Sonntag, 15. März 2026

das Ende eines Kriegs

Heute vor 245 Jahren hat der englische General Charles Cornwallis bei Guilford Courthouse in North Carolina eine Schlacht gegen die Amerikaner gewonnen. Es war die letzte Schlacht, die er in Amerika gewann. Wenige Monate später musste er sich George Washington in Yorktown ergeben. In Roland Emmerichs Film ✺The Patriot kommt die Schlacht auch vor, aber das lassen wir mal weg. Wenn aus Francis Marion, den man den swamp fox nennt, Mel Gibson wird, dann hat das nichts, aber auch gar nichts, mit historischer Wirklichkeit zu tun. Das ist nur grauenhafte Geschichtsklitterung. Und Roland Emmerich Filme kommen in diesem Blog sowieso nicht vor. Dies ist kein Bild aus dem Film von Emmerich, es ist ein Photo von einem Re-Enactment der Schlacht. Denn die Schlacht wird als Spektakel für Touristen jedes Jahr wieder geschlagen. Auch heute wird es, beginnend um 14:00 Ortszeit, wieder ein Re-Enactment geben. Ich habe hier einen interessanten ✺Film zu dem Thema. 

Die Schlacht von Cowpens, die die Amerikaner im Januar 1781 dank des taktischen Geschicks von General Daniel Morgan gegen die überlegenen Engländer gewinnen, hatte sich General Nathanael Greene zum Vorbild genommen, als er sich endlich Lord Cornwallis in einer Schlacht stellt. Greene war einer der engsten Freunde von George Washington und gilt als einer der fähigsten amerikanischen Generäle im Unabhängigkeitskrieg. Er hat keine einzige Schlacht gewonnen. 

Aber worin liegt seine Größe? Normalerweise beurteilt man Feldherren nach ihren gewonnenen Schlachten, damit kann der Quäker aus Rhode Island, den man The Fighting Quaker nennt, nicht aufwarten. Nathanael Greene hatte den Krieg als gemeiner Soldat begonnen. Die Infanteriekompanie, in die er eingetreten war, wollte ihn nicht zu ihrem Captain wählen, weil er ein lahmes Bein hatte. Aber wenig später ist er schon Brigadegeneral der Miliz. Er ist vom Anfang des Krieges an immer an Washingtons Seite gewesen, später hat ihn Washington zum Generalquartiermeister der Armee gemacht. Das hat Greene nicht geschmeckt (No one ever heard of a quartermaster in history), aber er hat in dieser Zeit viel gelernt, er holt da sozusagen eine Generalstabsausbildung nach. Wie man Truppenteile bewegt, wie man Nachschub an Munition und Verpflegung organisiert. Vieles bezahlt er jetzt auch (wie Washington) aus eigener Tasche. In seiner Jugend hat er jedes Buch über die Kriegskunst gelesen, das er in die Finger kriegen konnte - was die Quäkergemeinde nicht gerne sah - jetzt kann er die Theorie in die Praxis umsetzen. 

Als George Washington ihm einmal für wenige Tage die Armee überlässt, tut er das mit den folgenden Worten: In my absence the command of the army devolves upon you. I have such entire confidence in your prudence and abilities that I leave conduct of it to your discretion, with only one observation: that with our present prospects it is not our business to seek action, nor to accept one, except upon advantageous terms. Den letzten Satz hat er verinnerlicht, als er das Kommando über die amerikanische Armee in den südlichen Kolonien erhält: it is not our business to seek action, nor to accept one, except upon advantageous terms. Und er weiß, dass er Niederlagen einstecken wird, Scharmützel, Gefechte und Schlachten verlieren wird. There are few Generals that have run oftener, or more lustily than I have done... But I have taken care not to run too far and commonly have run as fast forward as backward, to convince our enemy that we were like a crab, that could run either way, wird Nathanael Greene sagen. Seine Maxime ist: we fight, get beat, rise, and fight again. Das schreibt er auch an den französischen Gesandten in Amerika, den Chevalier de la Luzerne (nach dem Luzerne County in Pennsylvania benannt ist). Der gleiche Satz findet sich auch in einem Brief an Washington vom 1. Mai 1781. General Greene hat den Unterschied zwischen Strategie und Taktik begriffen, er will keine Schlacht gewinnen, er will den Krieg gewinnen.

Er wird die Schlacht von Guilford Court House verlieren, weil der Gegner am Ende der Schlacht das Feld behauptet, nachdem sich Greene geordnet zurückgezogen hat. Aber das ist wieder einmal das, was man so schön als Pyrrhussieg bezeichnet. The enemy got the ground the other Day. They had the splendour but we the advantage. Cornwallis kann Greene nicht verfolgen, er schafft es nicht einmal, sich um seine Toten und Verwundeten zu kümmern, die beinahe zwei Tage im strömenden Regen auf dem Schlachtfeld liegen. Allein die Garderegimenter verlieren elf ihrer neunzehn Offiziere durch Tod oder Verwundung (und beinahe die Hälfte der Mannschaften). Die Amerikaner hatten es sich angewöhnt, zuerst auf die Offiziere zu schießen. Einfache Soldaten kann Cornwallis aus den loyalistischen Milizen des Südens rekrutieren, Offiziere, die ihren Beruf erlernt haben, bekommt er nicht nach. Die Truppen, die ihm Sir Henry Clinton versprochen hat, kommen nie an. Als die Verlustlisten London erreichen, wird der Oppositionsführer im Parlament Charles James Fox ausrufen: Another such victory would ruin the British army! Als der Bericht von General Greene den Kongress in Philadelphia erreicht, hat eine Zeitung die schöne Schlagzeile Good News from the South.

Charles Cornwallis ist der Sieger der Schlacht, aber gewonnen hat er nichts. Ein Sieger würde nach einer Schlacht den Besiegten verfolgen, aber Corwallis bleibt zwei Tage und zwei Nächte mit all den Toten und Verwundeten auf dem Schlachtfeld. Sein Stellvertreter Charles O'Hara wird schreiben: I never did, and hope, I never shall experience two such days and Nights, as these immediately after the Battle, we remained on the very ground on which it had been fought cover'd with Dead, with Dying and with Hundreds of Wounded, Rebels as well as our own. Cornwallis kann Greene nicht verfolgen, er hat einen großen Teil seiner Truppen verloren. Seine Leute können nicht mehr. Und sie haben keinerlei Vorräte mehr. Wenn Cornwallis das Schlachtfeld verlässt, wird er fünfundsiebzig Verwundete dort liegen lassen, in der Hoffnung, dass die Rebellen sich um sie kümmern. Ein Sieg sieht anders aus.

