braucht sie. Schon seit er zwanzig ist. Und er trägt immer seine Brille mit dem goldenen Gestell, viele Offiziere würden ihre Sehschwäche verbergen. Davout nicht. Nur auf den Portraits verzichtet er auf die Brille. Wenn der Maler weiter weg ist als zehn Schritte, wird er ihn nicht gesehen haben.

Wir haben eine Schilderung des Marschalls in Leo Tolstois Krieg und Frieden, wo Pierre Besuchow (hier von Sergej Bondartschuk gespielt) auf ihn trifft. Und da spielt der Blick aus Davouts Augen auch eine Rolle: Davout saß am Ende des Zimmers an einem Tisch; er trug eine Brille. Pierre trat nahe an ihn heran. Davout hob die Augen nicht in die Höhe: er war offenbar damit beschäftigt, sich aus einem vor ihm liegenden Aktenstück zu informieren. Mit leiser Stimme fragte er: »Wer sind Sie?«
       Pierre schwieg, weil er nicht imstande war, ein Wort herauszubringen. Davout war für Pierre nicht einfach nur ein französischer General, sondern ein durch seine Grausamkeit berüchtigter Mensch. Pierre blickte in das kalte Gesicht Davouts, der, wie ein strenger Lehrer, sich dazu verstand, eine Weile Geduld zu haben und auf die Antwort zu warten, und sagte sich, daß jeder Augenblick des Zögerns ihm das Leben kosten könne; aber er wußte nicht, was er sagen sollte. Dasselbe zu sagen, was er bei dem ersten Verhör gesagt hatte, dazu konnte er sich nicht entschließen; aber seinen Namen und Stand anzugeben schien ihm gefährlich und beschämend. Pierre schwieg. Aber ehe er noch zu einem Entschluß gekommen war, hob Davout den Kopf in die Höhe, schob die Brille auf die Stirn, kniff die Augen zusammen und blickte Pierre forschend an.
       »Ich kenne diesen Menschen«, sagte er in gemessenem, kaltem Ton, der offenbar darauf berechnet war, Pierre in Angst zu versetzen.
       Der kalte Schauer, der vorher Pierre den Rücken entlanggelaufen war, erfaßte jetzt seinen Kopf, und Pierre hatte ein Gefühl, als würde ihm dieser in einem Schraubstock zusammengepreßt.
       »Sie können mich nicht kennen, General«, sagte er, »ich habe Sie noch nie gesehen ...«
»Es ist ein russischer Spion«, unterbrach ihn Davout, zu einem andern General gewendet, der im Zimmer anwesend war, den aber Pierre bisher nicht bemerkt hatte.
       Davout wendete sich von ihm ab. Mit unerwartet lauter, erregter Stimme sagte Pierre auf einmal schnell: »Nein, Monseigneur« (es war ihm plötzlich eingefallen, daß Davout Herzog war), »nein, Monseigneur, Sie können mich nicht kennen. Ich bin Landwehroffizier und habe Moskau nicht verlassen.«
       »Ihr Name?« fragte Davout wieder.
»Besuchow.«
       »Was beweist mir, daß Sie nicht lügen?«
»Monseigneur!« rief Pierre nicht in beleidigtem, sondern in bittendem Ton.
       Davout hob die Augen in die Höhe und richtete einen prüfenden Blick auf Pierre. Einige Sekunden lang sahen sie einander an, und dieser Blick war Pierres Rettung. Durch diesen Blick bildeten sich, ohne alle Rücksicht auf Krieg und Gericht, zwischen diesen beiden Menschen menschliche Beziehungen. Beide machten in dieser kurzen Spanne Zeit eine unzählige Menge von Empfindungen durch, ohne sich derselben eigentlich klar bewußt zu werden, und kamen zu der Erkenntnis, daß sie beide Kinder der Menschheit, daß sie Brüder seien.

Wenn Davout aus Russland zurückkehrt, wird er für zwei Jahre Generalgouverneur der Hanseatischen Departements mit dem Sitz in Hamburg, die Position hatte er schon einmal. Und dort wird man ihn den Robespierre von Hamburg nennen. Seine erste Proklamation lautet: Der Senatsbeschluß vom 10. December v. Jahres hat euer Schicksal entschieden; es ist künftig mit dem Glücke Napoleons des Großen und seines Reiches vereinigt. Eure Unabhängigkeit war bloß eingebildet; der kleinste Zufall, der den Frieden Europas störte, setzte sie in Gefahr. Um euren Handel zu erhalten, waret ihr übermäßigen Aufopferungen, die von der Habsucht (!) gefordert wurden, unterworfen. Dies ist das Gemälde der Vergangenheit; eine andere Zukunft öffnet sich für euch. Die Pfeffersäcke werden ihn nicht lieben, er wird sie schröpfen. Die Bremer haben es besser, da hat der durch Norddeutschland irrlichternde ➱Tettenborn schon früh die Franzosen davongejagt. Der ließ sich zwar auch mal kurz als Retter Hamburgs feiern, verschwand aber schnell wieder: Er betrachtete Hamburg als einen günstigen Standort, um sich selbst zu bereichern und einen ausschweifenden Lebenswandel zu führen. Um eine ernsthafte Verteidigung der Stadt bemühte er sich weniger als um das Eintreiben eines ‚Ehrengeschenks‘ von 5.000 Friedrich d’or und seine Ernennung zum Ehrenbürger.

