Montag, 17. Mai 2021
Damenroman
Samstag, 15. Mai 2021
zwei Napoleons
Es geschieht nicht so häufig, dass der Maler und der Gemalte Napoleon heißen. Aber hier ist das der Fall. Zwei Bayern treffen aufeinander, und beide haben das Napoleon in ihrem Namen. Der Maler heißt Franz Napoleon Heigel und wurde am 15. Mai 1813 in Paris geboren. Er war der Sohn des Münchener Miniaturmalers Joseph Heigel, der von 1806 bis 1819 in Paris lebte und eine Pariserin (mit dem schönen Namen Joséphine Catherine Hypolythe Rabelot) geheiratet hatte. Joseph Heigel verehrte Napoleon, den er 1806 portraitierte (das Bild ist leider nicht mehr auffindbar), und so bekam sein Sohn den Vornamen Napoleon mit auf den Lebensweg. Der Sohn wird bayerischer Hofmaler werden, aber immer wieder in seine Geburtsstadt Paris zurückkehren.
Dienstag, 11. Mai 2021
Hamilton
Seine besten Bilder malte der Maler Ralph Earl im Gefängnis in New York. Wie dies hier von Colonel Richard Varick, der im Revolutionskrieg Washingtons Privatsekretär war. Historiker haben ihn als The Forgotten Founding Father bezeichnet. Die blaue Ordensschleife weist ihn als Mitglied der Society of the Cincinnati, einer Ordensgemeinschaft, zu deren Gründern er gehört. Richard Varick hat die Uniform des Unabhängigkeitskriegs für das Portrait noch einmal angezogen, der Armee gehört der Colonel nicht mehr an. Er hat jetzt das Amt des Recorder of New York City und wird danach für elf Jahre Bürgermeister von New York sein. In seiner Eigenschaft als Amtsperson hat Varick den Maler Ralph Earl (der heute vor 270 Jahren geboren wurde) wegen seiner Schulden ins Gefängnis gebracht, jetzt bestellt er ein Bild bei ihm. Nicht, weil er das billiger kriegt, nein, er will Ralph Earl helfen, dass der seine Schulden durch den Verkauf von Portraits bezahlen kann.
Freitag, 7. Mai 2021
Blaustrümpfe
Sie wissen, was ein Blaustrumpf ist. Das Lehnwort kommt aus dem Englischen; kommt aus dem 18. Jahrhundert, als die Lady Elizabeth Montagu einen Salon hatte, der irgendwann die Blue Stockings Society heißen wird. Das Wort bluestocking bezeichnete zuerst lediglich eine gebildete, gelehrte Person (männlich und weiblich), seit 1788 (das sagt uns das Oxford English Dictionary) wird das Wort nur noch spöttisch und pejorativ gebraucht. Also zum Beispiel, wenn William Hazlitt sagt: The bluestocking is the most odious character in society... she sinks wherever she is placed, like the yolk of an egg, to the bottom, and carries the filth with her. Aber Hazlitt, so klug er manchmal sein kann, hat immer Probleme mit den Frauen, den lassen wir jetzt mal weg. Wir müssen allerdings bedenken, dass der erste Blaustrumpf gar nicht die berühmte Lady Montagu ist, die Dr Johnson the Queen of the Blues genannt hat, der erste Blaustrumpf ist ein Mann.