Der entscheidende Augenblick in der Schlacht, die nur neunzig Minuten dauerte, war der Angriff der englischen Garde von General Charles O'Hara, der sich schnell gegen die zahlenmäßig überlegenen Amerikaner festläuft. Und in dem Augenblick befiehlt Cornwallis seiner Artillerie, auf die eigenen Leute zu feuern. Sein Freund O'Hara soll mit Tränen in den Augen versucht haben, ihn davon abzubringen. Man nennt eine solche Aktion neuerdings euphemistisch friendly fire, aber nichts daran ist friendly. Die Engländer verlieren ein Viertel ihrer Truppen, die Amerikaner sind in den Wäldern verschwunden. General O'Hara wird vom Pferd geschossen und kämpft trotz zweier Schusswunden weiter. Sein Neffe, ein 21-jähriger Artillerieleutnant, wird in der Schlacht sterben. Nach Plutarch hat Pyrrhus angeblich gesagt: Sind wir noch einmal siegreich gegen die Römer, sind wir verloren! Und das zitiert der Führer der englischen Whig Partei, Charles James Fox, wenn er sagt: Another such victory would ruin the British Army! Und Horace Walpole, nie um ein böses Wort verlegen, wird sagen: Lord Cornwallis has conquered his troops out of shoes, and himself out of troops.

Cornwallis schleppt sich durch North Carolina und landet schliesslich in Yorktown in Virginia, wo er hofft, von der Royal Navy unterstützt zu werden. Aber die Hoffnung ist vergebens, denn im September verlieren die Engländer die Seeherrschaft. Lesen Sie mehr dazu in dem Post Chesapeake Bay. Ein halbes Jahr nach Cornwallis' Sieg bei Guilford Courthouse beginnen Amerikaner und Franzosen die Belagerung von Yorktown. Am 19. Oktober 1781 muss sich Cornwallis ergeben. Auf diesem Bild geben Rochambeau und Washington gerade den Befehl zum letzten Angriff.. 

Die Engländer haben in Saratoga 1777 eine ganze Armee verloren, jetzt verlieren sie eine zweite. Eine englische Militärkapelle soll bei der Zeremonie der Kapitulation The World Turned Upside Down gespielt haben. Cornwallis mag seinem Feind Washington nicht gegenübertreten, um ihm seinen Degen zu übergeben. Er schützt eine Krankheit vor (vielleicht hatte er auch wirklich Malaria), sein Stellvertreter Charles O'Hara, auf dessen Truppen er im März feuern ließ, soll den Degen als Zeichen der Unterwerfung übergeben. O'Hara will ihn dem französischen General Rochambeau überreichen, doch der weist mit einer Handbewegung auf George Washington. Der wird zu dem Iren O'Hara sagen: Never from such a good hand, statt seiner nimmt Benjamin Lincoln den Degen in Empfang. Und gibt O'Hara den Degen gleich wieder zurück, man hat noch Manieren. O'Hara ist nun ein Gefangener, wird aber wie ein Gentleman behandelt und von Washington zum Abendessen eingeladen. Er wird nach drei Monaten ausgetauscht und geht zurück nach England.

Auch Charles Cornwallis (hier von Gainsborough portraitiert) darf nach Hause; on parole, das bedeutet, dass er nicht mehr in diesen Krieg eingreifen darf. Er ist ein Ehrenmann, er hält sich daran, er wird bis zum Kriegsende keine Truppen mehr kommandieren. Danach nimmt er die Stellung des Generalgouverneurs von Indien an. Als er mit der HMS Robust nach England zurückreiste, hatte er den Brigadegeneral Benedict Arnold als Begleiter. Der kam nicht wie Cornwallis aus der englischen Aristokratie, war nicht in Eton und Cambridge gewesen. Der war Generalmajor der Continental Army gewesen und hatte sein Land verraten. Lesen sie mehr dazu in dem Post Verrat. Die beiden Herren kommen erstaunlicherweise gut miteinander aus.

Nach der verlorenen Schlacht von Guilford Courthouse schreibt Washington an Nathanel Greene: Your private letter of the 18th ultimo came safe to hand. Although the honors of the field did not fall to your lot, I am convinced you deserved them. The chances of war are various and the best concerted measures, and the most flattering prospects, may and often do deceive us; especially while we are in the power of the militia. The motives which induced you to seek an action with Lord Cornwallis are supported upon the best military principles; and the consequences, if you can prevent the dissipation of your troops, will no doubt be fortunate. Keine Kritik an seinem Freund, und die consequences sind no doubt fortunate.

Nach dem gewonnenen Krieg zieht es Nathanael Greene in den Süden, wo er in Georgia Plantagenbesitzer wird. Auch darin eifert er seinem Vorbild George Washington, der immer das Leben eines englischen Landedelmannes einer kriegerischen Tätigkeit vorzog. The garden is delightful. The fruit trees and flowering shrubs form a pleasant variety. We have green peas almost fit to eat and as fine lettuce as you ever saw. The mocking birds surround us evening and morning. The weather is mild and the vegetable world progressing to perfection. We have in the same orchard apples, pears, peaches, apricots, nectarines, plums of various kinds, figs, pomegranate and oranges. And we have strawberries which measure three inches around, schreibt Greene im April 1786. Er kann aber das ländliche Idyll nicht lange genießen, wenige Monate nach diesem Brief stirbt er an einem Hitzschlag. Vierzig Jahre nach seinem Tod wird der Marquis de Lafayette in Savannah den Grundstein für das Greene Memorial legen und sagen: The great and good man to whose memory we are paying a tribute of respect, affection, and regret, has acted in our revolutionary contest a part so glorious and so important that in the very name of Greene are remembered, all the virtues and talents which can illustrate the patriot, the statesman, and the military leader.

Nach Nathanael Greenes Tod wird seine Witwe Catherine Littlefield Greene einen jungen Yale Absolventen namens Eli Whitney als Gast auf ihrer Plantage Mulberry Grove haben. Der erfindet dort die Cotton Gin, eine Entkörnungsmaschine für Baumwolle. Die wird die Landwirtschaft des Südens der USA revolutionieren, aber auch für den riesigen Anstieg der Sklaverei sorgen. Wenn man so will, führt diese Erfindung wieder zum Krieg. Diesmal der Amerikaner gegen die Amerikaner 1861 bis 1865.


Es gibt zu den Schlachten des Unabhängigkeitkriegs aus den Jahren 1780-1781 hier eine Reihe von Posts. In der Chronologie der Ereignisse sind das die Posts: miles gloriosus, Cowpens, Nathanael Greene, Banastre Tarleton und Chesapeake Bay.

Mittwoch, 11. März 2026

Wagner in Dänemark

Ich bin natürlich Royalist, das wissen Sie. König Frederik von Dänemark hat mir mal die Hand geschüttelt. Die Königin Elizabeth habe ich 1958 in Amsterdam und 1965 in Hamburg gesehen, mit Philip war ich einmal in einem Raum und bewunderte seine weinroten Schuhe. Wenn Sie noch mehr von der englischen königlichen Familie wissen wollen, dann kann ich folgende Posts anbieten: Besucher, Hofdichter: Gott schütze die Königin, Morning Coat, Lisbeth, Queen und Teckel & Corgwn. Das steht schon in dem Post Royals. Am heutigen Geburtstag des dänischen Königs Frederik IX muss ich das noch einmal zitieren. Der Mann, der unter seiner Marineuniform voll tätowiert war, war schon zweimal in diesem Blog. Zum einen in danske piber, zum anderen in dem Post Des Königs Jaguar. Da können Sie lesen, wie es dazu kam, dass mir der König die Hand schüttelte. Frederiks Tochter Margrethe war auch schon häufig in diesem Blog. Lesen Sie doch die Posts Ingahild Grathmer, skandinavische Mode, Delmenhorst und Danmark.