Die französischen Besatzer in Hamburg sind gottlose Banausen, das kann man hier sehen: hier haben sie ihre Pferde in die Petrikirche gestellt. Das wird viel Ärger geben. Carl Mönckeberg, dessen Kindheit noch in die Franzosenzeit fiel, wird in Hamburg unter dem Druck der Franzosen (1864) darüber schreiben. Er wird aber auch über Davout sagen, dass der strenge, aber uneigennützig und gutmütig gewesen sei. In den Augen der Hamburger sind die Franzosen Barbaren, schlimmer noch als der Frevel mit den Pferden in der Kirche ist ein anderer Frevel: Davout soll die Bank von Hamburg beraubt haben.

In den Augen Davouts sind die Hamburger habsüchtige Kriminelle, die durch Schmuggel und Unterlaufen aller Verordnungen ihren Besitz vermehren wollen, und die das vae victis noch nicht begriffen haben. Wenn er Hamburg auf Befehl des Bourbonenkönigs verlassen muss, wird er dem König eine Rechtfertigungsschrift zukommen lassen: ➱Mémoire de M. le Maréchal Davout, Prince d’ Eckmühl, au Roi. Paul Holzhausen, der ➱Napoleon verehrt, schreibt 1892 sein Büchlein ➱Davout in Hamburg: Ein Beitrag zur Geschichte der Jahre 1813—1814. Es ist eine Art Persilschein für die Franzosen, aber auch heutige Historiker tendieren dazu, die Franzosenzeit in Hamburg nicht als einzige Horrorstory zu sehen.

Davout hat in Hamburg militärische Unterstützung vom Prinzen Friedrich von Hessen-Kassel, dem General der dänischen Hilfstruppen. Der ist ein Sohn jenes Carl von Hessen-Kassel (nach dem die Carlshütte in Rendsburg heißt), der ➱hier schon einmal erwähnt wurde. Der Prinz bleibt nicht lange an der Seite von Davout. Nach dem ➱Kieler Frieden muss der dänische Prinz mit seinen Truppen gegen Napoleon ziehen, erst 1818 kommt er aus Frankreich zurück. Er hat die Seiten nicht aus Opportunismus gewechselt wie Bernadotte, er führt nur das aus, was sein König ihm befohlen hat. Es geht hin und her mit den Loyalitäten in den napoleonischen Kriegen. 1818 zieht sich Friedrich auf sein Gut Panker zurück, ein Gut, das heute immer noch im Besitz der Familie von Hessen-Kassel ist. Man kann dort wunderbar Kaffee trinken.

Es gibt noch einen ganz anderen Davout als den eisernen Marschall. Das ist der Louis-Nicolas Davout, der die Louise-Aimée-Julie Leclerc geheiratet hat, und der ein treusorgender Ehemann ist. Über ihn hat ➱Henriette Mendelsohn Erstaunliches zu berichten: Als eine merkwürdige Tatsache muss ich Ihnen doch erzählen, daß dieser fürchterliche Davoust, der Schrecken des Nordens, der Urheber so unsäglicher Leiden, in seinem Hause ganz ohne Willen ist. Er hat nicht den Mut, dem geringsten Diener etwas zu befehlen ohne die Einwilligung seiner Marschallin, die das Hauskommando ebenso unerbittlich streng übt, als er die eroberten Länder regierte. 

Henriette Mendelsohn, die in Frankreich lebt, ist lange Zeit die Nachbarin der Familie Davout gewesen. Sie weiß noch einiges mehr über Napoleons fähigsten General zu sagen: Marschall Davoust, seine Frau, die eigentlich das Hausregiment führt, und seine Kinder sind unsre tägliche Gesellschaft. Als er das erstemal meinen Namen hörte, trug er den General S., der eben mit uns war, ob ich Verwandte in Hamburg habe, er hätte dort sehr ehrenvolle und geehrte Personen dieses Namens gekannt. — Beinahe alle seine Bediente sind Deutsche, seine Töchter lernen Deutsch recht ernsthaft, und er bittet mich jedesmal inständig, ihm zu sagen, ob sie etwas deutsch wüssten. Das politische Leben dieses Mannes ist mir unerklärlich, wenn ich ihn im Hause und unter seinen Kindern betrachte; er ist ein Vater, wie Abraham nur sein kann, mischt sich in alle ihre Spiele mit wahrer Herzlichkeit, und seine älteste Tochter, ein Mädchen von 14 Jahren, die ihm ganz ähnlich sieht, ist das sanfteste Geschöpf, das ich kenne. Bloss auf eine Weise sind mir die Gräuel, die unter seiner Herrschaft in Hamburg verübt worden, erklärlich: Er scheint mir sehr einfältig, schwerfällig und unwissend zu sein. In seinem Hause ist er ohne Einfluss, und so war es gewiss während seines Kommandos; irgend ein Elender hat an seiner Stelle gehandelt! Das ist aber freilich den armen Bedrückten ganz einerlei, und er ist vielleicht noch strafbarer, dass er so Ungeheures geschehen liess. 

Der eiserne Marschall als Pantoffelheld. Muss die Weltgeschichte jetzt umgeschrieben werden? Que de souvenirs! Que de regrets!

Noch mehr französische Marschälle finden Sie hier: Nicolas Freeling, Ney, the rockets' red glare: Leipzig 1813, Apotheose, Haiti, Kunstraub, Marschälle, A.G. Macdonell