Mittwoch, 5. Mai 2021
Napoleon
Können wir die Klappe da mal aufmachen? fragte der Mann. Ich sagte: Besser nicht. - Warum soll ich die nicht aufmachen? - Weil Sie dann ganz weiß sein werden, sagte ich, darunter ist die Feuerlöschanlage des Panzers, die reagiert sofort, wenn man an der Klappe rumfummelt. Ich fügte noch ein très dangereux hinzu. Er sprach eigentlich gut Deutsch, aber das très dangereux gab den Ausschlag. Der Mann ließ die Klappe zu. Er war vom Zoll und kontrollierte unsere Panzer, bevor wir sie auf die Eisenbahnwaggons verluden. Es war kalt, es hatte hier oben in achthundert Meter Höhe gerade angefangen zu schneien. Wir waren auf dem Truppenübungsplatz La Courtine im französischen Zentralmassiv (darüber können Sie ⇾hier mehr lesen). Für die Dauer des Manövers waren wir Zollausland gewesen, jetzt waren wir auf dem Weg nach Deutschland. Und deshalb kontrollierte uns der Mann vom Zoll. Die 150.000 Kilo Munition und 570.000 Liter Treibstoff, die wir mitgebracht hatten, waren verbraucht. Ich musste einen Packen Dokumente unterschreiben, auf denen stand, dass wir keine zollpflichtigen Waren mit uns führten. Das tat ich ohne zu zögern. Überreichte dem Zollbeamten die Dokumente und sagte: Monsieur. Er führte die Hand an die Mütze und sagte: Merci. Und Bon voyage. Wahrscheinlich wusste er genau wie ich, dass unsere Panzer voller Schmuggelware waren.
Man hätte die Klappe hinten im Panzer öffnen können, die Feuerlöschanlage wäre nicht in Aktion getreten. Dazu hätte man noch innen auf einen dicken Knopf drücken müssen. Hätten wir die Klappe geöffnet, dann hätte der französische Zollbeamte eine schön verpackte Flasche Cognac gefunden: Cognac Napoléon. Die hatte ich zollfrei erstanden, ich wollte sie meinen Eltern mitbringen, die mich länger als ein Vierteljahr nicht gesehen hatten. Bei uns zuhause stand immer eine Flasche Hennessy. Genau genommen gab es zwei Flaschen Hennessy im Haus. Eine hielt mein Vater verschlossen, die war für die Gäste. Aus der offen im Wohnzimmer herumstehenden Flasche bediente sich unsere Putzfrau, meine Mutter füllte die immer mit Wasser nach. Ich verstehe nichts von Cognacs, aber ich dachte mir damals, dass ein Cognac der Napoléon heißt, nicht schlecht sein könnte. Ich weiß nicht, wie gut er wirklich war.
Heute vor zweihundert Jahren ist Napoleon auf St Helena gestorben, ich bin mir nicht sicher, ob das ein Tag zum Feiern ist. Die Firma Montblanc hat einen Füllfederhalter mit dem Namen Napoleon Bonaparte herausgebracht, kostet 2.900 Euro. Braucht man so etwas? Napoleon war niemals mein Held, ich gehörte niemals zu seinen Bewunderern. William Hazlitt und Heinrich Heine haben ihn bewundert, ich weiß nicht so recht weshalb. Ich will gerne gestehen, daß mir in meinem Leben nichts Höheres und Erfreulicheres begegnen konnte, als vor dem französischen Kaiser und zwar auf eine solche Weise zu stehen, hat Goethe an seinen Verleger Cotta geschrieben, nachdem er Napoleon gesehen hatte. Schon Goethes Zeitgenossen haben darüber den Kopf geschüttelt.
Die geschmuggelte Flasche Cognac Napoléon bleibt heute das einzige, das ich zum Thema Napoleon zu sagen habe. Aber ich habe mir die Mühe gemacht, alles aus meinem Blog herauszusuchen, was mit Napoleon zu tun hat. Von den Schweizergarden, die an der Beresina das ✺Beresinalied singen, bis zu dem pechschwarzen Schiff, mit dem sein Leichnam von St Helena abgeholt wird. Wenn ich all die Posts zu Napoleon zusammenkleben würde, dann hätte ich schon ein Napoleon Buch fertig. Das wäre wahrscheinlich besser als die Studienarbeit von Maxi Mustermann, die bei ebay für 2,01€ angeboten wird. Mein Lieblingsbuch bleibt Napoleon and His Marshals von A.G. Macdonell. Wenn Sie Napoleon in aller Kürze kennenlernen wollen, dann geht nichts über das kleine Buch von Karin Schneider-Ferber, das bei Könemann im Jahre 2000 in der Reihe minigeschichtsführer erschienen war, 95 Seiten, mehr als 150 Abbildungen. Kann man antiquarisch noch finden.