Frederik war nicht nur König und Marineoffizier, er war auch Musiker. Seine Mutter Alexandrine, die aus Mecklenburg kam, liebte die Musik und war eine ausgezeichnete Pianistin. Als Klavierlehrerin für ihren zwölfjährigen Sohn hatte sie Johanne Elisabeth Hohlenberg (1883-1970), die jedermann Lizzy nannte, ausgesucht, mit der sie gerne Klavier-Duette gespielt hatte. Sechs Jahre lang kam Lizzy Hohlenberg, die mit dem Komponisten Hakon Børresen befreundet war, regelmäßig ins Schloss, um den Kronprinzen auszubilden. Sie war auch eine Freundin der Malerin Anna Ancher, die sie in Skagen kennengelernt hatte, weil sie dort jeden Sommer ihren Onkel C.F. Dahlerup besuchte. Der war der königliche Oberdünenmeister, heute würde man ihn als einen Landschaftsarchitekten bezeichnen. Wer die Skagener Dünen einmal gsehen hat, weiß, dass die gepflegt werden müssen. Dahlerup wird in diesem Blog schon einmal erwähnt, weil die verzweifelte Marie Krøyer seine Hilfe sucht, als ihr Ehemann wieder in einer Krise steht. Peder Severin Krøyer wird Lizzys Onkel als Jäger mit Jagdhund einer Düne liegend malen, wie es sich für einen Oberdünenmeister gehört. Anna Ancher hat ihre Freundin Lizzy 1905 auf diesem schönen Bild mit den Mohnblumen auf dem Tisch portraitiert. Die Klavierlehrerin war für Frederik über die Jahre zu einer Freundin geworden, und er hat noch viele Jahre mit ihr zusammen Duette gespielt.

1938 trat der Kronprinz zum ersten Mal öffentlich als Dirigent auf. Und das hat er immer wieder getan. Auf diesem Video dirigiert er das Danish National Symphony Orchestra in einer privaten Vorstellung. Nur die Mitglieder der königlichen Familie sind im Saal. Frederik dirigiert Wagner, den hatte schon seine Mutter geliebt, die häufig Gast in Bayreuth gewesen war. 

Diese privaten Konzerte waren zu einer Tradition geworden, bei der sich das königliche Orchester jedes Jahr einmal im Schloss einfand, um vom König dirigiert zu werden. Zum siebzigsten Geburtstag seines Schwiegervaters Gustav VI Adolf von Schweden dirigierte Frederik im Königlichen Theater in Stockholm das Orchester. Es gab wieder nur Wagner. Er hat aber auch auch andere Komponisten dirigiert, wie man auf dieser Liste seiner CDs sehen kann.

Weshalb soviel Wagner in Dänemark? Am 10. September 1911 wurde die Danske Richard Wagner-Forening gegründet, die unter dem Patronat der Königin Alexandrine stand. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs hörte diese Gesellschaft auf zu existieren. Aber seit 1994 gibt es wieder eine Richard Wagner Selskabet in Kopenhagen. Der Einfluss von Alexandrine von Mecklenburg ist sicher sehr groß gewesen, aber es gibt da noch jemand anderen, der Wagner nach Dänemark gebracht hat. Und der heißt Hans Christian Andersen

Der Dichter war ein leidenschaftlicher Verehrer Wagners und hat ihn auch in seinen Roman →Lykke-Peer hineingeschrieben. Da bedeutet Wagner für den jungen Komponisten die Musik der Zukunft. Meine Leser wissen seit den Posts bêtes noires, Richard Wagner, Bayreuth und Wagner, Wacken und La Périchole, dass ich kein Verehrer von Wagner bin. Und irgendwie bleibt mir das mit Hans Christian Andersen ein wenig rätselhaft. Die kleine Meerjungfrau und Wagner passen für mich nicht zusammen.

Noch mehr Dänemark (ohne Richard Wagner) findet sich in dem Post Mein Dänemark

Samstag, 7. März 2026

Birthday Poem


Liebe Birte, das Gedicht da unten hat die KI von Google heute extra für Dich gedichtet, nachdem ich dem System gesagt habe, dass Du heute Geburtstag hast. Und dass Du in London lebst. Und ein wenig Frühling und gute Wünsche sollten auch noch in das Gedicht hinein. Ich finde, die KI hat das gut gemacht, ist zwar alles irgendwo geklaut, klingt aber nicht schlecht. Googles KI ist nett zu mir, seit sie im Oktober links oben auf Googles Suchseite stand. Und gleich über SILVAE sagte: Der Blog gilt als einer der niveauvollsten deutschsprachigen Kultur-Blogs.

As early spring begins to wake,
And sunshine dances for your sake,
The seventh day of March is here,
To bring you joy and birthday cheer.

Another year, another bright,
Step forward in the lovely light.
May love and laughter fill your day,
And guide you on your journeyed way
.

Lesen Sie auch: Geburtstagsfeier

Donnerstag, 5. März 2026

Zensur

Als Google 2012 meinen Post Leuchttürme aus dem Netz löschte, wusste ich weshalb. In dem Post gab es einen einstündigen Film, der bei ✺YouTube zu sehen war, den die Wasser- und Schiffahrtsdirektion Kiel in den Jahren 1964-1967 über den Bau des Kieler Leuchtturms gedreht hatte. Google verdächtigte mich, dass ich gegen irgendein Copyright verstoßen hätte. Hatte ich nicht, die Wasser- und Schiffahrtsdirektion hatte die Ausstrahlung genehmigt. Es brauchte einige Zeit, bis man das im Silicon Valley begriffen hatte, dann stand der Post wieder im Netz. 

Ich habe offenbar gerade wieder einmal gegen die Community-Richtlinien von Google verstoßen, denn Google teilte mir mit, dass mein Post Schatten nicht mehr normal erreichbar sein. Da war jetzt eine Seite vorgeschaltet, auf der man lesen konnte: Warnung zu sensiblen Inhalten. Dieser Blog enthält möglicherweise sensible Inhalte. Im Allgemeinen überprüft Google weder Blog-Inhalte noch sprechen wir uns für oder gegen die Inhalte dieses oder anderer Blogs aus. Weitere Informationen zu unseren Inhaltsrichtlinien findest du in den Community-Richtlinien von Blogger. Solche Seiten sind normalerweise den pornographischen Blogs bei Google vorgeschaltet. Und davon gibt es eine Menge. Nun finden sich in Schatten, in dem es um den Film Fifty Shades of Grey geht, keine sensiblen Inhalte und keine Pornographie. Eher das Gegenteil.

Ich weiß inzwischen, was man tun muss, um den Johnny Controletti bei Google zu beruhigen. Man tauscht ein paar Satzzeichen aus, löscht einen Link, der ins Leere führt, und wartet ab. Nach drei Tagen bekam ich eine Mail mit dem Text: Hallo, wir haben den Post 'Schatten' noch einmal anhand unserer Community-Richtlinien geprüft und wieder freigegeben. Der Post kann unter https://loomings-jay.blogspot.com/2015/02/schatten.html aufgerufen werden. Ach, es ist doch beruhigend von Google in der brave new world des Internets überwacht zu werden. Aber wie der Lateiner so schön sagt: sed quis custodiet ipsos custodes?

Dienstag, 3. März 2026

Monatsanfang


Am 1. März wollten alle Uhren umgestellt werden, damit habe ich mich den halben Tag beschäftigt. Manche Uhren haben eine Schnellschaltung, viele leider nicht. Den Rest des Tages habe ich damit verbracht, die kleine Tischuhr zu reparieren, die meinen Großeltern gehört hat. Sie ist jetzt hundertzwanzig Jahre alt. Nun tickt sie wieder und schlägt die halbe und die volle Stunde. Ich brauche dieses Ticken und den Stundenschlag. Wenn das Pendel nicht mehr schwingt und die Uhr nicht mehr tickt, ist es, als ob das Herz stehenbleibt. Mit all diesen Beschäftigungen komme ich nicht zum Schreiben. Die Leser sind trotzdem da. Im Januar hatte ich knapp 80.000 Leser, im Februar waren es 95.847. Hätte der Monat ein paar Tage mehr gehabt, hätten es hunderttausend werden können. Am 1. März hatte ich 11.582 Leser. Irgendwie ist mir das zu viel. Ich glaube, ich schweige mal ein paar Tage, dann gehen die Leser weg. Das Ticken der Uhr aber bleibt, das ist beruhigend.

Freitag, 27. Februar 2026

Capitaine Conan


Der französische Schriftsteller Roger Vercel schrieb am liebsten Seeromane, obwohl er nie zu See gefahren war. Berühmt wurde er durch seinen Roman Capitaine Conan, der 1934 den Prix Goncourt erhielt. Aber das ist kein Seeroman, der Capitaine Conan kommandiert kein Schiff, er ist Hauptmann der französischen Armee. Zu der wollte der Literaturstudent Vercel beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs auch, aber man nahm ihn wegen mangelnder Sehkraft nicht. Ein Gewehr hätte man ihm nicht in die Hand geben können. Aber Vercel will seinem Vaterland dienen und nimmt eine Stelle als Sanitäter an.

Auf diesen Photo von 1914 können wir ihn sehen, die weiße Binde de Roten Kreuzes trägt er am linken Arm. Je weiter der Krieg fortschreitet, desto mehr fehlen den Franzosen die Offiziere, und so schicken sie Vercel an die Offiziersschule Saint-Cyr. Der sous-lieutenant Vercel kommt an die Front zurück, dahin, wo niemand hinwill, zur Armée d’Orient an die Salonikifront. Ein Jahr nach dem Kriegsende kommt er wieder nach Hause, geht wieder zur Universität und schreibt eine Doktorarbeit über Corneille. Und bekommt für eine andere wissenschaftliche Arbeiten den Prix Saintour. Er ist noch nicht so weit, seine schrecklichen Fronterlebnisse in seinen Roman Capitaine Conan zu schreiben. der ab 1934 Furore machen wird.  

Es hat eine deutsche Übersetzung des Romans gegeben, sie erschien 1935 als Capitaine Conan: Ein französischer Kriegsroman im Deutschen Widerstands-Verlag von Ernst Niekisch in Berlin mit einer Titelzeichnung von A. Paul Weber. Carl Schmitt hatte die Übersetzung durch Walter Hörstel (1894-1980) veranlasst. Den Widerstands-Verlag gab es nicht mehr lange, der Roman wanderte 1938 zum Gustav Weise Verlag, war damals schon im fünften Tausend verkaufter Exemplare. Der Pour le Mérite Träger Ernst Jünger, der 1920 Stahlgewitter veröffentlicht hatte, besaß auch ein Exemplar des Romans. Vor drei Jahren wurde Capitaine Conan bei dem rechtsradikalen Verlag Antaios wieder neu aufgelegt. Weshalb er dahin gekommen ist, weiß ich nicht. Habent sua fata libelli.

Wahrscheinlich hatte man den Roman wieder aus der Versenkung geholt, weil er 1996 durch Bertrand Tavernier (der einmal Regieassistent von Jean-Pierre Melville war) verfilmt worden war. Das war Taverniers zweiter Antikriegsfilm gewesen, der erste war Das Leben und nichts anderes (La vie et rien d'autre). Da leitet der Commandant Dellaplane (Philippe Noiret) die Dienststelle, die 350.000 gefallene französische Soldaten identifizieren soll. Jetzt muss er einen unbekannten Soldaten liefern, sagt ihm der Général Villerieux (Michel Duchaussoy): Il me faut un poilu inconnu. C’est votre truc. Vous n’allez pas me mettre un English sous l’arc de Triomphe? Ou un boche? Der Major Dellaplane sagt zwar: Oui, mon général, aber eigentlich will er nicht: Ils ont fait tuer des millions d’hommes et on ne va plus se souvenir que d’un seul.

Der Film Capitaine Conan, bei dem Tavernier am Drehbuch mitschrieb, bekam den deutschen Titel Hauptmann Conan und die Wölfe des Krieges. Ich weiß nicht, ob er je im Kino gelaufen ist. Es gibt ihn seit 2019 auf einer DVD in deutscher Sprache. In einer Reihe von Kriegsfilmen hat arte den zweistündigen Antikriegsfilm von Tavernier 2014 gesendet. Die beiden französischen DVDs enthalten neben dem Film noch unglaublich viel Bonusmaterial, und es gibt neben Untertiteln in Englisch auch eine Tonspur, auf der die Handlung ständig kommentiert wird. 

Der Hauptmann Conan in der dunkelblauen Uniform der Marinetruppen kommandiert eine Spezialeinheit, die zum größten Teil aus ehemaligen Strafgefangenen besteht. Sie werden überall dort eingesetzt, wohin die Generäle keine Truppen zu senden wagen. Sie machen keine Gefangenen, sie morden. Der deutsche Filmtitel ist schon richtig, sie sind die Wölfe des Krieges. Conan sieht sich auch als einen Krieger, nicht als einen Soldaten. Er kümmert sich rührend um seine Leute, wie ein Vater sorgt er sich um sie. Er versucht auch, das Leben des zum Tode verurteilten Jean Erlane zu retten, der nach seiner Meinung niemals hätte Soldat werden dürfen.