Wenn Sie in der nächsten Woche nichts zu tun haben, dann lesen Sie hier die Posts: Vor dem Sturm, Beresina, Beresina 1812, Ney, Caulaincourt, Sir Archibald Alison, Der Robespierre von Hamburg, Waterloo, Waterloo, La Belle-Alliance, Elba, Briefe, Thomas Laurences Blücher, 18. Oktober 1813, The rockets' red glare: Leipzig 1813, Die Brücke von Arcole, Regenschirme, Ney, Captain Gronow, Stendhal, Luxuskutschen, John Keegan, Sigrid Combüchen, Laon 1814, St Helena, Apotheose, Joachim Murat, Jean-Baptiste Klébert, Sir Sidney Smith, Fenstersturz, Marschälle, Kutusow, Invasion, Finckenstein, Heeresreform, Tettenborn, Bennigsen, Bourrienne, Lord Byron, A.G. Macdonell, Krieg und Frieden, William Hazlitt, Vaterländisches Gedicht, Henri Beyle, Invasion, schönes Huhn, Haiti
Dienstag, 4. Mai 2021
Die schöne Magelone
Der Poetry Month ist vorbei, aber Gedichte bleiben. Die Leser sind auch alle geblieben, das war vor elf Jahren noch anders. Beinahe 45.000 Leser hatte ich im April, es gab viel zu entdecken. Mein Lieblingsgedicht war Robert Penn Warrens True Love, aber das war nicht das Lieblingsgedicht der Leser. Die lasen in großen Zahlen Horrorfilm, ein Gedicht, bei dem kein Verfasser erwähnt wurde. Sie haben aber wohl alle geahnt, dass ich der Verfasser war. Allerdings kam Horrorfilm nur auf Platz zwei, der Sieger in der Leserstatistik war zu meiner großen Überraschung der Post über die Barockliteratur.
Vor hundert Jahren suchte ich die schöne Magelone.
Sie liebte mich, ich war ihr gut genug.
Vor hundert Jahren, als mein Fuß mich schwebend trug.
Ich bin in Solothurn. Frag ich, ob sie hier wohne?
Die weiße Kathedrale fleht den Sommerhimmel an.
Die Wasser rauschen, Eichendorff zum Dank.
Hotel de la Couronne. Mit goldnen Gittern schweifen die Balkone.
Adieu! Dein Reiseschal des Windes Fang.
Die Brunnen rauschen. Ihre Stimme spricht
Sonntag, 2. Mai 2021
Marschendichter
Die Herren hier befinden sich auf einem Pilgerzug ins Land der Kunst, das Photo aus dem Jahre 1895 hat auch den Namen Gänseblümchenparade. Offenbar muss man ein Gänseblümchen in der Hand halten, um die Kunst zu entdecken. Die Herren, die hier dem Marschendichter Hermann Allmers folgen, sind beinahe alle Künstler. Von links sind das die Maler ⇾Heinrich Vogeler und ⇾Fritz Overbeck, dann folgen Hans Müller-Brauel (ein Archäologe und Heimatforscher) und die Maler ⇾Fritz Mackensen und Otto Modersohn. Halb ⇾Worpswede hat sich hier bei Allmers versammelt. Er war, so schreibt ein Biograph, ein Genie der Freundschaft, dem die Herzen zuflogen und der sich überallhin verschenkte und verschwendete. Er fördert finanziell auch die Herren mit den Gänseblümchen, er ist ein reicher Mann.
Karl Rudolf Brommy ruht in diesem Grabe
Der ersten deutschen Flotte Admiral
Gedenkt des Wackren und gedenkt der Tage,
An schöner Hoffnung reich und bittrer Täuschung,








