Conans Freundschaft mit dem Leutnant Norbert (der wahrscheinlich ein kleines Selbstportrait von Roger Vercel ist) zerbricht, als Norbert zum Chefankläger des Militärgerichts ernannt wird; ein Job, den der studierte Lehrer nicht gewollt hat. Er wird ihn irgendwann aufgeben, als er es leid ist, Conans Männer zu verfolgen, die nach dem Waffenstillstand zu einem marodierenden Haufen in Bukarest geworden sind.

Erst ein Jahr nach dem Waffenstillstand wird die Armée d’Orient demobilisiert, der der des der war noch nicht zu Ende. Davor gibt es noch ein letztes Gefecht gegen die Russen. Sie kommen nicht über den Fluss, sagt der Lieutenant De Scève, ein Offizier, den Conan respektiert, weil der Mann aus dem Hochadel ein einfacher Infanterist geworden ist. Sie werden kommen, sagt Conan, halten Sie Ihre mobilen Maschinengewehre bereit (Tu vois si j’étais à leur place, c’est par là que je passerais, alors tes mitrailleuses pas trop fixes!). Er wird mit seiner Truppe eingreifen, wenn alles verloren erscheint. Er schickt den jungen Jean Erlane, der eigentlich inhaftiert ist, an die Front, wo er erschossen wird. Es ist besser als Held zu sterben, als von einem Peloton erschossen zu werden, sagt sich Conan. Und schreibt der Mutter des jungen Adligen einen rührenden Brief.

Jahre nach dem Krieg wird der ehemalige Leutnant Norbert seinen ehemaligen Chef in der Bretagne besuchen. Conan ist verheiratet und hat ein Gasthaus, und der Arzt hat ihm gesagt, dass er wegen der Leberzirrhose nur noch ein halbes Jahr zu leben hat. Dass er das Croix de Guerre und die Ehrenlegion bekommen hat, davon redet niemand mehr. Die einstigen Helden sind bedeutungslos geworden. Nach dem jahrelangen Morden und den Greueln des Krieges findet Conan nicht wieder in das normale Leben zurück. Aber er ist Norbert dankbar, dass der ihn besucht hat. Cette guerre, vous l’avez faite, mais on est 3.000 à l’avoir gagnée! Das Wort vous in diesem Satz impliziert einen gesellschaftlichen Gegensatz zwischen der herrschenden, gebildeten Klasse (zu der Norbert gehört) und den einfachen Menschen. Das sind die dreitausend, die den Krieg wirklich entscheiden. Und die man dann vergessen wird. Er hatte diesen Satz schon Jahre zuvor im Zug nach nach Sofia gesagt: Mais mon vieux Norbert cette guerre, toi et tes 'lopettes' vous l’avez faite tandis qu’avec les trois mille que nous étions, nous l’avons gagnée.

Der Antikriegsfilm voller Melancholie und Traurigkeit beginnt mit der kriegsentscheidenden ✺Erstürmung des Mont Sokol, und er legt mit erstaunlichen Kamerafahrten manchmal ein ungeheures Tempo vor. Der Film verlangt viel Geduld vom Zuschauer, der sich in dieser Welt zurechtfinden muss. Wenn Sie den Film in ✺anderthalb Minuten sehen wollen, dann klicken Sie das an. Wenn Sie den ganzen Film sehen wollen, dann klicken Sie ✺Capitaine Conan an. Der Film war 1997 für neun Césars nominiert, erhielt aber nur zwei: Bertrand Tavernier für die beste Regie und Philippe Torreton (Capitaine Conan) als bester Schauspieler. Wenn Sie einen weiterführenden Artikel zu dem Film lesen wollen, dann klicken Sie die Seite von →Alf Mayer an.

Samstag, 21. Februar 2026

Die Zeit

Ich habe in diesem Jahr viele neue Leser, sehr viele. Die lesen ganz andere Dinge als die Leser, die den Blog schon lange kennen. Und so tauchen plötzlich in der Statistik der meistgelesen Posts Texte auf, die zehn oder fünfzehn Jahre alt sind. Die gucke ich mir alle an. Meistens fehlen da die Bilder, oder Links führen ins Leere, dann beginnt das Reparieren. Das ist manchmal echte Arbeit, nicht alles im Internet ist stabil. Ich habe dabei einen alten Post gefunden, den ich heute wegen seiner Akuialität noch einmal einstelle. Und das hat seinen Grund: die Hamburger Zeitung Die Zeit hat heute ihren achtzigsten Geburtstag. 

Ich bekam vor Tagen eine Mail mit diesem Text: Liebe Leserin, lieber Leser, DIE ZEIT feiert 80 Jahre unabhängigen Journalismus. In acht Jahrzehnten hat sich die Welt tiefgreifend verändert. Was geblieben ist, ist unser Anspruch, Entwicklungen einzuordnen, Debatten anzustoßen und Orientierung zu geben – Woche für Woche, Tag für Tag, auf allen Kanälen. Dieses Jubiläum ist für uns Anlass zurückzublicken – und nach vorn zu schauen: auf die Themen, Fragen und Herausforderungen unserer Zeit. ​​​Als Dankeschön erhalten Sie die Möglichkeit, bis zu 8 Ausgaben der ZEIT für nur 8 € – Print oder Digital – zu lesen. Aber ich werde von dem Angebot keinen Gebrauch machen, die Zeit ist nicht mehr das, was sie einmal war. Ich habe sie jahrelang gelesen, aber es ist nicht meine Zeitung. Da lese ich lieber die Süddeutsche. Aber gratulieren tue ich natürlich auch:

Am 21. Februar 1946 erschien die erste Ausgabe der Wochenzeitung Die Zeit mit einer Auflage von 25.000 Exemplaren, acht Seiten stark (Papier war knapp), 40 Pfennig. Man hatte sich bei der Gestaltung der Titelzeile an der englischen Tageszeitung The Times orientiert, die das englische Staatswappen mit Löwe und Einhorn zeigt. Und der Herausgeber Gerd Bucerius sprach  in seinem Editorial die Nähe zu der englischen Zeitung an, die im 19. Jahrhundert den Beinamen The Thunderer bekommen hatte: Wir hoffen, daß 'Die Zeit‘ ihrer Namensschwester in England würdig sein wird... Wir sind nicht so vermessen, mit unseren bescheidenen Mitteln die überragende Stellung anzustreben, die die Londoner 'Times' in der ganzen Welt genießen, aber wir haben den Sinn dieses Vergleichs als Mahnung verstanden. Mit diesem Vorsatz beginnen wir unsere Wochenzeitung.

Aber das schöne Layout der Zeitung, für das die Professoren Carl Otto Czeschka und Alfred Mahlau verantwortlich zeichneten, gefiel dem Hamburger Senat nun ganz und gar nicht, die Rede war von einem Missbrauch eines Hoheitszeichens für kommerzielle Zwecke. Die haben da echte Sorgen im Senat, sind noch nicht einmal gewählt, nur von der Miliärregierung eingesetzt, jetzt muss das Hoheitszeichen verteidigt werden. Das ist irgendwie sehr deutsch. Ich glaube, unter Max Brauer wäre das nicht passiert, aber der wird erst im November 1946 gewählt.

Am 27. Juni schreibt Bucerius in der Zeit unter dem Titel Unser WappenDem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, daß sich im Kopf unserer Zeitung eine kleine Veränderung vollzogen hat: an Stelle des Hamburger Staatswappens findet er den Schlüssel der Stadt Bremen. Schon vorher entsprach das Wappen nicht mehr ganz seiner ursprünglichen Form, die der hamburgische Senat uns nicht glaubte gestatten zu können. Mit der Öffnung des Tores meinten wir, den Stein des Anstoßes beseitigt zu haben, wurden jedoch darüber belehrt, daß die immer noch vorhandene Ähnlichkeit mit dem Großen Hamburger Staatswappen vom Senat nicht gebilligt werden könne. Um keinen unfruchtbaren Streit aufkommen zu lassen, haben wir uns an den Bremer Senat gewandt, der uns mit nachstehendem Schreiben die Führung des Bremer Schlüssels gestattet. 

Die Antwort vom Bremer Bürgermeister Wilhelm Kaisen, einem gebürtigen Hamburger, am 12. Juni ist kurz und klar: Ich komme erst jetzt zurück auf Ihr Schreiben vom 31. Mai dieses Jahres, in dem Sie den Antrag stellen, das Bremer Wappen im Kopf Ihrer Zeitung führen zu dürfen. Nach Rücksprache mit meinen Kollegen im Senat sind wir gern bereit, Ihnen die Erlaubnis zu geben. Ihre Zeitung ist nach unserer Meinung ausgezeichnet redigiert, sie ist gut, riskiert etwas, und wir freuen uns, wenn wir Ihnen helfen können, im Kopf Ihres Blattes zu betonen, daß sich auch das Gebiet an der Weser mit Ihnen und Ihrer Arbeit verbunden fühlt.

Die Bremer sind stolz auf ihr Wappen mit dem Schlüssel, der für sie ein Schlüssel zur Welt ist. Die Hamburger haben nur eine weiße Burg auf rotem Grund (und in der Staatsflagge auch zwei Löwen), aber die Tür der Burg ist zu. Alfred Mahlau hatte nach den ersten Protesten der Bürokratie das Tor der Burg auf dem Wappen geöffnet, aber das genügte dem Senat nicht. Weltoffenheit ist 1946 offenbar kein Thema in Hamburg. Ich glaube, Wilhelm Kaisen hat den Brief an die Redaktion der Zeit mit einem gewissen Genuß geschrieben. Als er aus dem Ersten Weltkrieg zurück nach Hause kam, ist er nach Bremen gezogen. Ich habe diesen Ortswechsel niemals zu bereuen gehabt, hat er gesagt. Die Bremer haben nicht nur den Schlüssel zur Welt, sie haben auch seit 1870 ein Lied dazu:

Seht ihr die Löwen an dem Schilde,
Der einen mächt’gen Schlüssel trägt?
Mir wird bei diesem Wappenbilde
Der Stolz erhöht, das Herz bewegt.
Dies’ Wappen ist das stolze Zeichen
Der alten treuen Hansastadt,
Die über’s Meer zu allen Reichen
Ihr Rot und Weiß getragen hat.
Hell glänzte in dem Hansabunde
Der Brema Schlüssel alle Zeit.
Auch heut’ strahl’ er in uns’rer Runde
In alter Macht und Herrlichkeit!
Der brave Schlüssel will bezeugen,
Daß gern er öffnet gastlich’ Tor;
Doch nimmer soll den Bart er beugen
Der Willkür! Da sei Gott davor!
Gib gern dem Kaiser, was dem Kaiser,
Du treue Stadt im deutschen Land,
Und pflück’ dir neue Ehrenreiser
Durch schlichter Bürger tät’ge Hand!
Wir aber singen dir zu Ehren:
„Hell glänz’ dein Schild! Und gutes Recht
Mög’ sich in Bremas Schoß bewähren
Bis zu dem fernesten Geschlecht!“

Wenn die Bremer ihr Wappen gerne als Schlüssel zur Welt sehen, kommt er doch ganz woanders her. Es ist, wenn man so will, der Himmelsschlüssel. Der Schlüssel ist in der Kunstgeschichte das Attribut des Apostels Petrus, des Schutzpatrons des Erzbistums Bremen (das gleich zwei Schlüssel in seinem Wappen führte) und des Petri Doms. 1366  taucht der Schlüssel zum erstenmal auf einem Bremer Siegel auf.

Für die endgültige Gestaltung der Kopfzeile der Zeit mit der eleganten Schrift 'mit Seele' (der weißen Innenlinie) zeichnet Carl Otto Czeschka verantwortlich, den Wiener Maler hatte Alfred Lichtwark 1907 nach Hamburg gelockt. Eines der Kunstwerke von Czeschka ist das riesige fünfteilige Fenster in der Hochschule für Bildende Künste Lerchenfeld aus dem Jahre 1913, das den Titel Die Schönheit als Botschaft hat. Das Kunstwerk ist das Thema dieses Buches, und daran hängt eine kleine traurige Geschichte, die schon in dem ausführlichen Post Carl Otto Czeschka steht. Die Betty hatte gerade ihre Examensarbeit über Die Schönheit als Botschaft fertig, da ist sie plötzlich gestorben. Gerade mal dreißig Jahre alt. Aber ihr Professor, der Kunsthistoriker Adrian von Buttlar, hat Geld für den Druck aufgetrieben und einen Verlag gefunden, er wollte, dass die Arbeit seiner Studentin als Andenken an sie als Buch erscheint. Das hat mich damals sehr gerührt, so setzt sich nicht jeder Professor für seine Studenten ein.

Was die Wappen betrifft, lesen Sie doch auch: Fette Henne und Bremen wes bedächtig

Mittwoch, 18. Februar 2026

muss nicht sein

Im nächsten Jahr soll es eine neue ✺Verfilmung von Wuthering Heights geben, ich weiß nicht, ob das sein muss. Wenn man die Spielfilm- und TV-Versionen des Romans addiert, kommt man sicher auf mehr als zwanzig Titel (die ✺Monty Python Version nicht mitgezählt). Ich würde nichts davon empfehlen wollen, auch den Film von ✺1939 nicht, Emily Brontës Roman lebt von der Sprache. Der Roman wird in diesem Blog schon in dem Post Sturmeshöhe besprochen. Und in dem Post Wuthering Heights gibt es einiges über die Übersetzung, die Sie auf keinen Fall lesen sollten.

Das war im letzten Jahr der letzte Absatz in dem Post die vergessene Oper, inzwischen gibt es den Film seit einer Woche im deutschen Kino. Sie können ✺"Wuthering Heights" in einer schlechten Kopie hier sehen, wenn Sie wollen. Muss aber nicht sein. Weltliteratur als Groschenroman kann man auf der Filmkritik Seite lesen, wo auch oberflächlicher Edeltrash-Film steht. Die An- und Abführzeichen des Filmtitels hat die Regisseurin Emerald Fennell so gewollt, weil dies nur ihre Adaption sei. But the thing for me is that you can't adapt a book as dense and complicated and difficult as this book. Mit dem letzten Satz hat sie sicher Recht. Aber wenn man weiß, dass man den Roman nicht verfilmen kann, warum tut man es dann? Damit man ein paar BDSM Szenen filmen kann?

Manche Literaturverfilmungen gehen daneben. Zum Beispiel die des Romans Die Rote von Alfred Andersch. Die Pressekonferenz in Berlin nach der Premiere des Filmes ✺Die Rote war noch nicht zu Ende, da gab es schon einen Eklat. Andersch und Käutner beschimpften sich, Ruth Leuwerik fing an zu weinen. Alfred Andersch warf dem Regisseur Helmut Käutner vor, sich bei der Verfilmung nicht im geringsten an das Drehbuch gehalten zu haben, das er angefertigt hatte. Dem Schriftsteller wurde von Regisseur und Produzent entgegnet, man habe sein Drehbuch nicht benutzen können, weil es als Drehbuch völlig unbrauchbar gewesen sei. Käutner hat später zugegeben, dass alle Schuld an dem Misserfolg bei ihm gelegen habe. Und dass Ruth Leuwerik eine Fehlbesetzung für den Film war. Das stand hier vor Jahren in dem Post Drehbücher, in dem viel über Literaturverfilmungen gesagt wird.

Häufig ist es nicht die Schuld der Regisseure, sondern die Schuld der Studios und Geldgeber, die die Treue zum Text bei der Verfilmung verhindern. John Huston hat das bei der Verfilmung von Stephen Cranes ✺The Red Badge of Courage erfahren müssen. Lillian Ross hat ein ganzes Buch über die Dreharbeiten geschrieben. Hustons Moby-Dick war ein vergeblicher Versuch, aus einem unverfilmbaren Roman einen Film zu machen. Aber in seinem letzten Film ✺The Dead. da ist John Huston ganz nah an dem Text von James Joyce.

Literaturverfilmungen sind eine schwierige Sache, die Engländer können das offensichtlich besser, wenn wir an die vielen Jane Austen Filme, an A Dance to the Music of Time oder Brideshead Revisited denken. Franzosen können das auch Bertrand Tavernier hat das mit dem schönen Film ✺Un dimanche à la campagne und dem Film ✺Capitaine Conan gezeigt. Und Raoul Ruiz hat mit ✺Le temps retrouvé bewiesen, dass man Proust vielleicht doch ein wenig verfilmen kann. Wenn ich zu dem Thema ein Buch empfehlen darf, dann wäre das der Suhrkamp Band Literaturverfilmungen, der von Franz-Josef Albersmeier und Volker Roloff herausgegeben wurde. Wenn Sie mehr über Literaturverfilmungen lesen wollen, dann kann ich auf den Post The Go-Between verweisen. Es ist einer der wenigen Posts in diesem Blog, der vor vielen Jahren in einem Buch veröffentlicht worden war, ich würde ihn heute immer noch genau so schreiben.

Für manche Filme bietet es sich an, dass sie einen Erzähler im Off haben, was man wissenschaftlich extradiegetische Narration nennt. Bertrand Tavernier, der mit einer Drehbuchautorin verheiratet ist, macht davon in Un dimanche à la campagne überzeugend Gebrauch. Was ihm leicht fiel, da Pierre Bost, der Autor des Romans, eigentlich Drehbuchautor war, und der Roman Monsieur Ladmiral va bientôt mourir sich schon wie ein Drehbuch las. 

Schwieriger war es für Axel Corti, der bei der Verfilmung von Radetzkymarsch neben sich mehrere Drehbuchautoren hatte. Sich aber durchsetzen konnte, einen Erzähler im Off (Udo Samel) zu verwenden, das hält den Film (✺Teil 1 und ✺Teil 2) zusammen, der sonst auszuufern drohte. Vielleicht mehr als die wenig bekleideten Schauspielerinnen Charlotte Rampling, Elena Sofia Ricci und Julia Stemberger.

Den Erzähler im Off kann die englische Regisseurin Emerald Fennell nicht verwenden, da die Erzählsituation des Romans zu kompliziert ist. Sie könnte ihn verwenden, da sie nur den halben Roman verfilmt. Fennell war nicht nur die Regisseurin für "Wuthering Heights", sie war auch Co-Produzentin und Autorin des Drehbuchs. Die Kritikerin Therese Lacson fragt sich, ob Fennell Emily Brontës Roman wirklich gelesen hat: Fennell has made no bones about how her 'interpretation' of Brontë's novel is based on her feelings for the book after reading it at 14. However, after cutting away nearly all the story's characters and only adapting about half of the book, I have to wonder if Fennell has ever actually read the novel she's based her passion project on. Because if you strip this movie of its title and change the characters' names, this isn't anything close to Brontë's story. 

Mit der Einsamkeit der Heide in Yorkshire im Jahre 1800 hat der Film wenig zu tun. Das, was die Schauspielerin Margot Robbie im Film (im Absatz oben) trägt, hat mit der Kleidung von 1800 nichts zu tun. Klamotten aus Latex gab es damals noch nicht. Irgendwie erinnert das Kleid an die Wuthering Heights Oper in Braunschweig vor zehn Jahren. Da sah Catherine Earnshaw ähnlich aus, wie man auf diesem Bild sehen kann.

Das Pfarrhaus von Haworth, in dem die Brontë Schwestern aufwachsen, liegt eine Viertelstunde Autofahrt von Saltaire entfernt, wo Sir Titus Salt die größte Fabrik Englands für alle Arten von Baumwollstoffen hat. Die Brontës werden, wie alle Frauen in der Zeit, Baumwollkleider getragen haben. Vielleicht auch einmal eins aus dem glänzenden Alpakavlies, auf das Sir Titus so stolz war. Aber Latex bestimmt nicht. Dass das Pfarrhaus heute noch so gut erhalten ist, verdankt die Nation Sir James Roberts, der 1892 die Firma von Titus Salt übernommen hatte. Der Mann aus Haworth, der Charlotte Brontë noch gekannt hatte, hatte das heruntergekommene Pfarrhaus gekauft und es 1928 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, dafür sollte man ihm dankbar sein. Emerald Fennell muss man für nichts dankbar sein.

Sonntag, 15. Februar 2026

Florinda Bolkan

Die brasilianische Schauspielerin Florinda Bolkan wird heute fünfundachtzig, da muss ich gratulieren. Sie ist inzwischen vielleicht ein wenig in Vergessenheit geraten, aber in den siebziger Jahren da gehörte die italienische Filmwelt ihr. Zuerst tauchte sie mit solchen Photos in →Magazinen auf, aber dann kriegte sich auch richtige Rollen im Film. Und bekam dreimal den David di Donatello als beste Schauspielerin. Der Film ✺Indagine su un cittadino al di sopra di ogni sospetto, in dem sie mitspielte (nackt in der Badewanne und später umgebracht) bekam einen Oscar als bester fremdsprachiger Film. Wenn Sie Florinda Bolkan kennenlernen wollen, dann schauen Sie sich doch mal eben diesen kurzen ✺Film an, dann kennen Sie sie. Sie singt da übrigens selbst. 

Wenn man zwischen den schönsten Männern der siebziger Jahre steht, dann hat man es geschafft. Auch wenn der Film (✺The Last Valley) ein furchtbarer Historienschinken war. 1968 war sie (wie auch Ringo Starr) in der erotischen Fantasykomödie ✺Candy zu sehen gewesen, ein Jahr später spielte sie in ✺Metti, una sera a cena (mit der Musik von Ennio Moricone) die Ehefrau von Jean-Louis Trintignant. Mit dem wird sie noch zweimal vor der Kamera stehen, 1969 in ✺Le voleur de crime und 1974 in Le mouton enragé.

Wirklich berühmt wurde die Stewardess der brasilianischen Fluggesellschaft Varig, die eigentlich mit der Schauspielerei nichts am Hut hatte, weil Luchino Visconti für sein Nazi Epos Die Verdammten (✺La caduta degli dei) haben wollte. Aber Florinda Soares Bulcão sah nun mal gut aus und sprach mehrere Fremdsprachen, da bietet sich ein Job als Filmstar an. Sie blieb in Italien. La caduta degli dei ist ein Film, den ich wirklich nicht mag. Irgendwie wirkt Florinda Bolkan als Geliebte von Helmut Berger in dem opulenten Ausstattungsfilm wie ein hübsches Möbelstück

Ihre besten Filme werden noch kommen. Sie schrieb Visconti nach den Dreharbeiten einen rührenden Brief: Wie schön es ist, danke zu sagen. Viele haben es verlernt, sich zu bedanken. Sie reden sich ein: Die Zeit ist knapp geworden und nüchtern. Sie machen nur noch ihre Pflicht. Gefühle gehören nicht dazu. Dabei wissen wir doch alle, wie wichtig ein Wort des Dankes und der Anerkennung ist. So stand es auf jeden Fall in der Münchner illustrierte Presse. In München kannte man Florinda Bolkan, weil ihre Halbschwester, das Model Sônia Ribeiro, 1972 Willy Bogner geheiratet hatte.

Sie war Visconti ewig dankbar, dass er ihr den Rücken gestärkt und ihr die Tür zur großen Welt geöffnet hatte: Passai in pochi mesi dalle notti folli nei locali trasgressivi della Roma dei primi anni ’70 – dove tutti mi corteggiavano e mi volevano – a cenare con Elsa Morante, Toscanini, Maria Callas. Luchino mi voleva bene come un padre ed io gli volevo bene come una figlia. Mi ha aperto lo sguardo sul mondo. Es war auch die Welt der Mode, die sich auf sie stürzte. Als Valentino seine erste Boutique in New York eröffnete, stand sie an seiner Seite.

Florinda Bolkan hat mehr als fünfzig Filme gedreht, vieles braucht man wirklich nicht zu sehen, Allein gegen die Mafia ganz bestimmt nicht. Und diesen Trash wie ✺A Lizard In A Woman's Skin (1971) oder Nonnen bis aufs Blut gequält (✺Flavia, la monaca musulmana (1974) auch nicht. Sie drehte zu viele Filme mit dem italienischen Meister des Horrorfilms Lucio Fulci. Aber zwischen vielem Zelluloidschrott gab es immer wieder kleine Perlen.

Wie zum Beispiel der Film von Vittorio De Sica ✺Una breve vacanza (1973), in dem sie eine an TBC erkrankte Fabrikarbeiterin spielt, die zur Kur geschickt wird. Es ist ein stiller Film, in dem sie einmal zeigen kann, dass sie eine wirklich gute Schauspielerin ist. De Sica sagte ihr, als sie die Rolle bekam: I chose you because your eyes have known hunger. Sie hat ihm geantwortet: Those born in Ceará bring within themselves a strong and hard share of the real thing. Die Los Angeles Film Critics Association gab ihr für den Film verdientermaßen den Best Actress Preis.

Ein Jahr später war Florinda Bolkan in einem ganz anderen Film, der Das wilde Schaf (✺Le mouton enragé) hieß. Vielleicht spielte Romy Schneider da die Hauptrolle, aber man guckt den Film nur wegen der Nebenrollen. Wegen Jane Birkin und Florinda Bolkan. Und natürlich wegen Jean-Louis Trintignant. Der wirkt neben Florinda immer ziemlich klein. Das liegt daran, dass sie einen Meter fünfundsiebzig ist, und Trintignant eben viel kleiner ist, auch wenn das Internet behauptet, er sei 1,72 groß. In dieser Szene ist Florinda noch bekleidet, aber das bleibt nicht so, wie wir im nächsten Photo sehen können.

Ohnehin wird in dieser bösen Satire viel nackte Haut gezeigt: Schließlich geht es um Sex, Geld und Erfolg. Um diese Ingredienzen einer dekadenten Gesellschaft entspinnt sich eine herrlich bissige Geschichte, wie sie vielleicht nur das französische Kino der frühen Siebziger Jahre hervorbringen konnte, schreibt Dr Robert Lorenz auf seiner Seite. Das ist das Mindeste, was man über diesen wunderbaren kleinen Film von Michel Deville sagen kann.

Sie wird heute an ihrem Geburtstag wahrscheinlich nicht auf den Kissen mit ihrem Photo sitzen, wie hier im Jahre 1983, aber es geht ihr nicht schlecht, sie bewohnt eine Villa in einem Landgut. Wenn man überall lesen kann, dass Visconti sie entdeckt hat, dann ist das nur die halbe Wahrheit. Wahrscheinlich hat die Filmproduzentin Contessa Marina Cicogna, die die The New York Times einmal the most powerful woman in European cinema nannte, diese Entdeckung herbeigeführt. Mit ihr lebte Bolkan von 1967 bis 1982 zusammen. Die Trennung verlief im Streit, die Contessa war ihr zu autoritär und dominant geworden: Sento un grande dispiacere per una persona nei confronti della quale provo gratitudine, insieme al cinema abbiamo fatto un cammino cinematografico importante.

Florinda Bolkans neue Lebensgefährtin Anna Chigi ist eine Prinzessin, obgleich sie nichts auf diesen Titel gibt. Die beiden Frauen bewirtschaften ein Landgut in Bracciano, mit Pferdezucht und Gasthaus. Florinda kocht selbst. Alles dazu können Sie Florinda Bolkans Homepage entnehmen. Da gibt es auch eine Seite, mit der Sie ihr Geburtstagsgrüße schicken können. Mein Happy Birthday geht mit diesem Post in die Welt.